Ancona ist eine Hafenstadt mit Einwohnern (Stand ) an der italienischen Adriaküste. Sie ist Hauptstadt der Region Marken und der Provinz Ancona. Der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet Ellbogen. Ancona ist zudem Sitz des römisch-katholischen Erzbistums Ancona-Osimo sowie der Università Politecnica delle Marche.
Geographie Ancona liegt etwa 210 Kilometer nordöstlich von Rom und etwa 200 Kilometer südöstlich von Bologna. Die Stadt liegt zwischen den Höhenzügen des Monte Conero, des Monte Astagno, auf dem die Zitadelle der Stadt liegt, und Monte Guasco, auf dem der dem hl. Cyriacus geweihte Dom von Ancona steht.
Der Hafen Ancona besitzt neben Bari und Venedig einen der wichtigsten Fährhäfen über die Adria mit stark frequentierten Verbindungen zu den griechischen Städten Igoumenitsa und Patras. Zwölf Kilometer westlich von Ancona liegt der internationale Verkehrsflughafen Aeroporto delle Marche.
Geschichte Antike Die griechische Kolonie Ankón Das antike Ancona wurde um 390 v. Chr. (wahrscheinlich im Jahr 387) von griechischen Kolonisten aus Syrakus gegründet, die vor der Tyrannei von Dionysios I. von Syrakus geflüchtet waren. Der Ort lag an der Stelle einer schon eisenzeitlichen Siedlung am nördlich in die Adria auslaufenden Vorsprung des Monte Cappuccini, der, wie ein Ellenbogen ins Meer vorspringend, eine geräumige und sichere Hafenbucht bildet. Wegen dieser Küstenform nannten die Griechen den Ort Ankón („Ellenbogen“). Die Akropolis befand sich auf dem Colle Guasco, wo der Tempel der Aphrodite stand, an der Stelle, wo heute die Kathedrale steht.
Im Jahr 2013 wurde das 2400-jährige Jubiläum der Stadtgründung mit geführten Touren durch die archäologischen Stätten, Konferenzen, Buchveröffentlichungen und Gedenkveranstaltungen gefeiert.
Römisches Zeitalter Um 268 v. Chr. fiel sie an die Römer. Sie bewahrte unter römischer Herrschaft viel von ihrem griechischen Gepräge und behielt auch ihre eigene Münzprägung. Die Römer gaben der Stadt den Beinamen dorische Stadt, aufgrund ihrer syrakusanischen Herkunft, eine dorische Kolonie von Korinth. Die Münzbilder zeigen einen gekrümmten, einen Palmzweig haltenden Arm mit dem griechischen Namen der Stadt als Beischrift; auf dem Avers erscheint der Kopf der Göttin Aphrodite, deren Kult auch durch Catull und Juvenal bezeugt ist. Wann Ancona zu einer Kolonie wurde, ist umstritten. Der Hafen diente den Römern im dritten illyrischen Krieg (178 v. Chr.) als wichtiger Flottenstützpunkt.Titus Livius, Ab urbe condita 41, 1, 3. Julius Caesar eroberte Ancona 49 v. Chr. kurz nach seiner Überquerung des Rubikon.Caesar, De bello civili 1, 11.
Die Stadt gelangte durch Handel mit Illyrien und Gewerbetätigkeit, vor allem Purpurfärbereien, zu Wohlstand. Der Hafen war vor allem in der Römischen Kaiserzeit von großer Bedeutung, denn er stellte die kürzeste Seeverbindung nach Dalmatien dar. Kaiser Trajan vergrößerte den Hafen und errichtete den nördlichen Kai. Der von ihm beauftragte Architekt war Apollodor von Damaskus. Ganz zu Anfang des Kais steht auf einem hohen Podium der daher überragende Ehrenbogen mit einfacher Öffnung und ohne Reliefs.Thomas Ashby: Ancona, in: Encyclopædia Britannica, 11. Auflage, Bd. 1, S. 952. Er wurde zu Ehren Trajans 115 nominell durch Senat und Volk von Rom, in Wirklichkeit aber unter merklicher Mitwirkung des Kaisers errichtet: Die Bauinschrift gibt an, Traian habe den Hafen aus eigenen Geldmitteln ausbauen lassen, um den Zugang nach Italien für die Seefahrer zu erleichtern.
Mittelalter und Frühe Neuzeit mini|Handelsrouten und -häuser (fondachi) Anconas im Spätmittelalter mini|Ancona um 1572 (Reproduktion 1645) mini|Bolognino der mittelalterlichen Republik Ancona (15. Jh.) Unter oströmischer Herrschaft konnte Ancona 539 aus eigener Kraft die Truppen des Ostgotenkönigs Witichis zurückschlagen. Später wurde es vom Ostgotenkönig Totila erobert, aber 551 von Belisar zurückgewonnen. Die Langobarden nahmen es 592 vorübergehend ein. Ancona erlangte aber schon bald seine frühere Macht und Bedeutung zurück. Es gehörte zum Städtebund der Pentapolis unter der Führung Ravennas, die übrigen vier waren Fano, Pesaro, Senigallia und Rimini. 774 schenkte Karl der Große Ancona zusammen mit dem Exarchat von Ravenna dem Papst. 848 wurde die Stadt nach langer Belagerung von den Sarazenen zerstört. Nach ihrem 876 erfolgten Wiederaufbau konnte sie mit Unterstützung des Markgrafen der Toskana und des Herzogs von Spoleto 917 einen erneuten Angriff der Sarazenen abwehren.Ancona, in: Enciclopedia Italiana, Bd. 3 (1929).
Unter den Staufern erklärte sich Ancona Anfang des 11. Jahrhunderts für unabhängig und konnte als Republik lange Zeit hindurch Unterwerfungsversuche abwehren. Für den 1096 begonnenen Ersten Kreuzzug stellte es zwei Galeeren und zahlreiche Frachtschiffe zur Verfügung. Gegen eine Attacke Kaiser Lothars III. konnte es sich 1137 erfolgreich verteidigen. Nachdem Ancona sich 1143 wieder der Schutzherrschaft Ostroms unterstellt hatte, bat es diese Macht um die Entsendung einer Hilfsflotte, da es sich durch Venedig in seinem Seehandel behindert sah. Die Stadt verzeichnete einige Erfolge bei ihrer Unterstützung von gegen die venezianische Oberhoheit aufbegehrenden Ländern, schloss jedoch 1150 – nach der Hinrichtung ihres von den Venezianern ergriffenen Befehlshabers Guiscardo Brancafiamma – mit der Serenissima Frieden. 1167 wurde Ancona von Kaiser Friedrich Barbarossa vergeblich belagert. Dieser zog nach Zahlung einer hohen Abgabe wieder ab. mini|Francesco Podesti: Stamira zündet die Belagerungsmaschinen an, 1877 Besonders heftig war die bereits sechs Jahre später, 1173, erfolgende Belagerung Anconas durch kaiserliche Truppen. Venedig fürchtete die Stadt als Handelsrivalin und sperrte mittels eines Geschwaders deren Hafen, gleichzeitig das deutsch-italienische Heer die Landseite. Der Mainzer Erzbischof Christian I. von Buch leitete die Belagerung und wollte die Kapitulation Anconas nur unter der Bedingung der Ergebung auf Gnade oder Ungnade eingehen. Um die Belagerung ranken sich zahlreiche Sagen. Eine heldenmütige Witwe namens Stamira soll während eines Befreiungsversuches die gegnerischen Belagerungsmaschinen angezündet haben. Drei von den Einwohnern der eingeschlossenen Stadt entsandten vornehmen Männern soll es schließlich geglückt sein, auf einem Nachen unbemerkt durch die venezianische Flotte hindurchzukommen. Sie erhielten von Aldruda Frangipane, Gräfin von Bertinoro, Hilfstruppen. Auch der Herzog von Ferrara, Guglielmo Marcheselli, schickte ein Entsatzheer. Schon hatte die Hungersnot in Ancona den Höhepunkt erreicht und unterschobene Briefe des Erzbischofs den Mut der Einwohner gebeugt, als zunächst Trostbriefe einliefen. In der folgenden Nacht wurden die Belagerer durch die Menge der Feuer des herannahenden Hilfskorps über dessen Stärke getäuscht. Sie zogen daraufhin ihr Heer zusammen, so dass die Entsatztruppen mit Munition in die Stadt gelangen konnten. Im Oktober 1173 hob der Erzbischof schließlich die Belagerung unverrichteter Dinge auf.Ancona, in: Meyers Konversations-Lexikon, 0. Auflage, Bd. 2 (1841), S. 915.
Durch den Frieden von Konstanz 1183 von Byzanz losgelöst, wurde Ancona Hauptstadt der dem Papst lehnsuntertänigen Mark Ancona. Dann kam es unter die Schutzherrschaft Karls von Anjou, von dem es die drei Lilien im Wappen führte. Es hatte in der Folge wiederholt mit Venedig und den benachbarten Welfenstädten zu kämpfen. Nach der Pestepidemie 1348 und einem verheerenden Brand machten sich die Malatesta zu Herren über Ancona, wurden aber schon 1353 von Fra Moriale niedergeworfen und Ancona 1357 durch Kardinal Albornoz dem Kirchenstaat einverleibt. 1383 erlangte es seine Unabhängigkeit zurück, wurde aber 1443 durch Francesco Sforza vorübergehend zur Lehnsuntertänigkeit gezwungen. Luigi Gonzaga nahm Ancona 1532 für Papst Clemens VII. in Besitz.
Papst Clemens XII. verlängerte 1733 den Kai und setzte eine verkleinerte Imitation des trajanischen Triumphbogens darauf. Am südlichen Ende des Hafens ließ er ein Lazarett auf einer künstlichen Insel von fünfeckiger Form durch den Architekten Vanvitelli errichten. Mit Ausnahme der französischen Besatzungszeit gehörte Ancona seit 1532 bis zum Risorgimento und der Einigung Italiens (1860) zum Kirchenstaat.
Während der Zugehörigkeit zum Kirchenstaat bildete sich in Ancona eine patrizische Führungsschicht heraus, die über längere Zeit hinweg die kommunalen Ämter dominierte und dem städtischen Patriziat in der päpstlichen Mark zugerechnet wird.
Die jüdische Gemeinde in Ancona 1553 gewährte Papst Julius III. einer Gruppe von 100 Marranen, die vor der Spanischen Inquisition geflüchtet waren, Zuflucht in Ancona. Ein Jahr später dehnte er das Zuzugsrecht auf alle Juden aus, gegen die Zahlung von 1000 Golddukaten jährlich. Die Juden durften unter Julius’ Regierung unbehelligt ihre Religion ausüben und eine Synagoge bauen. Die tolerante Haltung der Kurie gegenüber Anconas Juden endete abrupt mit der Thronbesteigung Kardinal Giovanni Caraffas als Papst Paul IV. Er führte am 17. Juli 1555 in seiner Bulle Cum nimis absurdum für Juden die Pflicht ein, in Ghettos zu leben. Wenige Tage danach wurde in Ancona die gesamte jüdische Gemeinde unter Arrest gestellt, 24 Marranen, also zwangsbekehrte Juden, wurden verbrannt. Ein Jahr später organisierte Gracia Mendes Nasi, die Tante des am Hof Selims II. lebenden Joseph Nasi, zusammen mit ihrem Neffen von Konstantinopel aus einen – allerdings erfolglosen – Boykott Anconas.
19. Jahrhundert mini|Ansicht des Hafens von Ancona, gedruckt nach 1784 Durch den Vertrag von Tolentino (19. Februar 1797) musste Papst Pius VI. Ancona den Franzosen abtreten und es wurde zur Republik erklärt. Am 13. November 1799 hatte es sich nach harter vierwöchiger Verteidigung von Seiten des französischen Generals Jean-Charles Monnier den Österreichern unter Feldmarschallleutnant Fröhlich und den Russen zu ergeben. Da die Österreicher die zuerst auf Anconas Wällen aufgepflanzte russische Fahne abrissen, wurde hierdurch die erste Veranlassung zur Auflösung der österreichisch-russischen Koalition gegeben. Daraufhin besetzten 1805 wieder Truppen Napoleons die Stadt, die ab 1808 zum von Letzterem regierten Königreich Italien gehörte. 1813, nach Vertreibung der Franzosen, wurde sie von den Neapolitanern eingenommen. 1814 kehrte Ancona wieder in den territorialen Besitz des Papstes zurück.
Als 1831 österreichische Truppen die aufständischen römischen Marken okkupierten, trat die französische Regierung dem militärischen Einfluss Österreichs im Kirchenstaat durch die Besetzung Anconas am 22. Februar sowie der Zitadelle am 23. Februar 1832 entgegen. Trotz Protesten des Heiligen Stuhls hielten die Franzosen, jedoch unter päpstlicher Zivilverwaltung, Ancona bis zum Dezember 1838 besetzt, zu welchem Zeitpunkt sie gleichzeitig mit den österreichischen Truppen das römische Gebiet verließen. 1849 empörte sich Ancona gegen die päpstliche Herrschaft und wurde erst nach längerer Belagerung (24. Mai bis 19. Juni) und nach heftigem Bombardement von den Österreichern unter Wimpffen zur Kapitulation genötigt. Seitdem hielten die Österreicher die Stadt besetzt, gaben sie aber 1859 nach der Schlacht bei Magenta auf. Bei der nationalen italienischen Erhebung 1859 machte die päpstliche Regierung Ancona zu einem Waffenplatz, wohin sich nach der Niederlage bei Castelfidardo (18. September 1860) Lamoricière mit dem Rest der päpstlichen Truppen zurückzog. Aber schon am 29. September musste er nach zweitägiger Beschießung die Stadt den vereinigten Neapolitanern und Piemontesen unter Cialdini übergeben. Mit Umbrien und den Marken wurde Ancona am 17. Dezember 1860 dem Königreich Italien einverleibt.Ancona, in: Brockhaus’ Konversations-Lexikon, 14. Auflage, 1892-96, Bd. 1, S. 588.