mini|Verwaltungsgliederung der Stadt Straelen 295px|mini|Straelen, Kirche St. Peter und Paul mini|Am Venloer Tor in Straelen
Die Stadt Straelen (hochdeutsche Aussprache mit Dehnungs-e, limburgische/kleverländische Aussprache ) liegt am unteren Niederrhein an der niederländischen Grenze bei Venlo im Westen des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und ist eine kreisangehörige Stadt des Kreises Kleve im Regierungsbezirk Düsseldorf.
Geographie Stadtgebiet Räumlich ist das Stadtgebiet Straelen in die Ortsteile Vorst, Auwel-Holt, Sang, Bormig, Zand, Broekhuysen, Boekholt, Hetzert, Vossum, Brüxken, Dam, Rieth, Kastanienburg, Louisenburg, Westerbroek und Herongen gegliedert.
Nachbargemeinden/-städte Die Stadt Straelen grenzt im Norden an die Stadt Geldern, im Osten an die Gemeinden Kerken und Wachtendonk, im Süden an die Stadt Nettetal (Kreis Viersen) sowie im Westen an die Stadt Venlo (Provinz Limburg, NL).
Geschichte Vorgeschichte Jungsteinzeitliche Feuersteinwerkzeuge sind die ersten menschlichen Zeugnisse auf dem Gebiet des heutigen Straelen. Die ersten dauerhaften Siedlungen etwa einen Kilometer vom heutigen Stadtkern entfernt können für die Niederrheinische Grabhügelzeit angenommen werden.
Ausgrabungen zwischen 1898 und 1905 brachten zudem römische Gräber aus dem 1. bis frühen 3. nachchristlichen Jahrhundert zutage. Die Römerstraße zwischen Xanten und Tongern in Belgien sowie zwei Nebenstraßen führten durch das heutige Stadtgebiet.Stefan Frankewitz: Straelen am Niederrhein, 2. neu bearbeitete Auflage, Neuss 1988 (= Rheinische Kunststätten, Heft 147), S. 3.
Südlich von Straelen, Richtung Sang, wurden Mitte des 19. Jahrhunderts Funde aus einem frühmittelalterlichen Gräberfeld geborgen, die in die Zeit um 600 n. Chr. datiert werden können.Frank Siegmund: Merowingerzeit am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 34. Rheinland-Verlag, Köln 1998, ISBN 3-7927-1247-4, S. 428 f. Ein Zusammenhang mit der späteren Stadt Straelen ist jedoch auch hier wegen der Entfernung unklar.
Erste Erwähnungen Straelens 899 wird der heutige Stadtteil Herongen als villa heringa erstmals urkundlich erwähnt.Stefan Frankewitz: „Schönste Gemeinde des Kreises Geldern“ Herongen. In: Stadtdirektor der Stadt Straelen (Hrsg.)/Bernhard Keuck (Redaktion): 650 Jahre Stadt Straelen 1342–1992. Beiträge zur Geschichte. Straelen 1992 (= Historischer Verein für Geldern und Umgegend 93), S. 393. Ältester archäologischer Nachweis für den Kern Straelens ist eine steinerne Saalkirche aus dem 10. Jahrhundert, ein Vorgängerbau der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul.Stefan Frankewitz: Beobachtungen in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Straelen am Niederrhein. Rheinische Ausgrabungen 25. Köln 1984, S. 287–309. In frühen Urkunden aus der Zeit von 1063 bis 1075 wird Straelen erstmals unter der Bezeichnung strala genanntErich Wisplinghoff: Urkunden und Quellen zur Geschichte von Stadt und Abtei Siegburg Band 1: (948) 1065–1399. Siegburg 1964, Nr. 18; vgl. Nrn. 8 und 247. und auch die Kirche erwähnt. Aus diesen Urkunden geht hervor, dass bis 1063 ein Graf Bruno von Heimbach und eine Gräfin Irmentrudis von Aspel die Grundherrschaft über Straelen hatten. Über den kölnischen Erzbischof Anno II. und Hermann III. wurde die Grundherrschaft bis 1096 schrittweise an die Abtei Siegburg übertragen. Das Kloster blieb bis zu seiner Auflösung im Jahre 1802 Grundherr über Straelen.Stefan Frankewitz: Straelen im hohen Mittelalter. In: Stadtdirektor der Stadt Straelen (Hrsg.)/Bernhard Keuck (Redaktion): 650 Jahre Stadt Straelen 1342–1992. Beiträge zur Geschichte. Straelen 1992 (= Historischer Verein für Geldern und Umgegend 93), S. 22 f. Für das Jahr 1118 sind die ersten Vögte für Straelen und damit der Zusammenhang zum geldrischen Grafenhaus belegt.Stefan Frankewitz: Straelen im hohen Mittelalter. In: Stadtdirektor der Stadt Straelen (Hrsg.)/Bernhard Keuck (Redaktion): 650 Jahre Stadt Straelen 1342–1992. Beiträge zur Geschichte. Straelen 1992 (= Historischer Verein für Geldern und Umgegend 93), S. 24.
Die „Stadt Straelen“ im Mittelalter und der frühen Neuzeit mini|Das Kloster Zandt wurde 1470 gegründet und 1802 aufgelöst. Die letzten Reste des Gebäudes wurden 1965 bei einem Brandunglück vernichtet. 1342 wurde das geschätzt 200 bis 300 Einwohner zählende Straelen erstmals als Stadt („stat“) bezeichnet.Stefan Frankewitz: 650 Jahre Stadt Straelen. In: Stadtdirektor der Stadt Straelen (Hrsg.)/Bernhard Keuck (Redaktion): 650 Jahre Stadt Straelen 1342–1992. Beiträge zur Geschichte. Straelen 1992 (= Historischer Verein für Geldern und Umgegend 93), S. 30. In einer Urkunde von 1395 wird Straelen zwar wieder „Dorf“ genannt, erhält aber von Herzog Wilhelm ein Privileg, das einen städtischeren Charakter vermuten lässt: den Ausbau der Befestigung. Seit 1399/1400 ist zudem ein Markt belegt und schon 1406 werden drei der vier Stadttore genannt. Im Jahr 1428 verlieh der geldrische Herzog Arnold von Egmond Straelen schließlich offiziell die Stadtrechte.Stefan Frankewitz: Straelen am Niederrhein, 2. neu bearbeitete Auflage, Neuss 1988 (= Rheinische Kunststätten, Heft 147), S. 6.
Um 1400 wurde mit dem Neubau der bis heute das Stadtbild prägenden Hallenkirche St. Peter und Paul begonnen. Seit Ende des 15. Jahrhunderts hat die Kirche ihr heutiges charakteristisches Aussehen. 1420 wurde das Kloster St. Agnes und Cäcilia gegründet, nach dem die heutige Klosterstraße benannt ist. Für das Jahr 1523 ist zudem erstmals ein Rathaus belegt.Stefan Frankewitz: Straelen am Niederrhein. 2. neu bearbeitete Auflage, Neuss 1988 (= Rheinische Kunststätten. Heft 147), S. 7.
Der Ortsteil Zand war im Jahre 1468 Schauplatz der Schlacht von Straelen, die zwischen den Herzögen Johann I. von Kleve und dem späteren Sieger Adolf von Geldern stattfand. Letzterer stiftete als Dank für den Sieg das Kloster Mariensande oder Zandt, einen Ritterorden und das Ritterdenkmal Sterk Helmes.Heinrich Schroers: Die Schlacht in der Nähe des Klosters Zandt bei Straelen In: Der Niederrhein. 1878, S. 130.
Infolge des Dritten Geldrischen Erbfolgekriegs verlor das Herzogtum Geldern mit dem Venloer Traktat 1543 seine Selbstständigkeit und Straelen gelangte mit dem Oberquartier unter die spanisch-habsburgische Krone.
Nach der Eroberung Straelens durch die Generalstaaten (1632) und der spanischen Rückeroberung (1635) wurde im Jahre 1672 schließlich die Festung geschleift. Gemäß dem Frieden von Utrecht kam Straelen 1713 zu Preußen.Stadtdirektor der Stadt Straelen (Hrsg.)/Bernhard Keuck (Redaktion): 650 Jahre Stadt Straelen 1342–1992. Beiträge zur Geschichte. Straelen 1992 (= Historischer Verein für Geldern und Umgegend 93), S. 444.
Verlust der Stadtrechte: Straelen im 19. Jahrhundert 1794 wurde der linke Niederrhein durch napoleonische Truppen besetzt. 1802 endete die Grundherrschaft der Abtei Siegburg über Straelen. Seitdem war Straelen bis 1814 Teil französischen Republik bzw. später des französischen Kaiserreiches. In dieser Zeit wurden Straelen die Stadtrechte aberkannt.
Die „Mairie Straelen“ war eine von acht Bürgermeistereien im Canton Wankum, Arrondissement de Clèves des Département de la Roer.Vgl. Günter Voelz: Die Mairie Straelen 1794-1814. In: Stadtdirektor der Stadt Straelen (Hrsg.)/Bernhard Keuck (Redaktion): 650 Jahre Stadt Straelen 1342–1992. Beiträge zur Geschichte. Straelen 1992 (= Historischer Verein für Geldern und Umgegend 93), S. 205. Unter der französischen Herrschaft wurden die Klöster St. Agnes und Cäcilia und Kloster Mariensande aufgelöst, mit dem Bau des Nordkanals begonnen und die Straße „Venlo-Straelen-Geldern-Wesel“, der Vorläufer der B 58 angelegt.Stadtdirektor der Stadt Straelen (Hrsg.)/Bernhard Keuck (Redaktion): 650 Jahre Stadt Straelen 1342–1992. Beiträge zur Geschichte. Straelen 1992 (= Historischer Verein für Geldern und Umgegend 93), S. 444.
1815 auf dem Wiener Kongress wurde das gesamte Niederrheingebiet dem Königreich Preußen zugeschlagen. Im Zuge der Preußischen Verwaltungsorganisation am 23. April 1816 wurde Straelen mit anderen Orten zum Landkreis Geldern gefügt, einer von über 40 Landkreisen der Provinz Jülich-Kleve-Berg, der späteren Rheinprovinz. Aus der Mairie Straelen der Franzosenzeit wurde die preußische Bürgermeisterei Straelen.
Am 31. Dezember 1878 wurde Straelen mit der Eröffnung der Strecke Wesel-Geldern-Straelen-Venlo der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft an das Schienennetz angeschlossen. 1901 erfolgte der Anschluss an die Geldernsche Kreisbahn (siehe auch: Abschnitt Verkehr).Lothar Riedel: Die Geldernsche Kreisbahn. Die Verkehrsgeschichte der schmalspurigen Kleinbahn Kempen – Straelen – Kevelaer. Geldern 1989 (= Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Geldern und Umgebung 90), S. 14.
Vom Bauerndorf zur „Blumenstadt“: Straelen im 20. und 21. Jahrhundert mini|Hans Tenhaeff (1879–1955) baute 1910 den Obst- und Gemüseverein auf und begründete damit die Gartenbautradition in Straelen. Zur 500-Jahr-Feier der Erhebung Straelens zur Stadt 1928 wurde Straelen formell erneut das Stadtrecht erteilt.
Bis heute prägend für Straelen ist die 1910 erfolgte Gründung des Obst- und Gemüsebauvereins und die erste Versteigerung von Obst, Gemüse und Eiern im Jahre 1914.
Der Zweite Weltkrieg (1939–45) brachte für Straelen wechselhafte Wirkungen: Die Einrichtung von Luftschutzmaßnahmen, der Verlust vieler männlicher Mitarbeiter durch militärische Rekrutierung, die Einquartierung von bis zu 6.000 Soldaten der Wehrmacht zwischen 1939 und dem Angriff auf die Niederlande im Mai 1940, alliierte Bombenangriffe (mit zwei größeren Angriffen in der Nacht um 1. April 1943 und am 14. Februar 1945) und schließlich die Ankunft der Westalliierten im Jahr 1945. Im Oktober 1944 wurde durch die NSDAP die Evakuierung der Kinder und Senioren verlangt und schließlich Ende November 1944 die komplette Räumung der Gemeinde Straelen, welche nach Oktober 1944 auch unter alliiertem Artilleriebeschuss stand. Am 14. Februar 1945 verließ die Stadtverwaltung von Eduard Bongartz (Bürgermeister von 1921 bis 1945) nach Wachtendonk; der Bürgermeister beantragte dort am 4. März 1945, einen Tag nach dem Einmarsch der Alliierten, erfolglos die Rückkehr ins besetzte Straelen.
Seit 1953 wurde verstärkt auf den Blumenanbau gesetzt und somit das Bild von Straelen als „Blumenstadt“ geprägt.Stadtdirektor der Stadt Straelen (Hrsg.)/Bernhard Keuck (Redaktion): 650 Jahre Stadt Straelen 1342–1992. Beiträge zur Geschichte. Straelen 1992 (= Historischer Verein für Geldern und Umgegend 93), 445.
Die Stadt Straelen in der heutigen Form entstand am 1. Juli 1969 beim ersten kommunalen Neugliederungsprogramm in Nordrhein-Westfalen. Dabei wurde die zuvor eigenständige Gemeinde Herongen mit der Stadt Straelen zusammengeschlossen.
Am 1. Januar 1975 wurde im Zuge des zweiten Neugliederungsprogramms der Altkreis Kleve mit dem ehemaligen Kreis Geldern und Teilgebieten der Kreise Moers und Rees zum neuen niederrheinischen Großkreis Kleve zusammengefügt, dem die Stadt bis heute unverändert angehört.