Unter Henotheismus ( „einer“, Gen. , und „Gott“) – auch als Summodeismus bezeichnet – versteht man die besondere Verehrung einer Gottheit, die für einen begrenzten Zeitraum aus einer ethnischen Götterwelt ausgewählt wurde. Insofern wird die Verehrung anderer untergeordneter Götter nicht wie im Monotheismus der abrahamitischen Religionen prinzipiell ausgeschlossen.
Ein ähnlicher Begriff ist Monolatrie: die Verehrung einer Stammesgottheit ohne zeitliche Begrenzung.
Der Begriff Henotheismus wurde von Friedrich Wilhelm Joseph Schelling eingeführtIsa Breitmaier: Lehren und Lernen in der Spur des Ersten Testaments: exegetische Studien zum 5. Buch Mose und dem Sprüchebuch aus religionspädagogischer Perspektive. LIT Verlag, Münster 2004, S. 237 und vom Indologen Friedrich Max Müller (1823–1900) popularisiert.
Allgemeine Interpretationen Der Henotheismus wird oft als eine Sonderform der Polylatrie (bzw. des Polytheismus) betrachtet, vor allem im Hinduismus und in einigen ethnischen Religionen; zugleich gilt er als Zwischenschritt zwischen Polytheismus und Monotheismus – zunächst wählt man aus dem Pantheon eine Gottheit aus, zu der man in eine besonders enge Beziehung tritt, diese wird dann bald als besonders mächtig angesehen, bis schließlich den übrigen Göttern ihre Göttlichkeit abgesprochen wird.
Als henotheistisch können (nach einer von mehreren bislang gleichberechtigten Theorien der Ägyptologen) vielleicht auch die Bestrebungen des Pharaos Echnaton gelten, den Sonnengott Aton als höchsten und allen anderen Göttern überlegenen Gott zu etablierenEinen Henotheismus bei Echnaton bejahend: Echnaton. In: Christoph Kunz (Hrsg.): Lexikon Ethik, Religion. Fachbegriffe und Personen. Stark, Freising 2001, ISBN 3-89449-526-X.; ähnliche Tendenzen weist auch der spätantike römische Sonnenkult auf, wie ihn etwa Kaiser Aurelian einführte und Julian wieder aufnehmen wollte. Siehe auch abrahamitische Religionen und mythisch-theistische Religionen.
Nach Friedrich Max Müller Friedrich Max Müller beschrieb den Henotheismus im Zusammenhang mit der indischen Religion: Damit tritt der Henotheismus nach Müller entwicklungsgeschichtlich vor dem Polytheismus auf.
Literatur Friedrich Max Müller: Vorlesungen über den Ursprung und die Entwickelung der Religion mit besonderer Rücksicht auf die Religionen des alten Indiens. Trübner, Strassburg 1880, (2., unveränderte Auflage. ebenda 1881, Digitalisat). Hendrik S. Versnel: Inconsistencies in Greek and Roman Religion. Band 1: TER UNUS. Isis, Dionysos and Hermes. Three Studies in Henotheism (= Studies in Greek and Roman Religion. 6, 1). Brill, Leiden u. a. 1990, ISBN 90-04-09266-8.
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