miniatur|Porträt A. N. Ostrowskis von Wassili Perow, 1871. Alexander Nikolajewitsch Ostrowski (; wiss. Transliteration ; * in Moskau; † in Schtschelykowo) war ein russischer Dramatiker. Er verfasste 47 Theaterstücke (sieben davon zusammen mit anderen Autoren) und „schuf nahezu im Alleingang ein Repertoire an russischen Originalstücken“.
Leben miniatur|Das Erste Moskauer Gymnasium. Ostrowski war der Erstgeborene von vier Kindern eines Gerichtsbeamten. Seine Mutter starb, als er neun Jahre alt war. Die Familie lebte in Samoskworetschje, der Kaufmanns- und Handwerkersiedlung des alten Moskau. 1835 trat er in das Erste Moskauer Gymnasium ein. Dem folgte 1840 ein Studium an der juristischen Fakultät der Moskauer Universität, das er jedoch 1843 aufgab. Auf Wunsch seines Vaters arbeitete er danach in verschiedenen Kanzleien als Schreiber.
Ostrowskis früheste literarische Versuche reichen bis ins Jahr 1843 zurück. 1849 stellte er seine erste Komödie Der Bankrott fertig, die 1850 unter dem Titel Es bleibt ja in der Familie im Moskwitjanin veröffentlicht wurde. Für die Aufnahme des Stücks in die erste Sammlung seiner Werke (1859), musste er auf Verlangen der Zensur mehrere Stellen ändern.
1851 kündigte Ostrowski seinen Dienst und widmete sich ganz seinem künstlerischen Schaffen. Seine ersten Dramen wurden auf Russlands Bühnen große Erfolge. Da der Staat das Theatermonopol innehatte und die Autoren dadurch oft auf Gehalt verzichten mussten, damit ihre Stücke überhaupt aufgeführt werden konnten, lebte auch Ostrowski ständig in Geldsorgen. Ostrowskis Idee war es, ein anspruchsvolles Repertoire russischer Originalstücke zu schaffen. Am 1. Januar 1886 wurde Ostrowski schließlich zum Leiter der Spielplanabteilung der Moskauer Theater und zum Direktor der Theaterschule ernannt, er starb jedoch noch im selben Jahr.
Seit 1863 war er korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften.
Wirkung Ostrowski gilt als ein Meister der Komödie. Stücke wie Klugsein schützt vor Torheit nicht oder Armut ist kein Laster gelten bis heute als zwei der einflussreichsten russischen Komödien. Ostrowski hatte ebenfalls großen Einfluss auf Lew Tolstoi, der sich in jungen Jahren viele Ostrowski-Komödien angesehen hatte.
Leoš Janáčeks Oper Káťa Kabanová (1919–1921) basiert auf Ostrowskis Drama Gewitter.
Für eine Adaption von Ostrowskis Stück Eine Dummheit macht auch der Gescheiteste produzierte Sergej Eisenstein 1923 den Kurzfilm Glumows Tagebuch, in dem er Glumow, eine Figur aus dem Stück von Ostrowski durch verschiedene Bewegungen in seine unterschiedlichen Rollen verwandelt.
Dramen (Auswahl) + Titel Erscheinungsjahr OriginaltitelEin Familienbild1847 Семейная картинаEs bleibt ja in der Familie1850 Свои люди — сочтёмсяDer Morgen eines jungen Mannes1850 Утро молодого человекаDie arme Braut1852 Бедная невестаSetz dich nicht in fremde Schlitten1853 Не в свои сани не садисьArmut ist kein Laster1854 Бедность не порокLebe nicht so, wie du möchtest1854 Не так живи, как хочетсяDer bittre Rest beim fremden Fest1856 В чужом пиру похмельеEin einträglicher Posten1856 Доходное местоFeiertagstraum vor dem Essen1857 Праздничный сон — до обедаWenn die Charaktere nicht zusammenpassen1858 Не сошлись характерами!Die Ziehtochter (auch: Wenn Katzen spielen, müssen Mäuse weinen)1859 ВоспитанницаEin alter Freund taugt mehr als zwei neue1860 Старый друг лучше новых двухGewitter1860 ГрозаWo eigne Hunde raufen, bleibe ein Fremder fern1861 Свои собаки грызутся, чужая не приставайWas einer sucht, das findet er (Balsaminows Heirat)1861 За чем пойдёшь, то и найдёшь (Женитьба Бальзаминова)Kosma Sacharjitsch Minin-Suchoruk1862 (Erstfassung), 1866 (Zweitfassung) Козьма Захарьич Минин-СухорукSünde und Not sind für alle da1863 Грех да беда на кого не живётSchwere Tage1863 Тяжёлые дниDie Spaßmacher1864 ШутникиEin besuchter Platz (auch: Diebe und Liebe)1865 На бойком местеDer Abgrund1866 ПучинаDer falsche Demetrius und Wassili Schuiski1867 Дмитрий Самозванец и Василий ШуйскийEine Dummheit macht auch der Gescheiteste (auch: Klugsein schützt vor Torheit nicht)1868 На всякого мудреца довольно простотыEin heißes Herz1869 Горячее сердцеTolles Geld (auch: Verrücktes Geld)1870 Бешеные деньгиDer Wald1871 ЛесAlle Tage ist kein Sonntag1871 Не всё коту масленицаErst kein Groschen und nun ein Taler1872 Не было ни гроша, да вдруг алтынSchneeflöckchen1873 СнегурочкаSpäte Liebe1873 Поздняя любовьEhrlich verdientes Brot1874 Трудовой хлебWölfe und Schafe1875 Волки и овцыReiche Bräute1876 Богатые невестыDas letzte Opfer1878 Последняя жертваMädchen ohne Mitgift (auch: Schlechte Partie)1878 БесприданницаDie geplagten Ehefrauen1881 НевольницыTalente und Verehrer1881 Таланты и поклонникиDer schöne Mann1882 Красавец мужчинаDie schuldlos Schuldigen1884 Без вины виноватыеNicht von dieser Welt1885 Не от мира сего
Verfilmungen 1965: Wer heiratet wen? (Женитьба Бальзаминова) 1984: Eine bittere Romanze (Жестокий романс) 2014: Der Wald (La Forêt)
Weblinks
Biographie Alexander Ostrowskis (russisch)
Literatur Erich Wendt: A. N. Ostrowskij. Vorwort in: A. N. Ostrowskij: Dramatische Werke in 4 Bänden. Band 1, S. 7–19. Berlin: Aufbau-Verlag 1951. Aleksandr Ostrovskij. In: Reinhard Lauer: Geschichte der russischen Literatur. Von 1700 bis zur Gegenwart. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage. München: Beck 2009, ISBN 978-3-406-50267-5, S. 302–306.
Einzelnachweise
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