Ausländische Militärbasen in Deutschland werden heute unterhalten, da Deutschland Bündnismitglied der NATO ist, wobei vor allem die US-amerikanischen Streitkräfte Bedeutung haben. mini|350px|Ausländische Militärstandorte in Deutschland im Jahr 2020 (laut Plänen aus dem Jahr 2019)
Geschichte Vor 1945 Militärische Stützpunkte ausländischer Mächte auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland gab es bereits in der Antike. Die Römer versuchten mittels Kastellen und Grenzwällen ihre Nordgrenze gegen die innergermanischen Stämme zu schützen. Im Laufe der Geschichte wechselten mehrfach die Gründe für die Errichtungen von Basen. Die ersten dauerhaften Militärbasen im Gebiet des heutigen Deutschland waren die römischen Legionsstützpunkte, später Festungen, an Rhein und Donau in den damaligen römischen Provinzen Germania inferior und Germania superior, aus denen u. a. die Städte Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln) und Mogontiacum (Mainz) hervorgegangen sind. Im Laufe der Jahrhunderte hat es bei kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Gebiet des heutigen Deutschland immer wieder temporäre militärische Stützpunkte fremder Mächte gegeben. Im Dreißigjährigen Krieg 1618–1648, im Verlauf der Napoleonischen Kriege bzw. Befreiungskriege zwischen 1806 und 1815 sowie bei der Alliierten Rheinlandbesetzung und der Ruhrbesetzung 1923–1925 nach dem Ersten Weltkrieg existierten zudem dauerhafte Stützpunkte ausländischer Streitkräfte in Deutschland.
1945 bis 1989 mini|Truppenparade zum 30. Jahrestag der Gründung der DDR mit einer Formation Flugabwehrraketen vom Typ S-75 Dwina (1979) mini|Häufige Militärübungen in der Bundesrepublik sollten die Verteidigungsfähigkeit der NATO sicherstellen (Aufnahme vom Manöver REFORGER 1985 in Hessen)
Am Ende des Zweiten Weltkrieges war Deutschland von Millionen Soldaten der Siegermächte USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion besetzt. Ein großer Teil dieser Streitkräfte wurde zügig wieder abgezogen oder komplett demobilisiert. Ein Teil blieb als Besatzungstruppen im Land und wurde auf eine Vielzahl ehemaliger Kasernen der Wehrmacht oder neu errichteter Unterkünfte in Deutschland verteilt. Der Ausbruch des Kalten Krieges machte die Zusammenlegung aller vier alliierten Besatzungszonen zu einem Gesamtdeutschland unmöglich und führte 1949 zur separaten Staatsgründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik.
Diese beiden deutschen Staaten wurden in die jeweiligen Militärbündnisse der gegnerischen Blöcke eingebunden (Beitritt der Bundesrepublik zu WEU und NATO 1955, Einbindung der DDR in den 1955 gegründeten Warschauer Pakt). Durch die Pariser Verträge von 1954 wurde in der Bundesrepublik das Besatzungsstatut von 1949 abgelöst und die Stationierung nunmehr offiziell verbündeter westlicher Truppen geregelt. Der Beitritt zur NATO machte die Verlegung weiterer NATO-Streitkräfte (z. B. aus Kanada, den Niederlanden und Belgien) in die Bundesrepublik möglich (NATO-Truppenstatut). In der Britischen Besatzungszone waren darüber hinaus bis Anfang der 1950er Jahre auch norwegische und dänische Truppenkontingente stationiert. In der Sowjetischen Besatzungszone war bis 1994 die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (Bezeichnung ab 1988: „Westgruppe“) der Sowjetarmee stationiert, die größte über einen derart langen Zeitraum bestehende Besatzungsarmee der Geschichte. Durch den Warschauer Pakt und den bilateral abgeschlossenen „Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand“ (Stationierungsabkommen) wurden auch in der DDR aus den sowjetischen Besatzungstruppen offiziell verbündete Streitkräfte. Dieser Stationierungszustand hielt im Wesentlichen unverändert bis zur Wiedervereinigung 1990 an. Hauptquartiere der Stationierungsstreitkräfte Vereinigte Staaten United States European Command (HQ 1952 Frankfurt am Main IG Farben Building, 1953 Camp des Loges (FR), 1967 – heute Stuttgart-Vaihingen. Befehlshaber USCINCEUR zugleich SACEUR) United States Army Europe (HQ 1950 Heidelberg, zugleich bis 1993 COMCENTAG und seit 1966 Befehlshaber Seventh Army, 2013 – heute Wiesbaden) United States Air Force Europe (HQ 1950 Wiesbaden, 1974 – heute Ramstein Air Base) Vereinigtes Königreich Joint Headquarters (Rheindahlen) British Army on the Rhine (HQ 1945 Lübbecke und Bad Oeynhausen, 1958–1993 JHQ, zugleich COMNORTHAG) Royal Air Force Germany (HQ 1946 RAF Bückeburg, 1958–1993 JHQ) Frankreich Forces Françaises en Allemagne (HQ 1945 Lindau, 1945–1994 Baden-Baden / Bâtiment Administratif Baden-Oos BABO) Belgien Forces Belges en Allemagne / Belgische Strijdkrachten in Duitsland (HQ 1947 Lüdenscheid, 1948 Bonn, 1949–1996 Köln-Weiden) Niederlande Niederländische Brigade (HQ 1963–2006 Seedorf bei Zeven) Kanada Kanadische NORTHAG-Brigade (HQ 1951 Hannover, 1955–1968 Soest) Canadian Forces Europe / Forces Canadiennes Europe (HQ 1968–1993 Lahr) Dänemark Den Danske Brigade i Tyskland (HQ 1947 Jever, 1949–1958 Itzehoe) Norwegen Norske Tysklandsbrigaden (HQ 1947 Northeim, 1948 Neumünster, 1949–1953 Rendsburg und Flensburg) Luxemburg Luxemburgische Brigade (HQ 1945–1955 Bitburg)
1990 bis heute Im Zwei-plus-Vier-Vertrag wurden auch die militärischen Fragen im Zusammenhang mit der deutschen Vereinigung geregelt: Das vereinigte Deutschland würde Mitglied der NATO bleiben; die etwa 400.000 sowjetischen Soldaten sollten bis Ende 1994 vollständig aus dem Gebiet der ehemaligen DDR abziehen, und in der ehemaligen DDR und Berlin dürfen keine ausländischen Streitkräfte oder Nuklearwaffen stationiert werden.
Nach 1989 (Ende des Kalten Krieges, Zerfall des Ostblocks, Zerfall der Sowjetunion) reduzierten auch die NATO-Verbündeten ihre militärische Präsenz in Deutschland drastisch. Die USA reduzierten ihre Truppen zwischen 1990 und 2000 von über 200.000 auf etwa 70.000 Soldaten. Belgien zog seine in Deutschland stationierten Verbände nahezu komplett ab; ebenso Kanada.Anm.: Kanada hatte seit Dezember 1951 Truppen in Deutschland; sie waren Teil der NATO-Truppen (IfZ Heft 4 (1967))
Es existieren in Deutschland (neben der Bundeswehr) auch weiterhin zahlreiche militärische Stützpunkte von verbündeten Streitkräften, vor allem die der US Army (Heer) und der US Air Force (Luftwaffe). Die Vereinigten Staaten stellen mit ungefähr 35.000 US-Militärangehörigen auch das größte ausländische Kontingent in Deutschland und sind vorwiegend in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz stationiert. Die Britischen Streitkräfte in Deutschland sind als Nachfolger der Britischen Rheinarmee noch mit 342 MilitärangehörigenQuelle: Bundeswehr, Mai 2020 in Nordrhein-Westfalen vertreten. Bereits 2002 waren die letzten Teile der RAF Germany sowie die belgischen Streitkräfte in Deutschland abgezogen worden. Das französische Heer ist nur noch am Hauptquartier der Deutsch-Französischen Brigade in Müllheim vertreten.Zu den Planungen der französischen Regierung im Jahre 2008 vgl.: Bundeswehr nach Frankreich. In: FAZ, 27. November 2008, S. 2. Die Niederlande sind im 1. Deutsch-Niederländischen Korps vertreten.
2013 wurde eine vom US-Verteidigungsministerium in Auftrag gegebene Studie veröffentlicht, in der Kosten und Nutzen von ausländischen Basen analysiert und auch explizit Empfehlungen für deren Zukunft ausgesprochen wurden. In den drei dort vorgestellten – größere und kleinere Reduzierungen umfassenden – Szenarien wurden z. B. die Standorte Schweinfurt, Heidelberg und Bamberg in allen drei Analysen als Minimalvariante eines Abzuges vorgeschlagen, was auch 2014 erfolgte. Als potentiell schließbare Standorte wurden Ansbach/Illesheim, Grafenwöhr, Hohenfels, Vilseck und Baumholder genannt.Overseas Basing of U.S. Military Forces. An Assessment of Relative Costs and Strategic Benefits. (PDF; 6,6 MB) S. 417 Die RAND-Studie empfahl, die Standorte in und um Kaiserslautern (Ramstein, Miesau, Medical Center), Spangdahlem, Wiesbaden und Stuttgart zu behalten.
Insgesamt hat sich seit 1990 ein grundlegender Wandel in der Form der Stationierung insbesondere bei den in Deutschland ansässigen europäischen Streitkräften vollzogen: Während bis 1990 Standorte, Übungsplätze und Kasernen klar der Federführung einzelner Nationen zugeordnet werden konnten, ist seit 1990 ein viel integrativeres Element festzustellen. So sind die französischen und niederländischen Truppen Teile binationaler Strukturen (Deutsch-Französische Brigade und Deutsch-Niederländisches Korps), die Niederlande leasen deutsche Panzer, britische Soldaten sind in einer Kaserne und britische Munition in einem Depot der Bundeswehr angesiedelt und der einzig verbliebene Übungsplatz der Briten wird fast die Hälfte der Trainingswochen im Jahr von der Bundeswehr und anderen NATO-Verbündeten genutzt. Bei den Standorten der US-Streitkräfte kann man dieses integrative Element zumindest auch für den Truppenübungsplatz Grafenwöhr feststellen, der in einem hohen Maße (fast zu 40 %) auch von der Bundeswehr und anderen (NATO-)Verbündeten mitgenutzt wird. (toter Link)
mini|Standorte der US Armed Forces in Deutschland im Jahr 2014
Seit dem Ende des Kalten Krieges hat sich insbesondere für die US-Truppen die Aufgabenstellung der Stationierung in Deutschland verändert. Die Aufgabe des Schutzes vor einer Bedrohung durch fremde Mächte ist zurückgetreten, während die Organisation von Einsätzen in Asien und Afrika an Bedeutung gewonnen hat. Diese Einsätze werden insbesondere über Ramstein und Stuttgart gesteuert.
Geplanter Teil-Truppenabzug der USA Im Juni 2020 wollte der damalige Präsident Trump einen Teil der US-Truppen aus Deutschland abziehen. Ende Juli 2020 informierte Verteidigungsminister Esper im Detail, dass die Truppenstärke auf 24.000 Soldaten reduziert werden sollte. Der Abzug von knapp 12.000 Mann, die rund ein Drittel der derzeit noch in Deutschland stationierten Truppen ausgemacht hätte, sollte ab September 2020 erfolgen. Planungen dafür bestanden bereits seit Sommer 2019 und wurden mit dem aus Sicht der Regierung um Trump zu geringem finanziellen Beitrag Deutschlands für die NATO begründet. Betroffen sein sollten dabei insbesondere die Standorte Vilseck, Grafenwöhr, Stuttgart und Spangdahlem. Die Kommandozentrale der US-Truppen in Europa sollte zudem von Stuttgart ins belgische Mons verlegt werden. Gut die Hälfte der abgezogenen Soldaten sollte in die USA zurückkehren, die anderen nach Osteuropa, Italien und Belgien verlegt werden.US-Truppenabzug aus Deutschland: Ein Konzept, kein PlanMilliarden teuer, am Ende ein Eigentor: Was hinter Trumps US-Truppenabzug aus Deutschland steckt
Der frühere Befehlshaber der US-Truppen in Europa, General Ben Hodges, kommentierte dies im Juni 2020 mit den Worten: „Der Grund, aus dem wir US-Truppen in Deutschland stationiert haben, ist nicht der Schutz der Deutschen – alles, was wir haben, ist zu unserem Nutzen.“ Und an anderer Stelle: „Die US-Truppen in Deutschland dienen vor allem zur schnellen Unterstützung von Kräften, die aus den USA kommen, mit Logistik, Verwaltung oder Kommunikation. Die einzigen echten Kampftruppen, die wir haben, sind im bayerischen Vilseck stationiert. Das ist es. Alles andere ist nötig, um amerikanische Einheiten etwa auf dem Weg nach Afrika oder in den Mittleren Osten zu unterstützen.“ Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr Harald Kujat vertrat die gleiche Meinung: „Die Amerikaner sind nicht hier, um uns einen Gefallen zu tun, sondern weil sie strategische Interessen haben.“