Ein Traktat (von lateinisch tractatus „Abhandlung, Erörterung“, von tractareFriedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg.: Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 785 (traktieren/tractāre: ‚bewirten, handhaben, behandeln, erörtern, verhandeln‘).) ist eine kurze schriftliche Abhandlung über ein Thema. Sowohl die männliche Form der Traktat als auch die sächliche Form das Traktat sind gebräuchlich.
Die Publikation in Traktat-Form stammt aus der Antike. Als Literaturgattung ist sie dadurch gekennzeichnet, dass zwischen Kapiteln und vollständigem Text keine weiteren Gliederungsstrukturen vorhanden sind.Gundolf Keil: „dits die beste raet die icker toe can gegeuen genomen vte platearise“. Quellenkundliche Anmerkungen zu Ypermans Medicine. In: Geneeskunde in nederlandstalige teksten tot 1600. Koninklijke Academie voor Geneeskunde van België, Brüssel 2012 (2013), ISBN 978-90-75273-29-8, S. 93–137; hier: S. 106, Anm. 86 (zum im 12. Jahrhundert verfassten Traktat Practica brevis des Johannes Platearius). Oft werden im Traktat religiöse, philosophische, kulturelle, politische, moralische oder (natur-)wissenschaftliche Themen behandelt.
Außer für literarische Werke wurde der Begriff früher auch im Sinne von „Vertrag“ verwendet, auch heute noch gelegentlich für Staatsverträge. So werden Verträge wie diejenigen über die Polnischen Teilungen auch als Partagetraktat bezeichnet.
Aktueller Gebrauch Heute werden Traktate oft zur Verbreitung religiöser oder politischer Ideologien eingesetzt. Sie erheben in diesem Zusammenhang keinen wissenschaftlichen Anspruch. Durch die häufige Verwendung zu didaktisch-dogmatischen Zwecken hat das Wort Traktat im Deutschen mitunter einen negativen Beiklang. Im Unterschied zum Essay wird von einem Traktat keine literarische Eleganz erwartet, sondern sachlich orientierte Darstellung von Wissen. uni-essen.de, geschrieben von dem Literaturwissenschaftler Jürgen Link.
Traktate zielen vielmehr darauf ab, die betreffenden Ideen allgemein verständlich und mit großer Überzeugungskraft darzustellen. Häufig werden diese dann in der Fußgängerzone oder direkt an der Haustür zu Missionszwecken kostenlos angeboten oder liegen an öffentlich zugänglichen Orten zur Mitnahme aus. Flug-, Streit- und Schmähschriften fallen unter den Begriff Pamphlet. Beide Bezeichnungen haben je nach Kontext einen mehr oder weniger negativen Unterton (Konnotation).
Geschichte Traktate im Sinne philosophischer und wissenschaftlicher Abhandlungen wurden bereits im Altertum verfasst, darunter sehr bedeutende mit überragender Nachwirkung, sowohl in der klassischen griechisch-römischen Antike im Mittelmeerraum als auch im Alten Indien sowie im Alten China.
Der Architekturtraktat war eine literarische Gattung des 15. und 16. Jahrhunderts, durch die vor allem die Entwurfssystematik der römischen Antike erklärt und verbreitet werden sollte. Der Architekturtraktat war der Motor des stilistischen Wandels von der Gotik zur Renaissance. Dabei standen Illustration und Text gleichwertig nebeneinander.
Erste Nachweise des Gebrauchs des Wortes „Traktat“ im deutschen Sprachraum stammen bereits aus dem 8. Jahrhundert (mittelhochdt. tractat m.). Vornehmlich im 19. Jahrhundert wurde christliches Schrifttum mit großer Breitenwirkung Traktat genannt (siehe auch: Liste von Traktatgesellschaften).
Talmud Eine Sonderform von Traktaten findet sich im Talmud. Dieses umfangreiche jüdische Schriftwerk, in Tannaitischem Hebräisch und verschiedenen Ausprägungen des Aramäischen geschrieben, wird auch mündliche Tora genannt. Der Talmud enthält Kommentare zu einzelnen Bestimmungen der schriftlichen Tora. Die Mischna bildet die Basis des Talmud, sie besteht aus sechs Ordnungen (, singular ), die jeweils 7–12 Traktate (, singular ; lit. "web") enthalten, insgesamt 63 Traktate. Jeder ist in Kapiteln (, singular ) und weiter in Paragraphen (, singular ) unterteilt. In diesem Zusammenhang meint der Begriff Mischna einen Paragraphen, die kleinste Einheit der gesamten Struktur. Dies führte in der Plural-Form zur Bezeichnung „Mishnayot“ für das gesamte Werk. Somit besteht auch der Talmud aus sechs Bänden, sogenannten Ordnungen, die ihrerseits in 63 Traktate aufgeteilt werden.
Siehe auch Traktandum Libellus
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Literaturgattung