Brugg () ist eine Kleinstadt und Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau sowie Hauptort des Bezirks Brugg. Die Stadt liegt am Jurasüdfuss und beim Wasserschloss der Schweiz, dem Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat. Sie ist 16 Kilometer von Aarau, 27 Kilometer von Zürich und 45 Kilometer von Basel entfernt (jeweils Luftlinie).
Der Ortsname entspricht dem schweizerdeutschen Wort für «Brücke». Es handelt sich dabei um einen sekundären Siedlungsnamen, der sich auf den dort befindlichen, auf dem Weg von Zürich nach Basel liegenden mittelalterlichen Aareübergang bezieht.Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. Aarau 1991, S. 112 f.; Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 191.
Im Dorf Altenburg, das seit 1901 zu Brugg gehört, befand sich der älteste nachweisbare Herrschaftssitz der Grafen von Habsburg; bis zur Verlagerung des habsburgischen Machtzentrums nach Österreich war Brugg das städtische Zentrum des habsburgischen Kernlandes. Seit der Eroberung des habsburgischen Aargaus durch die Eidgenossen im Jahr 1415 und bis 1798 war Brugg eine Berner Untertanenstadt. Seit 1798 gehört sie zum in der Helvetik neu gebildeten Kanton Aargau.
Heute bildet Brugg ein regionales Zentrum in der Nordwestschweiz und zusammen mit dem Nachbarort Windisch einen kantonalen Entwicklungsschwerpunkt. Im Stadtgebiet liegen ausgedehnte Industrie- und Gewerbegebiete, der Sitz des Schweizer Bauernverbandes, ein Standort der Fachhochschule Nordwestschweiz und ein Waffenplatz der Genietruppen der Schweizer Armee.
Geographie mini|Altstadt von Brugg an der Aare mini|Brugg und Umgebung im Siegfriedatlas (1880) mini|Historisches Luftbild von Werner Friedli von 1958 mini|Territoriale Entwicklung Das Stadtgebiet erstreckt sich von Südwesten nach Nordosten im Aaretal über eine Länge von mehr als neun Kilometern, seine maximale Breite beträgt jedoch wenig mehr als einen Kilometer. Die Aare trennt zwei unterschiedlich geprägte Landschaften, das Schweizer Mittelland auf der Südseite und den Tafeljura auf der Nordseite.Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070, Swisstopo. Der Fluss weist auf der ungefähr zwölf Kilometer langen Strecke im Gemeindeareal von Brugg ein Gefälle von etwa zwanzig Metern auf.
Im Südwesten liegt rechts der Aare die Ortschaft Schinznach-Bad, seit 2020 ein Stadtteil von Brugg. Hier befindet sich auch die bekannte und historisch bedeutsame Hotel- und Kuranlage Bad Schinznach. Bei Schinznach-Bad beginnt der Oberwasserkanal des Kraftwerks Wildegg–Brugg, das auf dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Villnachern liegt. Neben dem Kanal erstreckt sich über eine Länge von mehreren Kilometern das von Flussauen am Altlauf der Aare geprägte Gebiet «Wildischachen».Rudolf Siegrist: Auenwälder: Streifzüge durch die Aarelandschaft von Brugg. Brugg 1927. Östlich davon erhebt sich über dem Flusstal der Wülpelsberg, auf dessen höchstem Punkt die Habsburg steht. Bei Altenburg mündet der Unterwasserkanal des Kraftwerks Wildegg–Brugg nördlich der bewaldeten «Schacheninsle» wieder in den alten Aarelauf, der durch ein Hilfswehr aufgestaut ist. Um den Felsen von Altenburg herum fliesst die Aare in östlicher Richtung durch eine rund 1,5 km lange schluchtartige Verengung mit Stromschnellen, die Brugger Aareschlucht. An dieser befinden sich das städtische Kraftwerk und die Mündung des Süssbachs in die Aare. Der sonst bis zu 130 Meter breite Fluss passiert neben der Altstadt von Brugg einen tiefen, nur noch 15 Meter breiten Einschnitt im Kalkfelsen, über dessen engste Stelle die alte Brücke führt.
Östlich der Altstadt verlässt die Aare die enge Schlucht und fliesst bei der Casino-Brücke in die weite Ebene des Schachengebiets. Sie passiert die «Aufeld»-Ebene am südlichen Rand. Ein schmaler Seitenarm, in dem die Gemeindegrenze verläuft, trennt die Insel «Geisseschache» von der Ebene. Unterhalb der Insel liegen beidseits des Flusses noch grössere Restflächen des Auenwaldes. Vom Auschache führt eine Rohrleitungsbrücke über die Aare zur Kläranlage, die mitten im Waldgebiet liegt. Beim Auhof und bis unterhalb der Vogelsangbrücke sind im Schachengebiet 1988–1989 neue Seitenarme gebaut worden, um die dynamische Entwicklung des Auengebiets zu verbessern.
An der östlichen Stadtgrenze befindet sich das Wasserschloss der Schweiz. Hier fliessen drei der wichtigsten Flüsse des Landes zusammen: Zunächst mündet die Reuss in die Aare, eineinhalb Kilometer weiter nördlich die Limmat. Ganz im Nordosten, an einer Engstelle zwischen dem Reinerberg () und der Limmatmündung, liegt das Dorf Lauffohr.
Nördlich der Aare konzentriert sich die Besiedlung von Umiken bis Lauffohr auf einen schmalen Streifen entlang der Südflanke des bewaldeten Bruggerbergs (). Die Ebene südlich von Altenburg ist bis zur Kantonsstrasse fast vollständig mit Wohn- und Gewerbegebäuden und Sportanlagen überbaut. Im Südosten ist die Siedlungsfläche von Brugg mit jener von Windisch zusammengewachsen.
Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 826 Hektaren, davon sind 246 Hektaren bewaldet und 424 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt ist mit 516 Metern der Bruggerberg, der tiefste liegt an der Mündung der Limmat auf 328 Metern.
Die Nachbargemeinden von Brugg sind: Riniken und Rüfenach im Norden, Villigen im Nordosten, Untersiggenthal und Gebenstorf im Osten, Windisch im Südosten, Hausen, Habsburg, Lupfig und Holderbank im Süden sowie Schinznach, Veltheim und Villnachern im Westen und Bözberg im Nordwesten.
Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts umfasste das Stadtgebiet lediglich einen Zehntel der heutigen Gemeindefläche. 1823 kaufte die Stadt Brugg der Nachbargemeinde Lauffohr rund einen Viertel ihres Gebietes ab, und 1827 erwarb sie vom Dorf Umiken mehrere Grundstücke. Die Gemeinde Windisch verkaufte 1863 das Gebiet rund um den Bahnhof an Brugg und trat ihr 1912 zudem das Gaswerkareal und die Westspitze des Geisseschaches an der Aare ab. 1901 wurde Altenburg eingemeindet, 1970 auch die Gemeinde Lauffohr. Umiken wurde 2010 ein Teil der Stadt Brugg, und seit 2020 gehört auch das Areal der bisher selbständigen Gemeinde Schinznach-Bad gemäss den Gemeindebeschlüssen von 2018 zum Stadtgebiet.
Geschichte Vor der Stadtgründung Funde aus prähistorischer Zeit sind spärlich: Zwei Klingen und Bruchstücke eines Steinbeils aus der Jungsteinzeit sowie eine Sichel aus der Bronzezeit. Im Jahr 58 v. Chr. (oder kurz danach) gründeten die Helvetier, die nach der Schlacht bei Bibracte ins Mittelland zurückgekehrt waren, auf dem Hügelsporn zwischen Aare und Reuss auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Windisch die Siedlung Vindonissa.
Die Römer errichteten um 15 v. Chr. eine Militärstation, die sie ab 14. n. Chr. zu einem Legionslager ausbauten. Zu jener Zeit entstand die erste Holzbrücke über die Aare, über diese führte die Römerstrasse nach Augusta Raurica (Augst). Es war die einzige Stelle zwischen dem Thunersee und der Mündung in den Rhein, an der die Aare mit einer einzigen Baumstammlänge überbrückt werden konnte. Auf Brugger Boden befanden sich zwei grosse Gräberfelder. Bisher wurden rund 350 römische Gräber aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. entdeckt. Archäologen schätzen die Gesamtzahl auf rund 7000.
mini|Schlösschen Altenburg Nach dem Einfall der Alamannen (259 bis 270) wurde Vindonissa nach einer fast 170-jährigen Dauer der zivilen Siedlung wieder zu einem Legionslager umfunktioniert. Im heutigen Stadtteil Altenburg entstand um 370 ein Kastell als Stützpunkt im Hinterland des Donau-Iller-Rhein-Limes. Zwischen 401 und 406 zogen sich die Römer endgültig aus dem Rheingebiet zurück. Die Ansiedlung von Alemannen im aargauischen Gebiet ist ab dem 7. Jahrhundert nachweisbar.
Im späten 10. Jahrhundert liess sich in Altenburg ein Adelsgeschlecht nieder, das möglicherweise von den elsässischen Etichonen abstammte. Graf Lanzelin liess das Kastell zur Altenburg ausbauen. Um 1020 ordnete dessen Sohn Radbot den Bau der Habsburg auf dem drei Kilometer südwestlich gelegenen Wülpelsberg an. Einige Jahrzehnte später benannte sich das Geschlecht nach dieser Burg. Somit war Altenburg die erste nachweisbare Residenz der Habsburger. Mit dem Erwerb des Eigenamts zwischen Aare und Reuss legten sie den Grundstein zu ihrem Territorium.
Herrschaftszentrum der Habsburger Die früheste urkundliche Erwähnung von Bruggo erfolgte im Jahr 1064, als Graf Werner I. dem Kloster Muri den Besitz von Gütern in der Umgebung bestätigte. Die genaue Jahreszahl ist umstritten, weil die Acta Murensia erst um 1160 angefertigt wurde und verschiedene ältere Dokumente zusammenfasste. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen (ze) brucco und bedeutet «bei der Brücke(nstelle)». Ende des 12. Jahrhunderts entstand auf Befehl Graf Albrechts III. der Schwarze Turm, das älteste erhalten gebliebene Gebäude der Altstadt.
mini|hochkant|Rathaus von 1567 und Schwarzer Turm Im 13. Jahrhundert nahm die befestigte Brückensiedlung immer mehr kleinstädtische Züge an. Ab 1232 wurden Münzen geprägt, 1273 war erstmals von einer Zollstelle die Rede, spätestens ab 1278 gab es einen Schultheiss, und 1283 wurde erstmals der Markt erwähnt. Wie wichtig Brugg damals für die Habsburger war, zeigt die Tatsache, dass diese um 1220/30 aus der mittlerweile zu klein gewordenen Habsburg auszogen und danach in Brugg lebten. 1242 wurde die Burg Brugg durch Gottfried I. zerstört.
Rudolf I., der vor seiner Wahl zum römisch-deutschen König oft in Brugg geweilt hatte, verlieh dem Ort am 23. Juni 1284 das Stadtrecht. Gleichzeitig löste er Brugg aus dem Eigenamt heraus. Das Brugger Stadtrecht entsprach Wort für Wort demjenigen von Aarau. Zwar hatte sich das Machtzentrum der Habsburger wenige Jahre zuvor nach Wien verlagert, doch blieb die Beziehung zu Brugg weiterhin eng. Das «Österreich-Haus» (später «Effingerhof») diente als Absteige und Hauptquartier bei militärischen Auseinandersetzungen in den österreichischen Vorlanden.
mini|hochkant|Ermordung Albrechts I., Illustration aus dem 15. Jahrhundert Am 1. Mai 1308 wurde König Albrecht I. beim Nachbardorf Windisch ermordet. Zum Gedenken an dieses Ereignis stiftete seine Gattin Elisabeth von Görz-Tirol das Kloster Königsfelden (200 Meter von der Stadtgrenze entfernt). Albrechts älteste Tochter Agnes von Ungarn, die Witwe des ungarischen Königs Andreas III., lebte dort ab 1317 und führte das Kloster zur wirtschaftlichen Blüte. 1348 erhielt sie von ihrem Bruder Albrecht II. die herrschaftlichen Rechte über die Stadt Brugg sowie über die benachbarten Ämter Bözberg (mit Lauffohr) und Eigenamt (mit Altenburg). Die Rechte fielen 1364 nach ihrem Tod an die Herzöge von Habsburg-Österreich zurück.
Obwohl die Stadt fest in der Hand der Habsburger war, gab es doch Ansätze einer eigenständigen Politik. So schloss Brugg Burgrechtsverträge mit Baden und Mellingen (beide 1351) sowie mit dem Kloster Wittichen im Kinzigtal (1353) ab. Die Ämter Bözberg und Eigenamt kamen 1364 unter die militärische Führung der Stadt. Mehrmals versammelten die österreichischen Heerführer in Brugg ihre Streitkräfte, beispielsweise 1386 Herzog Leopold III. vor der Schlacht bei Sempach.
15. Jahrhundert Herzog Friedrich IV. fiel 1415 beim Konzil von Konstanz in Ungnade, nachdem er dem Gegenpapst Johannes XXIII. zur Flucht verholfen hatte. König Sigismund forderte die Eidgenossen daraufhin auf, den Aargau im Namen des Reiches zu erobern. Bern zögerte nicht lange und entsandte umgehend Truppen. Die Brugger liessen die Berner am 29. April 1415 kampflos in ihre Stadt einmarschieren. Als Gegenleistung blieben die überlieferten Rechte der Stadt unangetastet.