mini|300px|Maulburg im Dreiländereck mini|Im Vordergrund der bewaldete Nordhang des Dinkelbergplateaus. Das Dorf auf der würmzeitlichen Schotterebene des Wiesentales. Im Hintergrund linke Bildhälfte die auf den Rotliegendmassen lagernde Buntsandsteintafel des Scheinbergs, die Talkerbe des Alsbaches, links davon die durch die Maulburger Verwerfung abgesenkte Häglerberg-Scholle, ganz im Hintergrund der kristalline Schwarzwald. Rechte Bildhälfte: Rechts der Einmündung der Kleinen Wiese die Buntsandsteintafel des Entegast und ganz rechts der östliche Dinkelberg und dahinter der Steilanstieg des Hotzenwaldes. |399x399px mini|Altes Rathaus und Rathausbrunnen Maulburg (Alemannisch Muulburg) ist eine Gemeinde im Landkreis Lörrach in Baden-Württemberg. Zur Gemeinde Maulburg gehören außer dem gleichnamigen Dorf die Aussiedlerhöfe auf dem Dinkelberg.
Geographie Geographische Lage Maulburg liegt in der südlichen Vorbergzone des Südschwarzwalds im Tal der Wiese, einem rechten Nebenfluss des Rheins, die auf dem Feldberg entspringt. Die Tallage von Maulburg wird nördlich vom zum Schwarzwald gehörenden Weitenauer Vorbergland eingerahmt. Hier erhebt sich der bewaldete Scheinberg – früher wurde der Gipfel auch als Königsberg bezeichnet –Der Landkreis Lörrach, Band II, S. 196. mit , der noch zur Gemarkung Maulburgs zählt. Südlich erstrecken sich die Ausläufer des Dinkelbergs. Der höchste Punkt der Maulburger Gemarkung dort liegt bei (Mauerhaldenbuck).
Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Osten an die Stadt Schopfheim, im Süden an den zur Stadt Rheinfelden gehörenden Ortsteil Adelhausen sowie im Westen und Norden an Steinen.
Geologie Maulburg liegt in der Schopfheimer Bucht dem südlichsten und breitesten Teil der Schwarzwaldvorbergzone. Hier haben sich in geschützter Tieflage Buntsandstein-, Muschelkalk- und Keuperschichten des ursprünglich auch auf dem Gebiet des Schwarzwaldes liegenden Deckgebirges erhalten, das im Südschwarzwald bereits weithin abgetragen ist.
Der Gemarkungsteil nördlich der Wiese erstreckt sich auf die über Oberrotliegendsedimenten lagernde, leicht nach Süden geneigte Buntsandsteintafel des Scheinbergs. Die südliche Gemarkungshälfte greift auf das Muschelkalkplateau des Dinkelbergs über. Der Ort liegt zwischen diesen Landschaftsräumen im Wiesental, genauer auf der würmkaltzeitlichen, von Auenlehm und -sand bedeckten Talfüllung der Wiese, z. T. auch auf dem flachen Schwemmfächer des Dorfbaches.
Auf der tiefer lagernden Dinkelbergscholle sind die Schichten des Muschelkalks, des Keupers und, in kleinen Resten, des Unterjura noch von der Abtragung verschont geblieben, während nördlich der Wiese diese bereits abgeräumt sind. Daraus ergibt sich ein starker landschaftlicher Kontrast zwischen der Gemarkung nördlich und der südlich des Wiesentales. Der wasserdurchlässige und wenig fruchtbare Buntsandstein des Scheinbergs musste gänzlich dem Wald überlassen werden und ist frei von menschlicher Besiedlung. Dagegen ist der in größerem Umfang von Lösslehm bedeckte Muschelkalk des Gemarkungsteils auf dem Dinkelberg landwirtschaftlich gut nutzbar. Im Allgemeinen sind hier nur die steilen Talhänge bewaldet. Vom Wintertal und vom Niedertal zieht auf dem Dinkelberg jeweils ein schmaler tektonischer Graben nach Süden. Diese im Querschnitt keilförmigen, durch Zerrungskräfte bei der Rheingrabenbildung entstandenen Gräben sind mit jüngeren, eingesackten Keupersedimenten gefüllt, auf denen sich sogar noch nahe der Hummelrütte ein Rest Unterjurakalk erhalten hat.
Nahe der östlichen Gemarkungsgrenze quert eine NW-SO ziehende Verwerfung, die sog. Maulburg-Schwörstadt-Verwerfung das Wintertal („Wintleter“). Diese setzt bei der Hasenweid Muschelkalk (offenes Gelände) gegen Rotliegendes und Buntsandstein (Wald). Sie zieht weiter Richtung Schwörstadt und bildet so die Grenze zwischen dem tiefer liegenden dichter besiedelten Zentralen Dinkelberggraben im Westen und dem höheren, wasserarmen (verkarsteten) und deshalb nur an den Rändern (Wiechs, Eichen) und im Dossenbacher Tal besiedelten Plateau. Auf der Maulburger Gemarkung grenzt sie allerdings den Oberen Muschelkalk des Mauerhaldebucks von Rotliegend- und Buntsandsteinschichten im Osten ab, die hier als Sockel unter dem stärker gehobenen östlichen Dinkelberghorst anstehen.
Die Maulburger Verwerfung setzt sich nördlich der Wiese fort und ist nun auch in der Landschaft gut erkennbar. Während östlich der Verwerfung die Talkante des Scheinbergs über dem Wiesental um die 500 m hoch liegt, erhebt sich der Hang über dem Fluss westlich des Alsbachtales (Steinener Gemarkung) keine 50 m über den Talboden der Wiese.
Anmerkung: Die früher als unterer Buntsandstein angesprochenen Sedimente werden heute dem ebenfalls schon im Erdaltertum entstandenen Zechstein zugeordnet.
Geschichte Maulburg wird erstmals in einer Schenkungsurkunde eines Ercanpert vom 27. Februar 786 an das Kloster St. Gallen als Murperch genannt.Hermann Wartmann: Urkundenbuch der Abtei Sanct Gallen. Theil 1: 700–840. Höhr, Zürich 1863, S. 99, Urkunde Nr. 105.
Es handelt sich um eine Schenkung von Gütern und Anteilen an den Kirchen Brombach und Weil am Rhein an St. Gallen. Die Urkunde wurde von Folcram, einem Priester des 8. Jahrhunderts unterschrieben. Zum Schluss der Urkunde heißt es:
„Actum in Murperch villa publici. In ipsa casa fuit carta levata.“ (deutsch: „Geschehen in Murperch im Frohnhof. In diesem Hause wurde diese Schrift aufgesetzt.“)
Dieses Murperch war zu dieser Zeit bereits ein Hof mit einem Verwaltungsbeamten („Centenarius“). Sein Name war Brunchino. Er und Priester Folcram sind somit die ersten namentlich bekannten Einwohner des heutigen Maulburgs. Gemeinde, Dorf und Kirche blicken somit auf eine über 1200-jährige Geschichte zurück.
Maulburg war im Besitz der Herren von Rötteln, kam nach deren Aussterben 1315 an die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg und 1503 an die Markgrafen von Baden. Spätestens ab dem 16. Jahrhundert waren alle Maulburger Bauern Leibeigene des Markgrafen.
Auf den mittelalterlichen Wohnsitz einer Adelsfamilie, von der es allerdings keinerlei urkundliche Zeugnisse gibt, deutet der Flurname Oberbürglen jenseits der Wiese hin.
Durch eine Schenkung der wichtigsten Grundherren, derer von Klingen, kam beträchtlicher Besitz in Maulburg an das Zisterzienserkloster Wettingen, den dieses in späterer Zeit wieder veräußerte, u. a. an die Stadt Basel. Schon 1257 erhielt das Kloster Klingental in Maulburg Güter geschenkt. Als weitere Grundherren der Maulburger Bauern erscheinen in den Urkunden unter anderem das Kloster St. Clara in Kleinbasel, das Kloster Sankt Blasien und das Stift Säckingen. Die Gemeinde selbst besaß Wald, teils als Lehen, teils in Eigenbesitz, aber kaum anderen Grundbesitz.
Bis 1809 existierte die Vogtei Maulburg, zu der auch Langenau und Enkenstein gehörten.
Eine Kirche bestand schon im 12. Jahrhundert. 1244 wird ein Leutpriester erwähnt. Das Kirchenpatronat lag bei den Herren von Klingen, später dem Kloster Wettingen. 1540 kam es an die Stadt Basel und nach dem Dreißigjährigen Krieg an die Markgrafen von Baden.
Seit Anfang des 17. Jahrhunderts wurde in Maulburg Schule gehalten.
Eine Mühle ist schon 1278 bezeugt, eine erste Papiermühle im 16. Jahrhundert. Schon 1792 wurde nach dem Gips des Mittleren Muschelkalks gegraben. Im 19. Jahrhundert hielt die Industrie Einzug im Wiesental, hauptsächlich nach dem Beitritt Badens zum Deutschen Zollverein, was größere Investitionen von Schweizer Unternehmern auf deutscher Seite zur Folge hatte. So gründete der Schweizer Major Geigy-Lichtenhahn, der bereits 1836 in Steinen eine Baumwollspinnerei und -weberei eingerichtet hatte, 1844 in Maulburg eine mechanische Weberei, die um die Jahrhundertmitte bis zu 450 Arbeitskräfte beschäftigte. 1837 verlegten zwei Basler ihre Papiermühle von Kandern nach Maulburg, wo sie diese als Thurneysensche mechanische Papierfabrik, die Spezialpapier für Kunstdrucke herstellte, fortführten.
mini|Altes Bad in Maulburg In Maulburg gab es mutmaßlich schon im 13. Jahrhundert eine Badquelle. Die erste urkundliche Erwähnung des Bades findet sich 1530.Fritz Schülin: Das Mineralbad zu Maulburg. In: Das Markgräflerland, Jg. NF 2(33).1971, H. 1/2, S. 52–53 UB Freiburg Das Wasser der Badquelle zog bereits um 1600 Badegäste an. (Noch immer erinnert der Name der Badapotheke, die sich längere Zeit auf dem Areal der früheren Badwirtschaft befand, an die Zeit des Badebetriebs.)
(Quelle: Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Der Landkreis Lörrach, Band II, Sigmaringen 1994)
Bevölkerung und Religion Einwohner Die Zahl der Einwohner Maulburgs entwickelte sich wie folgt:Einwohnerzahlen Maulburgs von 1852 bis 1970, aufgerufen am 21. Oktober 2020 und Haushaltsplan 2024. Gemeinde Maulburg Strukturdaten 2024
Jahr Einwohner 1852 1203 1871 1504 1880 1436 1890 1573 1900 1931 1910 1947 1925 2004
Jahr Einwohner 1933 2070 1939 1989 1950 2272 1956 2579 1961 3012 1970 3729 1987 3612
Jahr Einwohner 2021 4255 2022 4291 2023 4276
Religion Seit der Reformation ist Maulburg vorwiegend evangelisch geprägt. Neben der Gemeinde, die zum Kirchenbezirk Markgräflerland der Evangelischen Landeskirche gehört, gibt es auch eine Freie evangelische Gemeinde und die ebenfalls von der Landeskirche losgelöste Christliche Gemeinde Maulburg (CGM).
Für die römisch-katholischen Gläubigen ist die Pfarrei St. Maria in Höllstein zuständig, die seit dem 12. Januar 2003 der Seelsorgeeinheit Mittleres Wiesental im Dekanat Wiesental des Erzbistums Freiburg angehört.
Außerdem befindet sich in der Johann-Peter-Hebel-Straße seit 1960 eine Gemeinde der Neuapostolischen Kirche.
Die Zugehörigkeit zu den Religionsgemeinschaften verteilte sich in der Vergangenheit wie folgt:Religionszugehörigkeit 1858 und 1925: Maulburg, zuletzt aufgerufen am 13. Oktober 2020.Religionszugehörigkeit: Maulburg, abgerufen am 21. Oktober 2020.
+ Religionszugehörigkeit in Maulburg Jahr Religion evangelisch katholisch sonstige 1858 71,2 % 28,8 % 0,0 % 1925 79,1 % 20,7 % 0,2 % 1950 75,1 % 22,3 % 2,6 % 1961 72,2 % 24,1 % 3,7 % 1970 62,3 % 31,8 % 5,9 %
Politik mini|Rathaus Maulburg, ein gutes Beispiel für die Reformarchitektur um 1900. Abkehr von der Neo-Stil-Architektur, hin zu einer sachlicheren, aber noch traditionsgebundenen Bauweise (Halwalmdächer der Seitenrisalite!). Die Türe dagegen Jugendstil. Verwaltungsgemeinschaft Die Gemeinde gehört seit 1975 zur Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft der Stadt Schopfheim.
Gemeinderat 2024 trat mit der Liste „Wir für Maulburg“ eine neue Wählervereinigung der bürgerlichen Mitte an,Ines Bode: Neue Liste bestimmt zwölf Kandidaten für Kommunalwahl. In: Die Oberbadische 7. März 2024 die aus dem Stand 5 Sitze erringen konnte. Drei Gemeinderäte, die 2019 auf der Liste Bürgervereinigung Maulburg (BVM) gewählt wurden, traten für „Wir für Maulburg“ an und die CDU verzichtete auf eine eigene Liste.Manuel Hunn: Neue Liste will „neue Kraft“ werden. Die Oberbadische 22. Februar 2024.; Alexandra Günzschel: CDU und ehemalige BVM-Gemeinderäte bilden die neue Liste: "Wir für Maulburg". In: Badische Zeitung vom 4. März 2024
Dem Gemeinderat gehören nach der Kommunalwahl vom 9. Juni 2024 neben dem Bürgermeister als Vorsitzenden 14 Mitglieder an. Die Wahl führte zu folgendem Ergebnis:Homepage der Gemeinde Maulburg
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands––17.6 2 SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands21.6319.1 3 FWMFreie Wähler MaulburgHomepage der Freien Wähler Maulburg 45.7640.3 6 BVMBürgervereinigung Maulburg––23.0 3 WfMWir für MaulburgHomepage der Wählervereinigung „Wir für Maulburg“32.75– – gesamt100,014100,014Wahlbeteiligung59,8 %57,3 %
Bürgermeister