Kaarst ist eine linksrheinisch in der Region Niederrhein gelegene Stadt im Rhein-Kreis Neuss in Nordrhein-Westfalen. Die mittlere kreisangehörige Stadt hat Einwohner () und ist mit einer Fläche von 37,4 Quadratkilometern die flächenkleinste sowie nach der Kreisstadt Neuss die am dichtesten besiedelte Stadt des Kreises.

Geographie Nachbargemeinden Kaarst grenzt im Nordosten an die Stadt Meerbusch. Im Osten bilden die Bundesautobahnen A 57 und A 52 die Grenze zur Stadt Neuss, im Südosten verläuft die gemeinsame Grenze über landwirtschaftlich genutzte Flächen. Im Süden und Südwesten grenzen die Stadtteile Büttgen, Driesch und Vorst an die Nachbarstadt Korschenbroich. Westlich der Kaarster Seen und im weiteren Verlauf nordwestlich der A 52 findet sich die Grenze zur Stadt Willich im Kreis Viersen.

Stadtteile Kaarst gliedert sich in fünf Stadtteile (Einwohnerzahl zum 31. Dezember 2014) Kaarst (23.711) Büttgen (6.585) (Stand 15. Mai 2022: 6.590)Bevölkungszahlung Zensus 15. Mai 2022 gemäß citipopulation.de (abgerufen am 5. Juli 2025). Driesch (849) Holzbüttgen (5.944) Vorst (5.513)

Geschichte Frühe Zeit und Mittelalter In den Jahren 1958 und 1969 wurden bei Kaarst Kiesgruben zum Bau der A 52 und der A 57 ausgehoben. Dabei wurden 32 Gräber aus der Frankenzeit (6. bis 8. Jahrhundert n. Chr.) entdeckt.Johanna Brandt: Neue fränkische Gräber in Kaarst, Kr. Neuss. Archäologisches Korrespondenzblatt 8, 1978, S. 145–148Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1998, S. 315–322. In den Gräbern wurden Waffen, Schmuck und eine Goldmünze gefunden. Der heutige Stadtteil Büttgen wurde im Jahr 793 erstmals urkundlich mit seinem seinerzeitigen Namen Budica erwähnt. Durch Urkunden des 13. Jahrhunderts sind für Kaarst die Ortsnamen Carlsvorst, Karlsvorst und Karlessvorst (1218)Joseph Mooren: Urkunden, die Pfarre Willich betreffend. In: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere die alte Erzdiöcese Köln, 1. Jahrgang, Heft 1, Köln 1855, S. 109–112, insbesondere S. 111–112, Nr. II und Nr. III.Anton Joseph Binterim, Joseph Hubert Mooren: Die alte und neue Erzdiöcese Köln in Dekanate eingetheilt. Ein Beitrag zur Geographie, Statistik und Geschichte der Erzdiöcese Köln. Band 1: Erste Epoche. Mit einer Charte der Dekanate und Pfarreien, Mainz 1828, S. 217, Nr. 18. sowie Karlesforst (1236, 1237)Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins. Düsseldorf 1840–1858, Band II, S. 108, Nr. 207 (Digitalisat); vgl. ebd. 111 f., Nr. 216 (Digitalisat). überliefert, was auf ein hohes Alter hinweist.Hans Georg Kirchhoff: Geschichte der Stadt Kaarst. Kaarst 1987. Gegen 1214 war zu Karlesforst ein Nonnenkloster des Zisterzienserordens errichtet worden, das später – vor 1237 – nach Eppinghoven verlegt wurde.Joseph Mooren: Urkunden, die Pfarre Willich betreffend. In: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere die alte Erzdiöcese Köln, 1. Jahrgang, Heft 2, Köln 1855, S. 285–297, insbesondere S. 297. Die zugehörige Klosterkirche, die Weiße Kirche (alba ecclesia) genannt wurde und als solche auch auf Landkarten verzeichnet gewesen sein soll, lag zwischen Kaarst und Willich in der Nähe des späteren Guts Böckemeshof (Kaarst, Alte Heerstraße) und hatte bis ins 18. Jahrhundert überdauert, war aber vor Beginn der Franzosenzeit schon verschwunden.Paul Clemen (Hrsg.): Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Band 3: Die Kunstdenkmäler des Kreises Neuss. L. Schwann, Düsseldorf 1895, S. 25–27.

Die katholische Kirche in Kaarst ist ein romanisches Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert. Am Gemäuer der Kirche soll sich früher die Inschrift „1007“ befunden haben, was auf einen Vorgängerbau hindeuten könnte; zwar war um 1895 noch der Kirchturm aus dem 12. Jahrhundert vorhanden, doch die durch die Literatur überlieferte Inschrift „1146“ an dem alten südlichen Seitenschiff, die sich vermutlich auf das Baujahr bezog, war schon nicht mehr nachweisbar. Seit dem Mittelalter gehörte Kaarst zum kurkölnischen Amt Liedberg, war aber ein eigener Dingstuhl.

Neuzeit Im Jahr 1591 wurde in Büttgen Jan von Werth geboren, der im Dreißigjährigen Krieg als Reitergeneral Berühmtheit erlangte.

Im Jahre 1794 beendeten die französischen Revolutionstruppen die Zugehörigkeit Kaarsts zum Erzstift Köln. Kaarst wurde eine eigene Mairie im Département de la Roer. Ein Überbleibsel aus der Zeit der französischen Herrschaft ist der heutige Nordkanal, der 1806 gebaut wurde. Napoleon hatte dem Nordkanal eine große wirtschaftliche Bedeutung als Wasserstraße zwischen Maas und Rhein zugedacht. Nach dem Wiener Kongress 1815 kam Kaarst an das Königreich Preußen und 1822 an die Rheinprovinz. 1816 wurde aus der Mairie Kaarst die Bürgermeisterei bzw. Landgemeinde Kaarst mit den Dorfschaften Kaarst, Broicherseite, Brück, Heide, Hinterfeld und Neußerfurth gebildet.Johann Georg von Viebahn: Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirks Düsseldorf. J. H. C. Schreinger, 1836, S. 150 (Google Books). Sie gehörte dem Kreis Neuß im Regierungsbezirk Düsseldorf an.

Mit der Eröffnung der Bahnstrecke Neuss–Neersen im Jahre 1877 begann die Ansiedlung erster Gewerbebetriebe und kleinerer Fabriken, die den Einzug von gewerblichen Arbeitsplätzen in die bis dahin rein landwirtschaftlich geprägten Ortschaften mit sich brachte.

1913 verlor die Gemeinde Kaarst die Stadtteile Neußerfurth und Vogelsang an die Stadt Neuss. (PDF; 1,3 MB). 1929 kam Kaarst an den damaligen Landkreis Grevenbroich-Neuß.

1936 wurden die Gemeinden Kaarst und Büttgen erstmals zu einer Verwaltungseinheit zusammengefasst und deren Amtsverwaltung in das mit 4.400 Einwohnern größere Büttgen verlegt. Kaarst hatte damals erst 2.600 Einwohner. Die Verwaltungseinheit wurde 1947 wieder aufgelöst.

Im Zweiten Weltkrieg wurden erhebliche Teile von Holzbüttgen und Vorst zerstört. Die Gemeinden Büttgen und Kaarst blieben weitgehend verschont und konnten so nach dem Krieg mehr als 1.300 Flüchtlinge aufnehmen.

Am 1. Januar 1981 wurde Kaarst durch die Funktionalreform das Stadtrecht als mittlere kreisangehörige Stadt zugesprochen. Die Gemeinde hatte zu diesem Zeitpunkt 38.383 Einwohner.

Die früheren und bis 31. Dezember 1974 selbstständigen Gemeinden Kaarst und Büttgen einschließlich der ursprünglich zur Gemeinde Büttgen gehörenden Ortsteile Vorst, Holzbüttgen und Driesch sind im Stadtbild erkennbar als Stadtteile vorhanden. Seit 1995 nutzt die Stadtverwaltung Kaarst das zentrale Rathaus am Standort Kaarst-Mitte („Neue Mitte“) und das sogenannte Technische Rathaus in Büttgen.

Die im Stadtrat vertretenen Parteien unterhalten in Kaarst und Büttgen getrennte Ortsverbände.

Eingemeindungen Im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform wurde die Gemeinde Kaarst am 1. Januar 1975 mit der Gemeinde Büttgen, bestehend aus den Ortschaften Büttgen, Holzbüttgen, Vorst und Driesch, zur Großgemeinde Kaarst zusammengelegt, die bei ihrer Gründung rund 33.000 Einwohner hatte.

Ausgliederungen Am 1. Januar 1975 trat Kaarst ein Gebiet mit damals mehr als 1.500 Einwohnern an die Kreisstadt Neuss ab.

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren 37,4 % römisch-katholisch, 18,8 % (8.134) der Einwohner evangelisch und 43,8 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion).

Laut kirchlicher Statistik gab es Juni 2026 7.532 evangelische Kirchenmitglieder.Evangelische Gemeinde schließt zwei Kirchen-Standorte. In: rp-online.de.

Religiöse Gemeinschaften Römisch-Katholische Pfarrgemeinden Die vier Pfarrgemeinden gehören zum Dekanat Neuss/Kaarst im Erzbistum Köln und bilden zusammen den Seelsorgebereich Kaarst/Büttgen: St. Aldegundis Büttgen (alte und neue Kirche) St. Antonius Vorst (Pfarrkirche und Antoniuskapelle). In der Kirche befindet sich seit 2001 ein von Clemens Hillebrand gestaltetes Glasfenster. Sieben Schmerzen Mariens in Holzbüttgen St. Martinus Kaarst. Die im Jahr 1957 fertiggestellte „neue“ Pfarrkirche besitzt seit November 2008 eine Orgel der Firma Rieger mit mechanischer Traktur, 36 Registern und 3 Manualen. Alt St. Martinus Kaarst

Evangelische Gotteshäuser Die Evangelische Kirchengemeinde in Kaarst besitzt die folgenden Einrichtungen: Johanneskirche Büttgen Lukaskirche Holzbüttgen Auferstehungskirche Kaarst Katharina-von-Bora Haus Vorst

Politik Bürgermeisterin Zeitraum Bürgermeister 1813–1821 Mathias Pfeil 1821–1823 Michael Tillmans 1823 Johann Tillmans 1824–1830 Heinrich Amrath 1830–1851 Heinrich Huthmacher 1851 Robert Waeger 1851–1855 Jakob Kirschkamp 1855–1856 Karl Andreas Schmidt 1856–1858 Franz Aloys Bruno Schmitz 1858–1873 Josef Hanstein 1874–1883 Gustav Teitscheid 1883–1899 Albert Holz 1899–1904 Wiedenbrüg 1904–1928 Ferdinand Bergerfurth 1928–1933 Leo Klövekorn (Ehrenbürgermeister) 1933–1936 Wilhelm Haas (stellvertretender/kommissarischer Bürgermeister) 1936–1945 Anton Dederichs 1945 Hans Hoersch 1946 Andreas Gyo 1946–1961 Heinrich Hebben 1961–1966 Heinz Müllers 1966–19xx Heinrich Pillen 1968–1999 Heinz Klever (1928–2006) 1999–2015 Franz-Josef Moormann 2015–2020 Ulrike Nienhaus 2020–2025 Ursula Baumseit 2025Christian Horn-Heinemann

Bei der Kommunalwahl am 13. September 2015 wurde Ulrike Nienhaus (CDU) mit 54,84 % der gültigen Stimmen zur Bürgermeisterin gewählt. Sie folgte Franz-Josef Moormann (CDU), der das Amt seit 1999 innehatte. Als ihre Nachfolgerin wurde Ursula Baum (FDP) am 27. September 2020 in der Stichwahl mit 59,4 % gewählt. Ihr Gegenkandidat war Lars Christoph von der CDU. Beide platzierten sich am 13. September im 1. Wahlgang für die Stichwahl.

Stadtrat

Für den 2020 gewählten Stadtrat gewann die CDU 19 Direktmandate, die Grünen zwei Direktmandate und die FDP ein Direktmandat. Insgesamt ergab sich folgende Sitzverteilung (2020: 52 Sitze, 2014: 50 Sitze):

In Klammern das Ergebnis der Wahl von 2014 Partei Sitze Stimmen CDU19 (22)36,0 % (44,3 %) Grüne13 (7)24,5 % (14,0 %) FDP7 (4)13,9 % (7,9 %) SPD6 (9)11,0 % (17,0 %) FWG3 (–)5,3 % ( – ) AfD2 (1)3,4 % (2,7 %) LINKE1 (1)2,4 % (2,5 %) UWG1 (2)2,5 % (4,8 %) ZENTRUM0 (3)1,1 % (5,3 %)

Parteien Es existieren Stadt- bzw. Ortsverbände von CDU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, Piraten, UWG, Die Linke, Zentrum, AfD und der Familien-Partei.Familienpartei Stadtverband Kaarst.

Rathaus Aufgrund der Entstehung der Stadt Kaarst als Zusammenschluss der Gemeinden Kaarst und Büttgen (einschließlich der heutigen Stadtteile Vorst, Driesch und Holzbüttgen, die bis zum Zusammenschluss zur Gemeinde Büttgen gehörten) verfügt die Stadt über zwei Rathäuser, und zwar das im April 1994 fertiggestellte Rathaus in Kaarst, welches Sitz des Bürgermeisters und des Stadtrates ist, sowie das am 25. Oktober 1969 fertiggestellte und 1972 mit dem Architekturpreis des Bundes deutscher Architekten ausgezeichnete ehemalige Rathaus der Gemeinde Büttgen, welches heute die technischen Bereiche der Stadtverwaltung beherbergt.

Schuldenstand mini|Stadtmitte von Kaarst