Die Große Kreisstadt Waghäusel (südfränkisch: Woghaisel) liegt am Nordrand des Landkreises Karlsruhe in Baden-Württemberg. Sie besteht aus drei Stadtteilen (Kirrlach, Wiesental, Waghäusel) und ist nach dem kleinsten und jüngsten dieser drei benannt.
Geographie mini|Kloster Waghäusel Geographische Lage Waghäusel liegt in der Oberrheinischen Tiefebene, etwa in der Mitte zwischen den Städten Karlsruhe und Mannheim.
Stadtgliederung Die Stadt Waghäusel besteht aus den drei Stadtteilen Waghäusel (1.174 Einwohner), Kirrlach (9.753 Einwohner) und Wiesental (10.598 Einwohner). Die räumlichen Grenzen der Stadtteile sind diejenigen der früheren Gemeinden gleichen Namens mit Ausnahme des Gebietes im Geltungsbereich des Bebauungsplanes „Gewerbegebiet Löcherjagen II“, das früher zum Gebiet der Gemeinde Waghäusel gehörte, heute jedoch zum Stadtteil Kirrlach. Die Stadtteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. (PDF; 23 kB).
Zu den Stadtteilen Kirrlach und Waghäusel gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zum Stadtteil Wiesental gehören das Dorf Wiesental und die Häuser bei der Schönborner (Neudorfer) Mühle, Bahnstation Waghäusel und ehemalige Bahnstation Wiesental.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 127–128
Der flächenmäßig größte Stadtteil ist Wiesental mit 2.124 ha, gefolgt von Kirrlach mit 1.938 ha und Waghäusel mit 222 ha. Die Gesamtfläche der Gemarkung beträgt somit 4.284 ha. Hiervon sind 844 ha Siedlungs- und Verkehrsfläche, 1.268 ha landwirtschaftlich genutzt, sowie 2.172 ha mit Wald, Wasser und sonstige Fläche.
Klima In Waghäusel herrscht ein für das Rheintal typisches Klima, welches trotz der nördlichen geographischen Lage (49° Nord) aufgrund der Nähe zum Atlantik sehr mild ist. Nach der Köppen-Geiger-Klassifikation herrscht Cfb-Klima. Die durchschnittliche jährliche Temperatur liegt bei 11,4 °C, womit Waghäusel in einer der wärmsten Gegenden Deutschlands liegt. Im langjährigen Mittel (1991–2020) verzeichnete Waghäusel im durchschnittlichen Jahr 71 Sommertage und 22 Hitzetage. Im Jahresschnitt fällt 672 Liter Niederschlag, welcher sich ziemlich gleichmäßig über das Jahr verteilt.
Die globale Erwärmung äußert sich in Waghäusel am deutlichsten durch heißer und trockener werdende Sommer. Durch den Klimawandel erreichte Waghäusel im Zeitraum 2015–2020 fast identische Werte wie die südfranzösische Stadt Valence im alten Klimamittel 1981–2010, wodurch in naher Zukunft von einem subtropisch-feuchten Klima (CFA) oder sogar von einem mediterranen Klima (CSA) ausgegangen werden kann. Die Wetterstation im Stadtteil Kirrlach gehört regelmäßig zu den Stationen mit den höchsten Temperaturmesswerten Deutschlands, die bisher höchste Temperatur wurde mit 39,8 Grad am 25. Juli 2019 aufgezeichnet. Im Jahr 2025 war Waghäusel laut Auskunft des Deutschen Wetterdienstes der erste Ort in ganz Deutschland, an dem am 2. Mai mit 30,4 Grad ein heißer Tag verzeichnet wurde.Frühjahr war viel zu trocken, in: Badische Woche, 6./7. Juni 2025, S. 1.
Geschichte
Bis zum 19. Jahrhundert Das Gebiet des heutigen Waghäusel kam durch Schenkungen der Salierkaiser Heinrich III. und Heinrich IV. zwischen 1056 und 1063 an das Hochstift Speyer, wo es bis zur Säkularisation der Fürstbistümer aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses 1806 blieb. Anschließend kam das Gebiet an das Großherzogtum Baden. mini|Gedenktafel für die gefallenen badischen Revolutionäre
Im Gefecht bei Waghäusel am 21. Juni 1849 standen sich badische Revolutionstruppen unter Franz Sigel und eine Invasionsarmee unter preußischer Führung gegenüber. Die badischen Truppen konnten die Invasoren an diesem Tag zwar schlagen, doch sie setzten nicht konsequent genug nach, so dass sich die Preußen reorganisieren konnten und die Revolutionäre schließlich aufrieben.
20. und 21. Jahrhundert Die heutige Gemeinde wurde am 1. Januar 1975 durch Vereinigung der Gemeinden Waghäusel, Wiesental und Kirrlach gebildet. Ursprünglich sollte die neue Verbandsgemeinde den Namen Lusshardt erhalten. Bis zur Kreisreform am 1. Januar 1973 gehörten alle drei Ortsteile zum Landkreis Bruchsal. Die Erhebung zur Stadt erfolgte zum 1. Mai 1984. Seit 2003 ist Waghäusel ein Unterzentrum. Die Marke von 20.000 Einwohnern wurde 2005 überschritten.http://www.waghaeusel.de/,Lde/startseite/unsere+stadt/chronik.html Geschichte Waghäusels
Auf Antrag der Stadt hat das Landeskabinett Baden-Württembergs in seiner Sitzung am 30. April 2013 beschlossen, die Stadt Waghäusel zum 1. September 2013 zur Großen Kreisstadt zu ernennen. Damit wurde sie die 93. Große Kreisstadt in Baden-Württemberg.
Ortsteile Waghäusel 60px|links|Wappen Waghäusel – 1974 Die Ortschaft Waghäusel selbst hat ihren Ursprung in einem 1616 von Kapuzinern auf Einladung von Fürstbischof Philipp Christoph von Sötern gegründeten Kloster neben der Marienwallfahrtskirche. Erst mit dem Bau eines Jagdschlosses, der Eremitage, 1724 bis 1729 durch Fürstbischof Hugo Damian von Schönborn siedelte sich jedoch eine größere Anzahl von Menschen an. Trotzdem blieb die Siedlung lange unselbständig, seit 1847 gehörte sie zu Oberhausen. Erst 1930 wurde Waghäusel selbständig. 1945 zählte Waghäusel 298 und 1950 bereits 329 Einwohner; davon waren 63 Heimatvertriebene. Bis 1973 gehörte die Gemeinde zum Landkreis Bruchsal, der dann im Landkreis Karlsruhe aufging.
Kirrlach 60px|links|Wappen Kirrlach Kirrlach (südfränkisch: Kerrloch) wurde erstmals 1234 in einer Urkunde des Stiftes St. German bei Speyer erwähnt. Die Urkunde vom 4. Mai 1234 nennt den ursprünglichen Namen von Kirrlach: Kirloch („Kirche im Wald“). Diese Urkunde ist unbeschädigt erhalten und wird im Generallandesarchiv in Karlsruhe aufbewahrt. Kirrlach gehörte damals (und bis 1806) zum Hochstift Speyer. Während des Zweiten Weltkrieges befand sind im Gewann Löcherjagen ein Militärflughafen. Dennoch wurde der Ort nur am 27. März 1945 bei einem Artilleriebeschuss kaum beschädigt, bei dem drei Menschen ums Leben gekommen sind. Am 1. April 1945 starben zwei Kirrlacher bei der Reparatur eines Geschützes. 1945 zählte Kirrlach 4649 und 1950 bereits 6134 Einwohner; davon waren 750 Heimatvertriebene.
Wiesental 60px|links|Wappen Wiesental Bereits in römischer Zeit war das Gebiet besiedelt. In der Gemarkung von Wiesental (südfränkisch: Wissedahl) liegt das Kastell Wagbach aus dem späten 1. Jahrhundert und ein dazugehöriger Vicus. Die Gründung des neuzeitlichen Ortes Wiesental erfolgte 1297 auf Anweisung von Fürstbischof Friedrich von Bolanden.Historische Webseite zur Gründung von Wiesental Die planmäßige Anlage als Straßendorf längs des Wagbachs ist noch in der Parzellierung der Grundstücke längs der Kirchstraße bzw. Wagbachstraße zu erkennen, die bis auf wenige Bauten in den Querstraßen bei der Kirche noch im 18. Jahrhundert die gesamte Bebauung des Ortes ausmachten. Aufgrund der Säkularisation fiel Wiesental ebenfalls 1806 an Baden. Bis ins frühe 20. Jahrhundert entstand mit der Schanzen- bzw. Lußhardtstraße eine westliche Siedlungserweiterung parallel zur älteren Siedlungsstruktur, seine heutige Ausdehnung hat der Ort im Wesentlichen erst im späten 20. Jahrhundert erreicht. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Wiesental in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai 1942 durch eine Luftmine am unteren Ende der Lußhardtstraße und am 21. Januar 1945 weitere Gebiete bombardiert, wodurch insgesamt 41 Menschen ums Leben gekommen sind und über 100 Gebäude, wie etwa die Kirche, zum Teil stark beschädigt wurden. 1945 zählte Wiesental 4809 und 1950 bereits 5977 Einwohner; davon waren 615 Heimatvertriebene.http://www.waghaeusel.de/,Lde/startseite/unsere+stadt/chronik.html Geschichte Waghäusels
Religion
Der überwiegende Teil der Bevölkerung gehört der römisch-katholischen Kirche an. Auch heute gibt es in allen drei Teilorten eine römisch-katholische Kirche. Durch die Bevölkerungsentwicklung gibt es eine evangelische Gemeinde sowie eine Moschee in der Stadt. Auch gibt es zwei Gemeinden der Zeugen Jehovas, Waghäusel-Ost und Waghäusel-West. Die evangelische Kirchengemeinde besteht seit 1860 und hatte über 100 Jahre ihr Zentrum in einem großen Betsaal in der Eremitage direkt neben dem Kloster und der Wallfahrtskirche.
Politik Bürgermeister, seit 2013 Oberbürgermeister 1975–1999: Robert Straub, CDU 1999–2022: Walter Heiler, SPD seit 2022: Thomas Deuschle, CDU
Walter Heiler trat Ende Mai 2022 ein Jahr vor dem regulären Ende seiner Amtszeit in den Ruhestand ein. Am 20. März 2022 wurde Thomas Deuschle (CDU) im zweiten Wahlgang mit 59,5 Prozent der Stimmen zum Oberbürgermeister von Waghäusel gewählt. Er trat sein Amt am 1. Juni 2022 an.
Gemeinderat Der Gemeinderat hat 26 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Die Gemeinderäte führen die Bezeichnung Stadtrat.Stadt Waghäusel: Hauptsatzung, §3; abgerufen am 6. Juli 2019. Hinzu kommt der Oberbürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender.
Die bis zur Wahl 2019 angewandte Unechte Teilortswahl wurde per Gemeinderatsbeschluss vom 25. Juli 2022 abgeschafft.
Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2019):Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2024, Stadt Waghäusel; abgerufen am 15. Juni 2024.Ergebnisse der Kommunalwahl 2024 in Waghäusel. In bnn.de, abgerufen am 15. Juni 2024.
Gemeinderat 2024 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CDU 24,0 % (−2,0) 6 (−1) Freie Wähler 17,4 % (+0,7) 5 (±0) Unabhängige Bürger für Waghäusel (Die Unabhängigen) 15,2 % (+4,3) 4 (+1) AfD 14,9 % (+9,1) 4 (+2) SPD 13,5 % (−4,4) 3 (−2) Junge Liste (JL) 7,3 % (−2,9) 2 (−1) Grüne 7,2 % (+3,6) 2 (+1) Waghäusel – innovativ und nachhaltig (WIN) 1,7 % (+1,7) 0 (±0) Neues Engagement für Waghäusel (NEW) n. a. (−8,9) 0 (−2) Wahlbeteiligung: 61,7 % (+4,0)
Wappen Blasonierung: In gespaltenem Schild vorn in Gold eine rote Kapelle, hinten in Blau ein durchgehendes geschliffenes silbernes Kreuz.
Die Kapelle stellt die namensgebende Wallfahrtskirche Waghäusel dar. Das Speyrer Kreuz weist auf die jahrhundertelange Zugehörigkeit zum Hochstift Speyer hin.
Das Wappen der ehemaligen Gemeinde Waghäusel vor der Gemeindereform zeigt in Silber drei blaue Zuckerhüte. Die Zuckerhüte nehmen Bezug auf die 1837 gegründete Zuckerraffinerie, das Wappen wurde anlässlich der Erhebung zur selbstständigen Gemeinde 1930 verliehen. Das Wappen der ehemaligen Gemeinde Kirrlach zeigt in Grün ein aufrecht stehendes, nach rechts gewendetes silbernes Beil mit schwarzem Stiel. Bei dem Beil handelt es sich auf alten Siegeln aus dem 18. Jahrhundert noch um eine Fleischhacke, deren Form sich später zum Beil gewandelt hat. Die Beschreibung als Beil wurde auf Wunsch der Gemeinde bei der Wappenverleihung 1959 beibehalten. Das Wappen der ehemaligen Gemeinde Wiesental zeigt in Blau ein silbernes Herz. Das Herz geht auf ein Wiesentaler Gerichtssiegel von 1767 zurück, das ein Herz über einem sechsstrahligen Stern gezeigt hat. Seit dem frühen 19. Jahrhundert kam nur noch das Herz in Siegeln zur Abbildung. Das Wappen mit Herz in den speyerischen Farben wurde 1907 festgelegt.Wappenbuch des Landkreises Bruchsal, Bruchsal 1971
Partnerschaften Waghäusel hat Städtepartnerschaften mit folgenden Städten im Ausland: Caldicot in Wales (Vereinigtes Königreich) Flattach in Kärnten (Österreich) Szigetújfalu im Komitat Pest (Ungarn)
Wirtschaft und Infrastruktur mini|hochkant|Fernmeldeturm Waghäusel-Wiesental Wirtschaft In der Stadt sind zum Beispiel folgende Unternehmen ansässig: Pfaudler, Gritec (Hersteller von Technikgebäuden), Gesellschaft für Oeltechnik (Apparate für verfahrenstechnische Anlagen), Berry Plastics und Flaboform (Großhandel im Industriebereich).Standortprofil auf die-deutsche-wirtschaft.de, abgerufen am 24. August 2023