mini|Schwanenteich mit neuerrichtetem Sparkassengebäude im Hintergrund Jülich (, , früher auch Gülich) ist eine mittlere, kreisangehörige Stadt im Kreis Düren, Nordrhein-Westfalen, Deutschland.
Geographie Überblick Jülich liegt an der Rur. Mit seinem relativ flachen und sehr fruchtbaren Umland bildet es den nördlichen Teil der Jülich-Zülpicher Börde. Zur niederländischen Grenze bei Palenberg sind es knapp 20 km Luftlinie, zur belgischen bei Lichtenbusch knapp 30 km, Köln und der Rhein liegen etwa 40 km östlich. Jülich besteht neben der Kernstadt aus 15 weiteren Stadtteilen (Dörfern). Begrenzt wird dieses Stadtgebiet im Norden von der Stadt Linnich, im Nordosten von der Gemeinde Titz, im Südosten von der Gemeinde Niederzier, im Süden von der Gemeinde Inden und im Westen von der Gemeinde Aldenhoven. Die größte Ausdehnung von Ost nach West beträgt 13,3 km und von Nord nach Süd 10,9 km. Abgesehen von der künstlich aufgeschütteten 302 m hohen Sophienhöhe östlich von Jülich liegt der höchste Punkt des Stadtgebiets in Bourheim bei 110 m, der tiefste mit 70 m in Barmen.
Stadtbezirke Die Stadt Jülich gliedert sich in 16 Stadtbezirke:
Gewässer mini|Prägend für das Stadtbild ist die Promenade mit dem Ellbach.
Die Stadt Jülich wird außer der Rur von folgenden Gewässern durchflossen bzw. berührt: Ellebach (vor Ort meist Ellbach genannt), entspringt in der Drover Heide bei Kreuzau-Stockheim und fließt über Ellen – Niederzier – Stetternich von Osten her in die Stadt, die er entlang der Promenade in Richtung Westen durchquert, um sich in der Nähe des Hexenturms abrupt nach Norden zu wenden und parallel zur Rur noch bis kurz vor die Autobahnbrücke zu fließen, wo er schließlich in die Rur mündet. Iktebach, entspringt nahe der Umspannanlage Oberzier und fließt von Südosten her in die Stadt, wo er kurz hinter der Promenade nahe dem Hallenbad in den Ellbach mündet, ist allerdings seit mehreren Jahrzehnten die meiste Zeit des Jahres ausgetrocknet. Krauthausen-Jülicher Mühlenteich, wird bei Selhausen von der Rur abgeschlagen, fließt von Süden in die Stadt, überquert bei Kartaus mit einem Brückenbauwerk den Iktebach und mündet kurz vor der Promenade über einen kleinen Wasserfall in den Ellbach. Altdorf-Kirchberg-Koslarer Mühlenteich, wird bei Kirchberg von der Inde abgeschlagen (vor der Tagebau-bedingten Verlegung der Inde 2005 bereits beim ehemaligen Altdorf) und fließt zwischen Kirchberg und Koslar unmittelbar am westlichen Rand des eigentlichen Stadtgebiets von Jülich und seinem Brückenkopf vorbei, um bei Floßdorf in die Rur zu münden.
Klima Die folgenden Daten wurden erhoben von der meteorologischen Station des Forschungszentrums Jülich. Jahresmittelwerte von 1961 bis 2004 Jahresmittel Minimum Maximum Temperatur in °C 9,8 −21,1 (1979) 37,6 (2003) Sonnenscheindauer in h 1528 1224 (1981) 2168 (2003) Niederschlag in mm 693 441 (1976) 1042 (1966) Windgeschwindigkeit in m/s 3,1 2,6 (89/92) 3,8 (1970)
Geschichte
mini|Die Motte bei Altenburg/Jülich, Reste einer Turmhügelburg aus dem 12. Jahrhundert mini|Renaissance-Schloss im Innern der gewaltigen Zitadelle (2014) mini|Jülich auf der Tranchotkarte von 1806/07 mini|Maximaler französischer Ausbauplan von Jülich
Historischer Überblick
Jülich entstand in römischer Zeit als Straßenstation entlang der Römerstraße von Boulogne-sur-Mer nach Köln (Via Belgica). Der vicus (Iuliacum) erlangte eine gewisse Bedeutung wegen seiner strategischen Position an einer Furt der Rur und wurde im 4. Jahrhundert mit einem Kastell befestigt. Im 5. Jahrhundert fiel der Ort in fränkische Hand und entwickelte sich zum Zentrum eines Gaues, des sogenannten Jülichgaus, aus dem später die Grafschaft und 1328 das Herzogtum Jülich hervorgingen.
Jülich erhielt wahrscheinlich im Jahr 1234 Stadtrechte. Im Krieg gegen den Erzbischof von Köln wurde die Stadt 1239 zerstört. Am 14. Oktober 1279 schlossen die Grafen von Jülich mit Siegfried von Westerburg, dem Kölner Erzbischof, den Pingsheimer Frieden. Im 14. Jahrhundert erhielt die Stadt eine neue Befestigung, von der der Hexenturm und ein Mauerrest in der Stiftsherrenstraße erhalten sind.
Herzog Rainald von Jülich-Geldern verlieh 1416 der Stadt das finanzielle Selbstbestimmungsrecht. Die Macht der Jülicher Herzöge wuchs mit dem Zusammenschluss der Herzogtümer Jülich, Kleve und Berg zu den Vereinigten Herzogtümern. Die Herrschaft Herzogs Wilhelm V., genannt der Reiche, bedeutete einen Höhepunkt in der Stadtentwicklung. Zwar wurde Jülich 1543 kampflos an kaiserliche Truppen übergeben und im Jahr 1547 fiel fast die ganze Stadt einer Feuersbrunst zum Opfer, doch ließ der Herzog die Stadt danach mit Hilfe des italienischen Architekten Alessandro Pasqualini zur repräsentativen Residenzstadt und Idealstadt der Renaissance ausbauen. Bei diesen Arbeiten entstanden die Zitadelle und die Stadtbefestigung sowie die Grundzüge des noch heute gültigen Stadtplans (Innenstadt). Jülich verfügte somit zu jener Zeit über die modernsten Befestigungsanlagen Europas.
Das Aussterben der herzogliche Linie im Jahr 1609 führte zur Aufteilung der Vereinigten Herzogtümer. Die Stadt Jülich mit dem Herzogtum Jülich gehörte fortan zu Pfalz-Neuburg und später zur Kurpfalz (1685) bzw. Kurpfalz-Bayern (1777). Jülich wurde 1610 im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit erstmals und 1621/1622 zum zweiten Mal belagert. Anschließend war die Stadt bis 1660 von Truppen der Spanischen Niederlande besetzt.
Von 1794 bis 1814 gehörte Jülich als Juliers im Département de la Roer zum französischen Staatsgebiet. Die Franzosen erweiterten die Festungsanlagen um den napoleonischen Brückenkopf an der Rur und zahlreiche Außenwerke. 1815 gelangte Jülich als Festungs- und Kreisstadt unter preußische Herrschaft. Die Festungswerke wurden 1860 nach einer großen Belagerungsübung der preußischen Armee geschleift, aber die Stadt blieb Garnison und Sitz einer Unteroffiziersschule. Nach der Entfestigung erhielt Jülich 1873 den für den wirtschaftlichen Fortschritt erforderlichen Eisenbahnanschluss an drei Linien: Jülich–Düren sowie Mönchengladbach–Jülich und Jülich–Stolberg(–Aachen). Zwischen 1882 und 1912 folgten drei weitere Bahnstrecken.
In den 1920er Jahren hatten französische und belgische Truppen Jülich besetzt (Alliierte Rheinlandbesetzung); das 1918 in Betrieb genommene und auf 1800 Arbeitskräfte ausgelegte Reichsbahnausbesserungswerk (von 1961 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts Heeresinstandsetzungswerk 800/SysInstZentr 800, jetzt Mechatronikzentrum) sorgte für einen Zustrom an Neubürgern, die im planmäßig ausgebauten Südviertel (Heckfeld) angesiedelt wurden.
Die 1862 eingeweihte Synagoge wurde in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 geschändet, das Inventar außerhalb der Synagoge verbrannt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Dach zerstört (die Ruine wurde 1958 abgerissen). Am 16. November 1944 zerstörten britischer Bomber Jülich bei einem heftigen Luftangriff (Operation Queen) binnen 20 Minuten zu 97 %, weil es – obwohl die Stadtanlage, der Brückenkopf und die Zitadelle längst nicht mehr als Festung genutzt wurden – als ein Haupthindernis bei der bevorstehenden Einnahme des Rheinlands durch die Alliierten galt. Am 8. Dezember 1944 erreichten amerikanische GIs das Westufer der Rur gegenüber von Jülich (siehe Rurfront). Nach dem Ende der Kämpfe, Anfang 1945 war die Stadt praktisch unbewohnt und fast völlig zerstört, ihr Wiederaufbau schien unsicher.
Auf dem Jülich-Ehrenfriedhof wurden 532 Tote bestattet (Mahn- und Gedenkstätte Jülich, Lager Iktebach) Mahn- und Gedenkstätte Jülich, Lager Iktebach, auf der Kriegsgräberstätte in Jülich-Kirchberg 374 Opfer beider Weltkriege. Kriegsgräberstätten
Bürgermeister Heinrich Röttgen veranlasste in den Jahren 1949 bis 1956 die Wiedererrichtung des Stadtkerns. Dabei gelang es, den überlieferten Renaissance-Grundriss zu erhalten und der Innenstadt einen harmonischen einerseits modernen, aber zugleich historischen Anblick zu verleihen (einheitliche Traufhöhe, keine Flachdächer, zahlreiche Fassaden aus dunkelroten Ziegeln). In den 1950er und 1960er Jahren führte die Errichtung der Kernforschungsanlage (heute Forschungszentrum Jülich) zahlreiche Neubürger, vor allem Akademiker in die Stadt, die sich hauptsächlich im Nordviertel ansiedelten.
Durch Eingemeindungen stieg die Einwohnerzahl zum 1. Januar 1972 auf mehr als 30.000 Personen; die Kommunalreform führte aber zur Auflösung des Kreises Jülich. Die seit dem Krieg verwaiste, teilweise zerstörte Zitadelle wurde instand gesetzt und Sitz des Städtischen Gymnasiums. In den 1990er Jahren entwickelte sie sich zum kulturellen und touristischen Mittelpunkt der Stadt.
Nachdem von 1968 bis 1983 alle Jülich berührenden Bahnstrecken bis auf die „Nabelschnur“ nach Düren den Personenverkehr einstellten und auch diese letzte Verbindung stillgelegt werden sollte, übernahm 1993 die Dürener Kreisbahn den Betrieb, führte einen Taktfahrplan mit Leichttriebwagen und abgestimmte Anschluss-Busfahrpläne mit einheitlichem Verbundtarif ein und vervielfachte damit die Fahrgastzahlen.
Vom 25. April bis 4. Oktober 1998 fand die Landesgartenschau in Jülich statt. Dadurch wurde die umfangreiche Restaurierung der Festungsanlagen des Brückenkopfes und die Anlage eines großen Naherholungsgebietes – des Brückenkopfparks – ermöglicht.
Bedeutung hat Jülich vor allem durch das weltweit bekannte Forschungszentrum (seit 1956) und den zur FH Aachen gehörenden Campus Jülich (seit 1970). Der Campus wurde zu Beginn des neuen Jahrtausends für 87 Mio. Euro erweitert und am 3. November 2010 neu eingeweiht.
Ein Wahrzeichen Jülichs ist der Hexenturm an der Straße von Aachen, vor dem bis zur Landesgartenschau 1998 der Busbahnhof Jülichs lag. Besucher von auswärts betraten die Innenstadt durch dieses alte Stadttor. Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt wurde inzwischen abgebaut: die Sendetürme des bundesdeutschen Auslandsrundfunks, der Deutschen Welle, die auf der Merscher Höhe nördlich der Stadt standen. Im Poststempel der Jülicher Post waren die beiden Wahrzeichen lange Zeit zu sehen.
Eingemeindungen und Ausgliederungen Am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Barmen, Bourheim, Broich, Kirchberg, Koslar, Mersch, Merzenhausen, Pattern bei Mersch, Stetternich, Welldorf und Güsten eingegliedert.
Am 1. Januar 1972 wurde der Ortsteil Krauthausen durch das Aachen-Gesetz der neuen Gemeinde Niederzier zugeordnet.
Einwohnerentwicklung
mini|hochkant=1.4|Einwohnerentwicklung von Jülich von 1871 bis 2017
Zur Erläuterung: 1918 geht in Jülich das für 1800 Arbeitskräfte geplante Eisenbahn-Ausbesserungswerk in Betrieb. Am 16. November 1944 wird Jülich fast völlig zerstört. Der starke Bevölkerungsanstieg in den 1960er Jahren beruht auf der Ansiedlung der Kernforschungsanlage Jülich. Der starke Anstieg der Bevölkerung um etwa ein Drittel nach 1970 ist Ausdruck der kommunalen Neugliederung zum 1. Juli 1972, die mehrere umliegende Dörfer zu Stadtteilen Jülichs werden ließ. Dies bescherte Jülich 11.745 neue Bürger. Etwa die Hälfte der Bevölkerung wohnt in der Kernstadt, die andere Hälfte verteilt sich auf die 15 umliegenden, zum Stadtgebiet zählenden, Dörfer. Die Einwohnerzahl stagniert seit den 2020er Jahren. Am 31. Dezember 2019 waren laut städtischer Statistik 34.115 Einwohner gemeldet. Die Angaben der Stadt Jülich auf ihrer Homepage und die Angaben in der Landesdatenbank differieren um rund 1.500. Die Landesdatenbank weist für den 29. Februar 2020 32.621 Einwohner aus. Das wirkt sich vor allem in niedrigeren Schlüsselzuweisungen aus, da das Land für seine Zuwendungen allein die Landesdaten zugrunde legt. Die Kernstadt hatte am 31. Dezember 2019 laut Angaben der Stadt Jülich insgesamt 18.028 Einwohner.
Konfessionsstatistik