mini|hochkant=1.35|Bad Freienwalde mini|Stadtpfarrkirche Bad Freienwalde (Oder) (bis 1925 Freienwalde, 1925–1994 Bad Freienwalde) ist eine Stadt im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg und staatlich anerkannter Kurort mit der Artbezeichnung Moorheilbad sowie nördliches Zentrum der Märkischen Schweiz.

Geografische Lage Bad Freienwalde liegt an der Alten Oder am Nordwestrand des Oderbruchs am Übergang zum Barnimplateau. Daher rührt auch der für Brandenburger Verhältnisse extrem große Höhenunterschied von fast 160 m innerhalb des heutigen Stadtgebiets.

Stadtgliederung Die Stadt hat sieben Ortsteile: Altglietzen Altranft mit dem Gemeindeteil Zuckerfabrik Bralitz Hohensaaten Hohenwutzen Neuenhagen Schiffmühle mit dem Gemeindeteil Neukietz und den Wohnplätzen Neutornow und Gabow

Hinzu kommen weiterhin die Wohnplätze Alte Schleuse, Altkietz, Alttornow, Alttornower Ausbau, Alttornower Siedlung, Bahnhof Oderberg/Bralitz, Bergkolonie, Bergthal, Deichhof, Eduardshof, Flämmingsau, Freienwalder Ausbau, Heeses Loos, Herrenwiese, Jungfernloch, Kalkofen, Kolonie Bralitz, Lindekes Loos, Neuenzoll, Neuglietzen, Regina, Saaten-Neuendorf, Siedlung, Sonnenburg, Waldhaus und Wendtshof.

Geschichte 14. bis 18. Jahrhundert Die erste urkundliche Erwähnung von Freienwalde erfolgte als Vrienwalde im Jahr 1316. Bis 1369 war Freienwalde eine unmittelbar unter der Landesherrschaft stehenden Immediatstadt. Zwischen 1369 und 1375 wurde die Stadt zu einer unter adliger Obrigkeit stehenden Mediatstadt umgewandelt und die Brüder Heinrich I. und Arnold I. von Uchtenhagen erhielten Freienwalde als markgräfliches Lehen.Informationstafel Die Uchtenhagensche Herrschaft über die Stadt von 1374 bis 1618, aufgehängt im Oderlandmuseum Bad Freienwalde, Februar 2019. Dies geschah im Austausch gegen die Abtretung der Stadt Sonnenburg (Słońsk) in der Neumark im Rahmen eines Vergleichs zur Aufhebung eines Kirchenbanns. Sie bestimmten fortan bis zu ihrem Aussterben im Jahr 1618 allumfänglich die Geschicke des Ortes, setzten sich aber auch für den Bau einer steinernen Kirche ein, die in der Mitte des 15. Jahrhunderts ausgebaut wurde. Die von Uchtenhagen setzten unter anderem Bürgermeister und Ratsmänner ein und bestimmten, wer als Richter und Schöffe tätig werden durfte. Da sie ebenfalls vergleichsweise restriktiv den Zuzug in den Ort kontrollieren, entwickelte sich Freienwalde nur zögerlich. Einnahmen erhielten die Adeligen durch die Erhebung von Abgaben der Bewohner, aber auch durch Zoll und Fährgeld, das durchreisende Händler entrichten mussten. Dieser Zustand endete erst mit dem Tod Hans von Uchtenhagens am 21. März 1618. Zu dieser Zeit lebten rund 800 Einwohner in der Stadt, die von der Landwirtschaft sowie der Fischerei lebten und im geringen Umfang auch ein Handwerk ausübten.

Im Jahre 1618 wurde Freienwalde Domänenamt der brandenburgischen Kurfürsten. Im Dreißigjährigen Krieg war die Stadt ab 1627 von Einquartierungen und Requisition betroffen. Hinzu kam eine Pestepidemie, die fast alle Einwohner tötete. Nach größeren Plünderungen in den Jahren 1636 und 1637 lebten 1638 nach Ende der Pest sowie der aktiven Kriegshandlungen in Freienwalde nur noch 74 Bürger. Bei Kriegsende war die Hälfte der Bürgerhäuser zerstört; die Stadt erholte sich nur langsam von der schrecklichen Zeit: 1668 waren von 148 Bürgerhäusern noch immer 27 unbewohnt.Informationstafel Gründung des Freienwalder Gesundbrunnens 1681, aufgehängt im Oderlandmuseum Bad Freienwalde, Februar 2019. Bernhard Friedrich Albinus beschrieb 1685 die 1683 entdeckte Heilquelle (seit 2019 Kurfürstenquelle) und legte damit den Grundstein für Entwicklung des Ortes zur Kurstadt. Im Jahre 1696 entstand auf dem Fundament eines Vorgängerbaus die Kirche St. Georg. Durch den Fund von eisenhaltigen Sanden und Alaun entstanden 1716/1718 ein Eisenhammer und ein Alaunwerk.

Friedrich Wilhelm I. war zunächst ob der Heilquelle skeptisch. Doch dies änderte sich, als ihm 1733 berichtet wurde, dass seine Soldaten dort wieder gesund wurden. Infolgedessen nahmen die Besuche an der Quelle zu; es entstand ein neues Logierhaus, das Alt-Königlich.Informationstafel Der Freienwalder Gesundbrunnen im 18. und 19. Jahrhundert, aufgehängt im Oderlandmuseum Bad Freienwalde, Februar 2019. Friedrich II. misstraute den Berichten über eine Genesung nach dem Besuch der Heilquelle, förderte aber dennoch den Brunnen. Er ließ ein weiteres Logierhaus, das Neu-Königlich, errichten. Ab 1790 hielt sich die Königin Friederike Luise in den Sommermonaten in der Stadt auf. Ihre Anwesenheit prägte in den kommenden 13 Jahren das gesellschaftliche Leben der Stadt. Sie ließ nach 1792 vor den Stadttoren am Apothekerberg einen kleinen Lustgarten anlegen, der nach und nach erweitert wurde. Am Hang des Bergs entstand 1790 ein Theater- und Konzertpavillon. Nach dem Tod Friedrich Wilhelms II. wählte sie Freienwalde zu ihrem dauerhaften Sommerwitwensitz und das Schloss Freienwalde entstand.Informationstafel Schloss Freienwalde – Preußisches Königsschloss und Walther-Rathenau-Gedenkstätte, aufgehängt im Oderlandmuseum Bad Freienwalde, Februar 2019.

19. Jahrhundert Mit der Einführung der Preußischen Reformen wurde Freienwalde im Jahr 1816 zur Kreisstadt des Landkreises Oberbarnim erhoben. Die Stadtverwaltung zog gemeinsam mit den Kreisbehörden in das kurfürstliche Jagdhaus.Informationstafel Städtische Selbstverwaltung und Kreisstadt ab 1815, aufgehängt im Oderlandmuseum Bad Freienwalde, Februar 2019. Im gleichen Jahr berichtete die Königliche Brunnendirektion dem König, dass der Gesundbrunnen mittlerweile baufällig geworden war. Der König gewährte Hilfe, mit dem der Badebetrieb neu aufgenommen werden konnte. Die Gartenanlagen wurden 1821 nach Plänen von Peter Joseph Lenné neugestaltet und 1832 übernahm die Stadt das Anwesen und führte den Badebetrieb fort. Ab 1840 wurden die Anwendungen um Moorbäder ergänzt. Freienwalde war 1850 Tagungsort eines Landgerichts, welches den verfassungsrechtlich bedeutenden Freienwalder Schiedsspruch fällte. Die Stadt beschloss 1854 ein eigenes Rathaus zu errichten, das am 10. September 1855 bezogen werden konnte. Der Eisenbahnanschluss an die Strecke Neustadt Eberswalde–Wriezen erfolgte 1866, der an die Strecke nach Angermünde 1877. In dieser Zeit erfolgte ein wirtschaftlicher Aufschwung, der sich auch im Bau zahlreicher Villen an der Gesundbrunnenstraße, der Weinbergstraße und der Goethestraße zeigte. Die Stadt erwarb 1879 das Gelände zwischen der Wriezener und der Melcherstraße und legte dort neue Straßen an. Prägend für die Entwicklung der Stadt war jedoch die im 21. Jahrhundert noch vorhandene Fachklinik und Moorbad Bad Freienwalde. Hinzu kamen die neuen Aufgaben als Kreisverwaltung, die zu einem Neubau des Verwaltungsgebäudes führten, das am 9. September 1875 eingeweiht wurde. Darüber hinaus fasste der Kreisausschuss am 17. Januar 1889 den Beschluss, ein Kreismuseum aufzubauen.Informationstafel Freienwalde von 1871 bis 1918, aufgehängt im Oderlandmuseum Bad Freienwalde, Februar 2019. Die Entdeckung von Tonvorkommen führte in den 1880er Jahren zur Gründung einer Schamottefabrik und fünf Dampfziegeleien. Dort waren bis zu 800 Arbeiter beschäftigt, die jährlich über 25 Millionen Mauersteine und hunderttausende Dachsteine herstellten.

20. bis 21. Jahrhundert Neben dem wirtschaftlichen Aufschwung ließen sich im Ort auch zahlreiche Pensionäre und Rentner nieder. So gab es um 1900 in der Stadt 30 Hotels und rund 200 Pensionen. Die Königliche Hofkammer verkaufte 1909 das Schloss Freienwalde an Walther Rathenau. Er ließ das mittlerweile vernachlässigte Anwesen sanieren und nutzte es für seine schriftstellerische Arbeit. Nach seiner Ermordung verschenkten seine Erben das Schloss samt Einrichtung an den Landkreis Oberbarnim. Nach der Weltwirtschaftskrise kam es in der Stadt zu einem bescheidenen Aufschwung, wobei die Anzahl der Einwohner bis 1928 auf 10.900 anstieg. Hinzu kamen zahlreiche Tagesgäste aus dem Berliner Mittel- und Kleinbürgertum, die Bad Freienwalde zur Erholung nutzten. Am 23. Oktober 1925 erhielt Freienwalde die offizielle Bezeichnung Bad. Anfang der 1920er Jahre waren auch im neu errichteten Rathaus die Platzverhältnisse beengt. Die Stadt beschloss daher, das Dachgeschoss in den Jahren 1926/1927 auszubauen und dort einen neuen Sitzungssaal einzurichten.

mini|Kreishaus

Weil von wohlhabenden Berliner Juden gern als Kurort besucht, wurde Bad Freienwalde von den Nationalsozialisten in diffamierender Absicht als „Judenbad“ bezeichnet. Juden wurde das Betreten des Kurviertels verboten. Ab 1934 wurde am westlichen Ortsausgang eine große Kaserne errichtet, durch die zahlreiche Bad Freienwalder Baufirmen Aufträge erlangen konnten. Sie errichteten innerhalb von zwei Jahren die Hohenfriedberg-Kaserne für das 3. Kradschützenbataillon des Schützenregiments 3 in Eberswalde. Währenddessen gingen die Anfeindungen gegen die Juden weiter. So hing ab 1935 am Bahnhof eine Holztafel mit der Aufschrift „Bad Freienwalde wünscht keine Juden!“Informationstafel Weimarer Republik und Zeit des Nationalsozialismus, aufgehängt im Oderlandmuseum Bad Freienwalde, Februar 2019. In der Pogromnacht 1938 wurde von den Nazis die Synagoge in Brand gesteckt. Einige in Bad Freienwalde lebende Juden konnten fliehen, andere kamen im Holocaust um. Zu dieser Zeit gehörten die Ortsteile Altglietzen, Bralitz, Hohenwutzen, Neuenhagen und Schiffmühle bis 1945 zum Landkreis Königsberg Nm. in der Neumark, die seither weitestgehend zu Polen gehört. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Innenrichtung des Schlosses geplündert, eine massive Zerstörung der Gebäude blieb jedoch aus. Insgesamt wurden in der Zeit des Zweiten Weltkrieges 42 Häuser durch Kriegseinwirkungen zerstört. Der Ort wurde am Morgen des 20. April 1945 geräumt, und daher besetzte die Rote Armee kampflos eine leere Stadt. Allerdings kamen bei den Kämpfen an der Oder zahlreiche Soldaten ums Leben. Bis 1947 wurden 1800 Soldaten der Roten Armee von ihren provisorischen Ruhestätten im Kreis Oberbarnim auf eine zentrale Kriegsgräberstätte im Schlosspark von Bad Freienwalde umgebettet. Daneben wurde für die 275 verstorbenen deutschen Soldaten neben dem Evangelischen Stadtfriedhof ein Soldatenfriedhof errichtet.Informationstafel Vom Kriegsende 1949 und die DDR-Zeit bis 1990, aufgehängt im Oderlandmuseum Bad Freienwalde, Februar 2019.

mini|Ehemaliges Gefängnis in der Adolf-Bräutigam-Straße 4, Bad Freienwalde mini|Mahnmal der ehemaligen Heimkinder

Nachdem das Moorbad von der Roten Armee 1950 beschlagnahmt worden war, konnten die Betreiber ab 1952 den Betrieb als Bad der WerktätigenInformationstafel Bad Freienwalde – älteste Kur- und Badestadt in der Mark Brandenburg, aufgehängt im Oderlandmuseum Bad Freienwalde, Februar 2019. wiederaufnehmen. Von 1952 bis 1993 war Bad Freienwalde Kreisstadt des gleichnamigen Kreises, bis Oktober 1990 im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder) und danach im Land Brandenburg. Zur Zeit der DDR wurde das Schloss vornehmlich für kulturelle Zwecke genutzt. In den 1960er Jahren gründeten sich zahlreiche VEBs, darunter das Makosidwerk, die Vereinigten Dränrohrwerke, ein Werk für Wohnraummöbel sowie ein Produktionsbereich des bezirksgeleiteten Landbaukombinates. Hinzu kamen ein Meliorationskombinat, ein Metallzerspanungsbetrieb sowie ein Schlachthof und eine Druckerei. Am Scheunenberg entstanden 1984 zahlreiche Wohnungen, mit denen die Stadt auf die mittlerweile angespannte Wohnungssituation reagierte. Von 1987 bis 1989 gab es erste Arbeiten, um die Altstadt zu sanieren. Dabei wurden zahlreiche baufällig gewordene Gebäude abgerissen.