Unsere Besten war eine Fernsehreihe des ZDF, die von 2003 bis 2008 ausgestrahlt wurde.
2014 erschienen Fortsetzungen unter dem Namen Deutschlands Beste!. Die im Rahmen einer von Johannes B. Kerner moderierten Rankingshow präsentierten Rankings wurden vorgeblich durch eine im Vorfeld stattfindende, nicht repräsentative Zuschauerabstimmung ermittelt. Zu jeder Sendung wurden zum Thema passende Gäste eingeladen. Nachdem im Juli 2014 publik wurde, dass gravierende Manipulationen bei der Ranking-Show vorgenommen worden waren, wurde die Sendung aus dem Programm genommen und der damalige Unterhaltungschef Oliver Fuchs bot, obwohl nicht ursächlich verantwortlich, seinen Rücktritt an.„Deutschlands Beste!“ - ZDF-Showchef muss gehen, in: FAZ am 18. Juli 2014, abgerufen am 18. Juli 2014Der Skandal um "Deutschlands Beste!, in: Die Welt am 18. Juli 2014, abgerufen am 18. Juli 2014Skandal um "Deutschlands Beste!" - Jetzt muss einer gehen, in: Sueddeutsche am 18. Juli 2014, abgerufen am 18. Juli 2014
Vorbild für das Sendekonzept war ursprünglich die britische Sendung 100 Greatest Britons der BBC.
Modus Zu jedem Thema wurde vom ZDF eine Liste mit Namensvorschlägen herausgegeben. Diese sollte als Orientierungshilfe dienen und konnte von den abstimmenden Zuschauern ergänzt werden. Die Abstimmung erfolgt per Post, per SMS und auch im Internet, was Massenabstimmungen erleichtert. Alle abgegebenen Stimmen wurden zusammengezählt und daraus die später vorgestellte Rangliste erstellt.
Fragen vor der ersten Show Vor der ersten Show, zu der 2003 „Die größten Deutschen“ gewählt werden sollten, gab es DiskussionenPeter Arens: »Unsere Besten - Wer ist der größte Deutsche?« "Die ZDF-Zuschauer verhindern den Untergang des Abendlandes" 2004 in zdf-jahrbuch.deÖsterreicher empört über ZDF: "Deutsche wollen unseren Mozart klauen!" vom 7. August 2003 in spiegel.de in rp-online.de darüber, ob nur „Deutsche“ benannt werden sollen, die zu ihrer Zeit auf dem Gebiet der 1949 gegründeten (und 1990 durch den Beitritt der DDR erweiterten) Bundesrepublik Deutschland geboren wurden oder auch alle anderen „Deutschen“ im Sinne ihrer deutschen Sprach- und Kulturzugehörigkeit und zwar unabhängig davon, unter welcher Herrschaft oder in welchem Staat sie gelebt hatten. Die Kontroversen ähneln dabei jenen um die Persönlichkeiten „teutscher Zunge“, die in die 1843 eröffnete Ruhmeshalle Walhalla aufgenommen wurden. Das ZDF hatte sich daher dafür entschieden, die Auswahl Alphabetische Liste in zdf.de bei Unsere Besten nicht von heutigen Staatsgrenzen (Staaten), sondern neutral als Kriterium allein die Zugehörigkeit zur deutschen Sprach- und Kulturgemeinschaft gelten zu lassen. Auf Kritik, besonders seitens britischer Boulevardblätter, stieß auch die Nichtberücksichtigung Adolf Hitlers und anderer Politiker des 3. Reiches.ZDF-Abstimmung. Britische Blätter verspotten Hitler-Verbot vom 1. Mai 2003 in spiegel.de
Wolfgang Amadeus Mozart beispielsweise, ein bedeutender Komponist und Sohn des ebenfalls in seiner Zeit bekannten Komponisten Leopold Mozart, wurde im bairischen und damals reichsunmittelbaren Erzstift Salzburg geboren. Dieses Bistum wurde erst lange nach seinem Tod Teil des Kaisertums Österreich bzw. der heutigen Republik Österreich. Der Geburtsort des berühmten deutschsprachigen „Urwalddoktors“ Albert Schweitzer bei Colmar im Elsass gehörte zum damaligen Deutschen Kaiserreich, später (wieder) zu Frankreich. Nikolaus Kopernikus wurde als „Hobbyastronom“ auch vorgestellt. Er entstammte der deutschsprachigen Bürgerschaft der Stadt Thorn, welche sich einige Jahre vor seiner Geburt dem König von Polen unterstellt hatte. Am 12. Juni 2003 hat der Polnische Senat auf Initiative seiner Kommission für Polen im Ausland eine Erklärung verabschiedet, zur „Erinnerung an den großen Polen Mikołaj Kopernik ... diesem herausragenden Polen ... den Verteidiger der (Allensteiner) Burg während des Polnisch-Deutschen Krieges ... der große Pole ...“ vom 12. Juni 2003 in gov.pl (polnisch, Auswanderung und Polen im Ausland) vom 8. Juli 2003 in gov.pl (polnisch, Stenographisches Protokoll) Selbstverständlich war es beispielsweise für die Geistesgrößen Sigmund Freud und Immanuel Kant, sich als Österreicher bzw. Preuße und als Deutsche zu bezeichnen – das war kein Gegensatz. Schriftsteller, die ihre Werke in der deutschen Sprache verfassten, wie Franz Kafka oder Nobelpreisträger Elias Canetti, wurden kaum berücksichtigt.
Im letztgenannten Sinne bezeichne(te)n sich die muttersprachlich deutschen Menschen als Deutsche. Staatsgrenzen waren keine Sprachgrenzen und sind es auch heute nicht, und Staatsgebilde hatten sich im Laufe der Geschichte durch Fürstenhochzeiten oder Kriege immer wieder verändert.
Kritik Der daraus resultierende Einschluss der oben beschriebenen Persönlichkeiten hatte teilweise heftige Kritik zur Folge, obwohl jahrhundertelang das Wort „Deutscher“ einen Angehörigen der deutschen Kultur- und Sprachgemeinschaft (Ethnie) bezeichnete, egal in welchem Land er lebte. Seit einigen Jahrzehnten ist ein Bedeutungswandel in dem Sinne festzustellen, dass die meisten Menschen heute „Deutscher“ gleichbedeutend mit „Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland“ verwenden, obgleich hier verschiedene Sachverhalte begrifflich voneinander zu trennen sind, die ansonsten durch die neuere Sprachregelung verschleiert werden.
Die Kritik aus Polen betraf die deutsche Zuordnung von Nikolaus Kopernikus. Aus Österreich kam differenzierte Kritik, da hier über die Zuordnungen der Sendung gestritten wurde.
Des Weiteren wurden die erstellten Ranglisten kritisiert, da diese in ihrer Aussagekraft begrenzt sind und es kaum möglich ist, objektive Kriterien zu finden, mit denen man Personen verschiedener Aufgabenbereiche miteinander vergleichen kann. Vor allem bei der ersten Sendung wurde dies immer wieder kritisiert.
Die Ranglisten stellen außerdem lediglich eine Momentaufnahme des aktuellen Meinungsbildes dar (so war z. B. Oliver Kahn 2004 in der Top-10 der größten Sportler noch vertreten und hier der dritt-bestplatzierte Fußballer; anderthalb Jahre später war er in der Top-10 der größten Fußballer überhaupt nicht mehr dabei). Auch sind die Teilnehmer an derartigen Abstimmungen nicht als repräsentativ für alle Deutschen zu sehen, da bestimmte Bevölkerungsgruppen aus unterschiedlichsten Gründen nicht bzw. unter- oder überdurchschnittlich daran teilnehmen. Zusätzlich ist das Einwerben von Stimmen über sogenannte Botschafter auch als Marketing einer Person zu verstehen (So warb z. B. Guido Knopp in der letzten Abstimmungsphase für Adenauer). Auch wurde die Sendung in Berlin aufgezeichnet mit einem Publikum, welches mit abfälligen Bekundungen zu Adenauer und auf der anderen Seite mit Zustimmungsbekunden zu Marx eine unterschwellige Beeinflussung der Fernsehzuschauer betrieb. Viele nur kurzzeitig bekannte oder erfolgreiche Personen konnten sich in einzelnen Sendungen hoch platzieren, da sie zur Zeit der Abstimmung eine große Aufmerksamkeit genossen. Als extremes Beispiel dafür steht Daniel Küblböck, der Teilnehmer einer Castingshow, der es in der Rangliste auf Platz 16 schaffte.
Besonders problematisch stellte sich das Ergebnis nach der Neuauflage 2014 dar (s. u.). Hier musste das ZDF nicht nur methodische Fehler und komplettes Verwerfen der im Vorfeld erfolgten Zuschauerabstimmung zugeben, es wurden auch Einzelmanipulationen vorgenommen, um eingeladenen Gästen ohne deren Wissen bessere Bewertungen präsentieren zu können.
Ranglisten der Sendungen
Unsere Besten – Die größten Deutschen mini|hochkant|Konrad Adenauer
Sendung am 28. November 2003 Konrad Adenauer, Politiker/Bundeskanzler (1876–1967) Martin Luther, Kirchenreformator (1483–1546) Karl Marx, Philosoph und Nationalökonom (1818–1883) Sophie und Hans Scholl, Widerstandskämpfer („Weiße Rose“) (1921/1918–1943) Willy Brandt, Politiker/Bundeskanzler (1913–1992) Johann Sebastian Bach, Komponist (1685–1750) Johann Wolfgang von Goethe, Dichter und Schriftsteller (1749–1832) Johannes Gutenberg, Erfinder des Mobilletterndrucks (1400–1468) Otto von Bismarck, Politiker/Reichskanzler (1815–1898) Albert Einstein, Naturwissenschaftler/Physiker (1879–1955)
Unsere Besten – Die Lieblingsbücher der Deutschen mini|Der Eine Ring
Sendung am 1. Oktober 2004 Der Herr der Ringe (Roman des britischen Autors J. R. R. Tolkien) Die Bibel (Die heilige Schrift des Christentums) Die Säulen der Erde (Roman des britischen Autors Ken Follett) Das Parfum (Roman des deutschen Autors Patrick Süskind) Der kleine Prinz (Erzählung des französischen Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry) Buddenbrooks (Roman des deutschen Autors Thomas Mann) Der Medicus (Roman des US-amerikanischen Autors Noah Gordon) Der Alchimist (Roman des brasilianischen Autors Paulo Coelho) Harry Potter und der Stein der Weisen (Roman der britischen Autorin Joanne K. Rowling) Die Päpstin (Roman der US-amerikanischen Schriftstellerin Donna W. Cross)
Unsere Besten – Sportler des Jahrhunderts mini|hochkant|Michael Schumacher
Sendung am 19. November 2004 Michael Schumacher Birgit Fischer Steffi Graf Franz Beckenbauer Boris Becker Max Schmeling Jan Ullrich Franziska van Almsick Gerd Müller Oliver Kahn
Unsere Besten – Die größten Erfindungen mini|Räder an einem Holzwagen
Sendung am 17. Juni 2005 Rad Glühlampe Buchdruck Stromerzeugung Computer Auto Antibiotikum Schrift Telefon Flugzeug
Unsere Besten – Jahrhunderthits mini|Scorpions-Auftritt beim finnischen Rockfestival Ankkarock (2003)
Sendung am 25. November 2005 Wind of Change (Scorpions) Über sieben Brücken mußt du gehn (Karat) Ode an die Freude aus Beethovens 9. Sinfonie (Friedrich Schiller/Ludwig van Beethoven) Über den Wolken (Reinhard Mey) Abenteuerland (Pur) Alt wie ein Baum (Puhdys) Ein bißchen Frieden (Nicole) Junge, komm bald wieder (Freddy Quinn) 99 Luftballons (Nena) Marmor, Stein und Eisen bricht (Drafi Deutscher)
Unsere Besten – Fußballer mini|hochkant|Franz Beckenbauer bei der Eröffnung des Fritz-Walter-Hauses in Alsenborn
Sendung am 26. Mai 2006 Franz Beckenbauer Gerd Müller Michael Ballack Fritz Walter Uwe Seeler Günter Netzer Lothar Matthäus Sepp Maier Miroslav Klose Jürgen Klinsmann
Unsere Besten – Die Lieblingsorte der Deutschen mini|hochkant|Kölner Dom
Sendung am 22. September 2006 Kölner Dom Brandenburger Tor in Berlin Schlosskirche in der Lutherstadt Wittenberg Prinzipalmarkt Münster Rathausplatz Paderborn Wuppertaler Schwebebahn Hofbräuhaus in München Hamburger Hafen Kaiser- und Mariendom zu Speyer Mittelalterliche Altstadt Quedlinburg
Unsere Besten – Die größten deutschsprachigen Filmstars mini|Heinz Rühmann, 1946
Sendung am 24. November 2006 Heinz Rühmann Mario Adorf Romy Schneider Iris Berben Peter Alexander Veronica Ferres Heinz Erhardt Heino Ferch Inge Meysel Günter Strack
Unsere Besten – Komiker und Co. mini|Vicco von Bülow (Loriot) 2005
Sendung am 27. April 2007 Loriot Heinz Erhardt Otto Waalkes Hape Kerkeling Dieter Hallervorden Rudi Carrell Karl Valentin Michael Mittermeier Anke Engelke Dieter Hildebrandt
Unsere Besten – Musikstars aller Zeiten mini|hochkant|Herbert Grönemeyer 2004
Sendung am 23. November 2007 (Die Böhsen Onkelz belegten ursprünglich den ersten Platz, wurden aber wegen „Blockvoting“ (geschlossene Stimmabgabe) der Fans heimlich und manipulativ auf Platz 25 gesetzt.)„Böhse Onkelz“, gutes ZDF: Das Zweite manipulierte weitere Show, in: Der Tagesspiegel am 15. Juli 2013, abgerufen am 18. Juli 2014 Herbert Grönemeyer Udo Jürgens Wolfgang Amadeus Mozart Peter Maffay Nena Ludwig van Beethoven Roy Black Sarah Connor Xavier Naidoo André Rieu
Unsere Besten – Die größten Fernsehmomente mini|Maueröffnung 1989
Sendung am 25. April 2008 Die Öffnung der Berliner Mauer 1989 Die Mondlandung 1969 Kardinal Ratzinger wird Papst 2005 John F. Kennedy: „Ich bin ein Berliner“ 1963 Fußball-Weltmeisterschaft 2006