Londorf ist der nach Einwohnerzahl größte Ortsteil der Gemeinde Rabenau im mittelhessischen Landkreis Gießen. Der Ort ist Sitz der Gemeindeverwaltung von Rabenau und Sitz des Bürgermeisters.

Geographische Lage Londorf liegt im Lumdatal zwischen Gießen, Marburg und Grünberg. Nachbarorte sind Kesselbach und Allertshausen sowie Allendorf (Lumda) und Nordeck.

Ortsgeschichte

Mittelalter Die beiden Ersterwähnungen Londorfs finden sich im Codex Eberhardi und werden auf die Zeit zwischen 750 und 779 datiert. Dies war die Amtszeit des fuldischen Abtes Sturmius. Verfasst wurde das Kopiar des Klosters Fulda von dem Mönch Eberhard um 1160.Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda. Hrsg. von Heinrich Meyer zu Ermgassen. Band 1. Marburg 1995. = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. 58, 1. I S. 263 f. = Edmund Ernst Stengel: Fuldisches Urkundenbuch. Marburg 1958. Band 1. Nr. 108, S. 180. Die Textstelle lautet: „… in eodem pago Lahngau omnem proprietatem et familiam suam in his villis: Lundorf …“ (im Lahngau sein ganzes Eigentum und Familien in diesen Dörfern: Lundorf u. a.) Hier wird bereits die Siedlungsform villis für Londorf angegeben. Eine weitere Nennung findet sich ebenfalls im Codex Eberhardi und datiert auf die gleiche Zeit: „… in pago Hessorum … in Luntdorfe.“ (im Hessengau in Luntdorfe).Heinrich Meyer zu Ermgassen: Codex Eberhardi 1 I S. 263f. = Edmund Ernst Stengel: Urkundenbuch des Klosters Fulda 1, Nr. 113, S. 182. Diese beiden Schenkungen stammten von Adelburch und Rudun. Es gibt weiterhin eine dritte Erwähnung des Ortes Londorf im Codex Eberhardi: „… proprietates suas in villa Altendorfe, Lantorfere marca.“ (Seine Besitzungen in Altendorf in der Londorfer Mark).Heinrich Meyer zu Ermgassen: Codex Eberhardi 1 I S. 269. = Edmund Ernst Stengel: Urkundenbuch des Klosters Fulda 1, Nr. 441, S. 476. Datiert wird diese Schenkung auf die Zeit zwischen 780 und 802, als Baugulf Abt war. Dabei handelt es sich um eine Übertragung von Gütern in Allendorf und Londorf an das Kloster durch Arnwic. Eine vierte Übertragung an das Kloster stammt ebenfalls aus der Zeit des Abtes Baugulf. „…in alia vero villa, Inferiore scilicet Lundorf.“Heinrich Meyer zu Ermgassen: Codex Eberhardi. I, S. 239. = Ernst Friedrich Johann Dronke: Traditiones et antquitates Fuldenses. Fulda 1844. Kap. 6, Nr. 91. Hier übertrug ein gewisser Meginrat dem Kloster Fulda 30 Morgen Land und ein ähnlich großes Waldstück und insgesamt 48 Manzipien.

Ein Eintrag aus der Zeit um 1300 listet Besitz des Mainzer Erzstifts auf: „… Sedes in Londorff: item Gewelshusen …“Stephan Alexander Würdtwein: Dioecesis Moguntia. Band III. Mannheim 1777. S. 285.. (Sitze in Londorf, außerdem in Geilshausen.) Im Spätmittelalter finden wir auch zwei Erwähnungen von Ortsadligen. 1306 wird „Lodewicus dictus de Lundorp“ genanntLudwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1 - 5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 448, S. 316. und 1368 „her walther von Londorf“.Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. Nr. 970, S. 590.

Der Ortsname Londorf leitet sich von dem durch ihn fließenden Fluss Lumda ab. Als ursprüngliche Namensform wird „Luna“ vermutet.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 240 f, S. 241. Ihr Mundartname „Lom“ ist noch heute zu erkennen: Londorf (Dorf an der Lumda).

Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Londorf:

Londorf als Ortsteil von Rabenau Die bis dahin selbständigen Gemeinden Londorf und Kesselbach fusionierten zum 1. Oktober 1970 im Zuge der Gebietsreform in Hessen freiwillig zur neuen Gemeinde Rabenau. Zum 31. Dezember 1971 wurden die Gemeinden Allertshausen, Geilshausen, Odenhausen und Rüddingshausen eingegliedert. Für die Ortsteile Kesselbach und Londorf wurde ein gemeinsamer Ortsbezirk eingerichtet. Als Verwaltungssitz wurde das größere Londorf bestimmt.

Im Juni 2008 feierte Londorf sein 1250-jähriges Bestehen. Es war bis ins 20. Jahrhundert Sitz der Freiherren von Nordeck zur Rabenau. Noch heute wohnen deren Nachfolger, die Grafen von Schwerin und die Freiherren von Roeder zu Diersburg, in der sogenannten Unterburg.siehe auch Burgstall Londorf

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Londorf angehört(e):

750/779: LahngauUrkundenbuch des Klosters Fulda 1 Nr. 108 775/779: HessengauUrkundenbuch des Klosters Fulda 1 Nr. 113 1237: Grafschaft Ruchesloh vor 1567 Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Londorf ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Allendorf/Lumda, Gericht Londorf der Freiherren Nordeck zur RabenauDie Zugehörigkeit des Amtes Allendorf an der Lumda anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Allendorf/Lumda, Gericht Londorf ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Allendorf/Lumda, Gericht Londorf ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Allendorf/Lumda, Gericht LondorfJohann Wilhelm Christian Steiner: Geschichte des Patrimonialgerichts Londorf und der Freiherren von Nordeck zur Rabenau, Darmstadt 1846 (Online). ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GrünbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Grünberg; 1822 ging die Patrimonialgerichtsbarkeit der Freiherren Nordeck zur Rabenau an das Landgericht über) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Grünberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Grünberg ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1970: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Rabenau ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Rabenau ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Rabenau ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Gemeinde Rabenau

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Londorf das „Patrimonialgericht der Freiherren Nordeck zur Rabenau“ in Londorf zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. 1822 traten die Freiherren Nordeck zur Rabenau ihre Recht am Gericht Londorf an das Großherzogtum Hessen ab. „Landgericht Grünberg“ war daher von 1822 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Londorf zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Grünberg“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Grünberg, Londorf wurde dem Amtsgericht Gießen zugelegt. Zwischen dem 1. Januar 1977 und 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“ der mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung Einwohnerentwicklung • 1577: 48 Hausgesesse (mit Junkerwohnungen) • 1669: 328 Seelen • 1742: 4 Geistliche/Beamte, 70 Untertanen, 28 Junge Mannschaften, 20 Beisassen/Juden • 1800: 647 Einwohner • 1806: 802 Einwohner, 123 Häuser • 1829: 844 Einwohner, 120 Häuser • 1867: 828 Einwohner, 150 Häuser

Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Londorf 1818 Einwohner. Darunter waren 51 (2,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 273 Einwohner unter 18 Jahren, 750 zwischen 18 und 49, 384 zwischen 50 und 64 und 411 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 738 Haushalten. Davon waren 189 Singlehaushalte, 219 Paare ohne Kinder und 243 Paare mit Kindern, sowie 78 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 162 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 469 Haushaltungen lebten keine Senioren/-innen.

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 741 evangelische (= 87,8 %) 103 jüdische (= 12,2 %) Einwohner • 1961: 1342 evangelische (= 85,1 %), 222 römisch-katholische (= 14,1 %) Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 134 Land- und Forstwirtschaft, 316 Produzierendes Gewerbe, 130 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 112 Dienstleistunge und Sonstiges.

Politik Für Londorf und Kesselbach besteht ein gemeinsamer Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinden Londorf und Kesselbach) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neuen Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 55,43 %. Dabei wurden gewählt: je zwei Mitglieder der CDU und der „Freien Wähler“, je ein Mitglied der SPD und des Bündnis 90/Die Grünen sowie drei Mitglieder der Liste „Bürger für Rabenau“ (BfRab). Der Ortsbeirat wählte Dirk Waldschmidt (BfRab) zum Ortsvorsteher.

Sehenswürdigkeiten und Kultur Der Ortsneckname für die Londorfer Bevölkerung ist Ohmbachschesser.

Dorfkirche Ein bemerkenswertes Bauwerk ist die Evangelisch-lutherische Kirche Londorf, genannt Dom der Rabenau, mit gotischem Turm aus dem 13. Jahrhundert. Sie ist die größte Kirche in der weiteren Umgebung bis nach Marburg. Sie wurde als Wehrkirche in Form eines Kreuzes vom Großherzoglichen Baumeister Dr. Carl Wilhelm Chr. Dieffenbach aus Friedberg erbaut. Infolge der Baufälligkeit wurde das Gotteshaus 1857/58 abgebrochen und von 1861 bis 1864 im neugotischen Stil errichtet; lediglich der Turm blieb erhalten.