mini|PCK Schwedt mini|Tanklager- und Raffinerieanlagen mini|Silhouette PCK Raffinerie GmbH Die PCK Raffinerie GmbH (ehemals VEB Petrolchemisches Kombinat Schwedt) ist ein Erdölverarbeitungswerk in Schwedt/Oder in der Uckermark (Brandenburg). Die PCK-Raffinerie in Schwedt versorgt zu 95 Prozent die Räume Berlin und Brandenburg mit Kraftstoffen, also Benzin, Diesel, Flugturbinenkraftstoff und Heizöl. Der Marktanteil an der gesamtdeutschen Kraftstoffproduktion beträgt etwa zehn Prozent. Die Abkürzung PCK stand bis 1991 für Petrolchemisches Kombinat, 1991 bis 1996 für Petrolchemie und Kraftstoffe.

Mitarbeiter Für die PCK-Raffinerie arbeiten rund 1200 Mitarbeiter; 22 Prozent der Beschäftigten sind weiblich. Auf dem Gelände der Raffinerie sind 80 weitere Unternehmen mit 2000 Mitarbeitern angesiedelt, von denen viele als Dienstleister für die PCK-Raffinerie arbeiten. Geschäftsführer der PCK Raffinerie GmbH ist seit 1. April 2022 Ralf Schairer. Gegen Ende des Jahres 2022 war die Raffinerie zu 85 %, zu Jahresbeginn 2023 nur zu 50 % ausgelastet. Ende 2022 wurde davon ausgegangen, dass alle Arbeitsplätze bei PCK ab dem 1. Januar 2023 trotz des ab dann geltenden vollständigen Embargos russischen Rohöls erhalten bleiben. In: inforadio.de (MP3, 8 MB).

Verkehrsanbindung und Logistik Das Rohöl aus dem westsibirischen Raum wurde bis Ende 2022 über die ca. 5000 km lange Erdölleitung Freundschaft („Druschba“) transportiert, die hinsichtlich Länge und Förderkapazität eine der größten der Welt ist. Sie wird auf russischem Gebiet derzeit (2023) vom Staatskonzern Transneft betrieben. In Belarus wurde die Pipeline in einen Nord- und einen Südstrang geteilt. Ab dieser Verzweigung floss das Öl über den Nordstrang, der durch Polen führt, nach Schwedt. Rund drei Wochen benötigte das Rohöl, um die 5000 km lange Strecke zu bewältigen. Ab der polnischen Grenze bis zur PCK-Raffinerie wurde die Erdölleitung durch die Mineralölverbundleitung GmbH Schwedt betrieben, an der die Raffinerie selbst Anteile hielt. Bis 2022 erreichten jährlich etwa 18,9 Millionen Tonnen Öl Schwedt über die „Druschba“.

Von PCK aus führen zwei parallel liegende Erdölleitungen (DN 500 und 700) zur Raffinerie Leuna. Somit deckte das über die "Druschba" gelieferte Öl 90 % des Gesamtbedarfs der Raffinerien Schwedt und Leuna und etwa 2/3 der gesamten russischen Öllieferungen in die Bundesrepublik (2021: 28,1 Millionen t.)

Eine 202 km lange Erdölleitung Rostock–Schwedt (1963 in Betrieb genommen), DN 400 versorgt die Raffinerie zusätzlich mit Rohöl. Über diese sog. "Pipeline APR" können 50 % des Rohölbedarfs des Betriebes gedeckt werden, was infolge des ab dem 1. Januar 2023 geltenden Boykotts der EU von russischem Rohöl und der damit verbundenen Drosselung bzw. Einstellung der Lieferung russischen Öls über die Druschba-Leitung von großer Bedeutung ist. Andere Angaben nennen "knapp 60 %" Auslastung, die mit Hilfe von dem Öl aus Rostock beigemischten Fließverbesserern erreicht werden könnten. Die Leitung von Rostock soll für 400 Millionen Euro ausgebaut werden bzw. ist in Teilabschnitten schon grundinstandgesetzt und optimiert worden.

Über eine Produktleitung (1967; 78 km, DN 300) werden jährlich drei Millionen Tonnen Kraftstoffe in den PCK & elf Tanklagerbetrieb Seefeld (PETS) gepumpt. Von hier aus beliefern Tankkraftwagen (TKW) den kompletten Berliner Raum. Auch Westpolen wird mit PCK-Produkten beliefert.finanzen.net: Ölmenge durch Druschba-Pipeline soll erhöht werden - höhere Lieferungen von Kasachstan nach Deutschland Zu DDR-Zeiten wurde Öl auch mit überschweren Kesselwagenzügen (Zugmasse bis 3600 t) vom Rostocker Überseehafen nach Schwedt transportiert.Franz Rittig, Manfred Weisbrod: Baureihe 232 – Die berühmte Ludmilla (= Eisenbahn Journal Extra. Ausgabe 2 / 2012). Verlagsgruppe Bahn, Fürstenfeldbruck 2012, ISBN 978-3-89610-363-5, Seite 68

Sechs Millionen Tonnen Produkte verlassen im Jahr die Raffinerie per Bahn. Der Werkbahnhof ist über eine Zweigbahn an die Bahnstrecke Berlin–Szczecin angeschlossen. Die PCK beliefert den Flughafen Berlin Brandenburg über Kesselwagen zu 80 Prozent mit Flugturbinenkraftstoff. In den letzten Jahren wurden die B 2 und die B 166 erheblich ausgebaut, sodass die Tanklastzüge aus Schwedt auf dem Weg zu den Autobahnen A 11 und A 20 nunmehr mit weniger Ortsdurchfahrten auskommen.

Polen und die Bundesrepublik Deutschland schlossen im Dezember 2022 einen Vertrag über eine Teilbelieferung der Raffinerie über den Hafen Gdansk. Die Ladung von zwei oder drei Rohöltankern pro Monat, insgesamt etwa 3,5 Millionen t pro Jahr, soll über eine Stichleitung nach Płock (PKN Orlen) in den Nordarm der Druschba-Pipeline und über diesen weiter nach Schwedt gepumpt werden. Die Ankunft des ersten Tankers wurde für Ende Januar 2023 erwartet. Zusammen mit dem Öl aus Rostock wäre die Raffinerie ab dann trotz des gänzlichen Verzichts auf russisches Öl zu 70 % ausgelastet.

Kasachstan liefert seit 2023 Rohöl über die „Druschba“ nach Schwedt. Der russische Vizepremier Nowak äußerte Ende Dezember 2022 die prinzipielle Bereitschaft Russlands, kasachisches Öl durchzuleiten. Die staatliche kasachische Ölfirma KazMunayGas erklärte Anfang 2023 die Bereitschaft, 1,2 Millionen Tonnen Öl im weiteren Verlauf des Jahres nach Schwedt zu schicken. Damit könnte die Auslastung der Raffinerie auf 80 % erhöht werden. Nach mehreren fallweisen Lieferungen aus Kasachstan im ersten Halbjahr 2023 wurde im Juni 2023 ein Kontrakt, der die Lieferung von monatlich 100 000 t Öl nach Schwedt bis Ende 2024 fixiert, zwischen beiden Ländern geschlossen. Mit dem Bezug des kasachischen Öls wird die Wirkung des Ölembargos gegen Russland geschwächt, denn es verdient zum einen an den Durchleitungsgebühren; des Weiteren gehören Anteile des kasachischen Ölfelds, von dem PCK beliefert wird, dem russischen Ölkonzern Lukoil.https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/rosneft-oel-russland-kasachstan-zoll-deutschland-102.html Im April 2026 kündigte Russland an, dass es die Durchleitung kasachischen Öls auf dem Nordstrang nach Deutschland ab Mai 2026 einstellen werde.

Werkfeuerwehr und Brandschutz

An einer Feuerwehrwache sind 36 hauptamtliche Kräfte im 24 h Dienst, sowie über 100 nebenberufliche Kräfte für besondere Einsatzlagen in BereitschaftPCK Raffinerie Werkfeuerwehr und Brandschutz abgerufen am 24. Jan. 2024.

Unter anderem sind folgende Fahrzeuge auf der Wache:

Zwei Universallöschfahrzeuge zur Brandbekämpfung SLF Panther zur kurzfristigen autarken Schnellbrandbekämpfung GW-Umwelt für ABC-Gefahrenlagen Change-House HLF (Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug) für Technische Hilfeleistung Erste-Hilfe-Fahrzeug

Produktion Die PCK-Raffinerie verarbeitete bis 2022 hauptsächlich Rohöl aus Russland. Das Unternehmen hat eine Verarbeitungskapazität von 12 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr.

Hergestellte Raffinerieprodukte sind u. a. Motorenbenzin (2010: 2,7 Mio. t), Kerosin (Jet A1) (0,4 Mio. t), Dieselkraftstoff (3,4 Mio. t), Heizöl (extra leicht und schwer) (2,0 Mio. t) und weitere Produkte (2,4 Mio. t) (darunter Propan, Butan, Bitumen, Schwefel, Natriumsulfat, Propen, ETBE (aus Bioethanol), Benzol, Toluol und Xylole).

PCK hat seit Anfang der 1980er Jahre den Bereich der Umwandlung von schweren Prozessrückständen in Kraftstoffkomponenten, die sogenannte Konversion, ausgebaut. In dem 1998 fertiggestellten Kraftwerk mit dreistufiger Rauchgasreinigung wird der schwere Rückstand verbrannt und in Dampf und elektrische Energie umgewandelt. Die Leistung des Kraftwerks beträgt rund 300 MW. Bis zu 130 MW werden in das Stromnetz eingespeist. Die Raffinerie versorgt die Stadt Schwedt außerdem mit Fernwärme.

2004 nahm PCK als erste Raffinerie in Deutschland die großtechnische Produktion eines Oktanzahlverbesserers auf Basis biogener Komponenten (ETBE-Anlage) auf, der dem Bereich Biokraftstoffe zugerechnet werden kann. Zwei Jahre später ging eine zweite Anlage ans Netz, mit der PCK ebenfalls Bioanteile chemisch in Benzinkomponenten einbindet – eine Leichtbenzinveretherungsanlage.

Die Rohölverarbeitungskapazität lag 2019 bei circa 11 % der gesamten deutschen Verarbeitungskapazität. Die Produktion im Jahr 2020 betrug 3,6 Mio. t Dieselkraftstoffe, 3,1 Mio. t Ottokraftstoffe, 1,7 Mio. t Heizöle, 0,2 Mio. t Flugturbinenkraftstoff und 2,5 Mio. t weitere Produkte.

Nach der Einstellung des Bezugs von Rohöl russischen Ursprungs am Ende des Jahres 2022 wurden die Anlagen, die jahrzehntelang auf diese russischen Ölsorten eingerichtet und optimiert waren, auf die Verarbeitung anderer Öle umgestellt.

Die Raffinerie darf 20 Millionen Kubikmeter Grund- und Oberflächenwasser pro Jahr entnehmen.

Geschichte

DDR bis Treuhandanstalt mini|Das petrolchemische Kombinat, 1974 mini|Das Petrolchemische Kombinat, 1981 mini|Werkseingang zum VEB Petrolchemisches Kombinat (PCK)

Die DDR-Führung beschloss 1958 den Ausbau ihrer Grundstoffindustrie und bestätigte Schwedt an der Oder als Standort für das Erdölwerk. Der Bau des Werkes erfolgte mit dem Bau einer gemeinsamen Erdölleitung durch die damaligen sozialistischen Staaten innerhalb des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), der sogenannten „Erdölleitung der Freundschaft“ (heute: Mineralölverbundleitung). Noch heute ist die Leitung aus dem Gebiet Tjumen mit über 5000 km die längste Pipeline der Welt. Der Grundstein für den Betrieb wurde am 11. November 1960 gelegt.Chemie gibt Brot, Wohlstand und Schönheit., Kalenderblatt vom 11. November 2010 in Deutschlandradio Kultur (Archiv, abgerufen am 11. Dezember 2023). Im Beisein Walter Ulbrichts floss das erste Öl am 18. Dezember 1963 durch die Erdölleitung Freundschaft nach Schwedt. Fünfeinhalb Jahre nach der Gründung 1958 wurde die Rohölverarbeitung der Raffinerie am 1. April 1964 unter dem Namen Erdölverarbeitungswerk (EVW Schwedt) in Betrieb genommen. Ab Mai 1966 verfügte sie über eine eigene Zweigstelle der Stadtsparkasse Schwedt.

Das EVW wurde zum wichtigsten Kraftstofflieferanten der DDR. Im Zuge der Kombinatsbildung wurde das Werk am 30. Dezember 1970 Stammbetrieb des VEB Petrolchemisches Kombinat (PCK) und war neben den Leuna-Werken für die chemische Industrie auf Erdölbasis in der DDR zuständig. Seit Mitte der 1960er bis Anfang der 1980er Jahre baute die PCK ihren petrolchemischen Bereich aus, um die Textilindustrie mit Faserrohstoffen zu versorgen, hochwertigen Stickstoffdünger für die Landwirtschaft zu produzieren und petrolchemische Komponenten für die Chemieindustrie zu erzeugen. Anfang der 1970er Jahre baute die Raffinerie eine Anlage, um Grundstoffe für die Waschmittelproduktion herzustellen. Später erfolgte der Bau einer Futtereiweißanlage, welche auf Basis von Dieselkraftstoff und Hefepilzen Eiweiß für die Tiermast produzierte. 1972 startete das PCK die Herstellung von Möbeln aus Polyurethan. Nach zehn Jahren wurde diese Produktionslinie eingestellt. 1983 wurde mit dem Aufbau einer Fertigungslinie für Haushaltschemikalien sowie Schuh- und Lederpflegemitteln (Vertrag mit der Salamander) begonnen. mini|Silhouette des PCK Schwedt im Mai 1994.