Das Horn ist ein Blechblasinstrument mit kreisförmig gewundener Rohrführung. Charakteristisch für das Horn sind das Trichtermundstück und eine enge konische Mensur, die in einem weit auslaufenden Schallbecher (auch Stürze oder Schalltrichter genannt) mit einem Durchmesser von etwa 30 cm endet.

Die Spielhaltung ist üblicherweise mit der rechten Hand im Schallbecher und den Fingern der linken Hand an den Ventilen. Weitere Bezeichnungen sind in der Orchesterliteratur corno und (früher) Waldhorn.

2020 wurde das Hornspiel in Verbindung mit Gesang, Atemkontrolle, Vibrato, Ortsresonanz und Geselligkeit von der UNESCO für eine Reihe von Staaten in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Aufbau und Klang mini|Einzelteile eines Waldhorns: 1 – Mundrohr; 2 – Stimmbogen; 3 – Anstoß; 4 – Zwinge; 5 – Stengel; 6 – Verschraubung; 7 – Schallbecher; 8 – Maschine; 9 – Ventilbögen; 10 – Fingerhaken Ein Horn ist grundlegend eine etwa kreisrund gewundene Röhre mit tangential herausragendem Mundrohr (zur Aufnahme des Mundstücks) und Schallbecher, die bei Verwendung von Ventilen während des Musizierens in ihrer Länge verändert werden kann.

Der Klang des Horns reicht je nach Dynamik und Lage von füllig-warm bis kräftig und sehr hell. Er ist durch alle Register hindurch recht homogen, nur die tiefsten Töne wirken etwas dumpfer und schwerer. Es klingt im forte vergleichsweise weniger scharf und durch die indirekte Schallabgabe und das Trichtermundstück etwas leiser als eine Trompete oder Posaune.

Aus der Gruppe der Blechbläser ist das Horn das homogenste Instrument, also jenes mit dem höchsten Verschmelzungsgrad mit anderen Instrumentengruppen des Orchesters.

Des Weiteren begründet es eine eigene Instrumenten-Familie der Blechblasinstrumente mit Trichtermundstück und damit eine eigene Klangfamilie. Entsprechend nimmt es, neben seiner tragenden Einzelrolle in klassisch-romantischen Orchestersätzen, eine Hybridstellung zwischen der Gruppe der Holzbläser und der Blechbläser ein: Wegen seines runden (insofern zunehmend sinustonartigeren) Klangcharakters in höheren Lagen ist es als berechenbarer, gerne ergänzend-füllender, akustischer Faktor im komplexen spektralen Geschehen der Holzgruppe beliebt. Schmetternd kann es sich dem Blech anschließen. Aus diesen Gründen stehen die Hörner-Systeme in Partituren traditionell stets direkt unter dem Holz und über dem Blech.

Horn-Typen der Gegenwart

Entwicklung heutiger Musizierpraxis Während des Barocks und der Klassik existierten nur Naturhörner ohne Ventile, welche dadurch nur einen begrenzten Tonvorrat besitzen. Ihre Grundstimmung der Naturtonreihe konnte jedoch durch Hinzufügen verschiedener Bogenlängen (bis zu zehn Aufsteckbögen als Stimmbögen) geändert werden, sodass ein vergrößerter Tonvorrat möglich war. Naturhorn-Stimmen wurden somit immer in der Tonart des Stücks notiert, beziehungsweise in deren Grundton und kleiner Terz für Molltonarten (z. B. ein Horn in C und eines in Es für c-Moll). Auch bis in die Spätromantik – etwa bei Johannes Brahms und Richard Strauss – wurden Hornstimmen oft transponierend notiert, da Komponisten teils noch das Naturhorn als Ideal ansahen und Versetzungszeichen für Hornisten vermeiden wollten. Diese Stimmen werden noch heute aus den Originalstimmen gespielt, was bedeutet, dass auf dem modernen Horn häufig transponiert werden muss (das Horn in F wird als so genanntes transponierendes Instrument eine Quinte höher notiert, als es klingt) und ein Hornist im transponierenden Prima-vista-Spiel geübt sein sollte. Da sich das F-Horn Ende des 19. Jahrhunderts als Standardstimmung durchsetzte, werden Hornstimmen unabhängig von der verwendeten Grundstimmung heute fast ausschließlich in F notiert. Insofern besteht eine registrale Verwandtschaft mit dem Englischhorn in F (Doppelrohrblatt-Familie, das heißt verwandt mit der Oboe) und dem Bassetthorn in F (Einzelrohrblatt-Familie, das heißt verwandt mit der Klarinette).

Im Bereich der klassischen Orchester- und Blasmusik wird entweder ein reines „F-Horn“ oder ein sogenanntes „F-/B-Doppelhorn“ verwendet. Häufig trifft man, vor allem im nicht-professionellen Bereich, auch reine „B-Hörner“ an.

F-Horn Da das F-Horn mit etwa 370 cm sehr lang ist (es besitzt die gleiche Rohrlänge wie eine F-Tuba), liegen die Naturtöne in der hohen Spiellage sehr nah beieinander (diatonisch bis chromatisch), sodass schon bei kleinen Ungenauigkeiten im Spiel nicht der gewünschte Ton getroffen werden kann.

Wiener Horn mini|Ein Wiener Horn ohne Mundstück

In Österreich um Wien besteht z. B. bei den Wiener Philharmonikern und den Wiener Symphonikern noch die Tradition des reinen F-Horns mit speziellen Pumpenventilen, kleinerer Mensur und aufgesetztem, kreisrund gebogenem Mundrohr.

B-Horn Das B-Horn hat etwa 270 cm Rohrlänge. Schallbecher, Mundstück und Mundrohr sind dem des F-Horns etwa gleich. Im Ganzen ist es etwas leichter als das F-Horn.

F-/B-Doppelhorn Im professionellen Bereich wird heute meistens auf ein Doppelhorn zurückgegriffen, das ein F-Horn mit dem eine Quarte höheren B-Horn vereint, mit dem höhere Töne etwas leichter getroffen werden können. Beide besitzen jeweils eigenständige Ventilzugverlängerungen an einem Hauptrohr. Die höhere Sicherheit bei der zu spielenden Literatur und größere klangliche und intonatorische Möglichkeiten machen das Doppelhorn zum Standardinstrument in der heutigen Orchesterpraxis.

Neben dem F/B-Doppelhorn werden auch Doppelhörner in B/hoch-f gebaut.

Ein Tripelhorn vereinigt drei Grundstimmungen: F/B/hoch-f (oder hoch-es) und wird vornehmlich für heikle Orchesterpassagen sowie hohe Klassik- und Barockliteratur verwendet.

Naturhorn Im Zuge der historischen Aufführungspraxis wird wieder häufig ein Natur- oder Inventionshorn (Stopfhorn) für Konzerte von barocken und klassischen Werken verwendet. Stücke aus jener Zeit wurden für solche Hörner komponiert. Gewisse Effekte kommen nur durch das Stopfen zur Geltung, auch klingen sie wie die Naturtrompeten weniger scharf als heutige Instrumente. Bei Bach wird auch teilweise das Corno da caccia verwendet. Ab dem Zeitalter der musikalischen Spätromantik (ca. 1850) wurde das Naturhorn (für neugeschriebene Musik) größtenteils obsolet.

Jagdhorn Im Jagdbereich kommen vornehmlich das Parforcehorn (B, Es, B/Es), Trompe de Chasse (D) oder Fürst-Pless-Horn (B, auch mit 3 Ventilen) zum Einsatz.

Es-Althorn in Waldhornform mini|hochkant|Links ein selten gespieltes reines Es-Horn, erkennbar an geraderen Ventilbögen und kleinerem Schallbecher, heute noch verwendet in der volkstümlichen Musik Das Es-Althorn in Waldhornform ist etwa 210 cm lang und wird üblicherweise mit einem eher kesselförmigen Althornmundstück geblasen. Das Schallstück ist kürzer und der Schallbecher kleiner als beim gewöhnlichen Horn. Die meisten Modelle sind rechtsgriffig gebaut. Verwendet wurden sie vorrangig in der Blasmusik und im Posaunenchor.

Herkunft und Bauform Das Horn als Musikinstrument bestand in seiner Urform aus einem Tierhorn, genauer: einer Hornscheide der Hornträger genannten Tiergruppe (Rinder, Schafe, Ziegen). Das Horn wurde dabei an der abgeschlagenen Spitze oder an einer seitlich gebohrten Öffnung angeblasen.

Hörner von der Urzeit bis ins 17. Jahrhundert Die ältesten Hörner gehen auf Schneckengehäuse, Röhrenknochen, Tierhörner, Holz und Terrakotta zurück. Sie fanden unter anderem für kultische und militärische Zwecke Anwendung.

Überliefert sind Schneckenhörner aus Assyrien, die bei Kulthandlungen in der Zeit um 2000 bis 1500 v. Chr. verwendet wurden. Das australische Didgeridoo existiert laut Höhlenzeichnungen mindestens seit 1000 v. Chr., der älteste Fund ist etwa 1500 Jahre alt. Priester altmexikanischer Kulturen benutzten Schneckenhörner, die sie Tecciztli oder Quiquiztli nannten und mit denen sie Regengötter beschworen. Das jüdische Schofar, ein Widderhorn, ein heiliges Instrument der Israeliten zum Zusammenrufen der Gemeinde Der „erste schriftlich benannte Trompetenbauer“ (1000 v. Chr.) : „Und der HERR redete mit Mose und sprach: Mache dir zwei Trompeten von getriebenem Silber …“ – Die sieben „Posaunen von Jericho“ erklangen zeitnah (ca. 80 Jahre) danach unter Josuas Heerführung Die Etrusker brachten um 700 v. Chr. halbmondförmig gebogene Terrakotta-Hörner aus ihrer griechischen Heimat nach Mittelitalien mit. Schon sehr früh entwickelten Völker des Altertums die Kunst, Blasinstrumente aus dünnwandigen Metallrohren herzustellen, etwa die Ägypter, Inder, Chinesen, Hebräer und Griechen. Die Römer kannten das Cornu, laut Vegetius auch Tuba und Bucina. Die Germanen gossen ihre Luren aus Bronze. Aus dem frühen Mittelalter bekannt ist der Olifant, ein Elfenbeinhorn, das aus einem ausgehöhlten Stoßzahn eines Elefanten hergestellt wurde. Das Hifthorn war ein Signalhorn, das anfänglich aus Rinderhorn hergestellt wurde und später ein Mundstück aus Metall aufgesetzt bekam. Bereits um 1500 ist das Alphorn in seiner heutigen Form in der Schweiz nachgewiesen. Sicher sind ähnlich gebaute Instrumente schon früher in vielen Kulturen unabhängig voneinander gebaut worden. Vom Mittelalter bis in das 18. Jahrhundert wurden Hörner aus Rinderhörnern von Nachtwächtern, Feuerwärtern, Turmbläsern, Hirten, Bäckern und Postillonen verwendet. Seltener bestanden Hörner auch aus Bronze. Instrumente mit einem wesentlichen Merkmal des heutigen Waldhorns, der kreisrund gebogenen Röhre, kannte man schon in der Spätantike. Wegen der technischen Schwierigkeiten dürften jedoch erst im späten Mittelalter wieder solche Instrumente gebaut worden sein. So finden sich Abbildungen solcher „Hörner“ auf Darstellungen in Worcester oder in Terlan in Tirol.

Vorläufer des Horns mini|hochkant|Elias Gottlob Haußmann: Gottfried Reiche (um 1726) mit einem sogenannten Corno da caccia Am Ende des 17. Jahrhunderts hielt das kreisrunde Horn Einzug in die Kunstmusik. Ludwig XIV. beschäftigte 14 Parforce-Hornisten für die Gestaltung der Hofmusik. Schon bald brachte Jean-Baptiste Lully auch diese Instrumente in das Orchester. Ähnlich den Trompetern wurden im Barock auch für die Hornisten Partien und Solokonzerte in sehr hoher Clarinlage geschrieben.

Dieses Instrument, das Corno da caccia, war jedoch nach Bauart und Klang eine rund gebaute Trompete, die mit einem Kesselmundstück gespielt wurde. Es wurde vom böhmischen Grafen Franz Anton von Sporck 1681 in Deutschland eingeführt. In der Folge wurde das Hornblasen in Böhmen besonders gepflegt und die ersten großen Hornisten auf dem Waldhorn stammten aus Böhmen, wie Anton Joseph Hampel, Johann Wenzel Stich, Karl Haudek oder Johann Joseph Rudolph.

Daneben wurden in dieser Zeit weitere kreisrunde Instrumente entwickelt, etwa das Parforcehorn, ein großwindiges Instrument zur reiterlichen Jagd. mini|hochkant|Trompe de chasse (franz. Art des Parforcehornes)

Naturhorn Dem Dresdner Hornisten Anton Joseph Hampel kommt das Verdienst zu, durch mehrere entscheidende Veränderungen aus dem Corno da caccia den Typus des heutigen Waldhorns entwickelt zu haben.

Einführung der Stopftechnik. Um das Jahr 1753 entwickelte Hampel die Stopftechnik entscheidend und gab diese als einer der besten Lehrer seiner Zeit auf diesem Instrument auch an seinen Schüler (Giovanni Punto) weiter. Unter diesem Stopfen versteht man vordergründig bei Naturhörnern eine Technik zur Tonhöhenänderung der Naturtöne, bei der mit der (üblicherweise rechten) Hand im Trichter des Horns dieser verschieden weit verschlossen (gestopft) wird. Das bewirkt eine stufenlose Vertiefung der Tonhöhe bis zu ca. einer Terz. Das vollständige Herausnehmen der Hand bewirkt eine Erhöhung bis zu ca. einem Viertelton. Diese Technik bedarf großer Übung und muss für jeden Ton differenziert werden, da eine einhergehende Veränderung der Klangfarbe ebenfalls vom Bläser kompensiert werden muss. Zum Ausgleich der Intonation beim modernen Ventil-Waldhorn wird sie ebenso verwendet.