Interview mit einem Vampir ist ein 1994 erschienenes Horrordrama von Regisseur Neil Jordan mit Brad Pitt und Tom Cruise in den Hauptrollen. Der Film handelt von dem Untoten Louis, der sich sein Gewissen über den Tod hinaus bewahrt hat. Er beruht auf dem Roman Interview with the Vampire (dt. Titel u. a. Gespräch mit einem Vampir) von Anne Rice aus dem Jahr 1976. Anne Rice verfasste auch die erste Drehbuchversion, die danach von Neil Jordan überarbeitet wurde. Der Film wurde mit einem Budget von 50 Millionen Dollar produziert und spielte 223 Millionen Dollar ein.Interview with the vampire auf boxofficemojo.com (englisch) In Deutschland sahen ihn 1,6 Mio. Besucher im Kino.Interview mit einem Vampir auf filmstars.de
Handlung In einem Hotelzimmer im San Francisco der Gegenwart berichtet der Vampir Louis de Pointe du Lac dem Reporter Daniel Malloy von seinem Leben in den verschiedenen Jahrhunderten und dieser nimmt die Erzählung auf Kassetten auf. Sie bildet den eigentlichen Inhalt des Films. Louis beginnt seine Erzählung im Jahr 1791, wo er als 24-Jähriger in New Orleans als Plantagenbesitzer lebt. Nach dem Tod seiner Frau und seines Kindes war er lange Zeit lebensmüde. Nach einem ausschweifenden Leben wird der Vampir Lestat de Lioncourt auf ihn aufmerksam. Dieser fällt Louis an, als dieser überfallen werden soll. Er tötet den Räuber und eine Prostituierte. Lestat unterbreitet Louis das Angebot, ebenfalls unsterblich zu werden. Da Louis Angst vor dem Tod hat, geht er auf das Angebot ein, trinkt von Lestats Blut und wird zum Vampir. Beide Vampire wohnen nun als Menschen getarnt auf Louis’ Anwesen. Lestat tötet Abend für Abend in der Siedlung der Sklaven Menschen. Die Sklaven haben Angst vor beiden und glauben, Louis und sein Begleiter seien vom Teufel besessen. Schließlich kommt es zu einem Aufstand der Sklaven. Um seinen Seelenfrieden wieder zu finden, zündet Louis sein Haus an, um darin zu verbrennen, doch wird er von Lestat gerettet und beide beziehen in New Orleans ein Apartment. Während Lestat sein Leben als Vampir in vollen Zügen genießt, wird Louis immer unglücklicher. Es entstehen Differenzen zwischen den beiden, da Louis im Gegensatz zum sadistisch geprägten Lestat Mitleid mit seinen Opfern empfindet.
Er weigert sich, Menschen zu töten, und ernährt sich nur noch von Tieren. Seine Einstellung ändert sich, als er der Waise Claudia begegnet, die Tage zuvor ihre Mutter durch die Pest in Louisiana verlor. Er fühlt ihren Herzschlag, kann dem Verlangen nach ihrem Blut nicht widerstehen und beißt sie. Vor Scham, das Mädchen getötet zu haben, flüchtet Louis. Doch Lestat, der Louis heimlich gefolgt ist, macht Claudia zum Vampir, um Louis damit an sich zu binden. Da Lestat das Mädchen in die Welt der Vampire einführt, haben sie anfangs ein inniges Verhältnis. Claudia ist eine gelehrige Schülerin und genießt die Macht über Leben und Tod. Im Laufe der nächsten 30 Jahre reift Claudia innerlich, bleibt jedoch im Körper einer Zehnjährigen gefangen. Sie hasst Lestat dafür, dass er ihr das angetan hat, und sinnt auf Rache. Nach einem Streit überredet sie Louis, gemeinsam mit ihr Lestat zu verlassen und Lestat zu töten, da er sie sonst immer wieder aufspüren könnte. Claudia lockt zwei Kinder in ihre Wohnung und tötet sie mit Laudanum, was ihr Blut warm wie das der Lebenden hält. Sie bietet Lestat die Kinder als Versöhnungsgeschenk an. Das mit Laudanum versetzte „tote“ Blut lähmt diesen und Claudia schneidet ihm die Kehle durch. Louis versenkt Lestats ausgebluteten leblosen Körper im Sumpf.
Er und Claudia beginnen, ein unauffälliges Leben zu führen, doch nach einiger Zeit taucht Lestat auf, um die beiden zu töten. Dieser hat den Mordanschlag überlebt und sich im Sumpf vom Blut anderer Tiere gestärkt. Louis wirft eine Petroleum-Lampe nach Lestat, der in Flammen aufgeht. Das Feuer greift auf das Haus über und schließlich brennt das ganze Stadtviertel. Aus Angst, dass Lestat erneut überlebt haben könnte, ziehen Louis und Claudia nach Europa und machen sich auf die Suche nach anderen Vampiren. In Paris begegnet Louis 1870 dem Vampir Santiago, dem Mitglied einer Theatergruppe von Vampiren, die für Zuschauer so tut, als seien sie Menschen, die Vampire spielen. Schließlich taucht der charismatische Vampir Armand auf und lädt Louis und Claudia ein, sich eine Vorstellung anzusehen. Claudia bemerkt, dass die vampirischen Schauspieler der Dekadenz verfallen – mit Ausnahme Armand. Sie sieht in ihm einen Konkurrenten, der ihre Beziehung zu Louis gefährdet. Claudia und Louis schlägt vonseiten der anderen Vampire Hass entgegen. Louis bemerkt, dass Santiago dafür verantwortlich ist. Louis sieht in Armand den Anführer der Pariser Vampire und will alles über die Geschichte der Vampire wissen. Armand erzählt Louis, dass er mit über 400 Jahren der älteste noch lebende Vampir sei. Santiago erwähnt, dass es unter Vampiren nur ein Verbrechen gäbe, worauf die Todesstrafe stünde: Die Ermordung eines Vampirs.
Armand kann Gedanken zu lesen und warnt Louis, die anderen Vampire würden in ihnen Vampirmörder sehen. Er selbst kenne Lestat und bedauere dessen Tod nicht, aber wenn Louis Claudia retten wolle, dann müssten beide Paris sofort verlassen. Claudia befürchtet, dass sich Louis von ihr abwenden und sich Armand anschließen wird, und geht auf die Suche nach einer neuen Gefährtin. So lernt sie eines Abends Madeleine kennen. Deren Tochter war kurz zuvor verstorben und die Frau bot sich freiwillig an, Claudia in die Welt der Untoten zu folgen. Claudia bittet Louis, Madeleine mit seinem Blut ebenfalls zu einem Vampir zu machen, da sie selbst wegen ihres kindlichen Körpers dafür zu schwach sei. Auch Madeleine stimmt diesem Wunsch ausdrücklich zu. Kurz nach Madeleines Verwandlung tauchen die Theatervampire – ohne Armand – auf und verschleppen die in den Keller des Theaters. Santiago und seine Freunde sperren Louis in einen Sarg mauern ihn im Keller ein. Madeleine und Claudia werden in einen nach oben offenen Schacht eingesperrt, in dem sie am nächsten Sonnenaufgang qualvoll verbrennen. Am Abend kehrt Armand ins Theater zurück und befreit Louis. Als dieser die verkohlten Leichen der beiden Frauen sieht, beschließt er Rache zu nehmen. Er zündet in der Morgendämmerung das Theater an und setzt die Vampire, die noch in ihren Särgen liegen, in Brand. Santiago kann den Flammen entkommen, wird jedoch von Louis mit einer Sense getötet. Armand hat Louis’ Rache vorhergesehen und war dem Theater ferngeblieben.
Mit einer Kutsche holt er Louis rechtzeitig vor Tagesanbruch vor dem brennenden Theater ab und bringt ihn an einen sicheren Ort, wo er Louis bittet, sein neuer Gefährte zu werden. Louis lehnt ab und unterstellt Armand, dieser sei genauso dekadent wie die verbrannten Vampire. Louis kehrt Europa den Rücken und geht nach Amerika zurück. Er hält sich fortan von anderen Vampiren fern. Als der Kinofilm erfunden wird, erlebt Louis seinen ersten Sonnenaufgang nach Jahrhunderten. Er integriert sich immer mehr in die Moderne und erfreut sich ihrer Errungenschaften. Louis kehrt schließlich 1988 nach New Orleans zurück, wo er einst als Mensch gelebt hat, bevor er verwandelt wurde. In einer Ruine bemerkt er einen Leichengeruch und trifft auf den tot geglaubten Lestat. Lestat ist mit dem 20. Jahrhundert völlig überfordert und hält sich deswegen in der Ruine versteckt. Lestat bittet Louis, ihm dabei zu helfen, wieder der „alte“ Lestat zu werden. Doch dieser lehnt ab und überlässt seinen alten Lehrmeister seinem Schicksal. Wieder in der Gegenwart angekommen beendet Louis seine Lebensgeschichte mit den Worten, er fühle sich leer und ausgebrannt. Für den Reporter Daniel ein völlig falsches Ende. Er fordert Louis auf, ihn ebenfalls zu einem Vampir zu machen. Wütend darüber, dass er aus Louis’ Geschichte nichts gelernt habe, würgt er ihn fast bis zur Bewusstlosigkeit und verschwindet. Voller Angst bricht auch Daniel auf und fährt mit seinem roten Ford Mustang Cabrio aus der Siedlung. Während der Autofahrt hört er sich die Kassetten mit dem aufgenommenen Interview an. Plötzlich taucht Lestat auf der Rückbank auf, beißt Daniel in den Hals und trinkt dessen Blut. Daniel fällt in eine Art Ohnmacht. Lestat stoppt die Kassette, übernimmt lachend das Steuer des Wagens und beide fahren über die Autobahn aus der Stadt hinaus.
Besetzung und Synchronisation Die deutsche Synchronisation entstand im Auftrag der Film- & Fernseh-Synchron in München, für die Dialogregie und das deutsche Dialogbuch war Michael Brennicke verantwortlich.
Rolle Schauspieler Deutscher Sprecher Louis de Pointe du Lac Brad Pitt Axel Malzacher Lestat de Lioncourt Tom Cruise Stephan Schwartz Daniel Malloy Christian Slater Jan Odle Claudia Kirsten Dunst Laura Maire Armand Antonio Banderas Torsten Münchow Santiago Stephen Rea Martin Umbach Yvette Thandie Newton Irina Wanka Das nackte Mädchen, als Opfer im Pariser Vampirtheater Laure Marsac Katrin Fröhlich Madeleine (Die „neue“ Gefährtin von Claudia) Domiziana Giordano Kathrin Simon
Symbolik Blut hat laut Anne Rice mehrere symbolische Bedeutungen: Es steht für den Prozess der Regeneration (Vampire brauchen Blut, um sich zu erhalten), aber auch für ein Opfer und den Tod (das Opfer stirbt, um die Vampire weiterexistieren zu lassen). Zudem gleicht der Rausch, den ein Vampir beim Trinken empfindet, einem sexuellen Orgasmus.
Das Feuer steht ebenso für Zerstörung wie für Übergang und Veränderung. Im Film brennt Louis drei Gebäude nieder, die wiederum symbolisch für das „Alte“ und nicht mehr Tragbare stehen: für seine Scheinexistenz als Mensch auf seiner Plantage, für die konfliktreiche Zeit mit Lestat und für das dekadente Theater der Vampire.
Wissenswertes Der Film spielt stellenweise in Paris im September des Jahres 1870; dabei wurde nicht beachtet, dass die Stadt seit dem 19. September 1870 von deutsch-preußischen Truppen belagert wurde. Die Rolle des Daniel Malloy war ursprünglich für den aufstrebenden Jungschauspieler River Phoenix vorgesehen. Als dieser am 31. Oktober 1993 überraschenderweise starb, übernahm Christian Slater die Rolle des Reporters und spendete seine Gage an Organisationen, denen Rivers Interesse gegolten hätte. Der Abspann des Films widmet ihn „In Memory of River Phoenix“. Der Name des Reporters wird im Film und der Romanvorlage nicht erwähnt. Erst im dritten Band der Vampir-Chronik Queen of the Damned, dt. Die Königin der Verdammten, gibt ihm Rice den Namen Daniel Malloy, im Filmabspann wird dieser Name angegeben. Da die Rolle der im Buch erst 5-jährigen Claudia für ein Kind sehr anspruchsvoll ist, entschied Geffen in Absprache mit Anne Rice, Claudia älter zu machen (ca. 10 Jahre) und die Rolle mit einer erfahrenen Kinderdarstellerin zu besetzen: Die für diese Rolle ausgesuchte Kirsten Dunst war bei den Dreharbeiten 11 Jahre alt. Die Vampire werden im Film anders dargestellt als in vielen älteren und neuen Filmen: So ist im Film mehrmals klar ersichtlich, dass die gezeigten Vampire ein Spiegelbild besitzen, während in anderen Produktionen, etwa Roman Polańskis Klassiker Tanz der Vampire oder in Van Helsing von Stephen Sommers, das fehlende Spiegelbild entscheidend zum Verlauf des Films beiträgt. Zudem behauptet Louis, Kruzifixe stellen für Vampire keine Gefahr dar, er möge sie sogar. Bei dem Stück, das Claudia bei einem strengen Klavierlehrer lernt und später einer reichen Familie vorspielt, handelt es sich um Antonio Solers Sonate für Klavier Nr. 90, Fis-Dur. Das Stück, das Lestat in verschiedenen Szenen des Films auf dem Klavier spielt, ist ein Auszug aus dem 2. Satz Adagio e cantabile der Sonate in Es-Dur, Hob. XVI:49 von Joseph Haydn. Die Filme, die Louis im Lauf der Jahre im Kino gesehen hat, sind u. a. Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922), Vom Winde verweht (1939), Superman (1978) und Tequila Sunrise (1988).