mini|Walter Krämer (2005) Walter Krämer (* 21. November 1948 in Ormont/Eifel) ist ein deutscher Ökonom und Mathematiker.
Er war von 1988 bis zu seiner Emeritierung 2018 Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Technischen Universität Dortmund. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er durch populärwissenschaftliche Literatur zur Statistik sowie durch sein Engagement als Gründer und 1. Vorsitzender des Vereins Deutsche Sprache e. V. in Dortmund und als Sprecher der Stiftung Deutsche Sprache.
Leben Walter Krämer wurde als Sohn des Zollbeamten Valentin Krämer und dessen Frau Anna in Ormont in der Eifel geboren. Er besuchte die katholische Volksschule in Winterscheid und legte 1968 sein Abitur am Gymnasium am Kurfürstlichen Schloss in Mainz ab. Nach den Grundwehrdienst bei der Bundeswehr studierte Krämer Mathematik und Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wo er 1976 die Diplomprüfung in Mathematik ablegte. Anschließend war Krämer von 1976 bis 1979 Lehrassistent, später wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Statistik der Universität Mannheim. Im Februar 1979 wurde er am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Universität Mainz bei Heinz Stöwe mit einer Arbeit über die Kleinst-Quadrate-Methode im Fach Staatswissenschaften promoviert. 1984 habilitierte sich Krämer mit einer Untersuchung der statistischen Konsequenzen für ausgewählte Schätzverfahren in Ökonometrie an der Technischen Universität Wien. Im Jahr 1988 wurde er Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Technischen Universität Dortmund. Außerdem war er als Gastprofessor am Management-Institut der Fudan-Universität in Shanghai tätig.
Engagement und Mitgliedschaften Walter Krämer ist seit 1969 Mitglied der FDP. Von 1974 bis 1982 gehörte er zusätzlich der SPD an.Urs Willmann: Sprache: Prof. Besserwisser. In: Die Zeit. Nr. 30, 17. Juli 2003
1997 gründete er den Verein Deutsche Sprache. Darüber hinaus ist er Sprecher des Stiftungsvorstands der Stiftung Deutsche Sprache.
Krämer ist Mitglied der Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität Jerusalem, der Ruhr Graduate School in Economics sowie der Schweizer Orthographischen Konferenz. Zum 1. Januar 2008 übernahm er die Herausgeberschaft der Fachzeitschrift German Economic Review (GEER).
Ab 2008 war Krämer ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste., Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste
Er war außerdem Mitglied der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) und gehörte deren Wissenschaftsrat an.GWUP-Wissenschaftsrat, Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) e. V.
Im Herbst 2020 zählte Krämer zu den Erstunterzeichnern des Appells für freie Debattenräume.
Publizistische Tätigkeit Neben seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen erschien 1996 das Buch Lexikon der populären Irrtümer.
Seit 2012 veröffentlicht Krämer gemeinsam mit dem Psychologen Gerd Gigerenzer und dem Ökonomen Thomas K. Bauer auf der Website des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI Essen) die Reihe Unstatistik des Monats, die auch von überregionalen Medien aufgegriffen wurde.Florian Diekmann, Alexander Demling: Zweifel an EU-Statistik: So wird Deutschland arm gerechnet. In: Spiegel Online. 23. Oktober 2012, Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung
Darüber hinaus veröffentlicht Krämer Beiträge unter anderem auf den Plattformen Achse des Guten,Profil und Beitragsliste von Walter Krämer bei der Achse des Guten Tichys Einblick,Mitglieder kritisieren Verein Deutsche Sprache. Sind Rechtsextreme dem Verein sein Tod? In: Spiegel Online, 14. Januar 2024. Abgerufen am 14. Januar 2024. Novo sowie im Autorenblog Die Freie Welt.
Privates Walter Krämer ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Kontroversen Rechtspopulismus Walter Krämer schrieb in den Sprachnachrichten des VDS 2016 von dem „aktuellen Meinungsterror unserer weitgehend linksgestrickten Lügenmedien“ und der „Unterwerfung der Medien unter eine obrigkeitsstaatliche Einheits-Sichtweise der Dinge“. Übermedien berichtete 2020 über diese Haltung Krämers unter der Überschrift „Die Pegidahaftigkeit des Vereins Deutsche Sprache“. In einem Interview mit der neurechten Jungen Freiheit erklärte Krämer 2018, Umweltfragen seien in Deutschland einer „rot-grünen Weltverbesserungsideologie“ unterworfen.
Die Autorin Kirsten Boie lehnte 2020 einen Preis des VDS Hamburg ab, da Äußerungen Krämers sie an Rechtspopulisten erinnern würden. Der vom Hamburger Landesverband des VDS jährlich vergebene „Elbschwanenorden“ sollte an die Kinder- und Jugendbuchautorin gehen. In ihrem Absagebrief an den Verein schreibt Boie, Walter Krämer spreche von „Genderwahn“, „Lügenmedien“ und „Überfremdung der deutschen Sprache“. „Aber mehr noch als die verkürzte und realitätsfremde Vorstellung von Sprache, die sich in vielen Äußerungen zeigt, erschreckt mich, wie genau sie sich ausgerechnet in einer Zeit, in der wir mit Sorge einen Rechtsruck in Teilen der Bevölkerung beobachten müssen, in deren Argumentationsgänge einfügt“, so Boie. Walter Krämer antwortete, wir lebten in einem freien Land, Boie müsse den Preis nicht annehmen. Auf die inhaltliche Kritik ging er nicht ein.
Kontroverse um Schaukasten an der TU Dortmund Im Dezember 2019 veröffentlichte der AStA der TU Dortmund eine Stellungnahme, in der Krämers Aushänge in seinem Schaukasten an der TU Dortmund (unter anderem mit Zitaten von Adolf Hitler und Hans-Olaf Henkel und einer Karikatur von Greta Thunberg) scharf kritisiert wurden. In seiner Stellungnahme verwies der AStA darüber hinaus auf Krämers Engagement im Verein Deutsche Sprache sowie auf eine Reihe von ihr als rechtspopulistisch bezeichnete Aussagen Krämers. TU-Rektorin Ursula Gather distanzierte sich von dem Hitlerzitat, das sie als „geschmacklos“ bezeichnete, verwies aber gleichzeitig auf die Meinungsfreiheit, von der diese Aushänge gedeckt seien. In Reaktion auf die Kritik bezeichnete Krämer Greta Thunberg als „spätpubertäre Autistengöre“, die „verehrt“ werde „wie eine Heilige“. Krämers Schaukasten wurde schließlich um wenige Meter hinter eine Glastür versetzt. Die TU begründete dies damit, der Schaukasten habe den Flucht- und Rettungsweg „unzulässig verengt“.
Kritik an der Euro-Rettungspolitik 2012 initiierte Krämer einen Aufruf zur Eurokrise, der von mehr als 270 Hochschullehrern unterzeichnet wurde. Die Professoren, unter ihnen der Chef des Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn, erklärten die Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung für verfehlt. Sie forderten, statt steuerfinanzierter Bankenrettung die Gläubiger von Banken für deren Schulden haften zu lassen. Krämer, Mitglied der FDP, bekannte 2019, dass er „früher einmal die AfD gewählt“ habe, da sie zu ihrer Gründungszeit „die einzige Alternative zur Euro-Rettungspolitik der Bundesregierung“ dargestellt habe. Mittlerweile sei dieser „Haufen aber total abgedriftet“.
Plagiatsvorwurf Krämer wurde 2003 von der taz vorgeworfen, in seinem 2002 beim Eichborn Verlag erschienenen Buch Lexikon der Städtebeschimpfungen plagiiert zu haben.Michael Ringel: Im Eintopf faule Fische. In: die tageszeitung. 26. Oktober 2002 Die Zeitung hatte behauptet, er habe in seinem „Lexikon“ von einem anderen Werk abgeschrieben, ohne dies deutlich zu machen. Zwar hatte Krämer die Zitate im Text samt Autor gekennzeichnet, aber ohne das dazu gehörige Buch Öde Orte ins Literaturverzeichnis aufzunehmen. Der Eichborn Verlag entschädigte nachträglich 30 Autoren der Vorlage Öde Orte für die ohne Kennzeichnung übernommenen Passagen mit einem Honorar und einigte sich mit den geschädigten Verlagen Reclam, Hoffmann und Campe sowie Suhrkamp. Auch die taz erhielt nach eigenen Angaben ein Honorar plus Verletzerzuschlag. Der Verlag soll auch gegenüber Reclam in einem Brief versichert haben, dass keine weiteren Auflagen des beanstandeten Buches gedruckt werden würden.Butter bei die faulen Fische. In: die tageszeitung 15. Februar 2003 Dennoch beantragte Krämer im Jahr 2003 gegen die taz eine einstweilige Verfügung wegen des Plagiatsvorwurfs. Das Berliner Landgericht wies den Antrag zurück. Auch lehnte der Presserat einen zusätzlichen Antrag Krämers ab, eine Rüge gegen die taz auszusprechen.Rügen und Verfügungen. In: die tageszeitung, 21. Februar 2003Los Prozesswochos in der Wahrheit: Faule Fische werfen Handtuch. In: die tageszeitung 21. Mai 2003 Schließlich scheiterten in dieser Sache Krämers Unterlassungsklagen und Strafanzeigen wegen übler Nachrede gegen zwei weitere Journalisten, darunter auch einen Studenten, der lediglich über die Vorwürfe berichtet hatte.Jochen Markett: Wie Walter Wissen schafft. In: Indopendent Nr. 136, 12. November 2002, S. 6, ; Jochen Markett: Krämer gegen taz. In: Indopendent Nr. 137, 26. November 2002, S. 6 ( PDF; 566 kB); Katrin Pinetzki, Ingo Schenk: „Ich vermisse die Fairness“. In: Indopendent Nr. 138, 10. Dezember 2002, S. 3 ( PDF; 851 kB)
Dennoch zog Krämer vor das Landgericht Berlin und verlor. Der taz-Autor habe den Begriff „astreines Plagiat“ nicht im juristischen Sinn gebraucht, es handele sich um eine journalistisch zulässige Bewertung, hieß es im Urteil. Der Spiegel schrieb, die Empörung sei nicht klug gewesen, wenn man in Betracht zöge, dass Krämers „‚Lexikon‘ – abgesehen vom Vorwort – im Wesentlichen ohnehin nur eine Zitatensammlung ist“.Johannes Eberhorn: Ein Sprachwächter und seine Mission. Spiegel online vom 13. August 2003
Kirchenaustritt wegen Gendersprache Im November 2021 erklärte Krämer wegen des „zunehmenden Gebrauchs der Gendersprache in der katholischen Kirche“ seinen Kirchenaustritt. Durch die verstärkte Nutzung der Gendersprache entferne sich die katholische Kirche von den Gläubigen. Die Verwendung des Gendersterns sei weder mit der deutschen Grammatik noch dem Kirchenrecht vereinbar. Stattdessen solle sich die Kirche auf Thematiken wie die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen konzentrieren.
Publikationen Fachpublikationen Eine Rehabilitation der gewöhnlichen Kleinst-Quadrate-Methode als Schätzverfahren in der Ökonometrie. Haag und Herchen, Frankfurt 1980, ISBN 3-88129-316-7 (Zugl.: Mainz, Univ., Diss., 1979). Wer leben will, muss zahlen. Die Kostenexplosion im Gesundheitswesen und ihre möglichen Auswirkungen. Econ, Düsseldorf/Wien 1982, ISBN 3-430-15642-4. Trend in ökonometrischen Modellen. Eine Untersuchung der statistischen Konsequenzen für ausgewählte Schätzverfahren. Hain, Königstein 1985, ISBN 3-445-02386-7. (Zugl.: Wien, Techn. Univ., Habil.-Schr., 1984). mit Harald Sonnberger: The linear regression model under test. Physica-Verlag, Heidelberg/Wien 1986, ISBN 3-7908-0356-1. (Hrsg.): Econometrics of structural change. Physica-Verlag, Heidelberg 1989, ISBN 3-7908-0432-0. Wie schreibe ich eine Seminar-, Examens- und Diplomarbeit. Eine Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten für Studierende aller Fächer an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien. G. Fischer, Stuttgart/Jena 1992, ISBN 3-437-40267-6; 4. erweiterte und aktualisierte Auflage 1995, ISBN 3-437-40342-7. Statistische Probleme bei der Armutsmessung. Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit. Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1997, ISBN 3-7890-5120-9. Wie schreibe ich eine Seminar- und Examensarbeit? Campus-Verlag, Frankfurt/New York 1999, ISBN 3-593-36268-6; 3. überarbeitete und aktualisierte Auflage 2009, ISBN 978-3-593-39030-7. mit Olaf Schoffer und Lars Tschiersch: Datenanalyse mit SAS. Statistische Verfahren und ihre grafischen Aspekte. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2005, ISBN 3-540-20787-2; 4. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018, ISBN 978-3-662-57798-1. (Hrsg., mit Katharina Morik): Daten – wem gehören sie, wer speichert sie, wer darf auf sie zugreifen? Schöningh, Paderborn 2018, ISBN 978-3-506-79248-8.