mini|300px|Kupferstich von Schmalkalden, dem Gründungsort des Schmalkaldischen Bundes (1645) mini|Militärvertrag des Schmalkaldischen Bundes, verlängert 1536 (Staatsarchiv Weimar)
Der Schmalkaldische Bund (auch Schmalkaldische Liga oder Liga von Schmalkalden genannt) war ein am 27. Februar 1531In der Literatur wird manchmal auch der 31. Dezember 1530 als Gründungsdatum angegeben. An diesem Tag sagten sich die Teilnehmer des Schmalkaldischen Konvents die Gründung des Bundes zu. Die offizielle Vertragsunterzeichnung fand aber erst am 27. Februar 1531 statt. in Schmalkalden geschlossenes Verteidigungsbündnis protestantischer Fürsten und Städte unter Führung von Kursachsen und Hessen gegen die Religionspolitik des katholischen Kaisers Karl V.
Der Bund konnte in den Jahren nach seiner Gründung seine Macht kontinuierlich ausbauen und erfolgreich weitere Mitglieder anziehen. Ab 1542 kam es jedoch vermehrt zu internen Unstimmigkeiten zwischen den Mitgliedern, die den Schmalkaldischen Bund zunehmend lähmten. Karl V. konnte im Schmalkaldischen Krieg 1546–47 den entscheidenden militärischen Gegenschlag führen und den Bund zerschlagen.
Der katholische Nürnberger Bund diente, neben dem Kaiser, als Gegenstück zu diesem Bund und sollte der zunehmenden Ausbreitung des Protestantismus im Reich entgegenwirken. Jedoch war der katholische Bund nie militärisch aktiv und konnte nur von 1538 bis 1539 bestehen.
Geschichte Vorgeschichte mini|Kaiser Karl V. (Gemälde von Tizian)
Nach der Ablehnung der Confessio Augustana durch Kaiser Karl V. auf dem Augsburger Reichstag von 1530 bestand für die sich nicht dem Kaiser unterwerfenden evangelischen Reichsstände die Gefahr der Reichsexekution wegen Landfriedensbruchs. Bereits im September 1530 hatten sich Stimmen erhoben, die darauf hinwiesen, wie wünschenswert ein Bündnis aller protestantischen Fürsten und Reichsstädte sei.
Da ein solches Bündnis sich in jedem Fall auch gegen den legitimen römischen Kaiser richtete, lebte nun erneut die Diskussion über das Recht zu aktivem Widerstand gegen das Oberhaupt des Reiches auf. Die Bedenken der Theologen und Juristen resultierten aus der Auffassung, dass der Kaiser das Oberhaupt aller weltlichen Herrschaften sei und diese ihm somit unbedingten Gehorsam schuldeten; denn wer sich ihm widersetze, widersetze sich demnach auch Gottes Ordnung.
Aber die auf dem Reichstag entstandene politische Situation drängte auf eine rasche Entscheidung, so dass Luther und andere Bedenkenträger bei Verhandlungen in Torgau Ende Oktober 1530 die Argumente der (vorrangig sächsischen) Juristen akzeptierten. Demnach sei ein Recht zum bewaffneten Widerstand gegeben, falls der Kaiser einen Verfassungsbruch begehe.Zur Diskussion über das Widerstandsrecht siehe Blickle, Die Reformation im Reich, S. 207
Die Gründung des Bundes
mini|Einer der beiden Hauptmänner des Bundes: Landgraf Philipp I. von Hessen mini|Einer der beiden Hauptmänner des Bundes: Kurfürst Johann von Sachsen mini|Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen, der nach dem Tod seines Vaters 1532 dessen Stellung übernahm
Der sächsische Kurfürst Johann lud für den 22. Dezember 1530 Vertreter protestantischer Städte und Territorien nach Schmalkalden ein, um über die von Karl V. beabsichtigte Wahl seines Bruders Ferdinand zum römischen König und über die drohenden Kammergerichtsprozesse gegen die säkularisierenden Fürsten und Städte zu beraten. Aus diesen Schmalkaldener Beratungen wurden bald Bündnisverhandlungen. Am 31. Dezember sagten die Teilnehmer zu, sich gemeinschaftlich Beistand zu leisten, wenn das Kammergericht gegen einen von ihnen einen Prozess anstrengen werde.
Offiziell wurde der Vertrag am 27. Februar 1531 von Landgraf Philipp I. von Hessen, Kurfürst Johann von Sachsen, Herzog Philipp von Braunschweig-Grubenhagen, Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg, Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen, dem Grafen von Erbach sowie drei nieder- und acht oberdeutschen Reichsstädten unterzeichnet.Quelle: Die Zeit – Welt- und Kulturgeschichte, Band 19, S. 232
Der so entstandene Schmalkaldische Bund war ein defensiv ausgerichtetes Militärbündnis mit Verpflichtung zu gegenseitiger Hilfe im Falle eines katholischen Angriffs. Dieser Bündnisfall war im Bundesvertrag aber recht unpräzise definiert (Angriffe in „sachen der religion“zitiert nach Haug-Moritz ). Die Bündnisverpflichtungen sollten zunächst für sechs Jahre gelten, wurden aber bereits 1535 um weitere zwölf Jahre verlängert. Die Führung des Bundes lag faktisch bei Hessen und Kursachsen, den beiden bedeutendsten protestantischen Fürstentümern der Zeit.
Aufstieg zum bedeutenden Machtfaktor Die in der Folgezeit stattfindende rasche Ausbreitung des Schmalkaldischen Bundes hatte vor allem außenpolitische Gründe. Am 11. Oktober 1531 starb der schweizerische Reformator Ulrich Zwingli im Zweiten Kappelerkrieg. Die bisher sich an seiner Bewegung orientierenden oberdeutschen Reichsstädte verloren so ihren religiösen und politischen Bezugspunkt.Zum Anschluss der reformierten Kräfte siehe Blickle, Die Reformation im Reich, S. 208 Wollten sie sich weiter gegen den Kaiser behaupten, mussten sie früher oder später Anschluss an den Bund suchen.
Des Weiteren konnten der Kaiser und sein königlicher Statthalter Ferdinand weder politisch noch militärisch gegen den Bund vorgehen, da sie die Unterstützung aller Reichsstände im Kampf gegen die Türken benötigten. Diese finanzielle und militärische Hilfe wurde durch den sogenannten Nürnberger Anstand vom 23. Juli 1532 erkauft. Dieser gewährte den verschiedenen Konfessionen zum ersten Mal eine (wenn auch befristete) gegenseitige Rechts- und Friedensgarantie für den gegenwärtigen konfessionellen Besitzstand.
1533 gab sich der Bund die „Verfassung der eilenden Hilfe und Gegenwehr“ und bestimmte den Kurfürsten von Sachsen, Johann Friedrich von Sachsen, und den Landgrafen Philipp von Hessen zu seinen Bundeshauptleuten und Befehlshabern der Bundestruppen.
Einen besonderen Machtzuwachs bedeutete im folgenden Jahr die gewaltsame Wiedereinsetzung des Herzogs Ulrich von Württemberg in seine Herrschaft. Er war 1519 wegen eines Überfalls auf die Reichsstadt Reutlingen vertrieben worden, und das Herzogtum stand seitdem unter habsburgischer Verwaltung. Nach dem mit hessischer Hilfe errungenen Sieg in der Schlacht bei Lauffen und der Rückeroberung des Herzogtums führte Ulrich umgehend die Reformation ein und trat dem Bündnis bei. Seine Rückkehr stärkte die protestantische Position im Südwesten des Reiches erheblich. Gleichzeitig erleichterte eine Annäherung zwischen lutherischen und zwinglischen theologischen Positionen in der Abendmahlslehre vielen reformierten Reichsstädten den Eintritt in den Bund.
Mit der 1535 verabschiedeten „Verfassung zur Gegenwehr“ baute der Bund sein militärisches Potential beträchtlich aus. Aus dem Bündnis der Worte sollte jetzt ein Bündnis der Taten werden, so der sächsische Kurfürst.sinngemäß zitiert nach Haug-Moritz In den Jahren 1536 bis 1542 funktionierte der Schmalkaldische Bund sehr effizientHaug-Moritz und befand sich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Neben der militärischen Verteidigung formulierte der Bund jetzt auch politische Forderungen wie zum Beispiel die freie Konfessionswahl der Fürsten oder den Aufbau eigener Landeskirchen.
Außerdem wurde der Bund zu einem wichtigen Verhandlungspartner im Reich und auch auf europäischer Ebene. Papst und Kaiser versuchten, in Religionsgesprächen die theologischen Gegensätze zwischen Protestanten und Katholiken zu beseitigen, während andere europäische Mächte, wie zum Beispiel Frankreich, versuchten, den Bund in eine antihabsburgische Allianz einzubinden. Kaiser Karl V. war während dieser Jahre vorrangig in Kriege in Italien verstrickt.
Die Krise des Bündnisses Ab den 1540er Jahren wurde es immer schwieriger, die inneren Differenzen des Bundes zu überbrücken. Vor allem stieß der Plan Johann Friedrichs, dem Bund, der sich als reines Defensivbündnis gegründet hatte, eine offensive antihabsburgische Ausrichtung zu geben, zunehmend auf Widerstand. Die kleineren Mitglieder befürchteten, dass dies der Beginn einer dauerhaften Spaltung des Reiches sein könnte.
Auch konnten die Gegensätze der lutherischen und der reformierten Mitglieder – trotz aller theologischer Annäherungen – nie ganz überwunden werden. Der Schmalkaldische Bund verstand sich primär als lutherisches Bündnis, in dem die Reformierten mehr oder weniger geduldet wurden.
Geschwächt wurde das Bündnis auch durch eine skandalträchtige Doppelehe eines ihrer Bundeshauptleute – Philipp von Hessen. Philipp musste, um der Strafe für Bigamie zu entgehen, 1541 Kaiser Karl V. im Regensburger Vertrag versprechen, die Aufnahme Frankreichs, Englands und Kleves in den Schmalkaldischen Bund zu verhindern. Außerdem irritierte er mit seinem Verhalten viele der sittenstrengeren Verbündeten.
mini| Philipp von Hessen mit Johann Friedrich von Sachsen, Schmalkaldischer Bundestaler 1546. Mit dem Taler feierten die beiden Bundeshäupter den Sieg über den Herzog von Braunschweig.
Eine entscheidende Wende trat ein, als die beiden Hauptleute im Sommer 1542 das militärische Potential des Bundes nutzten, um Herzog Heinrich II. von Braunschweig-Wolfenbüttel aus seinem Land zu vertreiben. Der Herzog war ein treuer Parteigänger des Kaisers und ein entschiedener Gegner der Reformation. Er besaß eines der wenigen katholischen Gebiete in Norddeutschland und war ein aktives Mitglied des 1538 gegründeten katholischen Fürstenbundes, der Liga. Herzog Heinrich II. drohte schon längere Zeit, die beiden Bündnismitglieder Goslar und Braunschweig zu erobern. Der Präventivschlag des Schmalkaldischen Bundes, der zur Vertreibung des Herzogs führte, war aber von den Statuten des Bundes in keiner Weise gedeckt. Viele Mitglieder sprachen deshalb von einem bundeswidrigen Verhalten, da diese Aktion früher oder später eine Reaktion des Kaisers provozieren musste. Ungeachtet dessen propagierten die Führer des Schmalkaldischen Bundes mit ihren in Goslar geprägten Schmalkaldischen Bundestalern den Sieg des Bundes über den Herzog von Braunschweig. Auch der Triumphtaler Stadt Braunschweig wurde auf den erfolgreichen Widerstand gegen den Herzog herausgegeben.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z (2005), S. 494
Auch andere Entscheidungen stießen innerhalb des Bundes auf Widerstand. Zum Beispiel unterstützte der Bund den Versuch, Kurköln in ein weltliches protestantisches Herzogtum zu verwandeln. Dies war eine direkte Kampfansage an den Kaiser und an die katholischen Reichsstände, da ein Übertritt Kölns zum Protestantismus das Mehrheitsverhältnis innerhalb des Kurfürstenrats zu Ungunsten der Katholiken verschoben hätte. Vielen Mitgliedern war eine solche Politik der offenen Konfrontation zu riskant.
Ab 1542 war der Schmalkaldische Bund deshalb weitestgehend gelähmt und hörte, obwohl er vorerst weiter fortbestand, als funktionierender Handlungsrahmen faktisch auf zu existieren.Haug-Moritz
Die Zerschlagung des Bundes mini|Herzog Moritz von Sachsen mini|Kaiser Karl V. nach der Schlacht bei Mühlberg
Die Konstellation für eine endgültige Zerschlagung des Schmalkaldischen Bunds war für den Kaiser 1546 günstig: Die Neutralität der ausländischen Mächte schien gesichert. Besonders Frankreich stellte seit dem Frieden von Crépy 1544 vorläufig keine Gefahr dar. In langwierigen Verhandlungen einigten sich in der Folgezeit Kaiser und Papst Paul III. darauf, dass Rom den Krieg gegen den Bund finanzieren würde.