Die Brailleschrift []https://www.duden.de/rechtschreibung/Brailleschrift ist eine Blindenschrift, die international von Blinden und stark Sehbehinderten benutzt wird, da sie Schwarzschrift nicht oder nur schwer lesen können. Sie wurde 1825 von dem Franzosen Louis Braille entwickelt. Die Schrift besteht aus Punktmustern, denen ein System von sechs Punkten zugrunde liegt, die meist von der Rückseite her in das Papier eingedrückt werden und somit von vorne als Erhöhungen mit den Fingerspitzen zu ertasten sind. mini|hochkant=0.5|klasse=skin-invert-image|alt=Die Grafik zeigt die sechs Braille-Punkte als Kreise, in die die Punktnummern 1 bis 6 eingetragen sind.|Nummerierung der Braille-Punkte mini|hochkant=0.5|klasse=skin-invert-image|alt=Die Grafik zeigt acht Braille-Punkte als Kreise, in die die Hexadezimalwerte der Punktnummern 1 bis 8 (1, 2, 4, 8, 10, 20, 40 und 80) eingetragen sind.|Unicode-Hexadezimalwerte in Achtpunktzeichen
Daher wird Braille auch als Hochdruckschrift bezeichnet; siehe auch Verein zur Beschaffung von Hochdruckschriften für Blinde zu Leipzig.
Dargestellt werden die Zeichen der Brailleschrift durch tastbare Muster, denen ein Raster aus sechs Punkten zugrunde liegt, die in zwei Spalten zu je drei Punkten im Rechteck angeordnet sind. Mit den zwei mal drei Stellen von Tastpunkten sind verschiedene Ausprägungen möglich, die als Schriftzeichen fungieren, um Buchstaben, Ziffern, Leerzeichen und anderes darzustellen.
Die Anzahl von sechs Punkten ergab sich aus der Erfahrung, dass maximal sechs Tasteindrücke gleichzeitig von den Fingern distinktiv unterschieden wahrgenommen werden können.Carl Hans Sasse: Geschichte der Augenheilkunde in kurzer Zusammenfassung mit mehreren Abbildungen und einer Geschichtstabelle (= Bücherei des Augenarztes. Heft 18). Ferdinand Enke, Stuttgart 1947, S. 50. Bei sechs (binären) Punkten ergeben sich 26 = 64 Variationen; damit sind theoretisch 64 verschiedene Muster möglich, von denen allerdings in der Praxis nicht alle als Schriftzeichen Verwendung finden.
Geschichte
Braille (1809–1852), der mit 3 Jahren infolge einer Augenverletzung auf beiden Augen erblindete, wurde noch in Reliefschrift in der Form der für Sehende gestalteten Buchstaben unterrichtet. Mit 16 entwickelte er eine eigene Schrift, die auf ertastbaren Zeichen aus 1 bis 6 Punkten, angeordnet in einem 2×3-Raster, beruht. Er stellte diese Schrift im Frühsommer einer Elternkonferenz vertraulich vor. Im September 1825 präsentierte er „trotz seiner Schüchternheit“ seine Entwicklung dem Direktor des Königlichen Instituts für Blinde in Paris.
Im Jahr 2025 wurde insbesondere in Frankreich 200 Jahre Brailleschrift gefeiert.
Anordnung der Zeichen Die Punkte einer Braillezelle werden in der linken Spalte von eins bis drei und in der rechten Spalte von vier bis sechs nummeriert – innerhalb einer Spalte jeweils von oben nach unten. Dem sind die im Bild unterhalb dargestellten Hexadezimalwerte 1-2-4 links, und 8-10-20 rechts (1016 = 1610 und 2016 = 3210) zugeordnet.
Für die Ausgabe von Texten in Brailleschrift durch den Computer werden Braillezeilen verwendet. Da für die Arbeit am Computer mehr Zeichen notwendig sind als sich mit sechs Punkten darstellen lassen, werden bei der Braillezeile noch zwei weitere Punkte je Braillezeichen hinzugefügt, so dass acht Punkte, vier in der Höhe mal zwei in der Breite, zur Verfügung stehen (Computerbraille, spezielle Implementierung: Eurobraille). Auf diese Weise erhält man 28 = 256 Variationen. Die Codierung der Standardzeichen bleibt dabei jedoch gleich, die unterste Zeile bleibt lediglich leer.
Bei der Nummerierung der Punkte eines Achtpunktzeichens bleibt die Nummerierung der oberen sechs Punkte unverändert – die beiden unteren Punkte erhalten die Nummern 7 (links) und 8 (rechts) mit entsprechenden Hexadezimalwerten 4016 = 6410 und 8016 = 12810.
Die engen Grenzen der so entstandenen Zeichensätze (64 bzw. 256 Zeichen) werden durch zwei Methoden erweitert: Für viele Sprachen bzw. Fachsprachen gibt es eigene Zeichensätze (Notationen), bei denen die Bedeutung der Zeichen anders ist. Dazu zählen z. B. die Mathematikschrift, die Chemieschrift, die Musikschrift und andere. Es muss daher am Textanfang darauf hingewiesen werden, dass ein spezieller Zeichensatz folgt. Bei der normalen 6-Punkt-Brailleschrift spricht man dagegen von Literaturbraille. Für ein Schwarzschriftzeichen wird eine Kombination aus Braillezeichen verwendet. Auffälligstes Beispiel hierfür ist, dass es im 6-Punkt-Braille (Basisschrift) keinen Unterschied zwischen Groß- und Kleinschreibung gibt. Ein Buchstabe wird durch die Voranstellung eines speziellen Zeichens zum Großbuchstaben erklärt.
IPA Braille ist die moderne Standardkodierung des Internationalen Phonetischen Alphabets (IPA) für Brailleschrift. {| class="wikitable noresize" styel="text-align:center" |+ Die 64 Braillezeichen im traditionellen Zehnergruppenschema ! colspan="2"| Gruppe || ||colspan=10| Zeichen in den Zehnergruppen || ||colspan=2| Linksverschoben |- !1. |40px || |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px || |40px |40px |- !2. |40px|. (Punkt) || |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px || |40px |40px |- !3. |40px|- (Minus) || |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px || |40px |40px|# (Zahlmarker) |- !4. |40px|' (Apostroph) || |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px |40px || |40px|$ (Großbuchstabe) |40px |- !5. ! ver-setzt | |40px|, (Komma) |40px|; (Semikolon) |40px|: (Doppelpunkt) |40px|/ (Schrägstrich) |40px|? (Fragezeichen) |40px|! (Ausrufezeichen) |40px |40px|» (Anführungszeichen links) |40px|* (Sternchen) |40px|« (Anführungszeichen rechts) || |40px |40px
In Brailleschriften nach französischem Vorbild werden die Zeichen meist in Zehnergruppen (Dekarden) angeordnet, die einen Großteil der Zeichen umfassen. In der obigen Darstellung sind die Zeichen in diesem Gruppenschema geordnet, wobei die gruppenmarkierenden Zeichen der Zehnergruppe links und die übrigen nicht zur Gruppe gehörenden Zeichen analog rechts von der Zehnergruppe aufgeführt sind. In modernen Tabellen werden die Zusatzzeichen jedoch oft auch anders angeordnet. Eine mögliche Anordnung verwendet beispielsweise nur die ersten vier Zehnergruppen und ordnet die übrigen Zeichen entsprechend der Ausprägung von Punkt 3 und 6 diesen vier Gruppen zu. Teilweise werden auch diejenigen mit einem Punkt 3 als sechste Gruppe mit sechs Zeichen und diejenigen mit Punkten nur auf der rechten Seite werden als siebte Gruppe mit sieben Zeichen aufgeführt, ohne dass diese etwas mit den darüber in diesen Spalten aufgeführten Zeichen gemeinsam haben.
Prägemaschinen und -geräte mini|alt=Die Maschine hat eine T-förmige Gestalt, ist von massiver Bauweise und grünlich lackiert. Sie ist auf einem rechteckigen Brett montiert, das offenbar Teil eines Transportkastens ist. Der dem Benutzer zugewandte Teil ist schmal und trägt sieben große Holztasten mit weißer Oberseite: sechs für die Punkte 1 bis 6 und in der Mitte dazwischen die mit ihrem verbreiterten Ende nach vorn vorstehende Leertaste. Der obere, hintere Teil ist quer dazu angeordnet und erinnert an den Papierträgerwagen einer Schreibmaschine. Deutlich erkennbar sind die Papierwalzen und die rechts und links daran angebrachten Drehknäufe. Ein Blatt Papier ist eingespannt und zeigt 2 Zeilen fertig geprägten Brailletext: „wikipedia die freie enzyklopaedie“. In der Mitte klebt ein Typenschild mit der Bezeichnung „BLINDENSTUDIENANSTALT – Blista – MARBURG-LAHN-GERMANY“|Blindenschreibmaschine (auch Bogenmaschine) zum Einprägen der Punkte in entsprechend dicke Papierbögen mini|alt=Ein kompaktes grünes Kästchen von etwa der Größe einer Zigarrenkiste. Der vordere Gehäuseteil bildet einen Deckel, er ist nach vorn heruntergeklappt und gibt den Blick auf die Bedienelemente frei: 6 schwarze Tasten für die Punkte 1 bis 6 sowie in der Mitte eine nach vorn herausstehende, breite Leertaste. Links tritt ein schmaler Papierstreifen aus dem Gehäuse heraus.|Stenomaschine – ein sehr kompaktes Modell (nach Einklappen der Leertaste kann der Deckel vorne hochgeklappt werden) zum Beschriften von speziellen Papierstreifen statt Bögen. Der Papierstreifen ist am linken Bildrand sichtbar.
Bei Benutzung von Punktschriftmaschinen sind die Tasten der Punkte gleichzeitig zu betätigen, um das entsprechende Zeichen der Codetabelle zu schreiben. Dabei befinden sich die Tasten für die Punkte eins bis drei in absteigender Reihenfolge auf der linken Seite, sowie die Tasten für die Punkte vier bis sechs aufsteigend auf der rechten Seite. Dazwischen liegt die Leertaste. Will man zum Beispiel ein R (12px|alt=Punkte 1, 2, 3, 5) schreiben, so muss man mit der linken Hand die Tasten , und und mit der rechten Hand die Taste gleichzeitig drücken. Unterschieden wird dabei zwischen Bogenmaschinen und Stenomaschinen. Beide Maschinentypen sind inzwischen weitgehend abgelöst durch Modelle, die die Daten auf digitale Medien speichern – aber gerade wegen der Zuverlässigkeit (kein Strom notwendig etc.) sind Stenomaschinen immer noch beliebt.
Schreibtafeln Neben Maschinen sind auch Schreibtafeln im Gebrauch. Es handelt sich um zwei Tafeln, die mit einem Scharnier verbunden sind. Die obere Tafel hat rechteckige Aussparungen, die der Größe von sechs Punkten der Braille-Schrift entsprechen. Die untere Tafel hat grübchenförmige Vertiefungen im Abstand der sechs Braille-Punkte.
mini|Schreibtafel für Brailleschrift mit Griffel
Zwischen die beiden Tafeln wird ein geeignetes Blatt Papier eingelegt und mit einem Metallstift werden nun die erforderlichen Punkte in das Papier „gestochen“.
Zu beachten ist, dass, um lesbare Zeichen zu erhalten, auf der Rückseite des Papiers in Spiegelschrift und von rechts nach links „gestochen“ wird.
Schreibtafeln gibt es aus Metall oder Kunststoff in verschiedenen Größen (etwa DIN A6 bis DIN A4). Sie werden von Nichtsehenden für Notizen verwendet, können aber auch zum zusätzlichen „Beschriften“ von Papieren mit „Schwarzschrift“ (Postkarten, Visitenkarten etc.) verwendet werden.
Bandprägegeräte Im Handel sind Prägegeräte erhältlich, die Braille-Zeichen in selbstklebende Bänder prägen. Die Prägung erfolgt meist von der Rückseite her, so dass seitenrichtig von links nach rechts gearbeitet werden kann. Die so hergestellten Bänder sind gut geeignet, um unterschiedlichste Gegenstände des täglichen Gebrauchs zu kennzeichnen. Sie werden auch im öffentlichen Raum eingesetzt, um z. B. Handläufe von Treppengeländern zu kennzeichnen.
Codetabelle für die deutsche Sprache Siehe NormenreferenzDeutsche Blindenstudienanstalt:
Buchstaben und Kombinationen
Symbole und Zeichen
Systematik des Punkteaufbaus + 1. bis 4. Zehnergruppe 1alt=Punkt 1|30pxaalt=Punkte 1, 2|30pxbalt=Punkte 1, 4|30pxcalt=Punkte 1, 4, 5|30pxdalt=Punkte 1, 5|30pxealt=Punkte 1, 2, 4|30pxfalt=Punkte 1, 2, 4, 5|30pxgalt=Punkte 1, 2, 5|30pxhalt=Punkte 2, 4|30pxialt=Punkte 2, 4, 5|30pxj 2alt=Punkte 1, 3|30pxkalt=Punkte 1, 2, 3|30pxlalt=Punkte 1, 3, 4|30pxmalt=Punkte 1, 3, 4, 5|30pxnalt=Punkte 1, 3, 5|30pxoalt=Punkte 1, 2, 3, 4|30pxpalt=Punkte 1, 2, 3, 4, 5|30pxqalt=Punkte 1, 2, 3, 5|30pxralt=Punkte 2, 3, 4|30pxsalt=Punkte 2, 3, 4, 5|30pxt 3alt=Punkte 1, 3, 6|30pxualt=Punkte 1, 2, 3, 6|30pxvalt=Punkte 1, 3, 4, 6|30pxxalt=Punkte 1, 3, 4, 5, 6|30pxyalt=Punkte 1, 3, 5, 6|30pxzalt=Punkte 1, 2, 3, 4, 6|30px&alt=Punkte 1, 2, 3, 4, 5, 6|30px%alt=Punkte 1, 2, 3, 5, 6|30px[alt=Punkte 2, 3, 4, 6|30pxßalt=Punkte 2, 3, 4, 5, 6|30pxst 4alt=Punkte 1, 6|30pxaualt=Punkte 1, 2, 6|30pxeualt=Punkte 1, 4, 6|30pxeialt=Punkte 1, 4, 5, 6|30pxchalt=Punkte 1, 5, 6|30pxschalt=Punkte 1, 2, 4, 6|30px`alt=Punkte 1, 2, 4, 5, 6|30px^alt=Punkte 1, 2, 5, 6|30pxüalt=Punkte 2, 4, 6|30pxöalt=Punkte 2, 4, 5, 6|30pxw Die ersten zehn Buchstaben (a–j) bzw. die Ziffern (0–9) nutzen nur die vier oberen der insgesamt sechs Punkte (Punkte Nr. 1, 2, 4, 5):