mini|hochkant=1.5|Westfront des Konzerthauses mini|hochkant=1.5|Luftaufnahme des Konzerthauses

Das Konzerthaus Freiburg ist ein 1996 eröffnetes Gebäude in Freiburg im Breisgau. Gebaut nach einem Entwurf des Architekten Dietrich Bangert, wird es für Konzert- und Kulturveranstaltungen sowie für Kongresse und Tagungen genutzt. Unter dem Arbeitstitel „Kultur- und Tagungsstätte“ (KTS) war es bis zu seiner Eröffnung eines der am heftigsten umstrittenen Bauvorhaben in Freiburg seit Kriegsende. Bis 2016 war es Hauptsitz des SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg. Es ist mit seinem variabel einsetzbaren großen Saal Austragungsstätte für zahlreiche weitere Veranstaltungen.

Lage, Umgebung und Verkehrsanbindung

mini|Lageplan des Konzerthauses

Das Konzerthaus nimmt einen großen Teil des Bebauungsblocks an der Bismarckallee zwischen Bertoldstraße und Sedanstraße am westlichen Rand des Freiburger Stadtteils Altstadt ein. Die Wiwilíbrücke verbindet für Fußgänger den Konrad-Adenauer-Platz als Vorplatz direkt mit der Grünfläche vor der Herz-Jesu-Kirche im benachbarten Wohnviertel Stühlinger. Auf der rückwärtigen Seite befindet sich im angrenzenden Bebauungsblock das Stadttheater.

Das Konzerthaus liegt in direkter Nachbarschaft zum Hauptbahnhof, zu den Straßenbahnhaltestellen auf der Stühlingerbrücke und zum Busbahnhof. Eine Fahrradverleihstation befindet sich am südlichen Ende des Konrad-Adenauer-Platzes. Die Wiwilíbrücke ist Ausgangspunkt verschiedener Radwege.

Architektur

Zur Illustration siehe auch Bildergalerien unter Weblinks

links|120px|Logo des Konzerthauses mit Stadtloggia

Dem Architekten Dietrich BangertDietrich Bangert: Ich glaube gar, der ganze Tempel singt! In: Konzerthaus Freiburg. Freiburger Stadtbau GmbH, 1996, ISBN 3-925560-89-0. zufolge ist das Konzerthaus in seiner Bauweise nicht einer gängigen Schule oder einem Baustil zuzuordnen. Vielmehr repräsentieren die lose in die asymmetrische Grundfläche eingefügten Säle und das großzügig auf mehreren Ebenen angelegte und an vielen Punkten über Treppen verbundene Foyer „ein kleines Stück Stadt unter einem Dach“. Die Fassaden stellen die alten Blockgrenzen nahezu vollständig wieder her und durch Übernahme der angrenzenden Gebäudehöhen passt sich das Gebäude in das umgebende Stadtbild ein und überragt es nicht.

Eingangsbereich und Foyer

mini|Das Dach der Stadtloggia

Während die Nordfassade in graurosa Granit mit einem Säulengang (Kolonnade) einen geschlossenen Eindruck bietet und damit die in der Bertoldstraße durchgängig hohe Bauflucht übernimmt, öffnet sich nach Westen eine breite Glasfront mit dem Haupteingang. In etwa 20 m Höhe wird sie von einer großen, spitzwinklig zulaufenden und von Säulen getragenen Stadtloggia in grauweißem Sichtbeton überspannt. Die Stadtloggia war als einziges markantes Außenmerkmal auf dem früheren Logo des Konzerthauses abgebildet.

mini|links|Fenster an den Schäften der Säulen

Im Erdgeschoss befinden sich der Empfangstresen und die Garderoben. Das Foyer bietet vor allem im ersten Obergeschoss Platz für Empfänge und Ausstellungen. Dort befindet sich auch der obere Zugang zum Parkett des Rolf-Böhme-Saals (bei Konzertbestuhlung) und ein größerer Balkon unterhalb der Stadtloggia. Über eine Galerie im zweiten Obergeschoss erreicht man die Zugänge zu den Seitenrängen und zur Empore des großen Saals sowie den Runden Saal am südwestlichen und den kleinen Saal am nordöstlichen Ende des Gebäudes sowie einen weiteren Balkon.

Rolf-Böhme-Saal

Der Rolf-Böhme-Saal ist ein rechtwinkliger, 47 m langer und 19 m breiter und 17 m hoher Konzertsaal, der in der Art eines Kirchenschiffs angelegt ist. Er wurde nach dem früheren Oberbürgermeister Freiburgs Rolf Böhme benannt, in dessen Amtszeit das Konzerthaus errichtet wurde. Die langgezogenen, bis zur Bühne reichenden, tiefen Seitenränge des Raums sind großflächig mit amerikanischer Kirsche getäfelt. Mit Konzertbestuhlung fasst der Saal maximal 1744 Personen.Konzerthaus Freiburg, Rolf Böhme Saal Bestuhlungspläne, abgerufen am 21. September 2015.

Das in Streifenpodien gegliederte Parkett, dessen tiefster Punkt fast auf Straßenniveau liegt, kann vollständig auf Höhe der Hauptebene des Foyers gefahren werden, um eine durchgängige Fläche zu bilden und die Möglichkeit zum Aufbau eines Banketts zu geben. Zusätzlich können die Seitenränge über ein Seilzugsystem mitsamt Bestuhlung um 90 Grad nach oben gezogen werden, eröffnen dadurch weitere seitliche Zugänge und verkleinern durch die entstehenden niedrigen Seitenschiffe das Volumen des Raumes erheblich. Darüber hinaus tragen freigelegte schallabsorbierende Flächen und großflächige Öffnungen den unterschiedlichen akustischen Voraussetzungen für den Musikbetrieb und für Veranstaltungen mit Sprachbeiträgen Rechnung. Um die ungünstigen Effekte des hohen Bühnenraums auszugleichen, wurden 30 in der Höhe verstellbare, kreisrunde Schallsegel aus Acrylglas installiert und bewegliche Paravents erstellt. Sie sollen, zwischen den Musikern und der Rückwand aufgestellt, zusammen mit den Schallsegeln zusätzliche Resonanzräume bieten. Dadurch werden auch die fehlenden Resonanzräume, die ursprünglich bei einer Orgel für die Rückwand des Saales eingeplant waren, teilweise ausgeglichen. Der Saal kann durch die Oberlichter auch mit Tageslicht beleuchtet werden.

mini|zentriert|400px|Skizze des großen Saals in Konzertausführung (o.) und Bankettausführung (u.)

Runder Saal

mini|Lageplan der Säle im 2. OG

Im zweiten Obergeschoss bilden zwei kreisrunde Säle am südwestlichen und nordöstlichen Rand ein Kontrastprogramm zur Axialität des großen Saals. Die große Trommel im Südwesten ist dabei nur im zweiten Stock vom Konzerthaus aus begehbar, die beiden darunter liegenden Stockwerke wurden im Rahmen der Kostenersparnis zur Nutzung an das Hotel abgegeben. Als Amphitheater mit 27 m Durchmesser angelegt, fasst dieser Runde Saal bestuhlt bis zu 350 Personen. Die an den Wänden entlanglaufende niedrige Empore verstärkt gegenüber dem großen Saal den Eindruck der Introvertiertheit, wogegen das große zentrale Oberlicht und ein geplantes, aber nicht umgesetztes zentrales Podium das Publikum „wie ums Feuer“ versammeln sollten. Der Saal ist damit insgesamt auf Sprachbeiträge wie Vorträge und Lesungen ausgelegt, aber auch für Kleinkunstveranstaltungen und Kammermusik geeignet.

Tagungsräume, Verwaltung und Nutzräume

Angefangen mit der kleinen Trommel im Nordosten des Gebäudes, stehen im zweiten Obergeschoss insgesamt neun Tagungsräume entlang der Bertoldstraße zur Verfügung. Von den acht rechteckigen Räumen lassen sich die mittleren sechs variabel kombinieren und so unterschiedlichen Anforderungen anpassen. Sie sind, wie die darüber liegenden Büros, mit moderner Kommunikationstechnologie ausgestattet.

Für den Konzertbetrieb existieren im Erdgeschoss Künstlergarderoben, ein Aufenthaltsraum im Zwischengeschoss hinter dem großen Saal, Räume für Regie, Tontechnik, Übersetzer und Verwaltung unter dem Dach sowie Instrumentenlager im Untergeschoss. Alle Räume sind über interne Treppen oder Aufzüge ohne Kontakt zum Publikumsbereich erreichbar. Externe Veranstalter können den Innenhof über die Sedanstraße anfahren und die Bühne ebenerdig über die Rückwand des großen Saals beliefern.

Baugeschichte mini|Heutiger Standort des Konzerthauses Freiburg im Jahr 1984, Blick von der Stühlingerbrücke

Vorgeschichte (bis 1983)

Bei der Bombardierung in der Nacht vom 27. November 1944 verlor Freiburg mit der Kultur- und Festhalle am Stadtgarten seinen bis dahin größten öffentlichen Versammlungsraum. Sie war 1854 vom badischen Architekten Friedrich Eisenlohr vollendet worden und bot Platz für bis zu 5000 Personen. Auch durch den Bau der Stadthalle 1954 konnte diese Lücke nur unzureichend geschlossen werden, da sich das Einraumkonzept der Halle und der abgelegene Messestandort am östlichen Rand der Innenstadt für viele Veranstaltungen als unzureichend erwies. Außerdem hatte sich das Stadtzentrum bis Mitte der 70er Jahre aufgrund zahlreicher Neubaugebiete und Stadteingliederungen immer weiter nach Westen in die Rheinebene verlagert.

Ende der 1970er Jahre nach einem Entwurf des Architekten Manfred SaßStadt Freiburg: Der neue Hauptbahnhof Freiburg. Presse und Informationsamt/Stadtplanungsamt, Freiburg Juli 2001, S. 55. wurde daher ein Projekt zur kompletten Überbauung der Bahn zur Verbindung der Stadtteile und Stühlinger geplant. Da hierfür jedoch immense Baukosten von rund 86 Millionen DM erwartet wurden und die Deutsche Bundesbahn durch die zunehmenden Konkurrenz des Flugzeugs kein Geld für Großprojekte ausgeben wollte, kam die Bahnhofsplatte nie über den Status eines Pilotprojekts hinaus. Weitere Entwürfe, die bereits zu diesem Zeitpunkt verworfen worden waren, sahen einen Neubau hinter dem Stadttheater oder die Erweiterung des Karlsbaus vor.

Planungsphase (bis 1992)

Das Projekt „Kultur- und Tagungsstätte“

1982 führten Regierungswechsel auf allen politischen Ebenen zu einer kurzfristigen Unterbrechung der Bestrebungen, ein großes öffentliches Gebäude zu errichten.

Zwei Jahre später sicherte Ministerpräsident Lothar Späth dem Oberbürgermeister Rolf Böhme die finanzielle Unterstützung des Landes zu. Im März 1984 wurde eine Projektstudie „Kultur- und Tagungsstätte“ angefertigt und vom Gemeinderat genehmigt.

Diese Studie nutzte, in Anlehnung an die zuvor angeregte Bahnhofsplatte, ein stadteigenes Grundstück in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs. Mit geschätzten 80 Millionen DM Baukosten und einem Gebäude, das sich in die umliegende Architektur anpasst anstatt sie zu überragen, war die Studie wesentlich realistischer und den leeren Kassen angemessener als der gescheiterte Vorgänger.

Ein anschließend in Auftrag gegebenes Gutachten zu Marktchancen und Wirtschaftlichkeit des Projekts verfeinerte die Richtlinien und legte Rahmenbedingungen für die Größe des Hauptsaals mit 1600 Plätzen bei flexibler Nutzbarkeit sowie die Planung eines benachbarten Hotels in privater Trägerschaft fest.

Mit dem Gemeinderatsbeschluss vom 12. November 1985 wurden die Kosten auf 70,5 Millionen DM festgelegt, die mit 30 Millionen DM Landesmitteln und einer günstigen Eigenkapitalbildung der städtischen Kommunalbaugesellschaft finanziert werden sollten. Dabei wurde eine Preissteigerung bis zum geplanten Eröffnungstermin 1991 auf insgesamt 76 Millionen DM einkalkuliert. Zur Realisierung wurde ein zweistufiger Architektenwettbewerb mit relativ strikten Vorgaben durchgeführt, um gewagte und mit großem Kostenrisiko verbundene Vorschläge zu vermeiden.

Widerstand gegen die KTS

Während das Projekt im Gemeinderat und bei Veranstaltern großen Zuspruch erfuhr und bereits 1984 der später namensgebende Förderverein Konzerthaus Freiburg gegründet worden war, artikulierten sich auch bald die Gegner des Projekts. So wurde die bereits im Zuge des Projekts Bahnhofsplatte ins Leben gerufene Bürgerinitiative gegen das Kongreßzentrum reaktiviert und richtete sich nun gegen die in der medialen Berichterstattung zum Akronym eingedampfte „KTS“. Diese Initiative war aus Kreisen der autonomen Hausbesetzerszene entstanden und vormals durch heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei in Erscheinung getreten.

Bei der Opposition gegen das Konzerthaus stützten sich die Gegner zunehmend auf offene Briefe, Unterschriftenaktionen und öffentliche Veranstaltungen. Das kann, neben einer generellen Neuausrichtung der alternativen Szene mit Einzug der Grünen in den Bundestag, auch an der Deeskalationspolitik der neuen städtischen Regierung gelegen haben, die der Szene beispielsweise durch Erhalt und Sanierung des zentrumsnahen Wohngebiets „Im Grün“ entgegengekommen war. Die politische Stärkung der vormals außerparlamentarischen Linken zeigte sich bereits bei der Landtagswahl 1984, bei der die Grünen mit 15,7 % in Freiburg bereits doppelt so stark vertreten waren wie im Landesdurchschnitt.