mini|Reichenau um 1900 mini|Blick auf die Ortsteile Hirschwang und Reichenau von der Raxalpe (2010) mini|Kurhaus um 1900
Reichenau an der Rax ist eine an den Ausläufern der Wiener Alpen gelegene Marktgemeinde in Niederösterreich mit Einwohnern (Stand ). Sie ist als heilklimatischer Kurort anerkannt., auf Oehkv.at, abgerufen am 7. Juni 2015.
Geografie Die Gemeinde mit ihren einzelnen Orten liegt am Fuß der Rax auf 484 bis 680 m Seehöhe. Die Flüsse durch das Gemeindegebiet sind die Schwarza, der Preinbach und der Grünstingbach.
Der Ort Reichenau liegt etwa zwei Kilometer abseits der Südbahn. Es gibt einen gemeinsamen Bahnhof mit Payerbach, von dem werktags halbstündlich Züge nach Wien verkehren (Fahrzeit etwa 70 min). Der Name der Station ist Payerbach-Reichenau.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst 15 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Die Gemeinde besteht aus sechs Katastralgemeinden (Fläche Stand ): Grünsting () Hirschwang () Hirschwanger Forst () Klein- und Großau () Prein () Reichenau ()
Nachbargemeinden Zwei der sieben Nachbargemeinden liegen im steirischen Bezirk Bruck-Mürzzuschlag (BM).
Die Rax Die Rax ist ein Gebirgsmassiv mit Hochplateau, das zusammen mit dem Schneeberg den nordöstlichsten Ausläufer der Kalkalpen bildet. Der Berg ist hoch, der höchste Punkt heißt Heukuppe. Gasthäuser bzw. Hütten auf der Rax sind Raxalpen-Berggasthof, Otto-Schutzhaus, Seehütte, Habsburghaus, Karl-Ludwig-Haus, Waxriegelhaus sowie die Edelweißhütte am Preiner Gscheid.
Von Hirschwang auf das Plateau führt die Raxseilbahn, die 2160 m lang ist und einen Höhenunterschied von 1017 m überwindet. Die 1925 errichtete Raxseilbahn ist die erste Personen-Seilschwebebahn in den heutigen Grenzen Österreichs.
Klima
Geschichte Der Ort Reichenau wurde vor allem in der österreichisch-ungarischen Monarchie als Nobelkurort bekannt. Die Geschichte von Reichenau ist auch eng mit dem Bau der Semmeringbahn verbunden. Seit der 1842 erfolgten Erschließung der Region durch den Bau der Südbahn entwickelte sich Reichenau zu einer Sommerfrische des Wiener Adels und Großbürgertums. Der mondäne Charakter des Ortes wurde 1870/72 durch die Errichtung der Villa Wartholz für Erzherzog Carl Ludwig besonders gefördert. Ein weiterer historistischer Schlossbau im Gemeindegebiet, das Schloss Rothschild oder Schloss Hinterleiten, wurde 1884 bis 1889 im Neo-Louis XIII-Stil für Nathaniel Meyer Freiherr von Rothschild erbaut, jedoch bald dem k.u.k. Kriegsministerium als Heim für invalide Subalternoffiziere gestiftet.
Arthur Schnitzler und Peter Altenberg weilten in Reichenau öfters zu Gast. Schnitzler, der der Wirtin des Thalhofs, Olga Waissnix besonders verbunden war, schrieb hier unter anderem im Sommer 1900 in nur sechs Tagen die Novelle Lieutenant Gustl.
Der Riegelhof im Ortsteil Prein an der Rax, Nr. 23, war über Jahrzehnte der Sommersitz der Familie Doderer; hier entstand eine Reihe von Texten des österreichischen Romanciers Heimito von Doderer (1896–1966) (z. B. aus Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre).Riegelhof Landsitz Doderer, abgerufen am 30. Dezember 2018.
Der Aufschwung des Alpinismus spiegelte sich in der Erschließung des nahe gelegenen Raxmassives. Kaiser Franz Joseph I. und seine Frau verbrachten hier einige Sommer mit ihrer Familie. Kronprinz Rudolf gab der gleichnamigen Kaltwasserheilanstalt und der Rudolfsvilla ihre Namen.
Am 26. Juli 1944 wurde über dem Ortsteil Prein an der Rax eine amerikanische Boeing B-17 der USAAF, 301st Bombardment Group, abgeschossen. Das Flugzeug explodierte noch in der Luft, wobei drei von zehn Besatzungsmitgliedern ums Leben kamen.Absturz einer B-17 bei Reichenau an der Rax am 26. Juli 1944. regiowiki.at, abgerufen am 16. Dezember 2014. Im April 1945 war das Umland von Reichenau Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen der späteren deutschen 9. Gebirgs-Division (Ost) und der Roten Armee, welche über den Semmering-Pass in die Steiermark vorzudringen versuchte.
Seit 1988 geben die Festspiele Reichenau dem Kurort neue kulturelle und touristische Impulse.
Wirtschaftsgeschichte Reichenau liegt an der Grauwackenzone. Bereits etwa 1000 v. Chr. wurde in der Gegend Erz abgebaut. Im Gemeindegebiet bestehen Reste mehrerer kleiner Bergwerke, in denen vom 16. bis ins 19. Jahrhundert Eisenerz, Kupfer und andere Erze gefördert wurden.Michael Hackenberg: „Bergbau im Semmeringgebiet.“ In: „Archiv für Lagerstättenforschung der Geologischen Bundesanstalt.“ Band 24/2003, Wien 2003, , S. 32–37 (PDF; 11 MB).
Nach urzeitlichem Kupferbergbau und frühmittelalterlicher Eisenerzgewinnung wurde in Hirschwang 1750 das erste Hammerwerk errichtet.
Ende des 18. Jahrhunderts gab es einen allgemeinen Brennholzmangel. Holz wurde im Raxgebiet gefällt und über die Schwarza oder Holzrutschen, von denen es eine heute noch zu besichtigen gibt, abtransportiert. 1783 erfolgte durch den „Raxkönig“ Georg Hubmer die erste Holztrift auf der Schwarza nach Hirschwang.
1842 fand die Eröffnung der Südbahnstrecke statt, Reichenau wurde damit ein Reiseziel.
Bereits 1845 wurde in Hirschwang eine Gussstahlhütte errichtet, ab 1888 wird diese jedoch seitens des Betreibers, der Wiener Fa. Schoeller abgesiedelt. Das Hirschwanger Werk wird 1893 zu einer Kartonfabrik, die sich zu einer bedeutenden Kartonfabrik in der Monarchie entwickelt. 1920 wird die Fabrik verkauft, ab 1974Über Uns > Geschichte mayr-melnhof.com. gehört sie zu Mayr-Melnhof Karton (MMK; Hauptstandort: Frohnleiten). MMK kündigte am 8. September 2020 an, die Kartonproduktion (etwa 150 Mitarbeiter) im 4. Quartal 2020 zu schließen, die Faltschachtelherstellung im selben Werk jedoch weiterzuführen.Aus für Kartonsparte: „Schlag ins Gesicht“ orf.at, 8. September 2020, abgerufen am 9. September 2020.
In der Nähe Reichenaus liegt Kaiserbrunn. Von dort stammt ein Teil des Wiener Wassers. Die I. Wiener Hochquellenwasserleitung wurde von 1869 bis 1873 erbaut.
1918 ließ die damals noch der Familie Schoeller gehörende Kartonfabrik eine schmalspurige elektrische Anschlussbahn errichten, die Höllentalbahn (offiziell Lokalbahn Payerbach-Hirschwang). 1926 wird der Personenverkehr mit Anschluss zur Raxseilbahn aufgenommen. Das Akkumulatorenwerk der AFA in Hirschwang, in dem „Tudor- & Edison-Akkumulatoren“ erzeugt wurden, wurde 1924 nach Liesing in den Süden Wiens verlegt.Manfred Hohn: 5 Jahrhunderte Bahnen in Österreich. Band 2. Railway-Media-Group, Wien, ISBN 978-3-902894-89-2, S. 65. Ein Teil der ehemaligen Fabrik dient als Wagenhalle der heutigen Höllentalbahn-Museumsbahn.
Waldbrand Hirschwang Höllental 2021 mini|Waldbrand Höllental 2021 Gemeinde Hirschwang an der Rax
Ein am 25. Oktober 2021 ausgebrochener Waldbrand weitete sich innerhalb weniger Stunden auf eine Fläche von 115 Hektar aus; einsatztechnisch war es der größte in Österreich. Nach 13 Einsatztagen konnte vorläufig „Brand aus“ gegeben worden. Es waren fast 9.000 Helfer, darunter mehr als 7.750 Feuerwehrleute mit 1.355 Fahrzeugen und 16 Fluggeräten aus dem In- und Ausland im Einsatz. Im Dezember 2021 wird mit dem Schneiden von angebrannten Stämmen um der Asche Halt zu geben, Anpflanzungen und der Schneesaat von Birke mit der Wiederaufforstung begonnen. Der Brand war gefährlich nahe zum Quellgebiet der Wiener Wasserversorgung. Der Wald ist im Besitz der Stadt Wien.Rax-Waldbrand: Wien startet Aufforstung. orf.at, 7. Dezember 2021, abgerufen am 7. Dezember 2021.
Mit Stand 9. Februar 2022 ermittelt die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt weiterhin wegen des Verdachts der fahrlässigen Herbeiführung einer Feuersbrunst. Nur wenn ein Vorsatzdelikt (z. B. Brandstiftung) vermutet würde, wäre die Auswertung von Handyortungsdaten rechtens. Unmut darüber äußerte die Bezirkshauptfrau von Neunkirchen, Alexandra Grabner-Fritz, die in Abstimmung mit Einsatzorganisationen und Grundeignern an einem Konzept der Brandfrüherkennung und -vermeidung arbeitet. Ebenso äußerte sich der für Katastrophenschutz zuständige Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) bereits kurz nach dem Brand.
Bevölkerungsentwicklung
Mit 7. Februar 2017 hatte die Marktgemeinde Reichenau an der Rax 2.567 Einwohner mit Hauptwohnsitz und weitere 1.700 mit Nebenwohnsitz.
Religion Nach den Daten der Volkszählung 2001 waren 72,5 % der Einwohner römisch-katholisch, 8,8 % evangelisch, 5,8 % Muslime, 1,0 % gehörten orthodoxen Kirchen an, 10,3 % der Bevölkerung hatten kein religiöses Bekenntnis. Die römisch-katholischen Pfarren Reichenau, Payerbach, Hirschwang, Edlach und Prein sind im Pfarrverband Raxgebiet zusammengeschlossen. Zu den katholischen Kirchengebäuden zählt die Pfarrkirche Edlach an der Rax.
Beim Hotel Knappenhof wurde eine neue Kapelle gebaut, die seit 13. März 2024 auf das Patrozinium „Hl. Hildegard von Bingen“ geweiht ist und auch einen Taufbrunnen hat.Gemäß canon 858 § 2 CIC, wonach es zugunsten der Gläubigen gestattet oder angeordnet werden kann, dass es auch in einer anderen Kirche als der Pfarrkirche oder in einer Kapelle innerhalb der Pfarrgrenzen einen Taufbrunnen gibt: Wiener Diözesanblatt April 2024, S. 46. (abgerufen am 9. April 2024).Information des Hotels (abgerufen am 9. April 2024). Diese Kapelle liegt im Pfarrgebiet der Pfarre Edlach an der Rax, nicht im Pfarrgebiet der Pfarre Reichenau an der Rax.Wiener Diözesanblatt Mai 2024, S. 64 (abgerufen am 6. Mai 2024).
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Schloss Reichenau Katholische Pfarrkirche Edlach an der Rax Heiliger Geist Katholische Pfarrkirche Reichenau an der Rax hl. Barbara Katholische Pfarrkirche Prein an der Rax Fest Pauli Bekehrung Katholische Filialkirche Hirschwang hl. Josef der Arbeiter Kurtheater Reichenau Villa Wartholz Schloss Rothschild Kurhaus Thalhof Rudolfsvilla Musikpavillon im Kurpark Heimito-von-Doderer-Denkmal des Bildhauers Kurt Ingerl (1935–1999) an der Straßengabelung Grießleiten-Preiner Gscheid Museumseisenbahn Payerbach-Hirschwang (Höllentalbahn) (ehemals Anschlussbahn der Kartonfabrik Hirschwang). Sie verkehrt an Sonntagen im Sommer. Wasserleitungsmuseum Kaiserbrunn (Wr. Hochquellleitung) Nepomukkapelle: Die barocke Kapelle des Brückenheiligen Johannes von Nepomuk, deren Gitter eine besonders schöne Schmiedearbeit darstellt, stammt aus der Zeit vor 1734, denn in diesem Jahr wird sie bereits in einem Grundbuch der Herrschaft Reichenau erwähnt.Peter Aichinger-Rosenberger (et al.): Niederösterreich südlich der Donau. Band 2: M bis Z. Dehio-Handbuch. Berger, Horn/Wien 2003, S. 1822 f., OBV. Die wahrscheinlich in Birnenholz geschnitzte Figur des Heiligen Nepomuk stammt von einem nicht bekannten Künstler. Sie wurde zuletzt im Frühling 2011 von dem in Reichenau wohnhaften Kunstmaler Mino Sudik restauriert.
Schloss Reichenau Das Schloss wurde um 1190 errichtet.
Im Jahr 2003 war die niederösterreichische Landesausstellung zum Thema „Theaterwelt, Welttheater“ im Schloss Reichenau eingerichtet.Wolfgang Greisenegger: Theaterwelt – Welttheater. Tradition & Moderne um 1900, Niederösterreichische Landesausstellung 2003, Reichenau an der Rax, 1. Mai bis 2. November 2003. Springer, Wien (u. a.) 2003, ISBN 3-211-00482-3. 2004 thematisierte eine Sonderausstellung die „Faszination Semmeringbahn“.Karl Heinz Knauer, Günter Dinhobl: Faszination Semmeringbahn. Eine Ausstellung des Technischen Museums Wien und der Marktgemeinde Reichenau an der Rax im Schloss Reichenau, 3. Juli 2004 bis 2. November 2004. Technisches Museum Wien, Wien 2004, ISBN 3-902183-09-8.
Das revitalisierte Schloss Reichenau beheimatet alljährlich immer wieder interessante Ausstellungen zu den verschiedensten Themen: 2006 zeigte die Gemeinde Reichenau aus Anlass des 150. Geburtstags von Sigmund Freud die Ausstellung „TraumGESICHTE – Freud – Kubin – Schnitzler“. Diese Schau bot eine interessante Auseinandersetzung mit dem Thema Traum in Wissenschaft, bildender wie darstellender Kunst.reichenau.at