mini|hochkant|Die Rur zwischen Monschau und Dedenborn mini|Obersee (rechts) und Einlauf zum Rurstausee (Rursee) (links) mini|Rurpegel bei Altenburg mini|Mündung der umgeleiteten Inde (links) in die Rur bei Kirchberg mini|Die Rur an der deutsch-niederländischen Grenze bei Vlodrop mini|Die Rurschleife bei Roerdalen-Lerop mini|Die Rur in Roermond, kurz vor der Mündung in die Maas mit dem Rurhafen und der St.-Christophorus-Kathedrale mini|Roermond: An der Roerkade der gemeindeeigene Anlegesteiger Roermond

Die Rur ( Rour und Roer) ist ein 164,5 km langer, südöstlicher und orographisch rechter Nebenfluss der Maas in Belgien, Deutschland und den Niederlanden; etwa 80 Prozent der Flussstrecke befinden sich auf deutschem Territorium.

Name Der Name des Flusses wird zur Unterscheidung von der zum Rhein fließenden Ruhr seit etwa 1900 ohne „h“ geschrieben; zur Unterscheidung spricht man auch von der Eifel-Rur. Die alte Schreibweise scheint noch in Ortsnamen wie Erkensruhr und Einruhr auf. Auf Niederländisch und Französisch wird der Fluss Roer geschrieben (aber wie im Deutschen ausgesprochen), in Belgien (Wallonien) auch Rour oder Roule.

Aus römischer Zeit ist bereits der Name der Flussgöttin Rura bekannt. Ein Altar für diese Göttin wurde in der Nähe von Roermond bekannt. Der frühmittelalterliche Geograph von Ravenna erwähnt den Flussnamen Rura ebenfalls.IV,24

Möglicherweise leitet sich der Name vom indogermanischen Verbaladjektiv *ruro für „reißend“ ab.

Geographie Verlauf Oberster Lauf in Belgien Die Rur entspringt in der belgischen Provinz Lüttich im Hohen Venn. Ihre Quelle liegt im Naturpark Hohes Venn-Eifel im Bereich der nahe Sourbrodt befindlichen Botrange (; höchste Erhebung Belgiens) auf rund Höhe. Eine punktgenaue Lokalisierung einer Quelle ist nicht möglich, da sich in diesem Hochmoorgebiet die Wässer zunächst in verschiedenen künstlichen Abzugsgräben sammeln und erst später einen natürlichen, nicht begradigten Verlauf annehmen.

Anfangs fließt die Rur in überwiegend östlicher Richtung durch das dort unbesiedelte Hohe Venn. Nach 10,4 km Flusslauf erreicht sie zwischen dem Bütgenbacher Ortsteil Küchelscheid (Belgien) und dem Monschauer Ortsteil Kalterherberg (Deutschland) die belgisch-deutsche Grenze.

Langer Mittellauf in Nordrhein-Westfalen Anschließend verläuft die Rur in Nordrhein-Westfalen in der Städteregion Aachen ein kurzes Stück nach Norden. Sie durchquert gefällereich in meist engem, gewundenem Tal die Eifel und passiert etwas südöstlich den auf einer Hochfläche liegenden Monschauer Ortsteil Mützenich. Bereits vor der dann durchflossenen Monschauer Kernstadt wendet sich die Rur nach Osten und passiert den oberhalb des Tales gelegenen Monschauer Ortsteil Widdau. Dann passiert sie Hammer am linken Ufer und durchfließt Dedenborn, das größtenteils im Inneren einer langen Nordschleife liegt; beides sind Simmerather Ortsteile.

Anschließend fließt die Rur noch vor dem Simmerather Ortsteil Einruhr in den nach Nordnordosten gerichteten Obersee ein. Dieser geht am Paulushofdamm unmittelbar in die Rurtalsperre Schwammenauel über. Letztere wird auch einfach Rursee genannt. Wobei dieser Begriff auch für den gesamten Komplex aus insgesamt fünf zusammenhängenden Talsperren verwendet wird. Die Rurtalsperre Schwammenauel ist der größte dieser fünf Stauseen und nach Volumen der zweitgrößte Stausee in Deutschland. Der Obersee und damit die Rur erhält Zufluss über den Überlauf der Urfttalsperre aus der Urft, ihrem natürlichen rechten Zufluss. Je nach anfallenden Wassermengen wird allerdings auch ein großer Teil des Urftwassers über einen unterirdischen Stollen in das Staubecken Heimbach, das unterhalb des Staudamms Schwammenauel liegt, geleitet.

Unmittelbar unterhalb des Obersees läuft die Rur zwischen der zu Simmerath gehörenden Ortschaft Rurberg und dem Heimbacher Ortsteil Hasenfeld durch den Rurstausee, in welchem sie in den Kreis Düren wechselt und auch den links wiederum auf einer Hochfläche liegenden Nideggener Ortsteil Schmidt passiert. Danach fließt sie durch das Staubecken der Stauanlage Heimbach, das durch den Kermeterstollen, der die Eifelregion Kermeter untertunnelt, Zufluss aus dem Urftstausee im Süden und somit aus der Urft erhält. An alle drei Stauseen stößt jeweils der Nationalpark Eifel, der durch den Rurstausee in einen Süd- und Nordteil geteilt wird.

Unterhalb des Staubeckens fließt die Rur etwa ab der Kernstadt von Heimbach östlich des Nationalparks in Richtung Norden. Dabei passiert oder durchfließt sie im Heimbacher Stadtgebiet noch die Ortschaften Hausen und Blens sowie im Folgenden von Nideggen die Dörfer Abenden, Hetzingen und Brück, über dem sich auf der Eifelhochfläche teilweise auf einem Sporn die Nideggener Kernstadt ausbreitet. Im Talmündungskeil der danach von links zulaufenden Kall liegt dann der Hürtgenwalder Ortsteil Zerkall.

Anschließend durchläuft die Rur das Staubecken Obermaubach an dessen unterem linken Ufer der Ort Obermaubach liegt, und sie passiert oder durchfließt Schlagstein, Untermaubach, Üdingen und Winden; sie alle gehören zu Kreuzau, dessen gleichnamigen Kernort der Fluss danach am rechten Ufer passiert. Dann zieht sie im Dürener Stadtgebiet durch Lendersdorf, vorbei an Rölsdorf und durchfließt die Dürener Kernstadt. Ab dort wendet sie sich mehr und mehr nach Nordwesten. Unterhalb des Stadtzentrums passiert sie die Dürener Ortsteile Mariaweiler, Birkesdorf, Hoven und, nachdem sie die Bundesautobahn 4 unterquert hat, auch noch Merken.

Gegenüber von Merken fließt die Rur am östlich des Flusses liegenden Huchem-Stammeln vorbei, dann an Selhausen und Krauthausen; sie alle gehören zu Niederzier. Dann passiert sie noch den etwas abseits des Flusses gelegenen Indener Ortsteil Schophoven.

Im Jülicher Stadtgebiet liegen nahe am Fluss Selgersdorf, Altenburg und Kirchberg, wo die Inde einmündet. Dann durchquert die Rur die überwiegend rechts liegende Jülicher Kernstadt und zieht, nach Unterqueren der Bundesautobahn 44, vorbei an den Ortsteilen Koslar, Broich und Barmen. In ihrer inzwischen nur mehr wenig in die Umgebung eingegrabenen, breiten Talaue zweigen ab hier einige Mühlenteich genannte Mühlengräben ab, die einst Wassermühlen oder Gerbereien Wasser zuführten.

Etwas östlich abseits der Rur liegt dann der Linnicher Ortsteil Tetz. Der Fluss passiert anschließend im Linnicher Gebiet Floßdorf und Rurdorf und fließt dann durch die im Kern links liegende Stadt Linnich selbst und anschließend vorbei am Ortsteil Körrenzig; auf diesem letzten Flurlaufabschnitt wurde die Rur renaturiert.

Hiernach läuft die Rur im Kreis Heinsberg im Stadtgebiet von Hückelhoven an den Ortschaften Rurich, Brachelen, Hilfarth und Doverack sowie an der Hückelhovener Kernstadt vorbei; sodann passiert sie die Ortsteile Millich und, nach Unterqueren der Bundesautobahn 46, Ratheim mit Krickelberg und Garsbeck. Gegenüber von Ratheim liegen westlich der Rur im Stadtgebiet von Heinsberg die Ortschaften Oberbruch und Unterbruch. Unterhalb von Garsbeck passiert der Fluss den Wassenberger Ortsteil Luchtenberg und dann die Wassenberger Kernstadt. Dann passiert er die Heinsberger Wohnlagen und Ortsteile Brehm, Hochbrück, wonach bei Kempen die schon länger links parallel laufende Wurm einmündet; Karken danach auf derselben Seite hat etwas mehr Abstand vom Fluss, ihm gegenüber liegen östlich der Rur die Wassenberger Ortschaften Ophoven, Steinkirchen und Effeld.

Unterlauf und Mündung in den Niederlanden Anschließend überschreitet die Rur nach 132,3 km Fließstrecke in Nordrhein-Westfalen die Grenze zur niederländischen Provinz Limburg, wo sie die Roerdalener Ortsteile und Ortslagen Vlodrop, Herkenbosch, Sint Odiliënberg, Melick und Lerop passiert. Hiernach fließt sie im Stadtgebiet von Roermond an den Ortslagen Kitskensberg, De Kemp und Donderberg vorbei. Westlich von De Kemp verläuft unter dem Fluss nahe dem Westportal ein Stück des 2,5 km langen Roertunnels der A 73.

Nach den letzten 21,8 km auf niederländischem Gebiet mündet die Rur zwischen der Roermonder Ortslage Roer und der Kernstadt auf etwa Höhe in zwei Mündungsarmen in die Maas.

Die Rurmündung in Roermond ist schiffbar. Dort befindet sich u. a. die alte Looskade (Ladekai).

Auf dem etwa 164,5 km langen Lauf von der etwa 643 m höher gelegenen Quelle bis zur Mündung hat die Rur ein mittleres Sohlgefälle von etwa 3,9 ‰.

Bis ins Jahr 1342 verlief die Maas bei Roermond sieben Kilometer weiter westlich. Sie wurde 1338 bis 1342 zur Stadt hin verlegt, an deren Südwestrand heute die Mündung liegt.

Mündungslage beider Rurmündungsarme (beide in Roermond): linker bzw. westlicher Mündungsarm (Hambeek): rechter bzw. östlicher Mündungsarm:

Einzugsgebiet, Zuflüsse und Mühlenteiche Das Einzugsgebiet der Rur ist 2360,88 km² groß. Die wichtigsten Zuflüsse der Rur sind die Urft, die Inde und die Wurm. Zu den Zuflüssen und Mühlengräben (Mühlenteichen) der Rur gehören (flussabwärts betrachtet): Kleine Rur / Petite Rour Breitenbach in Küchelscheid Schwarzbach in Küchelscheid Langenbruchsief, östlich von Kalterherberg Schlüsselbach, südwestlich von Mützenich Perlenbach (manchmal auch Perlbach, in Ostbelgien Schwalmbach) Kleiner Laufenbach nordöstlich von Mützenich im NSG Kleines Laufenbachtal Laufenbach in Monschau Bettebach östlich von Mützenich-Eschweide Belgenbach bei Widdau (von links) Brommersbach bei Hammer Riffelsbach bei Hammer Erkensruhr bei Einruhr Urft im Obersee der Rurtalsperre bei Rurberg (von rechts) Mühlbach (Rur) in Abenden Kall bei Zerkall Rinnebach in Obermaubach Windener Mühlenteich Kreuzauer Mühlenteich Lendersdorfer Mühlenteich Dürener Mühlenteich Krauthausen-Jülicher Mühlenteich (mündet über den Ellebach wieder in die Rur) Inde bei Kirchberg (von links) Ellebach in Jülich Altdorf-Kirchberg-Koslarer Mühlenteich bei Floßdorf Merzbach bei Linnich (von links) Malefinkbach bei Rurich Baaler Bach (I) bei Rittergut Grittern / Hückelhoven (bei Kleinbouslar im Oberlauf Nysterbach genannt) (von rechts) Golkrather Bach bei Millich Erlenbach – Linnicher Mühlenteich – Teichbach bei Porselen-Bleckden Floßbach, auch Gerderather Bach Auf alten Karten (z. B. der Karte des Landkreises Erkelenz 1820) ist zu sehen, dass der Floßbach, der von Gerderath kommend in südwestlicher Richtung auf die Rur zulief, hinter Ratheim seinen Lauf nach Nordwesten änderte und über etwa 8 km parallel zur Rur verlief. Er mündete nahe der niederländischen Grenze zwischen Ophoven und Effeld in den Fluss. Sein alter Name Bohlbach mag zur (irreführenden) heutigen Bezeichnung Baalerbach geführt haben. Mit der landschaftlichen Umgestaltung (Flurbereinigung) vom Ende der 1950er bis zur Mitte der 1960er Jahre und der darauf folgenden Flussbegradigung wurde auch der Verlauf der Bäche verändert: der Floßbach, jetzt auch Ratheimer Mühlenbach genannt, mündet bei Ratheim in der Nähe des Adolfosees in die Rur und dient als Vorfluter für die Ratheimer Kläranlage sein ehemaliger Nebenbach, der Pützbach, „kreuzt“ den heutigen Floßbach, verläuft dann in dessen ehemaligem Bett und mündet bei Ratheim-Garsbeck in die Rur sein ehemaliger Nebenbach, der heutige „Baalerbach“ (II), der oberhalb Orsbeck „Myhlerbach“ genannt wird, mündet bei Gut Wylack / Wassenberg in die Rur Wurm bei Kempen (von links) Mühlenteich Junge Wurm (Liecker Bach) bei Karken, Rest des ehemaligen Mühlenbaches, der von Randerath aus von der Wurm abgezweigt wurde. Die Junge Wurm ist bereits im 8. Jahrhundert nach Christus belegt. Schaagbach bei Vlodrop / Niederlande (oberhalb Effeld „Birgeler Bach“ genannt) Rothenbach bei Vlodrop / Niederlande Boschbeek bei Herkenbosch / Niederlande

Die an der Rur gelegenen Mühlenteiche sind keine Teiche im gewöhnlichen Wortsinne, also stehende Gewässer, sondern von der Rur gespeiste Fließgewässer, die zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert künstlich angelegt wurden, um im Rurtal – auch abseits des Flusses und seiner Nebenbäche – eine Vielzahl von Wassermühlen betreiben zu können.

Talsperren