mini|hochkant=1.6|Erhärteter Mauermörtel in Sichtmauerwerk
Mörtel (von lat. mortarium „Mörser“, „Mörtelgefäß“; regional auch der Speis) ist ein Baustoff mit vielfachen Verwendungen. Die häufigsten Anwendungen sind Mauermörtel, Estrichmörtel sowie Putzmörtel für Wände und Decken.
Traditioneller Mörtel wird aus Gesteinskörnung mit höchstens 4 bzw. 8 mm Korngröße, Zugabewasser und einem Bindemittel wie Lehm, Kalk oder Zement angemischt. Fertigmischungen enthalten verschiedene Zusatzstoffe und -mittel. Der Wasserfeststoffwert bezeichnet die Wassermenge, die einem Werkmörtel (Trockenmörtel) zugegeben werden muss. Moderne Mörtel können auch ausschließlich Kunstharze als Bindemittel enthalten und werden dann nicht mit Wasser angemischt.
Traditionelle Mörtel werden meist auf saugfähige Baustoffe aufgetragen, an welche sie Wasser abgeben. Unter anderem dadurch kommt es nach dem Auftrag zu einem ersten Ansteifen des Mörtels. Die chemische Verfestigung des Mörtels wird als Abbinden und insbesondere bei Beton auch als Erstarren bezeichnet.
Geschichte Die Entwicklung von Mörtel fällt in die Zeit der Antike. Die Römer entwickelten den Baustoff opus caementitium, ein Gemisch aus Bruchstein oder Ziegelschrot (Caementum; vgl. „Zement“), Bindemittel (Mortar) und Wasser, um eine Art künstlichen Stein herzustellen. Opus caementitium wird heute als Vorläufer des Betons betrachtet, aber auch der heutige Mörtel hat sich aus diesem antiken Baustoff entwickelt. Im Unterschied zum Beton sind die verwendeten Gesteinskörnungen feiner, eine Zugabe von größeren Bruchsteinen fehlt.
Verwendung Nach seiner Funktion oder Verwendung unterscheidet man:
Mauermörtel zur Herstellung von Mauerwerk Putzmörtel zum Verputzen von Wänden und Decken Brandschutzmörtel für feuerbeständige Abschottungen Kunstharzmörtel, bestehend aus ungesättigtem Polyesterharz, Methacrylatharz oder Epoxidharz Fugenmörtel zum nachträglichen Ausfugen von Fliesen und Platten, Verblendern, Sichtmauerwerk und Pflastersteinen Estrichmörtel bzw. Estrichbeton zur Herstellung eines Estrichs als Fußboden oder Grundlage für den Bodenbelag. Zementestrich ist ein Beton, dessen Zuschlag auf einen Korndurchmesser von 4 bis 8 mm begrenzt ist. Vergussmörtel bzw. Gießmörtel zum Vergießen von Verankerungen, Löchern und Spalten Quellmörtel zum form- bzw. kraftschlüssigen Verfüllen, Ausstopfen und Ausmauern von Hohlräumen bzw. zum Untermauern von Bauteilen Injektionsmörtel zum Verfüllen von Rissen Ausgleichsmassen zum Nivellieren von Höhenunterschieden und Unebenheiten Wassermörtel mit hohem Widerstand gegenüber aggressiven Wässern und Aushärtung unter Wasser mineralische Dichtschlämme zum Abdichten von Böden und Wänden Wärmedämmmörtel zur Wärmedämmung Klebemörtel zementhaltig zur Befestigung von Verkleidungselementen wie Keramikfliesen oder Natursteinplatten, siehe Fliesenkleber gipshaltiger Ansetzmörtel zum Befestigen von Trockenbauplatten an Mauerwerk Armierungsmörtel (Klebe- und Armierungsmörtel) zum Einbetten von Armierungsgewebe Reparatur- und Dichtungsmörtel Beschichtungsmörtel oder Korrosionsschutzmörtel mit Zement und Kunstharzen, etwa zum Beschichten von freiliegender Bewehrung bei der Instandsetzung von Stahlbeton sowie der Auskleidung von Stahlrohren als Korrosionsschutz gegenüber aggressiven Medien.Mannesmann Forschungsberichte, Nr. 770/1978 von B. Heinrich, H. Hildebrand, M. Schulze, W. Schenk, in: 3R international, 17. Jg., Heft 7, Juli 1978, S. 448–459.
Bestandteile Nahezu jeder Mörtel enthält Füllmittel, welche die Druckfestigkeit erhöhen, das Schwinden reduzieren und das Volumen erhöhen. Füllmittel werden traditionell auch als Zuschlag bezeichnet. Mineralische Füllmittel heißen Gesteinskörnung.
Bindemittel verfestigen das Bindemittel und füllen gegebenenfalls die Hohlräume des Haufwerks aus. Nur wenige Bindemittel können wie Gips auch ganz ohne Zuschläge bzw. Gesteinskörnung verwendet werden, da sie beim Abbinden kaum schwinden.
Eine Vielzahl von Zusatzstoffen und Zusatzmitteln beeinflussen die Eigenschaften des Mörtels. In der Regel soll der Mörtel nach dem Anmischen lange verarbeitbar bleiben, aber nach dem Auftrag ausreichend schnell ansteifen und aushärten. (Grünstandfestigkeit bezeichnet die Eigenschaft von Beton, sein eigenes Gewicht tragen zu können.)
Gesteinskörnung mini|hochkant=1.6|Terrassenplatten in Mörtel mit Feinkies als Gesteinskörnung
Als Gesteinskörnung (früher häufig als Zuschlag bezeichnet) im Mörtel wird in der Regel Sand bis 4 mm Korngröße verwendet. Estrichmörtel sowie grobem Spritzputz wird auch Feinkies mit Größtkorn bis 8 mm beigegeben. Traditionell wurden Putzmörtel mit unterschiedlichen tierischen oder pflanzlichen Fasern bewehrt. Leicht- und Dämmmörtel enthalten auch Styroporkügelchen oder Holzspäne. Zementmörtel unterscheidet sich neben dem Verwendungszweck überwiegend durch die geringere Korngröße von Beton.
Bindemittel Mörtel kann mit mineralischen Bindemitteln wie Kalk, Zement, Gips, Anhydrit, Magnesit, Mischbinder sowie Putz- und Mauerbinder oder mit organischen Bindemitteln (dispergierte Kunstharze) hergestellt werden. Puzzolane unterstützen als Hydraulefaktoren die Beständigkeit. Lehm ist das einzige Bindemittel, welches nicht chemisch abbindet und so immer wieder verwendbar ist, ohne dass sich seine Eigenschaften ändern.
Das Bindemittel verfestigt sich entweder durch Trocknung wie Lehm oder durch chemische Vorgänge: Im Luftmörtel erhärtet das Bindemittel durch den Zutritt von Luft bzw. Kohlenstoffdioxid. Wassermörtel oder hydraulischer Mörtel härtet auch unter Wasser aus.
Richtlinien und Normen EN 998 Festlegung für Mörtel im Mauerwerksbau Die EN 998-1 gilt für im Werk hergestellte Putzmörtel, die als Außenputz und als Innenputz für Wände, Decken, Pfeiler und Trennwände verwendet werden. Sie enthält Definitionen und Leistungsanforderungen. Sie unterscheidet nach Herstellungskonzept, Herstellungsart und Art der Eigenschaften und/oder Verwendungszweck.
Die EN 998-2 gilt für Mauermörtel.
EN 998-1 Putzmörtel – Einteilung nach Verwendungszweck Normalputzmörtel (GP) Leichtputzmörtel (LW) Edelputzmörtel (CR) Einlagenputzmörtel für außen (OC) Sanierputzmörtel (R) Wärmedämmputzmörtel (T)
Einteilung nach Herstellungsart Einteilung nach DIN V 185803.8 Lieferformen von Werkmörtel, Kalksandstein Maurerfibel. In: ks-maurerfibel.de Werkmörtel (nach EN 998) Werk-Trockenmörtel – fertiges Gemisch aller trockenen Ausgangsstoffe in Silo oder Säcken. Auf der Baustelle darf nur noch Wasser zugemischt werden. Werk-Frischmörtel – gebrauchsfertiger Mörtel, der im Fahrmischer zur Baustelle geliefert und bis zur Verarbeitung meist in Mörtelkübel gefüllt wird. In der Regel 36 Stunden verarbeitbar. Auf der Baustelle darf kein Wasser mehr zugegeben werden. werkmäßig hergestellter Mörtel Werk-Vormörtel (überwiegend in Norddeutschland erhältlich) – Gemisch aus Gesteinskörnung (Zuschlag), Kalk und evtl. weiteren Zusätzen. Auf der Baustelle werden nach Herstellerangabe Zement und Wasser zugegeben. Mehrkammer-Silomörtel – In einem speziellen Silo mit getrennten Kammern gelieferte Mörtelausgangsstoffe, die einschließlich Anmachwasser maschinell dosiert und gemischt werden. Der Mischer ist häufig Bestandteil des Silos und liefert verarbeitungsfähigen Mörtel, dem auf der Baustelle nichts weiter zugesetzt werden darf. Baustellenmörtel (nach DIN 18580)
DIN 18550 Im September 2003 wurden viele der Festlegungen aus der Reihe der ursprünglichen DIN 18550:1985 Festlegungen für Mörtel im Mauerwerksbau durch die europäischen Produktnormen EN 998 Teil 1: Putzmörtel und Teil 2: Mauermörtel sowie die Normen EN 13914 für Planung, Zubereitung und Ausführung von Außen- und Innenputzen – Teil 1: Außenputze und Teil 2: Innenputze ersetzt.
Die Teile 1 und 2 der neuen DIN 18550 (Vornorm ab 2005, Neufassung ab 2014) legen zur Planung, Zubereitung und Ausführung von Außen- und Innenputzen Ergänzungen für den deutschen Markt fest. Es handelt sich dabei also nun um „ergänzende Festlegungen“ zur DIN EN 13914-1 für Außenputze und DIN EN 13914-2 für Innenputze.
Mauermörtelgruppen nach der alten DIN 18550:1985 MG 1 – Kalkmörtel, Gemisch aus Sand und gelöschtem Kalk (Sumpfkalk, Fettkalk bzw. Kalkmilch); der gebrannte Kalk wird durch thermische Zersetzung von Calciumcarbonat hergestellt (siehe Technischer Kalkkreislauf und Kalkbrennen), bei Direktverarbeitung spricht man von Heißkalkmörtel MG 2 – Kalkzement / hydraulischer Mörtel und Kalkzementmörtel (Gemisch aus Sand, Kalk/Kalkhydrat und Zement) MG 2a – Kalkzementmörtel MG 3 – Zementmörtel (Gemisch aus Sand und Zement) MG 3a – Zementmörtel, = 20 N/mm2 MG 4 – Gipsmörtel (Gemisch aus Sand und Gips)
Putzmörtelgruppen nach DIN 18550-1 und -2
Prüfverfahren für Mörtel für Mauerwerk EN 1015-2, Teil 2: Probenahme von Mörteln und Herstellung von Prüfmörteln EN 1015-7, Teil 7: Bestimmung des Luftgehaltes von Frischmörtel EN 1015-9, Teil 9: Bestimmung der Verarbeitbarkeitszeit und der Korrigierbarkeitszeit von Frischmörtel EN 1015-10, Teil 10: Bestimmung der Trockenrohdichte von Festmörtel EN 1015-11, Teil 11: Bestimmung der Biegezug und Druckfestigkeit von Festmörtel EN 1015-12, Teil 12: Bestimmung der Haftfestigkeit von erhärteten Putzmörteln EN 1015-18, Teil 18: Bestimmung der kapillaren Wasseraufnahme von erhärtetem Mörtel (Festmörtel) EN 1015-19, Teil 19: Bestimmung der Wasserdampfdurchlässigkeit von Festmörteln aus Putzmörteln EN 1015-21, Teil 21: Bestimmung der Verträglichkeit von Einlagenputzmörteln mit Untergründen
Werkmörtel Die DIN 18 557 regelt die Zulässigkeit bestimmter Additive und Bindemittel in Werkmörteln.
Die Lieferform muss im Sortenverzeichnis auf dem Lieferschein angegeben werden: Art des Bindemittels und der Zuschläge die Zuordnung zu einer Mörtelgruppe gemäß DIN 1053 Teil 1 und Teil 2 die Anwendungsrichtlinien gemäß DIN 18 550 die Sortennummer die Wirkungsart der Zusatzmittel (Verzögerungszeiten etc.) zusätzliche Eigenschaften (z. B. wasserhemmend, wasserabweisend usw.)
Werk-Trockenmörtel mini|Werktrockenmörtel in Säcken auf einer BaustelleWerk-Trockenmörtel wird als trockene Mischung in Säcken, Eimern oder Wechselsilos an die Baustelle geliefert und dort manuell oder mechanisch mit Wasser angemischt. Manche Mörtelsilos enthalten bereits Mischwerke.
Trockenmörtel und Trockenbeton müssen im Gegensatz zu Frischmörtel und Transportbeton nicht sofort verarbeitet werden. Die Lagerfähigkeit beträgt drei bis zwölf Monate.
Werkvormörtel Werkvormörtel (auch Werk-Nassmörtel genannt) ist ein Luftkalkmörtel, der (überwiegend in Norddeutschland) von Transportbetonwerken und anderen Herstellern als sofort verwendungsfähige Mischung angeboten wird.
Da hydraulische Mörtel wesentlich schneller abbinden, wird Werkvormörtel zunächst als Kalkmörtel der Mörtelgruppe I angeliefert. Dieser ist auf der Baustelle über mehrere Tage lagerfähig. Unter Zugabe von Zement kann der Mörtel vor Ort in einen Mörtel der MG II oder MG IIa angemischt werden, wobei Menge und Art des Zements vom Hersteller des Werkvormörtel auf dem Lieferschein vorgegeben wird. Durch die Zugabe von zusätzlichem Wasser kann die für die Verarbeitung erforderliche Konsistenz (Geschmeidigkeit) eingestellt werden.
Werkfrischmörtel Werkfrischmörtel ist ein fertig angemischter Mörtel, der von Transportbetonwerken durch spezielle Fahrzeuge (ähnlich Transportbetonfahrzeugen) auf die Baustellen geliefert wird. Werkfrischmörteln werden Abbindeverzögerer beigemischt, wodurch sie bis zu 16 Stunden verarbeitbar bleiben.
Mörtel-Arten Nur Gipsmörtel und manche Quellmörtel für spezielle Anwendungen vergrößern beim Abbinden ihr Volumen. Gips nimmt beim Abbinden generell um ca. 1 % zu und eignet sich somit gut zum nachträglichen Einmörteln von Bauteilen wie Installationsdosen und Mauerankern. Da Gips nicht feuchtebeständig ist, sollte er jedoch nur im Innenbereich und in dauerhaft trockenen Wänden eingesetzt werden.
Stopf- und Quellmörtel