Gerlingen ist eine Stadt im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Sie hat Einwohner (). Gerlingen liegt westlich der Landeshauptstadt Stuttgart und etwa zehn Kilometer südwestlich der Kreisstadt Ludwigsburg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie Gerlingen ist die südlichste Gemeinde im Landkreis Ludwigsburg und liegt .

Stadtgliederung Zu Gerlingen gehören die Stadt Gerlingen, die Stadtteile Gehenbühl und Schillerhöhe und die Häuser Bopser, Forchenrain, Gerlinger Heide, Glemstal, Krummbachtal und Stöckach sowie die abgegangenen Ortschaften Hausen am Gerlinger See, Höferle und Burg Richtenberg.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 410–411.

Nachbargemeinden Gerlingen grenzt im Norden an die Stadt Ditzingen, die gleichfalls im Landkreis Ludwigsburg liegt; im Osten an den Stadtkreis der Landeshauptstadt Stuttgart (Stadtteile Hausen, Giebel, Bergheim, Solitude, Wildpark und Büsnau); im Westen an die Stadt Leonberg im Landkreis Böblingen.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.[Gerlingen Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung] für Gerlingen.

Naturgeographie Das Stadtgebiet zerfällt naturräumlich in zwei recht verschiedene Teile. Im Norden hat Gerlingen Anteil am südwestlichen Neckarbecken. Dazu gehören am flachen südlichen Strohgäurand mit dem Langen Feld von Löss bedeckte, vor der Siedlungsexpansion überwiegend ackerbaulich genutzte Gäulandschaften. Richtung Süden prägen in den auf rund 500 Meter ansteigenden Höhen bis heute ausgedehnte Streuobstwiesen, einige Weinberge sowie Wälder das Landschaftsbild. Dieser Teil ist außer am Berganstieg sowie der „Waldsiedlung“ auf dem Höhenkamm kaum besiedelt. Die stark bewaldeten Keuper­höhen, die zum rund 30.000 Hektar großen Glemswald gehören, reichen bis an den Lauf der oberen Glems. Hier liegt das Krummbachtal mit bedeutenden Vorkommen von Amphibien. Auf der Höhe an der Westgrenze der Stadt zu Leonberg ist das Naturschutzgebiet Gerlinger Heide ausgewiesen.

mini|Ansicht vom westlich gelegenen Forchenrain

Geschichte mini|Das neue Rathaus mini|hochkant|Der österlich geschmückte Urbanbrunnen vor dem Alten Rathaus mini|Ehemaliges Feuerwehrhaus von Gerlingen, jetzt Sitz der Volkshochschule mini|Johann-Caspar-Schiller-Brunnen mini|Stadtmuseum

Vor- und Frühgeschichte Es ist nicht bekannt, ob schon in der Altsteinzeit Menschen auf Gerlinger Gemarkung lebten. Die einzigen Funde aus dieser Zeit bestehen aus drei Stücken eines Mammutzahns, die 1955 bei Kanalisationsarbeiten gefunden wurden. Im Frühneolithikum zeigen sich erste Siedlungsspuren der Linearbandkeramik-Kultur. Seit 1972 die Siedlungsreste einschließlich Geräten aus Feuer- und anderem Gestein und Knochen nebst Tonscherben ausgegraben wurden, gilt Gerlingen als das älteste bandkeramische Dorf Württembergs. Unter diesen Funden befindet sich auch ein auffälliges kleineres Fußgefäß, das wahrscheinlich aus Südosteuropa stammt. Im Jahre 1994 fanden sich Reste der „Hinkelstein-Kultur“ und der „Großgartacher Kultur“ (circa 4800–4600 v. Chr.). Für den Zeitraum um 4700–4300 v. Chr. ist eine Siedlung der „Rössener Kultur“ nachgewiesen. Aus den Funden lässt sich schließen, dass am Ende des 5. Jahrtausends v. Chr. Angehörige der sogenannten „Schwieberdinger Kultur“ auf dem Gebiet des heutigen Gerlingen lebten. Die „Schwieberdinger Kultur“ wurde dann von der Kultur verdrängt, die sich schließlich in ganz Mitteleuropa ausbreitete, nämlich von der „Michelsberger Kultur“. Bereits 1935 fand man beim Autobahnbau die Überreste einer dieser Kultur zuzurechnenden Keramik. Nur einige wenige Tonscherben belegen die Fortdauer der Besiedelung der Gerlinger Markung während der Bronzezeit. Jedoch zeigt ein durch einen Pflug beschädigtes Urnengrab, dass auch im Strohgäu die Weise der Totenbestattung sich der neuen Zeit anpasste. Die sogenannte Urnenfelderkultur bildet in der Archäologie den Schlusspunkt der Bronzezeit.

Eine neue Gruppe von Menschen, die sich im 5. vorchristlichen Jahrhundert bis nach Britannien ausbreitete, erreichte nachweislich bereits im 6. Jahrhundert Südwestdeutschland: die Kelten. Berühmt ist das Grab des Keltenfürsten von Hochdorf, das sich nur wenige Kilometer Luftlinie von Gerlingen entfernt befindet. Dieser Keltenfürst wird der Hallstattzeit zugerechnet, die auch in Gerlingen Spuren hinterließ. Drei Siedlungen und ein Grabhügelfeld dieser Zeit kennt man hier, die allerdings durch Bauarbeiten weitgehend zerstört wurden. In der der Hallstattzeit sich anschließenden Latènezeit setzte sich die Besiedelung fort, wie sich anhand von Scherbenfunden nachweisen lässt.

Zeit der Römer und Alemannen Auch die Römer ließen sich am Fuße der Schillerhöhe, die sich über Gerlingen erhebt, nieder. Zeugen römischer Siedler sind die Überreste zweier römischer Gutshöfe, die bereits 1840 zum Vorschein kamen. Neben relativ unscheinbaren Mauerresten, einem Brunnen und der Ruine einer römischen Töpferei fand man auch die Überreste einer Fußbodenheizung.

Die Herrschaft der Römer in Südwestdeutschland endete mit der Ankunft der Alemannen 259/260. Gräberfunde seit 1880 belegen, dass sie sich auch in Gerlingen niederließen. Schwerter, Lanzenspitzen und sogar Schmuck, die man in ihnen entdeckte, beweisen ihre Anwesenheit.

Frühes Mittelalter Der erste Nachweis „moderner“ Geschichte des Ortes Gerlingen stammt aus dem Jahr 797 mit der ersten urkundlichen Erwähnung als Gerringen im Lorscher Codex anlässlich einer Schenkung an das Kloster Lorsch. Eine weitere Schenkung ist 814 verzeichnet. 902 tauschte das Kloster seinen Besitz im Strohgäu allerdings bei einem gewissen Reginbodo gegen einen großen Hof in Viernheim ein.Ortsliste zum Lorscher Codex, Gerlingen, Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg.

Mittelalter Im Mittelalter gehörte die Markung Gerlingen einem Rittergeschlecht, dessen Angehörige Dienstmannen der Grafen von Calw waren. Um 1100 wurde ein Benso de Gerringen (ursprüngliche Schreibweise für Gerlingen) im Hirsauer Codex erwähnt, um 1120 ein Adalbertus. 1150 erschien der Name eines Wortwinus, eines Lehensmanns Herzogs Welf VI. Das überlieferte Wappen der Ritter von Gerringen, deren Angehörige noch im 14. Jahrhundert nachweisbar sind, wurde 1937 in das Wappen der Gerlinger Gemeinde integriert. Ihre Burg, die Burg Richtenberg, die sie auf der Höhe über Gerlingen erbauten, musste laut Überlieferung 1311/12 einer Belagerung standhalten. Die Überreste von Burg Richtenberg waren bis ins 19. Jahrhundert noch sichtbar, wie sich einer Flurkarte aus dem Jahr 1827 entnehmen lässt.

Mitte des 14. Jahrhunderts kam Gerlingen zur württembergischen Vogtei (dem Amt) Leonberg, wie aus einer Urkunde hervorgeht, die 1347 den ersten Vogt benannte. Nach Leonberg mussten nun auch die Steuern entrichtet werden, die in der sogenannten „Leonberger Urbaren“ aufgezeichnet wurden. Brauch und Recht wurden im „Gerlinger Dorfbuch“ aufgezeichnet. Ein erhaltenes Exemplar von 1485 gibt Auskunft über Zuzugs- und Heiratsgebühren. Seit 1559 ist in Gerlingen eine eigene Schule belegt.

17. Jahrhundert Im Juli 1622 kam der Dreißigjährige Krieg im Dorf Gerlingen an. Die Soldaten des Leonberger Bezirks, zu dem Gerlingen seit dem 14. Jahrhundert gehörte, wurden eingezogen und mussten in der Nähe von Maulbronn ihren Dienst als Grenzwachen leisten, wo sie mit den wilden Scharen des kaiserlichen Feldmarschalls Tilly Bekanntschaft in einer blutigen Schlacht machten. Auch von Durchmärschen und Einquartierungen feindlicher Soldaten blieb Gerlingen nicht verschont. In den Jahren 1634 bis 1638 quartierte sich der katholische General des Kaisers Mathias Graf von Gallas im Oberamt Leonberg ein, an den die Gerlinger Geld und Naturalien abliefern mussten. Dazu kam noch die Pest, an der insbesondere 1635 viele Gerlinger starben. Insgesamt kosteten Krieg und Pest im Dorf Gerlingen etwa 800 Menschen das Leben. Die Einwohnerzahl der Zeit vor dem Krieg konnte erst 170 Jahre später wieder erreicht werden. Das daraus resultierende Elend rief 1648 den „Propheten“ Hans Keil auf den Plan, dessen Geschichte von Bänkelsängern auf den Marktplätzen ganz Süddeutschlands verbreitet wurde. Im Jahre 1669 kam es zur Gerlinger Bürgerfehde, ebenfalls ein Ausdruck des Elends der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, als sich die Gerlinger wegen vermeintlichem Betrug der Ortsobrigkeit bei der Verwaltung des Zehnten auflehnten. Auch ein Hexenprozess ist aus dem Jahr 1672 aus Gerlingen überliefert. Allerdings ging dieser für die Angeklagte Margaretha Butzenbach, ein 16-jähriges psychisch gestörtes Mädchen, relativ glimpflich aus.

Nach dem Westfälischen Frieden im Jahr 1648 gelang es dem französischen König Ludwig XIV., sein Territorium beträchtlich in Richtung Osten zu erweitern. Danach erhob er Ansprüche auf die Kurpfalz. 1688 stellte der französische Marschall Duras ebenfalls hohe finanzielle Forderungen an das Herzogtum Württemberg, die aber abgelehnt wurden. Daraufhin rückten die Truppen des französischen Kommandanten General Mélac auch in Gerlingen ein. Bereits im Dezember 1688 gelang es schwäbischen Einheiten, die in Ungarn gegen die Türken gekämpft hatten und nun wieder in die Heimat zurückkehrten, Mélac mitsamt seinen Soldaten wieder zu vertreiben. Im Juli 1693 wurde Gerlingen erneut von einem französischen Heer heimgesucht. Die Dorfbewohner suchten innerhalb der Leonberger Stadtmauern Schutz. Gerlingens Nachbardörfer wurden von den Franzosen eingeäschert. Das blieb Gerlingen zwar erspart, doch wurde die Gemeinde gezwungen, sogenannte „Sauvegardes“ („Schutzwachen“) einzuquartieren, wofür sie auch noch 600 Gulden bezahlen musste. Darüber hinaus wurden ihr die Kirchenglocken geraubt.

18. Jahrhundert Im 18. Jahrhundert hatte Gerlingen unter dem chronischen Geldmangel des Herzogs Carl Eugen zu leiden. Dieser vertrieb nicht nur den lange Zeit auf dem Schloss Solitude in Gerlingen wohnhaften berühmten Dichter Friedrich Schiller, sondern verkaufte auch Gerlinger Bürger als Soldaten. Außerdem mussten die Dorfbewohner ständig Frondienste leisten, wie beispielsweise die harten Dienste beim Bau des Lustschlosses Solitude.

Der Vater des Dichters, Johann Caspar Schiller, betrieb auf dem bis 1943 zu Gerlingen gehörenden Schloss Solitude die größte Obstbaumschule Süddeutschlands und legte damit die Grundlage für ausgedehnte Streuobstwiesen. Johann Caspar Schiller wurde genauso wie seine Tochter Karoline Christiane „Nanette“ Schiller 1796 an der Gerlinger Petruskirche begraben.

19. Jahrhundert Bei der Neugliederung des jungen Königreichs Württemberg am Anfang des 19. Jahrhunderts überstand das altwürttembergische Oberamt Leonberg die Verwaltungsreform, so dass Gerlingen bis 1938 diesem zugeordnet blieb.

Im 19. Jahrhundert stammten zahlreiche Missionare aus Gerlingen. Die beiden berühmtesten sind der „Entdecker“ des Kilimandscharo, Johannes Rebmann (1820–1876), der von 1846 bis 1875 in Ostafrika wirkte und der Sprachforscher Johannes Zimmermann (1825–1876). Die Johannes-Rebmann-Stiftung hat das aus dem 16. Jahrhundert stammende Geburtshaus von Johannes Rebmann, dessen Eigentümer das Haus in den 1990er Jahren abreißen lassen wollten, erworben, saniert und darin eine öffentlich zugängliche Missionarsstube eingerichtet. Wegen der zahlreichen Missionare, die aus der Stadt kamen und von denen es auch heute noch aktive gibt, wird Gerlingen gelegentlich auch „Missionarsstadt“ genannt.

20. und 21. Jahrhundert