Maputo [] (bis 1976 Lourenço Marques) ist die Hauptstadt von Mosambik und bildet die Verwaltungseinheit, Maputo Cidade, die umgebende Provinz Maputo ist seit 1998 verwaltungstechnisch von der Landeshauptstadt getrennt und besitzt eine eigene Provinzhauptstadt, Matola.
Die Stadt liegt an der Maputo-Bucht am Indischen Ozean und hat nach offiziellen Angaben 1.101.170 Einwohner und in der Agglomeration 2.717.437 (Volkszählung 2017); da viele Menschen in informellen Siedlungen leben und teilweise nicht erfasst sind, gehen Schätzungen von einer weit höheren Einwohnerzahl aus.
In Maputo befinden sich das katholische Erzbistum Maputo, ein anglikanischer Bischofssitz und zwei Universitäten.
Geographie Die Stadt liegt an der Westseite der Maputo-Bucht, die 95 km lang und 30 km breit ist, im äußersten Süden des Landes. In Maputo mündet der Fluss Tembe in den Indischen Ozean, während der Fluss Maputo im Süden der Bucht ebenfalls in den Indischen Ozean mündet.
Administrative Gliederung Die Stadt („Maputo Cidade“) bildet eine eigene Verwaltungseinheit auf Provinzebene und ist analog zu den anderen Provinzen Mosambiks in Distrikte gegliedert, die jedoch rein verwaltungstechnischer und rechtlicher Natur sind. Ähnlich wie bei anderen mosambikanischen Distrikten, gibt es eine weitere Untergliederung in Stadtteile (bairros) bzw. Ortschaften (localidades). Während die sog. Distritos Urbanos (Urbane Distrikte) sich alle am Nordufer der Maputo-Bucht befinden und damit die eigentliche Stadt Maputo gliedern, umfassen die zwei sogenannte Distritos Municipais (Munizip-Distrikte) weitere Gebiete: Der Distrito Municipal de KaTembe umfasst fünf Ortschaften auf der Südseite der Maputo-Bucht, der Distrito Municipal de KaNyaka die in der Maputo-Bucht liegende Insel Inhaca einschließlich der knapp zwei Kilometer nordwestlich vorgelagerten unbewohnten Nebeninsel Ilha dos Portugueses.
Die Distrikte der Hauptstadt Maputo sind die folgenden. Die ersten fünf urbanen Distrikte werden gelegentlich auch in der genannten Folge von 1 bis 5 durchnummeriert. +Name des DistriktsStadtteile / OrtschaftenFlächekm²Einwohner2017Distrito Urbano de KaMpfumoAlto-Maé A + B, Central A, B + C, COOP, Malhangalene A + B, Sommershield, Polana A + B 13,7 80.550Distrito Urbano de NlhamankuluChamanculo A, B, C + D, Aeroporto A + B, Minkadjuine, Munhuana, Xipamanine, Unidade 7, Malanga 10,2 129.306Distrito Urbano de KaMaxaqueneMafalala, Urbanização, Maxaquene A, B, C + D, Polana Caniço A + B 12,6 199.565Distrito Urbano de KaMavotaAlbazine, Costa do Sol, FPLM, Ferroviário, Hulene A + B, Laulane, Mavota, 3 de Fevereiro, Mavalane A + B 79,8 331.968Distrito Urbano de KaMubukwanaLuís Cabral, Jardim, Nsalene, Inhagóia A + B, 25 de Junho A + B, Bagamoio, George Dimitrov, Malhazine, Zimpeto, Magoanine A, B + C 60,9 321.438Distrito Municipal de KaTembeIncassane, Chamissava, Guachene, Inguide, Chali 122,0 32.248Distrito Municipal de KaNyakaInguane (Südosten), Ribzeni, Nhaquene 47,8 6.095
Geschichte mini|links|Hafen von Lourenço Marques (1896)
Im Jahre 1544 besetzten Portugiesen die Delagoa-Bucht (Baía da Lagoa), auf die sie Anspruch erhoben und die sie erkundeten. Allerdings erfolgte keine dauerhafte Inbesitznahme, so dass es zu keiner Besiedlung oder Befestigung kam. 1721 gründeten die Niederländer mit Fort Lydsaamheid eine Niederlassung an der Delagoa-Bucht am Ort des heutigen Maputo. Das Gebiet zwischen Sabi und Limpopo hatte bis dahin, abgesehen von sporadischen Vorstößen einiger Elfenbeinhändler oder Missionare, außerhalb der portugiesischen Einflusszone gelegen. 1730 gaben die Niederländer ihre Siedlung aber wieder auf.
Im März 1777 gründete Oberstleutnant William Bolts eine österreichische Faktorei in der Delagoa-Bucht. Sie bestand aus einem kleinen Hafen und zwei mit Kanonen versehenen Forts (Joseph und Theresia), besetzt mit zehn Mann. Das Land hatte der Brite im Dienste Österreichs von den Häuptlingen Mohaar Capell und Chibauraan Matola gekauft. Die Faktorei blieb bestehen, bis die Portugiesen 1781 zurückkehrten.Landgang ohne Fortune - Wie die Habsburger sich als Kolonialherren versuchten. In: Der Spiegel. 6/2009, 24. November 2009. Sie gründeten eine Handelsstation, die als Stützpunkt für den Elfenbeinhandel und als Ankerplatz für Walfänger diente. 1787 begann der Bau der Festung, die 1796 durch französische Truppen weitgehend zerstört wurde. 1869 wurde ein Grenzvertrag mit dem Burenstaat Transvaal geschlossen und die Delagoa-Bucht der portugiesischen Kolonie Mosambik zugeschlagen. mini|links|Lourenço Marques um 1905 mini|Straßenbahn in Maputo um 1920
Nach einem Großbrand im Jahre 1875 wurde die Siedlung Lourenço Marques in der Delagoa-Bucht in Steinbauweise wieder aufgebaut und der Hausbau mit Holz und anderen pflanzlichen Baustoffen verboten. Die Stadt trägt den Namen eines portugiesischen Händlers, der die Region 1544 als erster Vertreter der späteren Kolonialmacht Portugal erforscht hatte. Dieser gründete Lourenço Marques im selben Jahr. Bis in die 1880er Jahre beschränkte sich die portugiesische Präsenz auf Stützpunkte entlang der Küste, ohne das Inland zu kontrollieren.
Nach der Berliner Konferenz von 1884 sah sich Portugal veranlasst, das Inland zu besetzen, um Deutschen und Briten zuvorzukommen. 1895 wurde von Pretoria in der Südafrikanischen Republik eine Eisenbahnlinie nach Lourenço Marques gebaut, um den hiesigen Hafen nutzen zu können. Das daraus folgende Wachstum führte dazu, dass Lourenço Marques 1887 die Stadtrechte erhielt.Manfred Kuder: Moçambique. (= Wissenschaftliche Länderkunden, 10), Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1975, S. 281.
1890 machte Großbritannien Portugal ein Kaufangebot von 5 Millionen Pfund für die Hafenstadt, was dieses ablehnte. Davon alarmiert begann die portugiesische Handelskammer ab Juni 1891 Investitionen in den Hafen, die Eisenbahn und die Kanalisation vorzunehmen. 1894 und 1897 gab es Volksaufstände, was die Briten und die Regierung der Buren im Transvaal für ihre Forderung instrumentalisierten, weil es ihnen erlaubte, die Portugiesen als unfähig hinzustellen. Einige Kolonialpolitiker erwogen nun sogar, die Eisenbahnlinie zu zerstören, um weniger britische Begehrlichkeiten auf sich zu ziehen. Weil London weiter Druck machte und 1898 sein Kaufangebot erneuerte, beschloss Lissabon per 1. Dezember 1898 die Verwaltungshauptstadt von Portugiesisch-Ostafrika (Moçambique) von der Ilha de Moçambique hierher zu verlegen, um den portugiesischen Anspruch zu bekräftigen. Portugal gab aber insofern nach, als es seit Oktober 1891 Lourenço Marques für den Handel öffnete, während es die nördlichen Gebiete kolonial abschottete.
Von 1904 bis 1936 verkehrte in der Stadt eine elektrische Straßenbahn (Eléctricos de Lourenço Marques). Nach der Unabhängigkeit Mosambiks von Portugal im Jahre 1975 wurde die Stadt am 3. Februar 1976 in Maputo umbenannt. Seit dem Ende des Mosambikanischen Bürgerkriegs im Jahr 1992 erlebte Maputo ein stetiges wirtschaftliches Wachstum, wobei ein Geschäftszentrum mit mehreren modernen Hochhäusern errichtet wurde. Am 22. März 2007 verloren bei der Explosion eines Waffenlagers in einem Außenbezirk der Stadt 96 Menschen ihr Leben. 2010 kam es aufgrund von Nahrungsmittelknappheit in Maputo zu schweren Unruhen.
Bevölkerung Die Bevölkerung der Stadt Maputo wuchs von nur 92.000 im Jahre 1950 auf 1,12 Millionen im Jahre 2017.Portal do Governo de Moçambique: População total Censo de 2017. auf www.portaldogoverno.gov.mz (portugiesisch) Inzwischen steigt vor allem die Bevölkerung der Vorstädte rasant an. Die Vorstadt Matola wuchs im selben Zeitraum von 9000 auf 1,6 Millionen an. In einer Rangliste der Städte nach ihrer Lebensqualität belegte Maputo im Jahre 2018 den 182. Platz unter 231 untersuchten Städten weltweit.
Für 2050 wird mit einer Bevölkerung von über 5,5 Millionen Menschen in der Agglomeration gerechnet.Daniel Hoornweg, Kevin Pope: Socioeconomic Pathways and Regional Distribution of the World’s 101 Largest Cities. (= Global Cities Institute Working Paper No. 04) Global Cities Institute (GCI), Toronto 2014, online auf www.media.wix.com (englisch, PDF).
Bevölkerungsentwicklung laut UN JahrEinwohnerzahl195092.0001960181.0001970371.0001980550.0001990776.00020001.019.00020101.097.00020171.120.867
Klimatabelle
Wirtschaft und Verkehrsinfrastruktur
Wirtschaft Maputo hat einen modernen Hochseehafen, durch den Kohle, Ferrochrom, Eisenerz, Aluminium, Mineralöl, Sisal, Obst, Zucker, Hartholz und Industrieprodukte in Containern exportiert werden. Für Südafrika besitzt der Hafen Maputo wegen seiner geographischen Nähe zu den Ballungsräumen in den Provinzen Gauteng und Mpumalanga hohe wirtschaftspolitische Bedeutung, wodurch sich wechselseitige Einflüsse mit der mosambikanischen Wirtschaft ergeben.
In der Stadt selbst werden Zement, Töpfereiprodukte, Möbel, Schuhe und Gummi produziert. Sie verfügt auch über ein großes Aluminium-Werk (Mozal) und im benachbarten Matola befindet sich eine Erdölraffinerie. Die feinsandigen Strände der Stadt ziehen zahlreiche Touristen an. Auch die nationale Wertpapierbörse, die Bolsa de Valores de Moçambique befindet sich hier.
Verkehr mini|Der 1910 vollendete Hauptbahnhof von Maputo Leistungsfähige Verkehrsverbindungen führen aus dem Nachbarland zur Stadt und ihrem Hafengebiet. Auf der Straße ist das die Fernstraße EN4, mit der Eisenbahn die Bahnstrecke Pretoria–Maputo. Der Hauptbahnhof von Maputo ist die Estação do Caminho de Ferro de Maputo, deren Empfangsgebäude 1908 bis 1910 erbaut wurde. Von Maputo gehen wichtige inländische Verkehrsverbindungen aus, wie die Fernstraßen EN1 und EN2. Die Verkehrserschließung des Innenstadtbereiches erfolgt hauptsächlich über die Avenida Eduardo Mondlane, Avenida 24 de Julho und Avenida Julius Nyerere.
Mit MetroBus Maputo wurde im Februar 2018 ein Vorortbahnsystem mit Busanschlüssen eröffnet.
Der innerstädtische Nahverkehr in Maputo wird hauptsächlich mittels Minibussen organisiert, die hier Chapas genannt werden. Die drei wichtigsten Busstationen der Stadt sind Baixa im Zentrum der Stadt, Museu (Museum) und Junta (für regionale und nationale Busse). In Maputo existierte bereits ab 1904 eine der ersten Straßenbahnen auf dem afrikanischen Kontinent. Mit dem Aufkommen von Autos und Bussen verlor sie jedoch immer mehr an Bedeutung, bis ihr Betrieb 1975 ganz eingestellt wurde. Die Straßenbahnschienen sind noch heute an einigen Stellen im Straßenbild von Maputo sichtbar.
Der Flughafen Maputo ist der wichtigste Flughafen des Landes. Mit der Eröffnung des neuen Terminals im Jahr 2010 wurde die Kapazität auf derzeit 900.000 Passagiere pro Jahr gesteigert.
Kultur mini|Blick auf Maputo
In Maputo hat die 1962 gegründete staatliche Universität von Mosambik, benannt nach dem Freiheitskämpfer Eduardo Mondlane, ihren Hauptsitz. Weiterhin gibt es die Pädagogische Universität Maputo.
Neben dem Museu de História Natural de Moçambique zur Geschichte des Landes besteht in der Stadt ein Militärmuseum. Im in Maputo ansässigen Theater Teatro Avenida arbeitete Henning Mankell als Intendant und gelegentlich auch als Regisseur.
Eine kulturelle Institution von Maputo ist der Künstlerverband Associação Núcleo de Arte. Der Verband sitzt in einer alten Villa im Zentrum der Stadt, in der regelmäßig Ausstellungen veranstaltet werden. Er hat das kulturelle Leben von Mosambik in den letzten Jahrzehnten stark beeinflusst. Zwei bekannte zeitgenössische Künstler des Landes, Malangatana Ngwenya und Alberto Chissano, begannen hier ihre Karrieren. Über die Grenzen von Mosambik hinaus wurde der Associação Núcleo de Arte für das Projekt Transforming Arms into Art bekannt, bei dem Künstler Skulpturen aus Waffen fertigten, die aus dem Bürgerkrieg stammten.Kunst aus Landminen Bericht der Deutschen Welle über das Kunstprojekt. Abgerufen am 10. Oktober 2012.
Seit 2011 steht die Samora-Machel-Statue auf der Praça da Independência.
Stadtbild und Architektur mini|Eisernes Haus, 1898 mini|Nationalbibliothek, 1904