Bulgarien (; amtliche Bezeichnung seit 1990 Republik Bulgarien, bulgarisch ) ist eine Republik in Südosteuropa mit etwa 6,5 Millionen Einwohnern. Das Land nimmt den Großteil der östlichen Balkanhalbinsel ein und grenzt im Norden an Rumänien, im Westen an Serbien und Nordmazedonien, im Süden an Griechenland und die Türkei und im Osten an das Schwarze Meer. Bulgarien umfasst ein Gebiet von 110.994 Quadratkilometern und liegt in der gemäßigten Klimazone. Sofia ist die Hauptstadt und gleichzeitig die größte Stadt des Landes; andere größere Städte sind Plowdiw, Warna und Burgas.

Auf dem Gebiet des heutigen Bulgariens befinden sich die bislang frühesten Belege für die Anwesenheit des Menschen in Europa. Heute ist Bulgarien eine parlamentarische Republik, die aus 28 Provinzen mit einem hohen Grad an politischer, administrativer und wirtschaftlicher Zentralisierung besteht. Mit einer Wirtschaft im oberen mittleren Einkommensbereich zählt das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen Bulgarien zu den Ländern mit hoher menschlicher Entwicklung. Seine Marktwirtschaft ist Teil des europäischen Binnenmarktes und basiert weitgehend auf Dienstleistungen, gefolgt von Industrie – insbesondere Maschinenbau und Bergbau – und Landwirtschaft. Bulgarien ist der weltweit größte Lavendelölproduzent und hat eine lange Tradition im Rosenanbau und der Rosenölherstellung. Das Land ist mit einer demografischen Krise konfrontiert, da seine Bevölkerung seit Beginn der 1990er Jahre stetig abnimmt, vom Höchststand von fast neun Millionen Einwohnern im Jahr 1988 auf heute nur etwa 6,5 Millionen.

Bulgarien ist seit 29. März 2004 Mitglied der NATO und seit 1. Januar 2007 Mitglied der Europäischen Union (EU) und des Europarates, Gründungsmitglied der OSZE und hat dreimal einen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eingenommen. Seit dem 1. Januar 2025 ist Bulgarien Teil des Schengen-Raumes, seit dem 1. Januar 2026 ist es Teil der Eurozone.

Geographie

mini|hochkant=1.5|Topografische Karte BulgariensDie Republik Bulgarien liegt im Osten der Balkanhalbinsel. Bulgarien grenzt im Norden an Rumänien, im Westen an Serbien und Nordmazedonien, im Süden an Griechenland und die Türkei. Die Grenzen zur Türkei (270 km), Nordmazedonien (148 km) und zu Serbien (318 km) sind zugleich EU-Außengrenzen. Rumänien, Griechenland und Bulgarien sind EU-Mitglieder. Die Grenze zu Rumänien ist 631 km lang; zum größten Teil ist die Donau die Grenze. Die Grenze zu Griechenland ist 259 km lang.ГЕОГРАФСКО ПОЛОЖЕНИЕ И ГРАНИЦИ НА БЪЛГАРИЯ, geografia.kabinata.com (bulgarisch) Im Osten bildet das Schwarze Meer die natürliche Grenze. Die Küstenlinie ist rund 354 km lang.

Hauptstadt und Regierungssitz der Republik Bulgarien ist Sofia. Weitere bedeutende wirtschaftliche, administrative und kulturelle Zentren sind die Städte Plowdiw, Warna, Burgas, Russe und Stara Sagora.

Das Territorium Bulgariens besteht zu zwei Dritteln aus den Tiefebenen, die von den Flüssen Donau und Mariza und ihren zahlreichen Nebenflüssen entwässert werden. Es hat zwei große Gebirgsketten: das Balkangebirge () und die Rhodopen. Die höchste Erhebung des Balkangebirges ist der Berg Botew (). Die höchste Erhebung der Rhodopen ist der Berg Großer Perelik (). Im Südwesten des Landes und westlich der Rhodopen befinden sich mit dem Rila- und dem Pirin-Gebirge zwei weitere Hochgebirge mit Gipfeln zwischen 2000 und 3000 Metern Höhe, wobei der im Rila gelegene Musala () der höchste Berg auf der gesamten Balkanhalbinsel ist. Die nördlich des Balkangebirges gelegene Donautiefebene wird durch die Donau begrenzt, die hier die Staatsgrenze zu Rumänien darstellt. In ihr liegen die Städte Plewen, Rasgrad, Russe und Schumen sowie Warna am Schwarzen Meer. Südlich des Balkangebirges erstreckt sich die Oberthrakische Tiefebene, auch Mariza-Ebene genannt. In diesem Mittelbulgarischen Becken finden sich die Städte Plowdiw und Stara Sagora sowie Burgas am Schwarzen Meer. Diese Ebene wird im Westen und im Süden durch die Rhodopen sowie die Gebirge Sakar und Strandscha im Süden begrenzt.

Bulgarien verfügt über drei National- (Rila, Zentrales Balkangebirge und Pirin), elf Naturparks und 55 Naturreservate. Das Land hat Anteile am Grünen Band Europas und liegt im Blauen Herzen Europas. (PDF)SCHWARZ, U. (2012): Balkan Rivers – The Blue Heart of Europe, Hydromorphological Status and Dam Projects, Report, 151 S. (PDF; 6,2 MB)

Klima

Norden: Im Norden Bulgariens herrscht kontinentales Klima mit heißen und trockenen Sommern sowie kalten, schneereichen Wintern.

Stara Planina (Balkangebirge): Auf der Nordseite schneereiche Winter, auf der Südseite zur gleichen Jahreszeit selten Schneefälle. Besonders im Westen sowie im Rila- und Piringebirge herrscht das sogenannte alpine Klima. mini|hochkant=1.5|Bulgarien im Mai: Schneebedeckte Gebirge im Norden und Westen. Wolkenbildung über dem Schwarzen Meer. Zentralbulgarien und Südwesten: Südlich des Balkangebirges liegt die Oberthrakische Tiefebene, in welche das Kontinentalklima nicht vordringen kann. Südlich des Gebirges sorgen also maritime Einflüsse für einen gemäßigten Winter, ein regenreiches Frühjahr und einen warmen Sommer. An der Grenze zu Griechenland und zur Türkei – unter dem Einfluss der Ägäis – verstärkt sich der mediterrane Charakter des Klimas.

Bulgarische Rhodopen: Die drei Gebirge Rila, Pirin und Rhodopen nehmen die westliche Hälfte Südbulgariens ein. Im Gegensatz zu den deutlich höheren Schwestergebirgen weisen die Rhodopen nur im Westen Gebirgsklima auf, im Osten zeigt sich bereits der Übergang zum Küstenklima.

Schwarzes Meer: Das Klima an der Küste zeigt ein mediterranes Profil, jedoch weht der Wind zumeist vom Schwarzen Meer aus östlicher Richtung übers Land. In der Folge sind die Sommer weniger warm als in den Subtropen und die sehr niederschlagsreichen Winter sind milder.Klima und Wetter in Bulgarien, bulgarien.org Von Mai bis September steigt die Temperatur in der Regel täglich über 20 °C. Im kältesten Monat, dem Januar, fällt sie nur selten unter den Gefrierpunkt.Bulgarien Klima & Wetter: Klimatabelle, Temperaturen und beste Reisezeit, beste-reisezeit.org

Städte Im Jahr 2023 lebten 77 Prozent der Einwohner Bulgariens in Städten.

Unter den Großstädten spielen als Verwaltungszentren die bulgarische Metropole Sofia sowie der Regierungssitz mehrerer Gemeinden und eines Bezirks (Oblast) Plowdiw eine zentrale Rolle. Weiter sind noch Varna und Burgas zu nennen, die als administrative Zentren der bulgarischen Schwarzmeerküste fungieren. Hier konzentrieren sich daher auch Medien- und Dienstleistungsunternehmen sowie die Kulturinstitutionen des Landes. Aufgrund ihrer vergleichsweise höher entwickelten Infrastruktur haben sie auch die regional höchste Bedeutung für Verkehr und Handel und zeigen die dynamischste Wirtschaftsentwicklung.

In Bulgarien gab es nach dem Zensus von 2011 sieben Städte, die mehr als 100.000 Einwohner hatten: Sofia, Plowdiw, Varna, Burgas, Russe, Stara Sagora und Plewen.

Bevölkerung Demografie mini|Demographische Entwicklung 1960–2020 (Millionen Einwohner) mini|Bevölkerungspyramide 2016: Bulgarien ist eine stark alternde Gesellschaft

Bulgarien hatte 2021 6,5 Millionen Einwohner, 2,4 Millionen bzw. ein Viertel weniger als die 8,9 Millionen von 1985. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug −0,6 %. Zum Bevölkerungsrückgang trug ein Sterbeüberschuss (Geburtenziffer: 8,8 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 18,4 pro 1000 Einwohner) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,8, die der Europäischen Union betrug 1,5. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 44,5 Jahren. Im Jahr 2023 waren 14,0 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 22,3 Prozent der Bevölkerung betrug.

Die Bevölkerungsdichte lag bei 64 Einwohnern/km². Der Großteil der Bevölkerung lebt in den Städten südlich des Balkangebirges.

Viele Bulgaren verließen nach 1990 sowie nach dem EU-Beitritt das Land und ließen sich in verschiedenen süd- und mitteleuropäischen Ländern nieder, vor allem in Spanien, Italien und Deutschland. In dieser Periode konnten nur die zwei Provinzen Sofia-Stadt (+ 120.749 Personen) und Warna (+ 13.061 Personen) sowie lediglich die vier Städte Sofia, Warna, Burgas und Weliko Tarnowo einen Bevölkerungszuwachs verzeichnen. In vier Provinzen (Sofia-Stadt, Burgas, Warna und Plowdiw) liegt die Bevölkerungszahl über 400.000. 39,2 % der Bevölkerung leben in neun Gemeinden, die eine Einwohnerzahl von jeweils mehr als 100.000 Einwohnern aufweisen. In 60 Gemeinden liegt die Einwohnerzahl unter 6000. Der Volkszählung zufolge lebt die Bevölkerung Bulgariens in 255 Städten und 5047 Dörfern. 5.339.001 Personen bzw. 72,5 Prozent der Einwohner leben in Städten und 2.025.569 bzw. 28,9 % auf dem Land. 33,6 % der Bevölkerung leben in den sieben größten Städten. Bulgarien verliert aufgrund von Auswanderung, niedriger Geburtenrate und einer relativ niedrigen Lebenserwartung jedes Jahr Einwohner. Bis 2050 könnte die Einwohnerzahl auf 5,4 Millionen absinken.Population of Bulgaria 2050, populationpyramid.net; abgerufen am 19. August 2021.

Einwohnerzahlen Bulgariens seit 1900Einwohnerzahlen Bulgariens nach Jahren in (PDF) oder Census 2011 (PDF; 1,1 MB), S. 9. Jahr Einwohner 1900 3.744.283 1905 4.035.575 1910 4.337.513 1920 4.846.971 1926 5.478.741 1934 6.077.939 1946 7.029.349 1956 7.613.709 Jahr Einwohner 1965 8.227.866 1975 8.727.771 1985 8.948.649 1992 8.487.317 2001 7.928.901 2011 7.364.570 2021 6.519.789 

Bevölkerungsstruktur mini|hochkant=1.5|Anteil der Türken nach Bezirken (2011) mini|hochkant=1.5|Gemeinden nach Sprache: Nach der Volkszählung 2021 sind 84,6 % der Bevölkerung Bulgaren; 8,4 % sind Türken (siehe: Türken in Bulgarien), 4,4 % Roma. Der Anteil der Roma dürfte höher liegen als nach der offiziellen Angabe; er wurde 2006 vom Europarat auf rund 800.000, also fast 12 % geschätzt.Norbert Mappes-Niediek schätzte 2024 den Bevölkerungsanteil der Roma in Bulgarien (und Rumänien) auf rund ein Zehntel der Bevölkerung (Quelle)

Außerdem leben Russen (14.000), Armenier (5306), Walachen, im Norden Rumänen, im Süden Aromunen und die muslimischen, Bulgarisch sprechenden Pomaken in Bulgarien. Etwa ein Viertel bis ein Drittel der heutigen bulgarischen Bevölkerung sind Nachkommen von bulgarischen Flüchtlingen aus Makedonien (→ Makedonische Bulgaren) und Thrakien (→ Thrakische Bulgaren). Im Jahre 2017 waren 2,2 % der Bevölkerung Migranten. Häufigste Herkunftsländer waren Russland, Griechenland und die Türkei.

Trotz dieser Distanz nehmen diese Gruppen rege am gesellschaftlichen und politischen Leben Bulgariens teil. Beispielsweise war die Bewegung für Bürgerrechte und Freiheiten (DPS), die überwiegend von türkischstämmigen und muslimischen Bürgern unterstützt wird, zwischen 2001 und 2009 in zwei Koalitionsregierungen vertreten. Die türkische Minderheit lebte 2001 laut der damaligen Volkszählung besonders zahlreich in den Bezirken Kardschali, Rasgrad, Targowischte, Silistra und Schumen. Pomaken lebten vor allem im Bezirk Smoljan.

2009 gründeten überwiegend pomakischstämmige Bürger die Partei Fortschritt und Wohlstand, da sie mit der Politik der DPS unzufrieden waren. Die bulgarische Verfassung von 1991 (Artikel 11) verbietet aber das Gründen von Parteien auf ethnischer, rassischer oder religiöser Grundlage.

Die Roma gehören in Bulgarien zu den am stärksten von Marginalisierung betroffenen Bevölkerungsgruppen.Norbert Mappes-Niediek: Die Last der Geschichte: Die Lage der Roma in Bulgarien und Rumänien. Warum kommen die Roma in Bulgarien und Rumänien aus dem Elend nicht heraus? (24. Februar 2024) Ihre soziale Lage ist von Armut, Arbeitslosigkeit, einem zumeist niedrigen Ausbildungsniveau sowie gesellschaftlicher Stigmatisierung geprägt. Ihre Lebenssituation hat sich durch den Transformationsprozess der 1990er Jahre verschlechtert und trifft besonders die Roma-Frauen, die unter sozialer Perspektivlosigkeit und unter patriarchalen Familienstrukturen leiden.