mini|StrumpfhoseDie Strumpfhose ist ein einteiliges Beinbekleidungsstück, das den Körper hauteng von der Taille abwärts bedeckt. Sie wird über Fuß, Bein und Unterleib wie ein Strumpf angezogen und ist meist gewirkt oder gestrickt.
Geschichte Frühformen mini|Reithose, sogenannte Thorsberg-Hose, aus dem Thorsberger Moor in Schleswig-Holstein, ca. Mitte des 4. Jahrhunderts.
Strumpfhosenähnliche Hosen wurden bereits von Reitervölkern wie den Skythen, Sarmaten und Dakern zum Reiten getragen, aber auch von Chinesen und Mongolen. Das bislang älteste Exemplar einer Reithose wurde als Teil einer Grabausstattung im Yanghai-Gräberfeld in der Nähe von Turfan gefunden und auf das Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. datiert.Ulrike Beck, Mayke Wagner, Xiao Li et al.: The invention of trousers and its likely affiliation with horseback riding and mobility: A case study of late 2nd millennium BC finds from Turfan in eastern Central Asia. In: Quaternary International, online 22. Mai 2014, doi:10.1016/j.quaint.2014.04.056Älteste Hose der Welt entdeckt. In: scinexx.de, 4. Juni 2014 Ein deutsch-chinesisches Team, das die gewebten Wollhosen im Rahmen des Silk-Road-Fashion-Projekts untersuchte, fand heraus, dass die Hosen aus drei Teilen bestehen, zwei Beinteilen und einem gestuften Zwickelteil. Für die Herstellung wurde der Stoff nicht zugeschnitten, sondern maßgewebt. Mit der Thorsberg-Hose wurde auch in Schleswig-Holstein eine strumpfhosenähnliche gewebte Wollhose wohl aus dem 4. Jahrhundert gefunden.
14. bis 19. Jahrhundert Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit trugen Männer Beinlinge, also Strümpfe, die am Gürtel befestigt wurden. Weil im Laufe des 14. Jahrhunderts die Röcke der Männer, genannt Schecken, immer kürzer getragen wurden, verlängerten sich die Strümpfe bis über die Oberschenkel und wurden an das Wams genestelt. Im späten 14. und 15. Jahrhundert wurden die Beinlinge durch einen dazwischengenähten Latz und Zwickel zu einer strumpfhosenähnlichen Hose kombiniert, zunächst allerdings nur in den reicheren Schichten. Dieses Kleidungsstück bestand häufig aus Scharlach und die Beinteile waren unterschiedlich farbig. In Alpirsbach hat sich eine solche Hose erhalten, die auf um 1500 datiert wird.Ninya Mikhaila: The Tudor Tailor. Reconstructing sixteenth-century dress. London: Batsford, 2006. S. 16. Im 16. Jahrhundert wurden die Strümpfe wieder von der Hose (Heerpauke) getrennt, aber an diese angenestelt.Janet Arnold: Patterns of Fashion. The cut and construction of clothes for men and women c1560–1620. London: Macmillan, 1985. S. 30 Im Verlauf des Jahrhunderts kamen auch gestrickte Strümpfe auf.Janet Arnold: Patterns of Fashion 4. The cut and construction of linen shirts, smocks… London: Macmillan, 2008. S. 12f Diese waren auch als „Tricothosen“ bekannt, wobei ihre Feinheit und ihr Schimmer wichtige Details der Mode waren. Aus dieser Zeit ist eine Seidenstrumpfhose als Geschenk des spanischen Hofes an Heinrich VIII. überliefert.Barbara Vinken: Männer sind die neuen Frauen: Unisex oder Cross Dressing? In: Christa Gürtler, Eva Hausbacher (Hrsg.): Kleiderfragen: Mode und Kulturwissenschaft. transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8394-2819-1, S. 13
mini|Strumpfhosen aus Seide, Italien, frühes 19. Jahrhundert, New York, Metropolitan Museum of Art. Als Anfang des 17. Jahrhunderts die Hosen knielang wurden, wurde auch das Annesteln unnötig. Erst Ende des 18. Jahrhunderts kehrte die Strumpfhose – immer noch als Männerkleidungsstück – unter dem Namen Pantalons wieder, allerdings als Unterkleidung, so dass nur das Vorhandensein von Fußteilen sie von langen Unterhosen unterschied. Mit Aufkommen des Chemisenkleids in den 1790er Jahren wurden sie in Europa erstmals auch von Frauen getragen.Almut Junker, Eva Stille: Die zweite Haut. Zur Geschichte der Unterwäsche 1700–1960. Historisches Museum Frankfurt, 1988. S. 81f
mini|Adah Isaacs Menken (1868 oder früher) mit erkennbarem Bodystocking unter ihrer Oberbekleidung Auf 1800 datierte Pantalons für Kinder bedeckten die Füße und gingen etwa bis zum Hals, wo sie mit durch Knöpfe verstellbaren Schulterträgern gehalten wurden. Mit einem solchen fast den ganzen Körper bedeckenden Gewand sorgte Adah Isaacs Menken bereits 1861 für Aufsehen, als sie damit einen nackten Mann darstellte. Bis zur Jahrtausendwende wurde hierfür auch die Bezeichnung Bodystocking, englisch für Körperstrumpf, üblich.
Das Wort Pantalon selbst wurde im Amerikanischen ab 1835 zu pants und bedeutet heute Hose.https://www.oxfordreference.com/display/10.1093/acref/9780199661350.001.0001/acref-9780199661350-e-4125 Die Verkleinerungsform panty bedeutet Höschen bzw. Unterhose.
1887 meldete Simon T. Sutton in Amerika sein Patent für ein knit lower garment (gestricktes Kleidungsunterteil) aus zwei rundgestrickten Beinteilen und Zwickel an. Laut diesem kann es als drawers (Unterhose) ohne Fußteil oder als full tights mit Fußteil gefertigt werden. Letzteres wurde hauptsächlich von Bühnendarstellern verwendet.(Englisch) Patent US 475734 Simon T. Sutton, Knit nether garment, veröffentlicht am 24. Mai 1892
Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts In diesen Jahren gab es mehrere amerikanische Filmproduktionen mit „Tights“ in Titel und Bild. Ob transparente Varianten schon um die Jahrhundertwende existierten oder nur den Vorstellungen der Schöpfer des Gemäldes La femme aux fleur und der Filme Rio Bravo so wie Mother Wore Tights entsprangen, ist unbelegt. Zudem gab Ann Miller an, dass transparente Strümpfe noch Ende der 1930er an die Höschen der Tänzerinnen genäht wurden. Sie bat den Strumpfhersteller Willis of Hollywood darum, die bereits für Ballerinas produzierten Tights seidig wie die Strümpfe herzustellen. Für Willis war diese einfache Lösung lukrativ, während Miller leer ausging.
Nach einer der größten Werbekampagnen der Konsumgeschichte brachte Du Pont am 15. Mai 1940, dem „Nylon Day“, Nylonstrümpfe auf den Markt.Daniel Delis Hill: Advertising to the American Woman, 1900-1999. Ohio State University, Columbus 2002, ISBN 0-8142-0890-8, S. 160.
1950er Jahre Mit Aufkommen des rundgewirkten, nahtlosen Feinstrumpfs Mitte der 50er Jahre sanken die Verkaufszahlen von Strümpfen mit Naht rapide. Die Firma Glen Raven ging deswegen dazu über, Strumpfhosen (tights) mit Beinnaht für Damen und Mädchen aus dickerem Nylon herzustellen. Dies gab Geschäftsführer Allen Gant die Möglichkeit, die 1953 geäußerte Bitte seiner Ehefrau Ethel zu erfüllen: ein Damenkleidungsstück mit transparenten Beinen wie normale Strümpfe, aber als Schlauchware (hose) und SchlüpferGlen Raven, Inc.: Wechselseitige Werbeanzeige Vogue, 15. Februar 1966, S. 50&51 How do gals get this long, smooth look without the bumps of garters and panties? – They don't wear any. They wear Glen Raven Panti-Legs in Cantrece. USA, 1966. in einem Stück. Nach rund einer Woche von Versuchen konnten die ersten Teile mit transparenten Beinen und Höschenteil mit 40 den gefertigt werden. Im Zuge der Patentanmeldung als PantiTights im Frühling 1959 wurde festgestellt, dass jemand anderes bereits eine ähnliche Idee hatte und sich die alternative Bezeichnung panty hose nicht markenrechtlich schützen ließ, da zu generisch. So kam Ravens Produkt 1959 als PantiLegs auf den Markt. Der Garnhersteller Chemstrand veröffentlichte bereits im November 1958 mehrere aufwendig gemusterte Produkte, darunter eine vergleichsweise simple Strumpfhose mit transparentem Bein, blickdichtem Höschenteil und Zwickel mit der Bezeichnung leotard-stockings.The Chemstrand Corporation: Ganzseitige Werbeanzeige Vogue, 1. November 1958, S. 59, this year you'll have lots of legs, USA. 1956 hatte bereits Ernest Rice ein mit Raven vergleichbares Patent eingereicht, das 1958 genehmigt wurde und zu Rechtsstreitigkeiten führte. Als Begründung zur Aberkennung seines Patents wurde angeführt, dass dies eine vorhersehbare Weiterentwicklung war und sich ohne Zwickel kein Höschen bilden ließe. Hierzu wurde auch Suttons Patent herangezogen. Rice starb, bevor die Gültigkeit seines Patents gerichtlich bestätigt wurde.
1960er Jahre mini|Model in Strumpfhose, 1967.
Die Strumpfhose setzte sich in den folgenden Jahren schnell durch und wurde als Massenprodukt beworben.Daniel Delis Hill: Advertising to the American Woman, 1900-1999. Ohio State University, Columbus 2002, ISBN 0-8142-0890-8, S. 161. Bereits 1966 betrug der Anteil der Strumpfhose an der gesamten Nylonstrumpferzeugung 77 %, zwei Jahre später war der Anteil auf 85 % angestiegen. Die Nylonstrumpfhose löste zur Zeit des Minirocks die bis dahin üblichen Nylonstrümpfe mit Strumpfhalter und Hüftgürtel weitgehend ab.
Neben Nylon war auch das chemisch verwandte Perlon in Gebrauch. Nylonstrumpfhosen wurden schnell zum Massenprodukt in den westlichen Staaten, im Ostblock waren sie dagegen noch lange ein knappes Gut, so auch in der DDR. Hier wurde das mit Perlon identische Dederon verwendet.
Etwa zur gleichen Zeit kamen verstärkt Strickstrumpfhosen auf den Markt. Sie sind seitdem insbesondere ein weit verbreitetes Kleidungsstück für Kinder. Sie werden unter Röcken und Kleidern oder in der kälteren Jahreszeit unter langen Hosen getragen. Manche Jungen trugen in den 1960er Jahren Strickstrumpfhosen auch in Verbindung mit kurzen Hosen. Die Strumpfhose ersetzte hier Wollstrümpfe, besonders bei kühler Witterung.
1970er und 1980er Jahre Mit Abflauen der Begeisterungswelle für Hotpants zu Beginn der 1970er sowie Ablösung der Minimode zunächst durch Midi- und Maxi-Kleider und zunehmender Akzeptanz langer Hosen in der Frauenmode verloren Strumpfhosen weitgehend ihren „modisch chic“-Status und wurden zum allgemeinen Gebrauchsgut. Unter langen Hosen wurden im Winter wärmende Strickstrumpfhosen getragen. Auch Strumpfhosen mit Frottéesohle bzw. Frottée-Einsätzen im Knie- und Gesäßbereich waren in den 1970er Jahren auf dem Markt, diese Jahre gelten als Hochzeit der Strickstrumpfhose. In den 1970er Jahren kamen mit der zunehmenden Verbreitung des Körperbewusstseins Nylonstrumpfhosen mit höherer Garnstärke in Mode, die stützende oder figurformende Wirkung boten.Daniel Delis Hill: Advertising to the American Woman, 1900-1999. Ohio State University, Columbus 2002, ISBN 0-8142-0890-8, S. 157. Ende der 80er Jahre wurde durch die Popkultur, mit Künstlern wie Madonna oder Prince, Strumpfhose ohne Fuß mit meist genähtem Beinteil aus dickem Stoff oder Spitze unter dem Namen Leggings – populär.
1990er Jahre bis heute Zu Beginn der 1990er wiederholte sich kurzzeitig der modische Trend der Kombination von Strumpfhosen mit kurzen bis halblangen Hosen bei Frauen. Mitte der 1990er kamen für Frauen auch Strickstrumpfhosen mit (oft buntem) Ringelmuster auf. Wenngleich Strickstrumpfhosen weiterhin viel von Kindern getragen wurden und werden, befreiten sie sich dadurch zeitweilig von ihrem Image als Kinderstrumpfhose oder wärmende Unterwäsche und wurden zu einem modischen Accessoire.
An Stelle von Strumpfhosen wurde nun auch häufiger Funktionsunterwäsche als wärmende Unterbekleidung angeboten und getragen. Zu Röcken, Kleidern und Hotpants wurden Strumpfhosen weiterhin als modisches Accessoire getragen und – ermöglicht durch die technische Verbesserung – Muster wurden beliebt. Die Stärken variieren von 15 bis 100 den. Zum Ende der 2000er Jahre kamen für Damen Longpullover für Herbst und Winter in Mode, welche mit Feinstrumpfhosen etwa über 60 den oder frottierten Thermostrumpfhosen getragen wurden.
2017 kamen wieder Netzstrumpfhosen in Mode, die meist durch die Löcher von zerrissenen Jeans schienen oder auch den Bauch von dem auf Hüfte sitzenden Bund der Jeans bis zur Taille zierten. Modevorbild für die hautfarbenen Nylonstrumpfhosen wurde in diesem Jahrzehnt Kate Middleton. Insgesamt ging der Trend jedoch hin zum nackten Bein, während Strümpfe in Hauttönen als altmodisch galten.Lauren A. Rothman: Style Bible: What to Wear to Work. Taylor and Francis, New York 2014, ISBN 978-1-937134-70-9, S. 64.
Herstellung und Garnfeinheit