Haunstetten-Siebenbrunn ist der XIII. Planungsraum von Augsburg. Er gliedert sich in fünf Stadtbezirke, davon sind vier in Haunstetten und einer in Siebenbrunn.

Die ehemalige Stadt Haunstetten ist zusammen mit der Siedlung Siebenbrunn der flächenmäßig größte (etwa 32,35 km²) und einer der bevölkerungsreichsten Stadtteile Augsburgs mit rund 28.000 Einwohnern. Haunstetten war von 1952 bis zur Eingemeindung nach Augsburg im Jahre 1972 eine Stadt. Die Gemeinde Meringerau (Siebenbrunn) wurde bereits 1910 nach Augsburg eingemeindet.

Geographie mini|links|Haunstetter Niederterrasse

Haunstetten-Siebenbrunn befindet sich im Süden Augsburgs zwischen den Flüssen Lech, Wertach und Singold auf einer Niederterrasse. Östlich von Haunstetten befindet sich der Haunstetter Wald, dieser erstreckt sich nach Osten bis an den Lech und die Meringer Au. Nach Süden hin schließt sich der Stadtwald an. Nördlich des Haunstetter Walds bzw. von Siebenbrunn liegt der Siebentischwald, der bis in den Spickel hineinreicht. Die Besonderheit des Bodenreliefs begünstigte die Entwicklung wertvoller Heideflächen, wie etwa die Schießplatzheide (Teil der Lechtalheiden).

Geschichte Erste Besiedlung und Römerzeit Mit dem Bau einer Niederlassung der Firma Siemens im Jahre 1986 wurde festgestellt, dass sich bereits weit vor der Gründung Haunstettens Menschen auf diesem Gebiet angesiedelt hatten. Entsprechende Funde wurden von den Archäologen sowohl der Jungsteinzeit (ca. 3000 Jahre v. Chr.) als auch der Bronzezeit (1400–1200 v. Chr.) sowie der Urnenfelderzeit (1200–800 v. Chr.) zugeordnet. Im Herbst 2016 wurde vom Archäologen der Stadt Augsburg der Fund von 20 Körpergräbern aus der Zeit um 1500 v. Chr., sieben Urnengräbern sowie von etwa auf den Zeitraum um 1100 v. Chr. datierten Siedlungsspuren im Raum eines geplanten Technologiezentrums des Fraunhofer-Instituts bekanntgegeben.Nicole Prestle: Augsburg: Grabhügel aus der Bronzezeit in Haunstetten entdeckt. In: Augsburger Allgemeine, auf augsburger-allgemeine.de, 10. Oktober 2016, gesehen am 12. Oktober 2016

Zur Zeit des Römischen Reiches verlief durch Haunstetten eine Handelsstraße, die von Augsburg über Füssen und Bozen nach Rom verlief. Es war die berühmte Kaiser-Augustus-Straße, oder auch Via Claudia Augusta genannt. Die Römer, die seit 15 v. Chr. in Augusta Vindelicorum lebten, hatten sie in den Jahren 47 v. Chr. und 46 v. Chr. angelegt. Die Straße verlief geradewegs durch das Gebiet des heutigen Haunstetten. Über eine Besiedelung Haunstettens zur Römerzeit gibt es keine gesicherten Erkenntnisse.

Gründung und Entwicklung von Haunstetten bis 1900 Haunstetten wurde urkundlich zum ersten Mal im Jahre 919 mit dem Namen Husteten erwähnt. 1012 kam Haunstetten in den Besitz des Augsburger Benediktinerklosters St. Ulrich und Afra. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde Haunstetten wiederholt zerstört und geplündert. Dabei wurde auch die St.-Georgs-Kirche stark beschädigt.

Bis ins Jahr 1803, zur Zeit der Säkularisation, also 883 Jahre lang, blieb Haunstetten im Besitz des Augsburger Klosters. In dieser Zeit wurde es u. a. Ulrikanisches Dorf genannt. Auf dem Platz der heutigen Eichendorffschule befand sich ein Schlossgut, das der Reichsabtei gehörte. An dieses Herrschaftsgut erinnert noch eine Steintafel neben der Haustüre des Anwesens Krankenhausstraße 4 aus dem Jahre 1715. Auf ihr ist das Wappen des Abtes Willibald Popp zu sehen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hielt die Industrialisierung auch in Haunstetten Einzug. Von 1811 an betrieben die Familien von Molo und von Rebay eine Weißbleicherei. Ungefähr 20 Jahre später übernahm dann die Familie Martini diesen Betrieb und verwandelte ihn in das Textilveredelungsunternehmen Martini & Cie. Im nördlichen Teil Haunstettens ließ sich zu dieser Zeit ein weiterer Textilbetrieb, die Spinnerei und Weberei Haunstetten, nieder. Anfang des 20. Jahrhunderts gründeten die Bayerischen Flugzeugwerke (später Messerschmittwerke) eine Produktionsstätte in Haunstetten. Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1873 gegründet.

Entwicklung Haunstettens von 1900 bis heute mini|hochkant|Haunstetten 1942

Mit finanzieller Hilfe des Unternehmers und Rittergutsbesitzers Georg Käß konnte im Jahr 1900 ein Krankenhaus gebaut werden. 1904 wurde ebenfalls mit der Unterstützung durch Käß die Eichendorffschule errichtet. Käß wurde für sein soziales Engagement mit dem Ehrentitel eines (königlich bayerischen) Kommerzienrats ausgezeichnet.

1927 wurde eine Linie der Augsburger Straßenbahn von Augsburg nach Haunstetten eingerichtet.

Während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) richteten die Luftangriffe auf Augsburg große Schäden in Haunstetten an. Viele Haunstetter Bürger wurden Opfer dieser Luftangriffe, die in erster Linie den Messerschmitt-Werken galten. Am Ende des Kriegs wurde Haunstetten von Bürgermeister Xaver Widmeier an Soldaten der 7. US-Armee übergeben. Bis zur Währungsreform (1948) herrschte schlimme Not, vor allem Kinder litten Hunger. Das Deutsche Rote Kreuz führte aus diesem Grund eine Schulspeisung durch.

Nach dem Krieg wurde Haunstetten für viele Flüchtlinge und Heimatvertriebene zur zweiten Heimat. Auf Wiesen und Äckern entstanden Wohnhäuser, Geschäfte und Betriebe, und es entstanden neue Ortsteile. Für die Schulkinder wurde in der Eichendorffschule Schulunterricht eingeführt, bis 1952 die Fröbelschule fertiggestellt war.

Die Gemeinde Haunstetten erhielt 1952 das Stadtrecht und verwirklichte bis zur späteren Eingemeindung nach Augsburg zahlreiche Bauprojekte. So wurde im Norden die katholische Kirche St. Albert gebaut und 1954 geweiht. 1958 folgte die Pestalozzischule, 1960 öffnete das Naturfreibad seine Tore. Der Neubau der Fröbelschule wurde 1968 abgeschlossen. Im Jahr 1970 wurde das Kunsteisstadion eröffnet und der Neubau der Pestalozzischule fertiggestellt.

Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurde Haunstetten trotz des Widerstands der Haunstetter Bürger am 1. Juli 1972 ein Stadtteil von Augsburg.

Für „Ende der 2020er Jahre“ plant die Stadt Augsburg, im Südwesten Haunstettens ein bisher aus Wiesen und Äckern bestehendes Areal von 180 Hektar für die Errichtung eines neuen Stadtquartiers zu nutzen. Dadurch soll neuer Wohnraum für 10.000 Menschen geschaffen werden.https://www.b4bschwaben.de/b4b-nachrichten/augsburg_artikel,-haunstetten-suedwest-in-zehn-jahren-ruecken-die-bagger-an-_arid,253950.html

Siebenbrunn mini|Luftbild von Augsburg-Haunstetten-Siebenbrunn, Blickrichtung Süd-Südwest.

Flächenmäßig ist Siebenbrunn der größte Stadtbezirk im Planungsraum Haunstetten-Siebenbrunn. Mit nur 102 Einwohnern ist er dagegen heute Augsburgs kleinster Stadtteil bezogen auf die Einwohnerzahl. Der Stadtbezirk Siebenbrunn ist heute vor allem als Wald- und Wiesenareal bedeutend für die Trinkwasserversorgung von Augsburg. Er enthält einen Teil des Augsburger Stadtwalds; im Norden von Siebenbrunn ist es der Siebentischwald, im Osten Lech-Auwald und im Süden der Haunstetter Wald.

Siebenbrunn gehörte bis zur Eingemeindung am 1. Juli 1910 unter dem Namen Meringerau zu Oberbayern, was auch heute noch an Grenzsteinen und einem Grenzgraben zu sehen ist. Ab 1803 erfolgte nach großflächiger Rodung die Besiedelung, zunächst durch wohlhabende Bürger Augsburgs. 1866 erfolgte der Bau einer Textilfabrik im zwischenzeitlich entstandenen Unterdorf, das auch Kolonie genannt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten in Siebenbrunn noch bis zu 634 Einwohner. Da der Stadtteil sich in einem Grundwasserschutzgebiet befindet, ließ man in den 1970er Jahren einen Großteil der Siedlung, darunter die ehemalige Textilfabrik und das Unterdorf, entfernen (siehe hierzu auch Fabrikkolonie). Heute befinden sich in Siebenbrunn noch zwei von ehemals fünf Gutshöfen, das ehemalige Schulhaus, die Ausflugsgaststätte „Jägerhaus“, ein Kinderspielplatz sowie ein Feldkreuz. (PDF; 2,5 MB) In: Augsburger Allgemeine. vom 30. April 2009

Wappen

Bauwerke und andere Sehenswürdigkeiten

Kirchen Kirchen gehören oftmals zu den ältesten Bauwerken eines Ortes. In Haunstetten stehen vier Kirchen:

St. Georg, die älteste Pfarrkirche wurde um die Zeit des Jahres 1500 erbaut und war das Wahrzeichen und der Mittelpunkt des alten Dorfes. Die evangelische Christuskirche wurde im Jahre 1909 errichtet, Architekt war Ferdinand Schildhauer. St. Albert wurde im Jahre 1954 gebaut. Zuvor befand sich an dieser Stelle eine Holzkirche aus dem Jahr 1938. St. Pius wurde im Jahre 1966 fertiggestellt.

Muttergotteskapelle mini|hochkant|Muttergotteskapelle

Die Muttergotteskapelle wurde im 16. Jahrhundert erbaut und war eine Wallfahrtskirche. Sie erhielt 1626 einen Altar vom Benediktinerabt Karl Stengel aus Anhausen an der Brenz. Im Jahr 1740 erfolgte unter dem Abt Cölestin Mayr ein Neubau. Kurz darauf wurden von Christoph Thomas Scheffler die Deckenbilder angebracht. Sehenswert ist unter anderem das Gnadenbild der heiligen Maria. Die Deckengemälde verdeutlichen die Marienverehrung. Auffällig sind auch die verschiedenen Baustile Barock, Stuck und Rokoko der Kapelle. Zur Zeit der Säkularisation (1803) sollte die Muttergotteskapelle abgerissen werden, der Kauf durch die Gemeinde Haunstetten konnte dies allerdings verhindern. Anschließend wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine sorgfältige Restaurierung der baufälligen Kapelle.

Weitere Bauwerke Kapelle St. Antonius von Padua (Augsburg-Haunstetten) Unterer Klett, ältestes noch erhaltenes Haus Haunstettens. Besonders auffällig ist das schiefe Dach (sog. Staudenhaus-Form). Bremhof, das ehemalige Schlössle. Altes Rathaus Haunstetten, wichtigstes Gebäude Haunstettens zwischen 1952 und 1972 und ehemaliges Palais der Gräfin von Tattenbach. Haus des ehemaligen Baders Alter Friedhof Haunstetten, (1870) Alter Pfarrhof Seniorenwohnheim an der Inninger Straße, moderne Konstruktion evangelisches Gemeindezentrum Maria und Martha in der Albert-Einstein-Straße

Sonstiges Galgenablass, eine mehr als 500 Jahre alte Wasserkreuzung im Siebentischwald Wettersäule, eine Heiligensäule gegenüber dem Naturfreibad Haunstetten in der Roggenstraße Handwerkerbrunnen (1972, von Christian Angerbauer) „Einheitslinde“, auch „Wiedervereinigungs-Linde“ in der Hopfenstraße bei Einmündung Roggenstraße in Haunstetten; am 3. Oktober 1990 von der CSU gepflanzt

Wirtschaft und Infrastruktur Messerschmittwerke mini|Bf 109E im Deutschen Museum München mini|Airbus-Premium-Aerotec-Werk an der Haunstetter Straße

Die Bayerischen Flugzeugwerke (BFW) erwarben im Jahre 1926 ein Gelände im heutigen Univiertel. Ab Mitte der 1930er Jahre entstanden im Nordwesten und im Nordosten Haunstettens große Werksanlagen der Firma Messerschmitt (Werk III & Werk IV). Heute gehören die Anlagen der Airbus-Tochter Premium Aerotec.

Ab 1936 zogen aus ganz Deutschland Handwerker, Techniker und Ingenieure zu. Viele davon erhielten Wohnungen in der Messerschmittsiedlung, deren nördlicher Teil 1937 und deren südlicher Teil 1939 fertiggestellt wurde.

Die Zahl der Beschäftigten stieg sprunghaft an.

1936 waren 5000 Menschen bei der Messerschmitt AG tätig 1939 waren es 9000 Beschäftigte 1944 gab es über 18000 Beschäftigte – darunter waren 47 % ausländische Arbeiter – hauptsächlich Fremd- und Zwangsarbeiter

Damit war auch für Haunstetten ein gewaltiger Anstieg der Einwohnerzahl verbunden:

1933 zählte Haunstetten 3000 Einwohner 1945 waren es bereits 8000 Einwohner

Für die ausländischen Arbeiter wurden in Haunstetten Barackenlager erbaut. Es gab drei Lager für Zwangsarbeiter:

das Lager Star das Lager Uhu das Lager an der Flachsstraße

Auf dem Gelände der alten Kiesgrube an der Straße nach Inningen wurde das KZ-Außenlager Haunstetten des KZ Dachaus errichtet, das von Februar 1943 bis April 1944 bestand. Dort waren bis zu 2700 KZ-Häftlinge eingesperrt, die meisten davon waren bei Messerschmitt beschäftigt.