mini|Geschäftssitz der Osnabrücker Stadtwerke Die Stadtwerke Osnabrück AG sind seit 1858 für die Versorgung der Stadt Osnabrück zuständig. Neben Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung führen sie auch öffentlichen Personennahverkehr in der Stadt durch und betreiben den Hafen sowie mehrere Schwimmbäder. Über die Wohnen in Osnabrück GmbH (WiO) betreiben sie seit 2020 auch lokal Wohnungsbau und -vermietung.
Das Unternehmen ist seit 1964 eine Aktiengesellschaft, sämtliche Anteile befinden sich aber im Eigentum der Stadt Osnabrück.
Geschichte Gründung des Gas- und Wasserwerk 1858 bis 1899 Im Jahr 1858 wurde in Osnabrück das erste städtische Gaswerk gegründet, um Haushalte und Straßenbeleuchtung mit Stadtgas zu versorgen.Joachim Dierks: Gas direkt aus Osnabrück. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 6. April 2022, S. 14. Nach zwei Cholera-Epidemien in Osnabrück wurden Ende des 19. Jahrhunderts neue Maßnahmen zur Hygienesicherung des Trinkwassers nötig, und 1890 auch die Wasserversorgung durch die Stadt übernommen. Am 17. Dezember 1890 wurde so das Gas- und Wasserwerk der Stadt Osnabrück gegründet und ein Jahr später das erste städtische Wasserwerk im Schinkel in Betrieb genommen. Der steigende Bedarf machte in den folgenden Jahrzehnten mehrfach eine Verbesserung der Wasserversorgung nötig; das 1908 eröffnete Wasserwerk Düstrup ist heute noch in Betrieb.Woher kommt das Trinkwasser? In: Neue Osnabrücker Zeitung, 3. August 2021, S. 9.
Bereits 1882 begannen Planungen, in Osnabrück einen Hafen für die angesiedelte Industrie zu bauen. Da jedoch als Wasserweg nur die Hase zur Verfügung stand, die keine größeren Schiffe aufnehmen konnte, ließ man diese Planung zunächst wieder fallen. Etwa 25 Jahre später wurde dann der Mittellandkanal gebaut, der allerdings etwa 15 Kilometer an Osnabrück vorbei verlief. Eine Anbindung an das Wasserstraßennetz war jedoch damit endlich in greifbare Nähe gerückt und ab 1910 wurde der Stichkanal Osnabrück gebaut, der die Stadt mit dem Mittellandkanal verbinden sollte.
Elektrizitätswerk und Hafenbetrieb 1900 bis 1935 Im Jahr 1900 wurde in Osnabrück auch ein Elektrizitätswerk gebaut, dieses wurde jedoch zunächst noch von der AEG betrieben und erst nach fünf Jahren von der Stadt übernommen und in die Stadtwerke eingebracht. Schon 1911 wurde allerdings mit einer Fremdfirma über die Lieferung von elektrischem Strom verhandelt und wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg wurde die eigene Stromerzeugung im Jahr 1921 zunächst wieder beendet.
Im Jahr 1913 wurden dann die ersten Verträge zum Betrieb des Hafens unterzeichnet. Ebenfalls im Jahr 1913 begann die Stadt mit dem Bau der Hafenbahn am Stichkanal Osnabrück und im Sommer 1914 fand auf den bis dahin fertiggestellten Abschnitten im dortigen Hafen ein erster Fahrbetrieb statt. Die Abnahme der Gleisanlagen erfolgte am 4. Mai 1915, als Tag der offiziellen Inbetriebnahme der Hafenbahn gilt der 1. November 1915. Am 3. April 1916 lief das erste Schiff in den Hafen einJoachim Dierks: Als die Hansestadt Hafenstadt wurde. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 18. November 2015.Christoph Lützenkirchen: Geht da noch was im Osnabrücker Hafen? In: Die Wirtschaft, 27. August 2020, S. 6. und am 19. April 1916 wurde ein verlängertes Hafengleis zum Anschluss der Papierfabrik Kämmerer abgenommen. Von da an wurde der Hafen immer weiter ausgebaut, 1960 war schließlich das etwa 30 ha große Gelände komplett verpachtet.
In den folgenden Jahren wurde das Leitungsnetz weiter ausgedehnt, ab 1930 wurde ein erneuter Versuch gestartet, die Elektrizitätsversorgung in Eigenregie zu übernehmen, dieser wurde jedoch nach fünf Jahren gestoppt, als die Elektrizitätsversorgung per Gesetz unter Aufsicht der Reichsregierung gestellt wurden.
Zweiter Weltkrieg und Wiederaufbau Während des Zweiten Weltkriegs wurde durch die Luftangriffe auf Osnabrück auch das Leitungsnetz der Stadtwerke schwer in Mitleidenschaft gezogen und das Gaswerk völlig zerstört. Im Jahr 1960 stellten die Stadtwerke Osnabrück den Betrieb der elektrischen Straßenbahn ein, womit Osnabrück zunehmend zu einer Autostadt wurde.
In den Jahren des Wiederaufbaus nahm langsam die Bedeutung der Elektrizität gegenüber dem Stadtgas zu, im Jahr 1961 wurde schließlich die eigene Gasproduktion eingestellt. Das benötigte Gas wurde ab diesem Zeitpunkt wie auch der Strom von der RWE bezogen.
1964 wurde das Unternehmen zu einer Aktiengesellschaft, die Stadt Osnabrück blieb jedoch der Eigentümer.Wann fiel das Moskau an die Stadtwerke? In: Neue Osnabrücker Zeitung, 24. Juli 2013.
Von 1967 bis 1969 wurde die Straßenbeleuchtung auf elektrischen Strom umgestellt, seitdem wird Erdgas fast ausschließlich zum Heizen genutzt.
Einstieg in die erneuerbaren Energien ab 1990 mini|Windkraftanlagen am Piesberg
1990 wurde mit dem Windpark Piesberg einer der ersten Windkraftstandorte im deutschen Binnenland eröffnet.Tina Rybinski: Fledermäuse und Vögel vor Windkraft schützen. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 17. April 2013. 1993 wurde ein erstes Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen, mit dem die Stadtverwaltung, zwei Schulen und ein Schwimmbad mit Wärme versorgt wurden. In den folgenden Jahren investierten die Stadtwerke Osnabrück in die Stromerzeugung durch regenerative Energien.Osnabrücker scharf auf Windenergie. In: Die Tageszeitung, 3. Juni 2010, S. 22. 1996 wurde die erste Solarthermie-Anlage in Betrieb genommen. Weiterhin erfolgte 2011 die Gründung des Kompetenzzentrums Energie zusammen mit der Hochschule Osnabrück.Sie knüpfen das Energienetz mit Japan. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 8. Juli 2017, S. 23.
Seit 2019 sind die Stadtwerke Osnabrück auch vermehrt im Immobilienbereich tätig und 2020 begann das erste kommunale Wohnungsbauprojekt.
Geschäftsfelder und Tochterunternehmen Energie und Wasser Die Stadtwerke versorgen über ein 3000 km langes Netz über 36.000 Anschlüsse mit elektrischem Strom. Der Stromabsatz lag 2022 bei 923,3 Millionen kWh. Über 33.000 Kunden beziehen insgesamt 11 Millionen m³ Trinkwasser pro Jahr von den Stadtwerken; Gas wird an 29.000 Anschlüsse geliefert. Der Gasabsatz lag 2022 bei 3.015,2 Millionen kWh. Außerdem besteht auch eine Wärmedirektversorgung, hier werden über 13 km Leitungen Anschlüsse mit über 50 Gigawattstunden pro Jahr versorgt.
SWO Netz GmbH Die SWO Netz GmbH wurde zum 1. Januar 2013 als hundertprozentiges Tochterunternehmen aus der Stadtwerke Osnabrück AG ausgegliedert. Sie ist eine Netzbetriebsgesellschaft, die die Leitungsnetze und Anlagen für Elektrizität, Gas, Wasser, Beleuchtung, Telekommunikation, Nahwärme und Entwässerung der Stadtwerke unterhält und betreibt. Geschäftsführer der SWO Netz GmbH ist Tino Schmelzle.Stadtwerke gründen Netz-Tochter. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 7. Januar 2013.Thomas Wübker: Mission Glasfaser auf der Zielgeraden. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 11. Juli 2023, S. 14.
Wetterstation Haste Auf dem Gelände der Hochschule Osnabrück in Haste betreiben die Stadtwerke Osnabrück seit 2011 eine Wetterstation. Diese dient zur Erhebung von Informationen für wetterabhängige Bereiche der Stadtwerke, wie z. B. Windgeschwindigkeiten für den Windpark Piesberg und Regenmengen für das Abwassernetz, aber auch zur Planung für die landwirtschaftlichen Bereiche der Hochschule. Die Station ist in das Netzwerk der MeteoGroup/DTN eingebunden.Wetterstation Osnabrück, meteomedia.de, abgerufen am 31. März 2026.
Immobilien und Wohnen Die Stadtwerke Osnabrück sind mit ihren Tochterunternehmen in der Grundstückserschließung und -entwicklung sowie dem Wohnungsbau und der Wohnungsvermietung tätig.Das ist die Wio. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 8. April 2022, S. 13.
Energieservice Osnabrück GmbH (ESOS) Die Energieservice Osnabrück GmbH (ESOS) ist eine hundertprozentige Tochter der Stadtwerke Osnabrück und ist tätig im Bereich Grundstückserschließung und ‑entwicklung. Durch sie wurde beispielsweise eine ehemalige Kasernenfläche in Gewerbe- und Wohnflächen umgewandelt.Es wird ernst im Landwehrviertel. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 30. März 2016, S. 23.
Wohnen in Osnabrück GmbH Die Wohnen in Osnabrück GmbH (WiO) wurde im Juli 2020 als kommunale Wohnungsgesellschaft unter dem Dach der Stadtwerke gegründet, nachdem der Stadt dazu 2019 durch einen Bürgerentscheid der Auftrag erteilt worden war. Ziel der Gesellschaft ist es, Wohnungen zu bauen und unter Berücksichtigung der Einkommenshöhe zu vermieten, um dadurch den Osnabrücker Wohnungsmarkt zu entlasten.
Die ersten 21 sozialgebundenen Wohnungen in zwei Neubauten an der Kokschen Straße im Stadtteil WüsteSandra Dorn: Sozialwohnungsbau teurer als geplant. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 3. August 2020, S. 9. waren im Juni 2021 bezugsfertig. Der Bau der Gebäude erfolgte durch die Stadt Osnabrück und war schon vor der Gründung der neuen Gesellschaft geplant gewesen.Im Stadtteil Wüste sind zwei Häuser mit 21 Sozialwohnungen ab Juni bezugsreif, stadtwerke-osnabrueck.de, 3. Mai 2021, abgerufen am 23. Dezember 2021. Mit Stand Juli 2021 befanden sich laut Angaben der WiO mehr als 400 neue Wohnungen im konkreten Planungsstadium.
Mobilität
Große Teile des Stadtbusnetzes in Osnabrück werden durch die Stadtwerke als Verkehrsunternehmen betrieben. Sie verfügen über 34 Linien und 149 Omnibusse, davon 62 Elektrobusse. 2023 lag die Anzahl der Fahrgäste über 30 Millionen. Mit mehreren Busunternehmen aus dem Landkreis Osnabrück haben sich die Stadtwerke zu einer Verkehrsgemeinschaft zusammengeschlossen, der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS). Über Tochtergesellschaften leisten die Stadtwerke Osnabrück außerdem Parkraumbewirtschaftung und bieten Carsharing an.
SWO Mobil GmbH Seit dem 1. Juli 2024 betreibt die SWO Mobil GmbH im Auftrag der Stadt Osnabrück den Busverkehr im Stadtgebiet.
Stadtteilauto OS GmbH Die Stadtteilauto OS GmbH, an der die Stadtwerke Osnabrück mit 75 Prozent beteiligt sind, betreibt ein lokales Carsharing-Angebot in Osnabrück. Dieses ist eine Kombination aus stationärem und „free-floating“-Carsharing.Harff-Peter Schönherr: Osnabrück sucht Parkplätze. In: Die Tageszeitung, 24. Juli 2024, S. 26.
Osnabrücker Parkstätten-Betriebsgesellschaft mbH Die Osnabrücker Parkstätten-Betriebsgesellschaft (OPG) ist zu 94 Prozent in der Hand der Stadtwerke (die restlichen 6 Prozent werden direkt von der Stadt Osnabrück gehalten) und betreibt Parkplätze und Parkhäuser in Osnabrück mit zusammen über 5000 Stellplätzen. Sie wurde 1967 gegründet, erstes Parkhaus war das 1971 eröffnete Parkhaus Neumarkt (heute Kollegienwall-Garage). Bis 2018 war die Betriebsgesellschaft wiederum mit 25 Prozent an ihrer ehemaligen Tochtergesellschaft, dem deutschlandweit operierenden Parkraumbewirtschafter OPG Center-Parking GmbH, beteiligt. Die Gesellschaft betreibt ebenfalls einige Parkhäuser in Osnabrück. Bis 2018 erfolgte die operative Trennung der beiden Gesellschaften sowie der Verkauf des Anteils von 25 Prozent an das Bielefelder Bau- und Dienstleistungsunternehmen Goldbeck.Sandra Dorn: OPG-Rosenkrieg beendet. In: Neue Osnabrücker Zeitung, 21. August 2018, S. 1.
Eisenbahn und Hafen mini|Hafenanlagen im Stadtteil Hafen
Der Osnabrücker Hafen verfügt über eine Fläche von ungefähr 100 ha. Im Jahr 2023 wurden dort über 1,2 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. 842.300 Tonnen entfielen davon auf den Bahnumschlag und 370.000 Tonnen auf den Wasserumschlag.
Die Hafenbahn verfügt über drei aktive Lokomotiven, eine Schwergutumschlagstelle zur Verladung zwischen Straße, Schiene und Wasser, eine Kopframpe zur Verladung von Straßenfahrzeugen auf Waggons und 24 Kilometer Gleisanlagen mit insgesamt 67 Weichen. Weiterhin gehört eine 3,6 Kilometer lange Kaianlage zum Hafen.