mini|hochkant|Frühe Gruppenaufnahme mit Magnesium-Blitzlicht von Alfred Naumann Unter der Sammelbezeichnung Blitzlicht werden in der Fotografie Beleuchtungseinrichtungen zusammengefasst, die mit einem Lichtblitz für die notwendige Objektausleuchtung im Moment der Aufnahme sorgen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Blitzlichtfotografie.
Grundlagen Eine kurze, blitzartige Beleuchtung reicht in der Fotografie wegen der relativ kurzen Belichtungszeiten aus. Dazu muss die Zeit, in der das Blitzlicht ausgelöst und vom Objekt reflektiert wird, mit der Verschlusszeit der Kamera synchronisiert werden. Da der Blitz im Vergleich zu üblichen Verschlusszeiten sehr kurz leuchtet, muss er zu einem Zeitpunkt ausgelöst werden, zu dem der Verschluss vollständig geöffnet ist. Die kürzeste Verschlusszeit, bei der ein Schlitzverschluss den Film bzw. Sensor zu einem Zeitpunkt vollständig freigibt, nennt man Blitzsynchronzeit.
Durch unterschiedliche Blitzmethoden können verschiedene Effekte und Stimmungen im Foto erreicht werden.
Ein wichtiges Kriterium beim Blitzlicht ist die Lichtfarbe – angegeben in Kelvin. Die meisten aktuellen Blitzgeräte strahlen ein neutral weißes Licht – ähnlich direktem Sonnenlicht – von 5500 K bis 6500 K ab. Sie lassen sich daher problemlos mit Sonnenlicht kombinieren (zum Beispiel beim Aufhellblitzen). In Innenräumen wirkt Blitzlicht im Vergleich zum vorhandenen Glühlampenlicht eher kalt; es ergibt sich unschönes Mischlicht. Dies kann vermieden werden, wenn das Blitzlicht derart gefiltert wird, dass seine Farbtemperatur der vorhandenen Beleuchtung angepasst ist.
Die Leitzahl (LZ) eines Blitzes dient der einfachen Berechnung der Kameraeinstellungen bei Verwendung von Blitzbirnen oder manuellen Einstellungen bei Computerblitzgeräten.
Der Leuchtwinkel eines Blitzgerätes steht für die maximale Objektivbrennweite, bei der das von der Kamera aufgenommene Bild noch vollständig ausgeleuchtet werden kann.
Neben den in den Kameras integrierten Blitzen oder den aufsteckbaren Systemblitzen finden im Studio oder On-Location sogenannte Blitzanlagen Anwendung.
Geschichte mini|Erste Blitzlichtaufnahme in Mariazell mit Nikolaus, Maria und Anton Kuss im Jahr 1880
1861 kam erstmals Eduard Liesegang, einer der Gründer der Ed. Liesegang oHG, auf die Idee, Magnesium zu entzünden, um es bei der Fotografie als Lichtquelle zu benutzen. Es entstand ein grelles Licht. Die Lichtmenge wurde durch die Dauer und Intensität eines Luftstromes beeinflusst und war schwer zu kontrollieren. Insbesondere bei der Porträtfotografie war das ein Problem.
1887 erfand Adolf Miethe gemeinsam mit Johannes Gaedicke das Blitzlichtpulver aus Magnesium, Kaliumchlorat und Schwefelantimon. Dieses Pulver brannte nur Sekundenbruchteile und ähnelte damit bereits dem heutigen Blitzlicht. Der Nachteil war seine hohe Instabilität, die manchmal zu Unfällen führte.
Abhilfe schaffte die Erfindung der Blitzlichtbirne durch den Physiker Johannes Ostermeier. Er entdeckte 1928, dass reines Magnesium oder Aluminium, das in einer Blitzlichtbirne in einer Sauerstoffatmosphäre untergebracht war, elektrisch gezündet werden konnte. Unter großer Helligkeitsentwicklung verbrannte dieses Material dabei blitzartig in etwa 1/30 Sekunde. Nachteilig war, dass einmal verwendete Blitzlichtbirnen nicht wiederverwendet werden konnten. Zur selben Zeit wurde in Berlin die Sonne in der Westentasche beworben, bei deren Zündung ein Magnesiumband abgebrannt wurde.
Harold E. Edgerton, Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT), entwickelte Ende der 1930er Jahre das erste Elektronenblitzgerät, das mit Hilfe einer Blitzröhre einen kurzen, sehr hellen Lichtblitz erzeugt. Damit war es erstmals möglich, rasch aufeinanderfolgende Blitzaufnahmen zu erstellen.
Der aus Marburg stammende Heinrich Bonn erfand 1933 den synchronisierten Blitz. Die Eintragung als Gebrauchsmuster des Deutschen Reiches erfolgte am 11. August 1933. Die Erfindung verkaufte er 1934 für 250 Reichsmark an die Firma Leitz.
Der erste Fotoapparat mit eingebauter Blitzsynchronisation war 1935 die Exakta Modell B der Firma Ihagee in Dresden, er arbeitete mit Osram Vacublitz Blitzbirnen.
Blitzsysteme Blitzlicht mit offener Flamme Magnesiumlicht mini|hochkant|Der Brenner der Pettibone-Pustlichtlampe (um 1895). Durch das hinter dem Brenner sichtbare Rohr wird das Magnesiumpulver in die Flamme geblasen mini|Die Pettibone-Pustlichtlampe, Seitenansicht
Magnesium wurde 1755 durch den britischen Chemiker Joseph Black (1728–1799) als eigenes chemisches Element erkannt. Nachdem Robert Bunsen (1811–1899) und Sir Henry Enfield Roscoe (1833–1915) die Eigenschaften des Magnesiums näher untersucht hatten, schlug Paul Eduard Liesegang (1838–1896) 1861 vor, mit Magnesiumlicht zu fotografieren:
Die ersten Blitzlichtanordnungen waren Pustlichtlampen. Da sich reines Magnesium erst bei hohen Temperaturen entzündet, wurde bei diesen Lampen das reine Magnesiumpulver durch Blasen in eine heiße Flamme entzündet. Dabei wurde ein grelles Licht erzeugt. Das Blasen wurde häufig mit einem kleinen Gummiballblasebalg durch Zusammendrücken mit der Hand erzeugt, so dass eine Art Lichtblitz entstand. Die Anzahl der Luftstöße und die Dauer des Blasens regulierten die abgegebene Lichtmenge. Ein kurzes Blitzlicht im heutigen Sinne entstand dabei nicht. Auch dünne Magnesiumfolie, dünner Magnesiumdraht oder dünnes schmales Magnesiumband brannte in der Luft nach dem Anzünden mit grellem Licht ab und wurden bis zum Zweiten Weltkrieg zur Erzeugung von Licht für fotografische Zwecke verwendet.
Bei der Porträtfotografie stellte das plötzlich aufflammende und einige Sekunden anhaltende grelle Magnesiumlicht ein großes Problem dar, da die Modelle geblendet wurden und erschraken. „Das Resultat wird, selbst wenn keine zu markante Unschärfe vorhanden ist, ein gequältes, unähnliches, verängstigtes Gesicht sein, mit geistlosem Ausdruck und krebsartig hervorquellenden Augen“ wie Adolf Miethe und Johannes Gaedicke es in ihrem Buch Praktische Anleitung zum Photographiren bei Magnesiumlicht von 1887 ausgedrückt haben.
Blitzlichtpulver mini|Eine Lampe für Blitzlichtpulver mini|hochkant|Verwendung eines Magnesiumblitzes aus dem Jahre 1909 John Traill Taylor fand 1865 heraus, dass Magnesiumpulver vermischt mit Kaliumpermanganat manuell angezündet werden konnte und dann mit sehr starkem kurzen Leuchten verbrannte. Seneca Ray Stoddard ersann 1882 eine an der Kamera befestigte Blitzlampe für Blitzlichtpulver zur Verwendung für aufgehellte Nachtaufnahmen im Freien.Seneca Ray Stoddard in den New York State Archives Der Betrieb derselben war noch sehr gefährlich. Auch Stoddard zog sich bisweilen Verbrennungen zu. Adolf Miethe und Johannes Gaedicke entwickelten 1887 ein Blitzpulver, indem sie dem Magnesium Kaliumchlorat und Antimon(III)-sulfid beimischten. George R. Lawrence verbesserte das in den USA angebotene Blitzlichtpulver, so dass es heller leuchtend mit weniger Rauch abbrannte, und machte es elektrisch zündbar und erfand einen regenschirm-ähnlichen Raucheinfänger dazu, so dass das Blitzlichtverbot in Innenräumen aufgehoben wurde.Janice Petterchak: , auf dig.lib.niu.edu
Ihnen ging es dabei speziell um die Kürze des Aufleuchtens bei gleicher wirksamer Gesamtlichtmenge. Die blitzartige Verbrennung in etwa 1/30 Sekunde ermöglichte Aufnahmen von Personen und lebenden Objekten, ohne dass die Reaktion auf den hellen Blitz in der Fotografie erkennbar wurde. Die von ihnen zum Patent angemeldete Blitzpulvermischung kam daher bald in allgemeinen Gebrauch.
Die Mischung war jedoch hochexplosiv. Es wird von mehreren großen Unfällen mit Toten und Verletzten bei der Explosion von ganzen Blitzlichtpulverfabriken berichtet. Am 30. Mai 1903 patentierte die „Aktien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation in Berlin“ (Agfa) Blitzlichtpulvermischungen, die Nitrate der Elemente Thorium, Cer oder Zirconium enthielten. Neben einer gesteigerten Lichtstärke ergab sich dadurch eine geringere Explosionsgefahr und eine auf 1/10 des Üblichen reduzierte Rauchentwicklung. Das offene Feuer, der Rauch und die alles verschmutzende Magnesiaschicht blieben jedoch die größten Probleme bei der Blitzlichtpulverfotografie. Auch in Stummfilmen wurden teilweise Unfälle mit Blitzlichtpulver dargestellt.
Bis in die 1960er Jahre hielten sich jedoch die Beutelblitze auf dem Markt, da sie bedeutend billiger als Blitzbirnen waren. Bei ihnen handelte es sich um mit Blitzlichtpulver gefüllte Papierbeutel in Form heutiger Teebeutel, an denen unten ein langer präparierter Papierstreifen als Lunte angebracht war. An der Oberseite war eine Aufhängeschnur, mit der man den Blitzbeutel zum Beispiel an einem Besenstiel befestigen konnte. Man musste darauf achten, dass abfallende, noch glühende Reste des Blitzbeutels keine Sengschäden anrichten konnten.
Die Herstellung von Blitzlichtpulver unterliegt in Deutschland dem Sprengstoffrecht und ist somit für Privatpersonen ohne erforderliche Prüfung verboten.
Das Fotografieren mit Magnesium und Blitzlichtpulver erfolgte in der Regel ohne Synchronisation, d. h., der Fotograf öffnete zunächst den Kameraverschluss, zündete dann möglichst schnell den Blitz und schloss anschließend den Verschluss wieder.
Blitzgeräte für Blitzbirnen
Eine enorme Verbesserung und Arbeitserleichterung gegenüber dem Blitzpulver brachten die Blitzbirnen. Über einen elektrischen Synchronkontakt, die M-Synchronisation der Kamera, wurde die Zündung der Birne ausgelöst. Der Blitz wurde bereits ausgelöst, noch bevor der Verschluss vollständig geöffnet war, da der chemische Prozess der Verbrennung erst in Gang kommen musste. Damit war gewährleistet, dass der Verschluss des Fotoapparates vollständig geöffnet war, wenn die maximale Helligkeit des Glaskolbenblitzes erreicht war. In der Regel wurde vor dem Blitz über einen Vorwiderstand ein Kondensator von einer Stromquelle (Batterie o. a.) aufgeladen. Der aufgeladene Kondensator wurde dann über die Blitzbirne kurzgeschlossen und definiert entladen, dabei zündete diese.
„Fischer Tausend-Blitz“
Dieser „Blitz“ wurde von Artur Fischer 1954 erfunden. Er bildete einen Übergang vom „pyrotechnischen“ Blitz, bei dem Material einmalig verbrennt zum fast beliebig oft auslösbaren elektronischen Blitz dar.
Es handelte sich um eine Glühlampe mit typisch 10 parallel geschalteten Glühfäden aus Wolfram-Drahtwendel, die mit Netzspannung zum maßvollen Leuchten als Einstelllicht gebracht wurde. Zum Augenblick der Aufnahme wurde Spannung und Strom durch ein Vorschaltgerät für ca. s stark erhöht, so dass die Lichtstärke innerhalb eines kurzen Zeitintervalls von etwa s außerordentlich erhöht war, also ein kurzdauernder, abklingender „Blitz“ aufleuchtete. Die damit einhergehende Überlastung jedes Glühfadens wurde dabei so kurz gehalten, sodass immerhin typisch 1000 „Blitze“ gezündet werden konnten, bevor die Lampe durch Durchbrennen mehrerer Glühfäden unbrauchbar wurde. Das Gerät konnte sich nur wenige Jahre am Markt halten.Fischer Tausend-Blitz fotocommunity.de, abgerufen am 9. Mai 2022. Hergestellt wurde das Gerät mit der tausendmal blitzenden Glühlampe mit Bajonettsockel und zwei Fußkontakten in der Lampenfabrik Dr. Günther Fischer, Limburg an der Lahn, Hessen.Fischer-Tausendblitz photobutmore.de, abgerufen am 9. Mai 2022. dr-fischer-group.com, DR. FISCHER Group, Diez/Lahn, abgerufen am 9. Mai 2022.
Elektronenblitzgeräte mini|Blitz einer Xenon-Blitzlampe Als Elektronenblitz, Elektronenblitzgerät oder Röhrenblitzgerät bezeichnet man in der Blitzlichtfotografie ein Blitzgerät, das mit einer auf der 1938 von Harold E. Edgerton am Massachusetts Institute of Technology entwickelten Gasentladungsröhre basierenden Blitzlampe arbeitet. Es gibt mithilfe des während der Gasentladung kurzzeitig unter hohem Druck stehenden Füllgases Xenon Licht mit hohem Farbwiedergabeindex und einer Farbtemperatur ab, die etwa der des Tageslichts entspricht.