mini|Innenansicht eines Rechenzentrum des CERN mit Serverracks. (2009)Mit Rechenzentrum (kurz: RZ; oder aus dem Englischen entlehnt: [das] – „Datenzentrum“) bezeichnet man sowohl das Gebäude als auch die Räumlichkeiten, in denen die zentrale Informationstechnik (IT) oder Informations- und Kommunikationstechnik (ITK) einer oder mehrerer Unternehmen bzw. Organisationen untergebracht ist.

Rechenzentren oder Datenzentren sind technische Einrichtungen, in denen tausende Computer (Server) sowie die dafür nötigen Klima-, Kühl- und Stromversorgungssysteme untergebracht sind. Sie beziehen große Mengen elektrischer Energie aus dem öffentlichen Netz und verfügen häufig über zusätzliche Notstromaggregate und USV-Anlagen zur Sicherstellung des Betriebs. Wegen des hohen Energiebedarfs steht Energieeffizienz im Fokus. Dazu zählen die Power Usage Effectiveness (PUE)-Optimierung oder die Nutzung erneuerbarer Energien. Weitere zentrale Merkmale sind die Sicherheit der Anlagen, redundante Netz- und Versorgungsarchitekturen sowie kontinuierliches Monitoring, Telecontrol und Wartungsmaßnahmen. Die Sicherung der genutzten Daten und Dienste findet als Teil der Informationssicherheit statt.

Den Anlagen kommt somit eine zentrale Bedeutung bei der Nutzung elektronischer Datenverarbeitung (EDV) in Unternehmen, Verwaltungen und anderen Institutionen sowie bei den Benutzern der zahlreichen Onlinedienste zu.

Stand 2025 gibt es mehr als 10.000 Rechenzentren weltweit. Von den mehr als 1000 der sehr großen Rechenzentren gehören mehr als die Hälfte den Big-Tech-Unternehmen Alphabet, Amazon und Microsoft. Rund 50 % der Kapazitäten befinden sich in Nordamerika bzw. den USA. Als Größeneinheit wird hier häufig das Gigawatt (GW) verwendet. Man schätzt, dass weltweit rund 100 GW Kapazitäten in Betrieb sind und etwa weitere 100 GW bis Ende 2030 dazu kommen könnten. Es gibt jedoch keine einheitliche Definition der Größe von Rechenzentren. Die Angabe der „Kapazität“ in MW bzw. GW ist unklar, da unklar ist, ob der Wert die Anschlussleistung, die Spitzenlast, den durchschnittlichen (jährlichen?) Bedarf oder eine andere Größe darstellt.

In Deutschland werden laut dem Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) Stand 2025 rund 2000 Anlagen mit einer IT-Anschlussleistung von 2700 MW betrieben. Davon befinden sich ein Großteil der Anlagen im Besitz von ausländischen Investoren und Eigentümern.

Bezeichnungen und Definitionen Rechenzentren waren auch als Serverräume (SR) bekannt. Beide Begriffe werden heute aufgrund der individuellen Konfigurationen der Anlagen nicht mehr empfohlen. Ihre Definition orientiert sich stattdessen an der Bedeutung der IT-Struktur für die Aufgabenerfüllung, d. h. an technischen Funktionalitäten und Kapazitäten sowie der Netzwerktechnologie.

Eine weitere Bezeichnung ist die organisationsabhängige zentrale Einrichtung Rechenanlagen (ZER). Einzelne Konfigurationen von Datenzentren werden als Warehouse-Scale Computers (WSCs) bezeichnet, da diese Anlagen die physikalischen Dimensionen von Warenlagern erreicht haben bzw. ausnutzen.

Eine jüngere Bezeichnung (etwa seit den 2010er Jahren) für manche Konfigurationen bzw. Dienstleistungen der Anlagen sind die sogenannten „Hyperscale-Rechenzentren“ (). Der Name rührt von den als „Hyperscaler'“ (dt. übersetzt etwa: „Hyper-Skalierer“ mit Bezug zu den Skaleneffekten) bekannt gewordenen Cloud-Anbietern und Dienstleistern wie Amazon AWS. In Bezug auf Datenzentren bedeutet „hyperscale“ einen Architekturansatz, der extreme Skalierbarkeit und hohe Leistungsfähigkeit ermöglicht. Hier spielen Technologien wie die Virtualisierung eine wichtige Rolle. Laut Cisco umfasst ein HDC typischerweise mindestens 5000 Server, eine Fläche von mehr als 930 Quadratmeter und nutzt eine horizontal skalierbare, softwaredefinierte Architektur. Ein genauer Schwellenwert zur fixen Definition existiert nicht. Im Jahr 2019 schätzte man, dass weltweit 504 HDC in Betrieb waren, davon befanden sich 150 in der Konstruktionsphase.

Bezeichnungen in der DDR In den Betrieben und staatlichen Einrichtungen der DDR waren entsprechende Einrichtungen häufig mit Organisationsabteilungen verbunden und wurden als Organisations- und Rechenzentrum (ORZ) bezeichnet. Es gab außerdem sogenannte Datenverarbeitungszentren, welche heutzutage etwa den kommunalen Gebietsrechenzentren entsprechen.

Geschichte 20. Jahrhundert mini|292x292px|Eine modulare Serverunit des Sun Modular Datacenter. Im Hintergrund ist ein Frachtcontainer zu sehen, in den das Datenzentrum hineingepasst wurde. (2008) Noch bevor es PCs und Rechenzentren gab, wurden vom Staat sogenannte Gebietsrechenstellen geschaffen, die die Aufgabe hatten, Rechenkapazität für staatliche Einrichtungen zur Verfügung zu stellen. Meist unterstanden diese Gebietsrechenstellen den Landesämtern für Statistik und Datenverarbeitung, gelegentlich waren sie auch Hochschulen zugeordnet.

Rechenzentren waren in der Vergangenheit und sind teilweise auch heute noch einer administrativen Stelle zugeordnet, zum Beispiel einer Finanzverwaltung, einer Forschungseinrichtung, einer Hochschule oder einem kommerziellen Betrieb wie einer Bank oder einer Versicherung. Diese Organisationen hatten als erste die Anforderung, große Datenmengen zu verarbeiten, etwa die Steuererklärungen aller Bürger eines Bundeslandes. Deshalb war auch eine umfangreiche Rechnerausstattung (d. h. Computertechnik seit den 1970er Jahren, siehe auch die Entwicklung der Rechnertechnik) notwendig, die nur konzentriert in einem Rechenzentrum gepflegt werden konnte. Hier spielten die ersten Großrechner (auch: Rechenautomaten) eine überragende Rolle sowie Workstations in den Büros mit Schnittstellen zu den Mainframes. Der Übergang von der Lochkartentechnik zur elektronischen Datenverarbeitung erfolgte bei der Deutschen Post ab 1961 durch Verwendung von IBM 1401, Siemens 2002, Telefunken TR 4 und Zuse-23-Maschinen. Des Weiteren wurde noch vor dem Internet eine Datenfernübertragung aufgebaut.

Ab den 1990er Jahren bis zum Ende des Jahrhunderts kam es zu einem weltweiten Netzwerk- und Internetaufbau entlang Client-Server-Architekturen.

21. Jahrhundert mini|349x349px|Karte der US-amerikanischen Internet- und Datenzentren-Infrastruktur, sowie Powerlines. Die weißen Kreise markieren das Potenzial bzw. Bedarf (in MW) für neue Anlagen. Herausgegeben vom NREL Ende 2025. Im Zuge der Entwicklung des schnellen Internets (vgl. Glasfasernetz) und des Mobilfunks sind Rechenzentren zu zentralen Einheiten der Informationsinfrastruktur geworden. Das massenhafte Verfügbarwerden von netzwerkfähiger Computertechnologie und Unterhaltungselektronik sowie die damit verbundenen Nutzer führten zum Ausbau der Anlagen.

Seit den 2010er Jahren hat das Cloud Computing, die Virtualisierung von Hardware (Server) und softwareseitige Konfiguration die IT-Infrastruktur und auch Rechenzentren verändert. Mit den Entwicklungen gehen neue Technologien wie die Serviceorientierte Architektur oder Software-as-a-Service (SaaS) einher. Netzwerktechnologien wie InfiniBand u. a. kommen bei modernen Datenzentren zum Einsatz. Innerhalb der Anlagen werden die Server auch zu einem Rechnerverbund verschalten.

Die Anlagen sind eng mit Big Data, Data Mining und anderen Bereichen verbunden, speziell aber der Digitalwirtschaft. Man sprach damals von den Mega Data Centers (MDC).

Seit den 2020er Jahren werden Rechenzentren mit KI-Servern geplant, gebaut und in Betrieb genommen. Entlang dieser jüngsten Entwicklungen spielen politische Initiativen wie das 500 Mrd. US-Dollar Stargate-Projekt oder Pax Silica eine Rolle. Die Bundesregierung Merz bzw. das Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) unter Minister Karsten Wildberger veröffentlichte im März 2026 die sogenannte Nationale Rechenzentrumsstrategie, eine Wirtschafts- und Digitalisierungs-Policy.

Supercomputer und „KI-Gigafabriken“ Supercomputer hingegen sind spezialisierte Anlagen für das Hochleistungsrechnen aus dem Bereich Modellierung und Simulation, weniger dem Datentransfer zum oder vom Internet. Dennoch unterliegen auch Supercomputer einer laufenden technischen Entwicklung und werden im Rahmen von Programmen wie dem Gemeinsamen Unternehmen für europäisches Hochleistungsrechnen (EuroHPC) politisch gefördert. Neueste Supercomputer wie der Exascale-Computer „Jupiter“ am Forschungszentrum Jülich sind zwar mit Hochleistungs-Grafikprozessoren für KI-Anwendungen ausgerüstet, dienen aber primär wissenschaftlichen (zivilen) Zwecken und weniger als Datenzentren für private Unternehmen.

Wirtschaftliche Bedeutung mini|Zahlreiche Server der Wikimedia Foundation in mehreren Racks, siehe auch die Wikimedia-Server-Infrastruktur.

Internet-Rückgrat und Wirtschaftszweig Rechenzentren sind eine eigene Branche in der modernen IT-Wirtschaft bzw. Computerindustrie. Man unterscheidet hier in die Bereiche IT-Equipment und IT-Infrastrukturbetrieb als Teil der IKT-Branche mit den typischen IKT-Systemen wie Server-, Speicher- und Netzwerksystemen.

Es existieren spezialisierte Hersteller für Produkte für Rechenzentren, sowohl für die Elektrik, Elektronik, als auch Computerhardware. Dazu kommen die Produkte der IT und der Halbleiterindustrie, wie spezialisierte Server-CPUs von Herstellern wie Intel oder AMD, oder GPUs für KI-Beschleuniger von Lieferanten wie Nvidia und viele weitere Komponenten.

Bekannte Hersteller oder Anbieter von Equipment für Rechenzentren sind z. B. Cisco (früher auch Sun), HP, Supermicro, Amazon Web Services (AWS), Fujitsu u. a. In diesem Umfeld gibt es viele Zulieferer und Erstausrüster (OEMs), sowie Dienstleister. An diesem Wirtschaftszweig sind auch weitere Industrien beteiligt, z. B. Corning als ein Zulieferer von Glasfasern. Ebenso kommt es zu M&A-Aktivitäten in dem Umfeld.

Die Betreiber der Anlagen betreiben verschiedene Geschäftsmodelle. Zu den bekannten Unternehmen und Investoren gehören Equinix, NTT, Vantage DC, Maincubes, Flexential, TierPoint, Digital Realty, Data Center Group, OVH u. a. Zu den Ingenieurgesellschaften, die sich auf das Design von Rechenzentren spezialisiert haben, zählen beispielsweise nScale und Polarise aus Paderborn.

Rechenzentren stellen eine Grundvoraussetzung für das Internet (World Wide Web) dar. Weiterhin sind sie für die Digitale Transformation entscheidend und haben großen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft. Die Entwicklungen gehen einher mit der Internetökonomie, Digitalisierung, Industrie 4.0, Internetfernsehen u. v. m.

Sie werden als unverzichtbar betrachtet, um den wachsenden Bedarf nach digitalen Anwendungen zu decken, und sichern in Deutschland mehr als 200.000 Arbeitsplätze. Konkret gab es im Jahr 2017 in deutschen Rechenzentren 130.000 Vollbeschäftigte, weitere 85.000 Arbeitsplätze waren direkt von Rechenzentren abhängig.

Die Entwicklung der Rechenzentren sowie ihre gemeinsame Nutzung erforderten neue Lösungen und Services. Seit etwa den 2000er Jahren werden daher Rechenzentren bzw. Dienstleistungen in Bezug auf die Anlagen ausgelagert. Das heißt, auf Datencenter spezialisierte Dienstleistungsunternehmen übernehmen einen Teil der Aufgaben oder bieten eigene Services an, z. B. Colocation. Einige dieser Unternehmen sind Subunternehmen von Konzernen, wie beispielsweise die AT&T Colocation Data Center and Services, Kyndryl, HCL, Wipro, Atos, oder andere IT-Dienstleister (vgl. auch Entwicklungsdienstleister). Zu den größten Colocation-Märkten in Europa zählen die Metropolen Frankfurt, London, Amsterdam, Paris und Dublin (manchmal als FLAPD oder FLAP-D abgekürzt).

Investitionen ab 2020er Jahren Stand 2019 werden jährlich in Deutschland über 8 Mrd. Euro in den Bau, die Modernisierung und die IT von Rechenzentren investiert. Davon fließen knapp 7 Mrd. Euro in die IT-Hardware, und etwas über 1 Mrd. Euro in Neubau und Modernisierung von RZ-Gebäuden, Gebäudetechnik und -sicherheit.