Die Straßenbahn Dornbirn–Lustenau war eine meterspurige Schmalspurbahn im österreichischen Bundesland Vorarlberg, die teilweise den Charakter einer städtischen Straßenbahn, teilweise den einer Überlandstraßenbahn aufwies. Sie verkehrte zwischen der Stadt Dornbirn und der Marktgemeinde Lustenau, zuständiges Verkehrsunternehmen war die Aktiengesellschaft Elektrische Bahn Dornbirn–Lustenau, abgekürzt EBDL. Die Strecke war 11,121 Kilometer lang, durchgehend eingleisig und wurde von Beginn an elektrisch betrieben. Die Fahrspannung betrug 550 Volt Gleichstrom.

Geschichte mini|hochkant|links|Fahrschein von 1930 Im Jahr 1900 veröffentlichte die Zeitschrift Der Bautechniker eine Kurzmeldung über die Konzessionserteilung für die Kleinbahn Dornbirn – Lustenau. Finanziert wurde die Bahn von der damals expandierenden Vorarlberger Textilindustrie; die am 24. März 1902 kundgemachte Konzession begünstigte als Konzessionäre die Gemeinden Dornbirn und Lustenau.

1902 gab die Zeitschrift für Elektrotechnik an, dass 11,2 km der Bahn in Bau wären. Im gleichen Jahr veröffentlichte ebendiese Zeitschrift einen längeren Artikel über Details der Konzession. Die am 30. November 1902 stattgefundene Eröffnung wurde in der Zeitschrift für Elektrotechnik im Jänner 1903 erwähnt.

mini|Aktie der Elektrischen Bahn Dornbirn – Lustenau über 200 Kronen Die im Volksmund Tram oder – in Anspielung auf die Abkürzung der Betreibergesellschaft – Elende Beförderung Dummer Leute genannte Straßenbahn wurde als erste elektrische Bahn in Vorarlberg am 30. November 1902 eröffnet und am selben Tag dem Regelverkehr übergeben. Tatsächlich war sie aber nur die erste öffentliche elektrisch betriebene Bahn in Vorarlberg. Eine Werksbahn von F. M. Hämmerle in Feldkirch verwendete schon seit 1894 elektrischen Betrieb. Den Betrieb führte die Siemens & Halske A.-G. Die Trasse verlief vom Bahnhof Dornbirn zu der in Lustenau heute nicht mehr bestehenden Unterfahrbrücke auf Höhe Rheinstraße, auf deren Schweizer Seite sich der Bahnhof Au SG an der Bahnstrecke Chur–Rorschach befand. Anschließend führte sie weiter entlang der heutigen Lustenauer Straße, die Remise in Dornbirn befand sich an der Stelle der inzwischen ebenfalls aufgelassenen Postgarage an der Säger Brücke, mittlerweile befindet sich auf dem vorderen Teil des Geländes der Campus Dornbirn.

Ursprünglich war die Strecke als 24 Kilometer lange Verbindung der Region Bregenzerwald mit der Ostschweiz geplant: von Au im Kanton St. Gallen, über Lustenau, Dornbirn, Schwarzach, Wolfurt nach Kennelbach an der Bregenzerwaldbahn.F. M. Hämmerle und Herburger & Rhomberg planten bereits zuvor eine Dampftram von Höchst über Lustenau, Dornbirn nach Alberschwende. 1890 wurde dazu beim Handelsministerium um die Bewilligung ersucht, die technischen Vorarbeiten durchzuführen (). Ebenfalls bestand zu der später ausgeführten Linie bereits 1897 ein Projekt, zuvörderst unterstützt vom Bürgermeister der Stadt Dornbirn, Johann Georg Waibel (1828–1908). – Siehe: An einen Seitenast ins Gütle zum Rappenloch war ebenfalls gedacht, dieser war aber nicht zu finanzieren.

Die Bahngesellschaft wirtschaftete bis 1930 einigermaßen erfolgreich, neben den Personen wurden jährlich auch circa 700 bis 900 Tonnen Waren transportiert.Eine Tabelle der jährlichen Personen- und Gütertransporte von 1903 bis 1938 in: Werner Matt: Elektrische Bahn Dornbirn – Lustenau. In: Andreas Brugger, Werner Matt, Katrin Netter (Hrsg.): Die letzten Friedensjahre und der erste Weltkrieg, Arbeitskreis Vorarlberger Kommunalarchive, Dornbirn/Egg/Schruns 2016, ISBN 978-3-901900-52-5, S. 29. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise geriet die Bahn aber in die roten Zahlen. Eine Verkehrszählung vom Sommer 1937 zeigte, dass nur noch 23 Prozent der Reisenden zwischen Dornbirn und Lustenau die Bahn benutzten, 63 Prozent bevorzugten das Fahrrad, zehn Prozent das Auto. Überdies wurden unverkennbar Erneuerungen und Verbesserungen im technischen Bereich nötig.

Stilllegung Am 31. Oktober 1938, wenige Monate nach dem Anschluss Österreichs, wurde der (inzwischen von der Deutschen Reichspost übernommene) Bahnverkehr eingestellt und am nächsten Tag durch neun Omnibusse (Gesellschaftswagen) ersetzt. Die notwendigen großen Investitionen, die für einen Fortbestand hätten getätigt werden müssen, schienen den Verantwortlichen nicht rentabel. Überdies dachte man, dem Zeitgeist entsprechend, mehr an eine automobile Zukunft. Medial wurde die Umstellung auf Busse auch als Eingliederungsschritt in die Gepflogenheiten Großdeutschlands dargestellt. Betrieb mini|Fahrplanbild 77a im Kursbuch Österreich-Ungarn August–September 1914 Laut Fahrplanbild 77a Kursbuch Österreich-Ungarn August–September 1914 verkehrten etwa 16 Zugpaare und benötigen für die Gesamtstrecke etwa 45 Minuten. Darüber hinaus wurden auch Züge über Teilstrecken angeboten. mini|Fahrplanbild 80 im Kursbuch der Österreichischen Bundesbahnen, 1924 Das Kursbuch 1924 der Österreichischen Bundesbahnen zeigte im Fahrplanbild 80 des Jahres das gleiche Angebot mit allerdings geringfügig kürzeren Fahrzeiten.

Rezeption Am 26. Oktober 1919 veranstaltete der Fußballverein FC Lustenau 07 ein Wettrennen gegen die Straßenbahn: eine Staffel aus 35 Läufern, die je 150 bis 400 Meter liefen, brauchte 19 Minuten und 45 Sekunden von Dornbirn bis Lustenau – die Straßenbahn dagegen war zehn Minuten länger unterwegs.Die Bahn war für folgende Fahrgeschwindigkeiten ausgelegt: auf freier Strecke 30 km/h, im verbauten Gebiet 12 bis 20 km/h. – Siehe:

Fahrzeuge Alle Wagen waren zweiachsig und in Zweirichtungsbauweise ausgeführt, nach ihrer 1938 erfolgten Ausmusterung wurden sie an die Straßenbahn Klagenfurt verkauft. Alle Fahrzeuge wurden von der Grazer Waggonfabrik geliefert. Art Stück Nummern Baujahr Hersteller Länge Achsstand Bemerkungen Triebwagen 5 1 bis 5 1902 Grazer Waggonfabrik 8300 mm 3000 mm Ursprünglich offene Plattformen und Laternendach, später Umbau auf Haubendach und Schiebetüren Beiwagen 2 8 und 9 1902 Grazer Waggonfabrik 8870 mm 3000 mm Offene Plattform, Haubendach, Schiebetüren Beiwagen 2 10 und 11 1902 Grazer Waggonfabrik Gebaut 1902 als Gepäckwagen 6 und 7 1903 Umbau als Beiwagen 10 und 11 Beiwagen 1 12 1922 Hauptwerkstätte 8300 mm 3000 mm Ausführung wie Teile der Triebwagen nach deren Umbau

Relikte In Lustenau befindet sich noch, direkt am Rheindamm gelegen, ein Remisengebäude. Weiters findet man an wenigen Häusern, z. B. in der Marktstraße in Dornbirn, Oberleitungsrosetten. Im Technikmuseum Historama in Ferlach existiert noch das Wrack eines Beiwagens.

Galerie

Literatur Concessionierung der elektrischen Kleinbahn von Dornbirn nach Lustenau. In: Maximilian Zinner (Red.): Zeitschrift für Elektrotechnik. Band 20.1902, Heft 25/1902, 22. Juni 1902, . Spielhagen & Schurich (Kommission), Wien 1902, S. 309 ff. – Text online. Hansgeorg Prix: Elektrische Bahn Dornbirn–Lustenau. Die EBDL, 1902–1938. Heyn, Klagenfurt 1988, ISBN 3-85366-560-8. Wolfgang Kaiser: Straßenbahnen in Österreich. Straßenbahn Magazin Bibliothek. GeraMond-Verlag, München 2004, ISBN 3-7654-7198-4.

Weblinks

Lokstatistik von Josef Pospichal: Elektrische Bahn Dornbirn-Lustenau

Einzelnachweise

Anmerkungen

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