Neuhebräisch, genannt Ivrit ( [Sprache], andere Transliterationen im deutschen Sprachraum auch Iwrit, Iwrith oder Ivrith), ist die in Israel meistgesprochene Sprache und die Amtssprache des Landes. Sie entstand durch geplante Weiterentwicklung und Ausbau des Alt- und Mittelhebräischen. Ihre Einführung ist der bisher einzige gelungene Versuch, eine Sakralsprache wiederzubeleben und zu einer modernen Standardsprache zu machen. Geschrieben wird sie mit dem hebräischen Alphabet.

Im hebräischen Sprachgebrauch steht das Wort Ivrit für die hebräische Sprache, unabhängig davon, welche Sprachstufe, also ob Bibelhebräisch, Mischnahebräisch, mittelalterliches oder modernes Hebräisch gemeint ist. Im Deutschen bedeutet Ivrit dagegen stets modernes Hebräisch.

Klassifikation Ivrit gehört zu den semitischen Sprachen, die wiederum zur Familie der afroasiatischen Sprachen gehören. Ivrit gehört in die Untergruppe der nordwestsemitischen Sprachen (zusammen mit Aramäisch) und dort in die Untergruppe der kanaanäischen Sprachen, deren einziger nicht ausgestorbener Vertreter es ist.

Hebräisch war seit der Spätantike als täglich gesprochene Sprache ausgestorben, hielt sich jedoch in der Diaspora als Liturgie- und Schriftsprache. Durch die Einflüsse der umgebenden gesprochenen Sprachen änderte sich vor allem die Aussprache des Hebräischen, sodass drei Hauptrichtungen entstanden: Aschkenasisch (Mittel- und Osteuropa), Sephardisch (West- und Südeuropa) und Jemenitisch (Vorderasien).

Geschichte Zur Vorgeschichte siehe Hebräische Sprache. mini|Die erste hebräische Übersetzung von Shakespeare: „Um diese Stund’ im Schlaf!“ Monolog, Heinrich IV. In Salomo Löwisohns Meliẓat Yeshurun, 1816. Ende des 19. Jahrhunderts, zur Zeit des in West- und Osteuropa aufkommenden Nationalismus, begannen Versuche, das fast nur noch in der rabbinischen Literatur verwendete Hebräische als Alltagsidiom wiederzubeleben und den Wortschatz zu erweitern, um für das zerstreute jüdische Volk eine Nationalsprache zu schaffen. Sowohl Wortschatz als auch Grammatik wurden des Öfteren an die Muster europäischer Sprachen angeglichen. Dennoch sind die Unterschiede zwischen Althebräisch und modernem Hebräisch viel weniger bedeutend als zum Beispiel zwischen Altgriechisch und Neugriechisch (siehe griechische Sprache).

Als Gegenbewegung zur Assimilation der ost- und mitteleuropäischen Juden, in deren Zuge viele Juden Russisch, Polnisch oder Deutsch zu ihrer Umgangssprache machten, bemühten sich viele Juden um eine Aufwertung und Literarisierung des Jiddischen und begannen teils gleichzeitig, weltliche Texte auf Hebräisch zu schreiben. Eliezer Ben-Jehuda, der um 1880 nach Jerusalem auswanderte, spielte für die Neubelebung der hebräischen Sprache eine tragende Rolle. Er schrieb für die hebräische Literaturzeitschrift Chawatzelet und gab die Zeitung HaZvi heraus. In seinen Artikeln verwendete er selbstentwickelte Wörter für neue, im früheren Hebräisch unbekannte Begriffe. 1890 gründete er den Waʿad haLaschon haʿIvrit, den Ausschuss der hebräischen Sprache und begann mit der Arbeit an einem hebräischen Wörterbuch, dessen erste Bände ab 1908 von der Langenscheidtschen Verlagsbuchhandlung in Berlin verlegt wurden. So wurde er zum „Vater des Hebräischen“ in Israel. Seine Kinder waren die ersten, die Hebräisch als Muttersprache sprachen.Momentous Century; Teil 8: Ittamar Ben Avi, the “Guinea Pig Infant” of Modern Spoken Hebrew, Tells How He Uttered His First Word in Hebrew (1885) S. 51; ISBN 0-8453-4748-9 1921 wurde Hebräisch im britischen Mandatsgebiet Palästina eine der drei offiziellen Landessprachen. Seit der Gründung des Staates Israel 1948 ist es dort Amtssprache und hat sich als moderne funktionsfähige Standardsprache bewährt. Die Vermittlung der für viele Einwanderer neuen Sprache erfolgt bis heute im Ulpan, einem Intensivkurs, in dem Ivrit unterrichtet wird.

Wichtig bei der Umformung der früheren Sakralsprache zu einer Amtssprache war vor allem die Schaffung von umgangssprachlichen Ausdrücken. Viele solcher Ausdrücke wurden zunächst vor allem aus dem Russischen und dem Arabischen übernommen. Auch aus anderen Sprachen, wie zum Beispiel Englisch, Deutsch, Jiddisch und Französisch, wurden Wörter entlehnt.

Eine weitere wichtige Rolle bei der Erweiterung des Vokabulars des modernen Hebräisch spielten Übersetzungen aus der Weltliteratur, die z. B. von Saul Tschernichowski und Zeʾev Jabotinsky verfasst wurden.

Andere jüdische Sprachen und Dialekte drohen heute mangels Muttersprachlern auszusterben. Dies gilt weniger für das Jiddische, das in orthodoxen aschkenasischen Gruppen – besonders solchen, die den säkularen Zionismus ablehnen – noch gebräuchlich ist, als für andere Sprachen wie Judäo-Spanisch (Ladino), Judäo-Persisch, Judäo-Berberisch, Judäo-Tatisch, Judäo-Georgisch, die jüdisch-aramäischen Dialekte, Jevanisch (Jüdisch-Griechisch), Karaimisch und weitere. Nachdem Theodor Herzl von der Vorstellung ausgegangen war, die Einwohner eines künftigen jüdischen Staates sollten die Kultursprache Deutsch sprechen, gab es in den 1930er Jahren im britischen Mandatsgebiet Palästina auch Überlegungen, Jiddisch, das von vielen der meist aus Osteuropa Einwandernden gesprochen wurde, zur offiziellen Sprache zu machen. Schließlich entschied man sich aber – nicht zuletzt aus historischen und nationalen Überlegungen – für das Hebräische. Hebräisch war in der Geschichte das sprachliche Band zwischen jüdischen Gemeinden überall auf der Welt gewesen und deshalb als Nationalsprache in einem zu gründenden jüdischen Staat, der Juden aus allen Ländern aufzunehmen bereit war, besonders geeignet, während Jiddisch nur die Sprache der aschkenasischen Juden gewesen war und daher nicht im gleichen Maße wie Hebräisch identitätsstiftend wirken konnte.

Phonologie Der Ausschuss der Hebräischen Sprache in Palästina hatte Anfang des 20. Jahrhunderts eine Aussprache mit 25 Konsonantenphonemen vorgeschlagen: /ʔ, b, w, ɡ, d, h, z, ħ, tˁ, j, k, x, l, m, n, s, ʕ, p, f, ts, q, r, ʃ, t/ und /θ/, doch selbst Ben-Jehuda hielt sich nicht an diese Vorgabe. Es kristallisierte sich eine Aussprache mit etwas anderen Konsonantenphonemen heraus (insgesamt 24): /ʔ, b, v, ɡ, dʒ, d, h, w, z, ʒ, x, j, k, l, m, n, s, p, f, ts, tʃ, r, ʃ/ und /t/, wobei die Phoneme /ʔ, v, x, t, k, s/ jeweils die Aussprache von zwei verschiedenen Buchstaben sein können. Bei sephardischen und orientalischen Juden kamen dazu noch /ħ/ und /ʕ/.Jack Fellman: The Revival of a Classical Tongue. Elizer Ben Yehuda and the Modern Hebrew Language. Mouton 1973, S. 85.

In der historischen Aussprache des Hebräischen hatten sechs Konsonanten spirantisierte Formen: /b, ɡ, d, k, p/ und /t/ wechselten mit /v, ɣ, ð, x, f/ und /θ/ (Zusammengefasst als BeGaDKeFaT bezeichnet). Von den spirantisierten Varianten sind im modernen Hebräisch nur drei erhalten: /v, x/ und /f/. Die emphatischen Konsonanten, die für die semitischen Sprachen typisch sind, wurden durch nicht-emphatische Varianten ersetzt; /q/ wurde durch /k/ ersetzt und /tˁ/ durch /t/. Der historische Halbvokal /w/ fiel mit dem Konsonanten /v/ zusammen. Die Standardaussprache von /ħ/ ist nun /x/, und /ʔ/ wird meist nicht realisiert.R. Malatesha Joshi, P. G. Aaron (Hrsg.): Handbook of Orthography and Literacy. Routledge 2005, S. 343. Viele Sprecher ersetzen auch /h/ durch /ʔ/ bzw. es entfällt.Joel M. Hoffman: In the Beginning. A Short History of the Hebrew Language. New York University Press 2004, S. 203. Eine Reihe von phonologischen Kontrasten wurde also neutralisiert.R. Malatesha Joshi, P. G. Aaron (Hrsg.): Handbook of Orthography and Literacy. Routledge 2005, S. 344. Das Phonem /r/ wird in der Regel als uvulares [ʁ] oder [ʀ] realisiert.Robert Hetzron: The Semitic Languages. Routledge 1997, S. 314; R. Malatesha Joshi, P. G. Aaron (Hrsg.): Handbook of Orthography and Literacy. Routledge 2005, S. 344.

Schematische Darstellung der Konsonantenphoneme:Robert Hetzron: The Semitic Languages. Routledge 1997, S. 314. stimmlose Plosivept kʔstimmhafte Plosivebd ɡstimmlose Frikativefsʃxhstimmhafte Frikativevzʒ Affrikatedʒtstʃ Nasalemn Vibrant r lateraler Frikativl Approximantwj /ʤ/, /w/, /ʒ/ und /ʧ/ kommen in Lehnwörtern und ihren Ableitungen vor (z. B. ג׳ינגול Jonglieren/Jonglage לדג׳ה „Platten auflegen“, להסוויץ׳ „switchen“).

Auch der Vokalismus wurde vereinfacht. Modernes Hebräisch hat fünf Vokalphoneme: /a, e, i, o/ und /u/.

In einer Standardaussprache wie z. T. im Rundfunk werden zumindest theoretisch die Phoneme /ħ/ und /ə/ sowie z. T. auch /ʕ/ erhaltenAngel Sáenz-Badillos, John Elwolde: A History of the Hebrew Language. Cambridge University Press 1996, S. 283; Judith Junger: Predicate Formation in the Verbal System of Modern Hebrew. Walter de Gruyter 1987, S. 10. und /r/ wird als Zungen-r ([r]) ausgesprochen.

Schrift

Die hebräische Schrift basiert auf einem Konsonantenalphabet. Einige der Buchstaben dienen jedoch auch als Matres lectionis, d. h. der Schreibung von Vokalen: Waw (ו) steht für /v/, aber auch für /u/ und /o/; Jod (י) steht für /j/, aber auch für /i/ und auf den Diphthong /ei/ zurückgehendes /e/; He (ה) dient am Wortende zur Schreibung von /a/, /e/ und (in seltenen Fällen) /o/; Aleph (א) steht für /ʔ/ (auch ʾ), ist aber in einigen Wörtern Mater lectionis für /a/, /e/, /i/, /u/.

Die Verwendung von Matres lectionis beim Schreiben hebräischer Texte erfolgt nicht durchgängig. In frühen Inschriften (8. Jahrhundert v. Chr.) tritt beispielsweise Jod noch nicht für /i/ auf, während darin Waw bereits für /o/ belegt ist. In Anlehnung an die masoretische Grammatik, die zwischen langen und kurzen Vokalen unterscheidet, wobei in der Regel die langen Vokale durch Matres lectionis dargestellt werden, die kurzen Vokale hingegen nicht, beeinflusste dieses Prinzip die hebräische Orthographie insbesondere im Buchdruck. In den zurückliegenden Jahrzehnten setzte sich eine allgemeine Verwendung der Matres lectionis durch, auch wenn sie nicht immer konsequent befolgt wird. In Grammatiken und Wörterbüchern dominiert weiterhin die masoretische Schreibweise (siehe Abschnitt Masoretische Vokalisation im Artikel Hebräisches Alphabet).

Während das hebräische Alphabet in der eigenen Schrifttradition bleibt, basiert die Interpunktion im Ivrit weitgehend auf den in europäischen Sprachen mit lateinischer Schrift üblichen Systemen. Die Interpunktionsregeln sind von der Akademie für die hebräische Sprache festgelegt.Eine Zusammenfassung auf Deutsch findet sich in: Heinrich Simon: Lehrbuch der modernen hebräischen Sprache. Leipzig 1970, 163–166. Komma, Semikolon und Fragezeichen werden, trotz der unterschiedlichen Schreibrichtung, in der in europäischen Systemen üblichen Form verwendet – im Gegensatz zum Arabischen, wo das Fragezeichen umgedreht ist (؟). Die Formen dreier Interpunktionszeichen stammen dagegen aus der hebräischen Tradition: der Maqqef (־), Bindestrich, ist nicht auf halber Höhe der Buchstaben, sondern auf der Höhe des oberen Randes von Buchstaben ohne Aufstrich. Geresch (׳) und Gerschajim (״) dienen als (einfache und doppelte) Anführungszeichen, und zwar in derselben Form zu Beginn und am Ende des angeführten Textes. Beide Zeichen werden auch zur Markierung von Abkürzungen verwendet: Geresch für die Abkürzung einzelner Wörter, z. B. כל׳ für כלומר (k(ɛ̝)lomar, „d. h.“; wörtl. „wie zu sagen“), Gerschajim für Abkürzungen, die aus mehreren Wörtern bestehen, z. B. ת״א für תל אביב („Tel Aviv“). Beide Zeichen werden auch verwendet, wenn hebräische Buchstaben als Zahlzeichen dienen.

Grammatik