mini|hochkant|Benediktinermönch mit Kukulle mini|Benediktiner beim Chorgebet mini|Abtei Montecassino
Als Benediktiner (von für Benediktinerorden, Ordenskürzel OSB oder O.S.B.; deutsch Orden des heiligen Benedikt) werden in einem weiteren Sinn Ordensleute bezeichnet, die nach der Regula Benedicti leben, in einem engeren Sinn Mitglieder von Gemeinschaften, die der 1893 errichteten benediktinischen Konföderation, einem kontemplativ ausgerichteten Orden innerhalb der römisch-katholischen Kirche, angehören., hier S. 550. Auch im Anglikanismus und vereinzelt im Luthertum gibt es benediktinische Klöster im oben genannten und weiteren Sinn. Der Benediktinerorden hat seinen Ursprung in der Abtei Montecassino und beruft sich auf Benedikt von Nursia und die ihm zugeschriebene Regel. Die Anfänge des Ordens sind jedoch historisch schwer fassbar.
Als Kurzformel für die benediktinische Lebensweise gilt ein ursprünglich nicht spezifisch benediktinisches, spätmittelalterliches Sprichwort: (lateinisch: „Bete und arbeite und lies“). Drei Gelübde legt der Benediktinermönch im Laufe seines Ordenslebens ab: „Stabilitas loci“ (Beständigkeit in der Gemeinschaft und Ortsgebundenheit des Mitglieds an ein bestimmtes Kloster) „Conversatio morum suorum“ (klösterlicher Lebenswandel)Elmar Salmann: Conversatio morum. In: Briefe aus der Abtei Gerleve, Jg. 2016, Heft 1, S. 10–13. „Oboedientia“ (Gehorsam). Als ein Motto der Benediktiner kann das Bibelwort 1 Petr 4,11 gelten: – Auf dass Gott in allem verherrlicht werde“. Die Benediktsregel zitiert diesen Satz aus dem Neuen Testament im Zusammenhang mit den Klosterhandwerkern und dem Verkauf ihrer Produkte.Regula Benedicti 57,9. Das benediktinische Mönchtum ist die älteste und bedeutendste klösterliche Bewegung des Abendlandes. Die Missionstätigkeit der Benediktiner vom 7. bis 12. Jahrhundert bewirkte die flächendeckende Christianisierung Europas. Aus dem Benediktinerorden gingen zehn Päpste, fünf Kirchenlehrer und zahlreiche kanonisierte Heilige hervor, mehr als aus jedem anderen Orden. Heute gibt es in der weltweiten benediktinischen Konföderation rund 6000 Mönche und 12500 Nonnen. Vielen Klöstern sind Oblaten angeschlossen, die sich an der Spiritualität der Benediktsregel orientieren.
Geschichte mini|Benedikt von Nursia (Abtei Münsterschwarzach) Herausbildung des westlichen Mönchtums Durch seine Sonderstellung als zeitweilig (etwa vom frühen neunten bis zum späten zwölften Jahrhundert) einzig etablierter Orden der westlichen Kirche kann man die Geschichte des Benediktinertums kaum ohne einen Blick auf das westliche Mönchtum insgesamt verstehen.
Dieses hatte sich nach Vorbildern aus Ägypten und dem Nahen Osten entwickelt und zu eigener Ausprägung gefunden. Während dort im Wesentlichen das Eremitentum als das eigentliche Mönchtum – die asketische Lebensform, in der der Gläubige eine besondere Gottesnähe ausdrückt und erfährt – verstanden wurde, waren in den weströmischen Städten andere Formen stärker hervorgetreten (Familienaskese, zölibatäre Gemeinschaften christlicher Frauen)., hier Sp. 1418. Bischof Eusebius († 370) hatte in Vercelli in einer Gemeinschaft mit anderen Priestern zusammen gelebt und so das erste Beispiel eines Klerikerklosters gegeben. Martin von Tours errichtete in Ligugé in der Nähe von Poitiers eines der ersten Klöster des Abendlandes, außerdem 375 in der Nähe von Tours das Kloster Marmoutier., hier Sp. 1422. Hieronymus, der das östliche Mönchtum auf seinen Reisen kennengelernt hatte, begünstigte die Weiterentwicklung des römischen Ideals der Vita Rusticana zum monastischen Ideal, in dem sich für ihn Abgeschiedenheit und Studium vereinen sollten. Augustinus von Hippo bezeugt im Jahr 387 Stadtklöster in Rom, aus denen sich später die Einrichtung der Basilikaklöster entwickelte.
Das Konzil von Chalcedon entschied 451, die Klöster der bischöflichen Jurisdiktion zu unterstellen. Außerdem wurde kirchenrechtlich fixiert, dass der Mönch an das Kloster gebunden war, in das er eingetreten war (Stabilitas loci).
Benedikt von Nursia und Gregor der Große Vor diesem Hintergrund sticht die Gestalt des Benedikt von Nursia (* um 480; † 547), der für das 529 von ihm gegründete Kloster bei Montecassino die nach ihm benannte Regula Benedicti (Benediktsregel) verfasste, die auf der Regula Magistri und anderen klösterlichen Regeln basiert, kaum hervor. Er und seine Regel sind eingebettet in die „italische Mönchslandschaft.“ Benedikt hatte bei ihrer Abfassung keine ordensartigen Strukturen vor Augen – er wollte, ebenso wie andere Regelautoren, die Verhältnisse in seinem eigenen Haus klären.
Die Benediktsregel präsentiert sich dem Leser als eine Anleitung für Anfänger, die im Mönchsleben noch ungeübt sind.Steven Vanderputten: Medieval Monasticisms. Forms and Experiences of the Monastic Life in the Latin West (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 47). De Gruyter, Berlin / Boston 2020, S. 27. Wesentliche Haltungen, die die Regel von den Mönchen verlangt, sind Gehorsam gegenüber ihrem Abt, Schweigsamkeit, Beständigkeit und Demut. Der größte Teil des Tages ist gemeinsamem oder persönlichem Gebet gewidmet oder wird in Stille, mit Meditation und geistlicher Lektüre verbracht. Handwerkliche Arbeit, von der die Mönche leben sollten, schaffte Ausgleich. Der Tagesablauf der Mönche wird gegliedert durch den Gottesdienst, dem nach der Regel nichts vorgezogen werden darf. Wie im Mönchtum üblich wurden Psalmen gebetet, nach der Regel alle 150 innerhalb einer Woche (in der heutigen Zeit oft auf zwei Wochen verteilt).
Ein Aspekt, der die spätere Sonderstellung der Regel erklären könnte, ist die Nivellierung von Standesunterschieden: die Rangfolge der Mönche orientierte sich, von durch den Abt bestimmten Ausnahmen abgesehen, einzig daran, wie lange sie dem Orden schon angehörten (sozusagen nach dem Dienstalter; siehe auch Anciennität). Dies konnte den elitären Charakter der Klöster abschwächen, die zuvor eher als Einrichtungen von und für Adlige verstanden worden waren. Sozial niedrig(er) Gestellte sahen im Klostereintritt eine Chance zu gesellschaftlichem Aufstieg.
Auch die relative Milde der Regelungen zur Askese und die relative Kürze der Regula Benedicti (Nichtbehandlung sonst üblicher Regelthemen) erleichterte es, diese in anderen Klöstern, Ländern bzw. Klimazonen zu übernehmen. All dies hat wohl zur späteren Beliebtheit der Regel beigetragen. Michaela Puzicha sieht den Vorzug der Benediktsregel „in der spirituellen Durchdringung des Alltagslebens, der klugen Gewichtung von Gebet, Arbeit und geistlicher Lesung, in maßvoller Askese und im positiven Welt- und Menschenbild.“ Damit stehe sie der biblischen Weisheitsliteratur nahe.
Die Regel konnte niemals ohne ergänzende Bestimmungen befolgt werden, die sogenannten Consuetudines. Nichts davon sticht jedoch so heraus, dass es Benedikt zu seinem Titel als „Vater des Abendlandes“ hätte verhelfen können. Diese Entwicklung beginnt erst mit der Abfassung seiner Biographie durch Gregor den Großen († 604) im zweiten Buch der Dialoge.Leben und Wunder des hl. Benedikt in: Gregor der Große: Vier Bücher Dialoge. Aus dem Lateinischen übersetzt von Joseph Funk. Bibliothek der Kirchenväter, 2. Reihe, Band 3. Kempten, München 1933. mini|Aus der Benediktslegende: Maurus, von Benedikt beauftragt, rettet Placidus vor dem Ertrinken, ein Beispiel für den schlichten Gehorsam der Mönche (Bartolomeo di Giovanni, um 1488, Uffizien) Der zweite Band der Dialoge enthält ausschließlich die Biographie Benedikts. Die Intention, die den vom Mönchtum begeisterten Papst zur Niederschrift bewegte, lässt sich relativ klar herausarbeiten: In Italien gab es viele verschiedene Formen von Mönchtum, und Gregor bekundete hier seine Vorliebe für Mönchsgemeinschaften, die hierarchisch organisiert waren und sich in der Einsamkeit dem Gebet, dem Bibelstudium und der körperlichen Arbeit widmeten. Für all das steht Benedikt und seine gleichfalls idealisierte Schwester Scholastika im Werk Gregors.Steven Vanderputten: Medieval Monasticisms. Forms and Experiences of the Monastic Life in the Latin West (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 47). De Gruyter, Berlin / Boston 2020, S. 26.
Daraus ergibt sich folgendes Bild für die Biografie Benedikts: Nach dem Studium der Artes liberales in Rom zog er sich zunächst als Eremit nach Affide zurück. Das Experiment, eine Mönchsgruppe auf ihre Bitte hin als Abt zu leiten, scheiterte. Benedikt gründete zwölf Klosterzellen bei Subiaco und zog zwischen 520 und 530 nach Monte Cassino. Dort zerstörte er pagane Heiligtümer und gründete an ihrer Stelle ein Kloster, das er dem Patronat des heiligen Martin von Tours unterstellte. Für diese Gründung schrieb er seine Regel.
Das starke Durchscheinen des Idealtypus durch die Darstellung Gregors hat in der Forschung des 20. Jahrhunderts die Historizität Benedikts in Frage gestellt. Man nimmt heute an, dass Gregors Schilderungen eine reale Biographie zum Kern haben. Auch Gregor, der die Stellung des Mönchtums als Teil der Kirche durch seine Lehren durchaus festigte und ihnen apostolisches Wirken – also Predigten, Seelsorge und karitative Aufgaben – erst ermöglichte, dürfte dabei keine Vorstellung von einem „Ordenswesen“ gehabt haben. Im Verständnis ihrer Zeit war die Vorstellung vom einzelnen Kloster als organisatorisch autarke Einheit noch viel zu tief verwurzelt.
Bemerkenswert ist, dass Gregor, obwohl er die Abfassung der Regel erwähnte und sie als vorbildlich lobte, in keiner seiner zahlreichen Schriften zum Mönchswesen Zitate oder Ideen aus ihr verwendete – im Gegensatz zu einigen anderen Mönchsregeln. Es scheint also, als hätte er die Regula Benedicti nicht im Wortlaut gekannt, was vor allem erstaunt, da der Tradition nach die Mönche nach der Zerstörung Montecassinos 577 durch die Langobarden die Regel nach Rom gebracht haben sollen. Zumindest dieser Schritt der Überlieferungstradition der Benediktregel scheint also fragwürdig., hier S. 551: „Die erbauliche Überlieferung ist so nicht haltbar.“
Irische Mönche und Mischregelzeitalter