mini|Hugo Junkers (3 v. r.) mit Mitarbeitern vor der G 38, November 1929 Die Junkers G 38 war ein viermotoriges Groß-Verkehrsflugzeug in Mitteldeckeranordnung der Junkers Flugzeugwerk AG, Dessau.

Geschichte Die erste von nur zwei gebauten Maschinen wurde im Oktober 1929 mit der Werknummer 3301John Stroud: Die Junkers Grossflugzeuge. In: AIR Enthusiast Twenty-four, April–Juli 1984, S. 35 fertiggestellt. Nach ersten Rollversuchen am 4. November 1929 fand zwei Tage später der Erstflug mit Chefpilot Wilhelm Zimmermann statt.

Ausgerüstet war die G 38 mit zwei starken 12-Zylinder-V-Motoren vom Typ L 55 und zwei starken 6-Zylinder-Reihenmotoren vom Typ L 8. Zugelassen wurde die Maschine am 27. März 1930, dabei erhielt sie das Kennzeichen D-2000.

Bereits beim Zulassungsflug wurden zwei Weltrekorde eingestellt, der Streckenrekord mit jeweils 5000 kg Nutzlast sowohl für eine geschlossene Strecke mit 5000 kg als auch über eine 100 km Strecke mit 200,636 km/h. Weitere Rekorde wurden mit ebenfalls 5000 kg Nutzlast in der geschlossenen Strecke mit 501,590 km, ein Dauerflugrekord mit drei Stunden und zwei Minuten sowie ein Geschwindigkeitsweltrekord mit 184,464 km/h aufgestellt.

Das Reichsluftfahrtministerium kaufte die Maschine und nutzte sie zu Demonstrationsflügen mit Passagieren im In- und Ausland.

Ab dem 2. Februar 1931 erhielt die D-2000 eine neue Innenausrüstung sowie neue 12-Zylinder-V-Motoren vom Typ L 88a mit anstatt der L-55-Motoren. Mit einer Motorisierung von nun zwei L 8a und zwei L 88a wurde die Gesamtleistung auf deutlich verbessert.

Die Maschine wurde der Deutschen Luft Hansa übergeben, welche sie im internationalen Liniendienst sowie für Sonderflüge einsetzte.

mini|G 38 D-2500 / D-APIS am Boden und D-2000 / D-AZUR im Flug, 1933 Bereits am 3. Oktober 1931 kam die Maschine wieder in die Junkers-Werft. Sie erhielt dort ein Zwischendeck für größere Frachtkapazität. Die Passagieranzahl konnte von 19 auf 30 erhöht werden. Ein Tausch der zwei L-8a-Motoren gegen solche vom Typ L 88a verbesserte nochmals die Flugleistungen. Mit nun vier L-88a-Antrieben ergaben sich . Die so umgebaute Maschine wurde von der Lufthansa vorwiegend auf der Flugstrecke Berlin–Hannover–Amsterdam–London eingesetzt.

1934 wurden die Motoren abermals getauscht, nun gegen vier Jumo-204-2-Takt-Gegenkolben-Dieselmotoren zu je , und das Kennzeichen in D-AZUR geändert. 1936 stürzte die Maschine, verursacht durch einen Montagefehler, bei Dessau ab, die Lufthansa musste sie als Totalverlust abschreiben.

mini|G 38 (D-APIS) der Lufthansa bei der Eröffnung des Flughafens Stavanger in Norwegen, 1937 Die zweite G 38 wurde bereits mit dem neuen Zwischendeck für insgesamt 34 Passagiere und einem auf 23,20 m verlängerten RumpfWolfgang Zähle: Junkers G 38 – der fliegende Riese. In: Fliegerrevue X, Nr. 87, PPV Medien, Bergkirchen 2018, , S. 16ff. fertiggestellt und als D-2500 (später D-APIS) am 1. Juli 1932 mit vier Junkers-L-88a-Motoren von der Deutschen Luft Hansa zu einem Kaufpreis von 1,5 Millionen Reichsmark übernommen. Wie die erste G 38 wurde auch die zweite Maschine im Jahre 1934 auf Jumo 204 umgerüstet. Ab 1939 wurde diese Maschine für militärische Transporte in der Kampfgruppe zur besonderen Verwendung 105 (KGr. z.b.V. 105) eingesetzt. Sie wurde im Mai 1941 in Griechenland durch britische Maschinen auf dem Flughafen Athen-Tatoi am Boden zerstört.

+ Hergestellte Exemplare Werknummer anfängliches Luftfahrzeug­kennzeichen Luftfahrzeug­kennzeichen ab 1934 Indienststellung Einsatzende 3301 D-2000 D-AZUR Oktober 1929 1936 abgestürzt 3302 D-2500 D-APIS Juli 1932 Mai 1941 zerstört

Mitsubishi baute sechs G 38 in Lizenz als schwere Bomber Mitsubishi Ki-20.Zeitschrift Aero Heft 128, deutsche Ausgabe, S. 3560, Marshall Cavendish International Ltd, London 1985 Die Junkers-Lizenzbezeichnung war K 51, wobei das Präfix „K“ (bis 1926 war dies „H“) für unbewaffnete Prototypen oder zivile Versionen von potentiellen Kampfflugzeugen verwendet wurde. Die bewaffneten Varianten der Flugzeuge konnten wegen der Beschränkungen des Versailler Vertrages nur im Ausland gebaut werden. Die Ki-20 blieben bis 1941 im Einsatz.

Konstruktion Bei diesem Typ wurde das Junkers-Patent zum „dicken Flügel“ aus dem Jahre 1910 vollkommen umgesetzt: Motoren, Treibstoff und zum Teil auch Passagiere wurden im Flügel untergebracht.

Technische Daten

Kenngröße Junkers G 38Herbert Ringlstetter: Großraumflugzeug Junkers G 38. In: Flugzeug Classic, 7. Jg., Nr. 4. GeraMond, München 2006, , S. 45. (1929) Junkers G 38 ce (1932)Fred Gütschow: Junkers G 38. Das erste Großflugzeug der Lufthansa. 2. Auflage, Aviatic, Oberhaching 1995, ISBN 3-925505-06-7, S. 151 und 167. Besatzung 5 7 Passagiere 13–19, später 30 34 Länge 21,44 m 23,20 m Spannweite 44,00 m Höhe 7,20 m Flügelfläche 290,00 m² Flügelstreckung 6,7 Flächenbelastung 73,25 kg/m² 79,2 kg/m² Leistungsbelastung 8,7 PS/kgWolfgang Wagner: Hugo Junkers: Pionier der Luftfahrt – seine Flugzeuge (= Die deutsche Luftfahrt, Band 24). Bernard & Graefe, Bonn 1996, ISBN 3-7637-6112-8, S. 302. 7,6 kg/PS Flächenleistung 8,40 PS/m² 10,3 PS/m² Leermasse 14.905 kg 16.800 kg Startmasse 21.240 kg 23.000 kg Triebwerke 2 × Junkers L 8a2 × Junkers L 88/55a 4 × Junkers L 88a Startleistung je je je Höchstgeschwindigkeit 190 km/h 200 km/h Reisegeschwindigkeit 170 km/h 185 km/h Landegeschwindigkeit 106 km/h 93 km/h Steigzeit 9,5 min auf 1.000 m Höhe22,5 min auf 2.000 m Höhe 6,6 min auf 1.000 m Höhe17,0 min auf 2.000 m Höhe34,0 min auf 3.000 m Höhe Steigleistung 2,0 m/s 2,95 m/s Dienstgipfelhöhe 2.500 m 3.100 m Reichweite 1.945 km 760 km Startrollstrecke 500 m 400 m Landerollstrecke 300 m 260 m Startstrecke auf 20 m Höhe ca. 765 m ca. 575 m Landestrecke aus 20 m Höhe ca. 615 m ca. 455 m Trivia Ebenso wie die Dornier Do X fanden auch Filmaufnahmen der Junkers G 38 beim Spielfilm F.P.1 antwortet nicht Verwendung.

Siehe auch Liste von Flugzeugtypen

Literatur Thomas Hofmann: Die Junkers G 38. In: Flieger-Kalender der DDR. 1990, , S. 179–184. Aviation Archive, Issue 35: Gigant Aircraft, S. 26–29. Wolfgang Wagner: G 38, Experimentalflugzeug zehn Jahre in Einsatz bei der Lufthansa. In: Hugo Junkers: Pionier der Luftfahrt – seine Flugzeuge (Band 24: Die deutsche Luftfahrt). Bernard & Graefe, Bonn 1996, ISBN 3-7637-6112-8, S. 295–302. Frank Littek: Das erste Grossflugzeug der Lufthansa: Junkers G 38. In: AERO International, Nr. 12/2019, S. 76–79. Fred Gütschow: Junkers G 38. Das erste Großflugzeug der Lufthansa. 2. Auflage, Aviatic, Oberhaching 1995, ISBN 3-925505-06-7.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Kurzstreckenflugzeug G 38 Kategorie:Erstflug 1929 Kategorie:Viermotoriges Flugzeug mit Kolbenmotoren