mini|Landesmuseum Niederösterreich mini|Landesmuseum Niederösterreich mini|Das Haus der Natur mit den erhaltenen Resten der „Breiten Föhre“ mini|Waldmüller bis Schiele-Einblicke Foto A. Gießwein
Das Museum Niederösterreich (bis 2015 Landesmuseum Niederösterreich) ist ein Museum des Bundeslandes Niederösterreich in St. Pölten.
Bevor es im Jahr 2002 nach St. Pölten übersiedelte, hatte das Museum, das im Jahr 1902 vom Verein für Landeskunde gegründet wurde, einige Standorte in Wien. So war es von 1912 bis 1923 in der Wallnerstraße und von 1923 bis 1997 im Palais Mollard-Clary untergebracht. Durch die Entstehung der neuen Landeshauptstadt in St. Pölten wurde das Landesmuseum in den dortigen Kulturbezirk verlegt.
Geschichte Anfänge im 19. Jahrhundert Bereits in den 1820er- und 1830er-Jahren wollten die Landstände ein „niederösterreichisches Nationalmuseum“ ins Leben rufen. Die Beratungen schleppten sich dahin und kamen im Revolutionsjahr 1848 zum Stillstand. Erst am 5. Jänner 1886 wurde von dem Abgeordneten Josef Matzenauer im Landtag der Antrag zur Gründung eines Landesmuseums eingebracht wurde. Die Idee wurde verfolgt, scheiterte jedoch ein Jahr später daran, dass die herangezogenen Experten zu einer utopisch hohen Kostenschätzung gelangt waren. Abgesehen davon gab es viele Stimmen, die den Sinn und die Notwendigkeit eines weiteren Museums in Wien infrage stellten. Mangels einer zentralen, übergeordneten Institution entstanden in den folgenden Jahren überall in Niederösterreich Lokalmuseen. Die Propagierung eines solchen Museums in Baden unter dem Namen „Landesmuseum“ veranlasste den Verein für Landeskunde von Niederösterreich in seiner außerordentlichen Generalversammlung vom 12. November 1902, neuerlich Schritte für die Gründung eines „Niederösterreichischen Landesmuseums in Wien“ zu beschließen. Dieses sollte „der Veranschaulichung und Erforschung der Vergangenheit und Gegenwart des Landes in Natur und Kultur“ dienen. Am 2. Oktober 1903 wurde die Gründung durch Landtagsbeschluss festgelegt und das Landesarchiv und der Verein für Landeskunde von Niederösterreich wurden mit der Durchführung betraut. Die 1904 im Palais Caprara-Geymüller in der Wallnerstraße 8 zur Verfügung gestellten Museumsräume wurden bis Ende 1906 adaptiert und die Einrichtung, die „erstklassig und allen modernen Anforderungen entsprechend sein“ sollte, bis 1909 fertiggestellt. Um die Ausgestaltung des Museums machte sich der Archivar Anton Viktor von Felgel-Farnholz verdient.
Am 18. Dezember 1911 war es schließlich so weit, das Museum konnte von Erzherzog Leopold Salvator in Vertretung des Kaisers der Öffentlichkeit übergeben werden. Bald nach der Eröffnung wurde der Musealausschuss aufgelöst und in ein Kuratorium umgewandelt. Die Sammlungen wurden in das Eigentum des Landes übertragen und die Verwaltung des Museums dem Landesarchiv und der Bibliothek anvertraut. Landesarchivar Max Vancsa wurde der erste Direktor.Wolfgang Krug (Hrsg.): Landesmuseum Niederösterreich. 100 Jahre «festes» Haus (= Niederösterreichisches Landesmuseum: Katalog des Niederösterreichischen Landesmuseums. N. F., Bd. 500). Brandstätter, Wien 2012, ISBN 978-3-85033-631-4 (Sonderausstellung 100 Jahre Landesmuseum).
Das Museum als heimatkundliche Lehranstalt Das Niederösterreichische Landesmuseum soll der „Veranschaulichung und Erforschung der Vergangenheit und Gegenwart des Landes in Natur und Kultur“ dienen. Das Museum zeigte in fünf Sälen neben der Naturkunde auch Urkunden aus der Sammlung des Landesarchivs sowie Münzen und Medaillen. Im „Pompejanischen Salon“ wurden die „Historische und volkskundliche Abteilung“ präsentiert, in der prähistorische und römische Funde, volkskundliche Objekte, darunter Trachten und Zunftaltertümer, sowie topografische Ansichten aus der Landesbibliothek zu sehen waren. Der fünfte und letzte Saal beherbergte eine „Niederösterreichische Bauernstube“ und den „Poysdorfer Fund“.
Am 19. Juni 1918 konnte das Museum in erweiterter Form eröffnet werden. Neu waren der Naturkundebereich im Erdgeschoß sowie ein Raum im ersten Stock mit Exponaten zur Geschichte des Strafrechts in Österreich aus der Privatsammlung von Hans Liebl (1873–1950), der zu lebhaftem Besucherinteresse beitrug. Das Museum, das sich seit seiner Gründung als heimatkundliche Lehranstalt verstand, fand wegen seiner Präsentations- und Vermittlungsmethoden als „modernstes Institut“ viel Beachtung. Es erhielt regen Zulauf vor allem von Schulen, weil der Heimatkundeunterricht ein zentraler Bestandteil des Lehrplanes geworden war.
Der Verkauf des Palais Caprara-Geymüller durch die Landesregierung 1922 unterbrach die positive Entwicklung des Museums. Völlig unvorbereitet stand es plötzlich vor dem Ende.
Das neue Landesmuseum im Palais Mollard-Clary Durch die Unterstützung von Landeshauptmann Karl Buresch wurde dem Landesmuseum schließlich das Palais Mollard-Clary in der Herrengasse 9 als neuer Standort zugewiesen. Am 23. März 1923 schloss das Museum in der Wallnerstraße seine Pforten. Gleichzeitig mit der Übersiedlung begann die Adaptierung der neuen Ausstellungsräume. Im selben Jahr kam es unter Direktor Günther Schlesinger (1886–1945) zum Zusammenschluss von Landesmuseum, -archiv und -bibliothek unter dem Namen „Niederösterreichische Landessammlungen“. Die feierliche Wiedereröffnung des Museums fand am 15. Oktober 1924 statt. Der Umzug hatte auch etwas Positives gebracht, verfügte man doch nun über weitaus großzügigere Flächen. Bei der Neueinrichtung war Schlesinger bestrebt, den im Bereich der Naturkunde bereits in der Wallnerstraße realisierten Charakter eines modernen heimatkundlichen Lehrmuseums auch auf die kulturwissenschaftlichen Sammlungen zu übertragen. Er trat „nicht nur für eine ästhetische, sondern für eine raumgemäße, individuelle Darstellung, für die Schaffung verschieden wirkender Musealinterieurs, die im Gedächtnis des Besuchers dauernd haften bleiben“, ein. Im Erdgeschoß und im Stiegenaufgang wurde wieder ein Lapidarium mit Steinbildwerken eingerichtet, im ersten Stock die naturwissenschaftliche und im zweiten Stock die kulturwissenschaftliche Sammlung. Im Naturkundebereich wurde nun auch ein der Höhlenkunde gewidmeter Raum eingerichtet. In der mit barocken Wandmalereien ausgestalteten Galerie wurden 16 Aquarien und für die Besucher zwei Mikroskope zu Studienzwecken aufgestellt. Der Saal „Wald und Wild in Niederösterreich seit dem 18. Jahrhundert“ mit Leihgaben aus der Jagdsammlung von Hans Liebl bildete vorerst den Abschluss. Neu im kulturgeschichtlichen Bereich waren eine Robert-Hamerling-Gedächtnissammlung und ein Raum für kirchliche Kunst. 1927 kamen weitere Räume hinzu, unter anderem wurde das „Pompejanische Zimmer“ wieder eingebaut. Es gab in jeder Etage einen Raum für temporäre Ausstellungen und ab 1926 eine naturwissenschaftliche Lehrmittelstelle für Schulen.
Das Museum des Reichsgaues Niederdonau Trotz erfreulicher Besucherstatistiken entwickelte sich das Landesmuseum in den 1930er-Jahren zu einem starren Betrieb. Die Sammeltätigkeit war durch große Platznot eingeschränkt, wissenschaftliche Arbeit aufgrund der personellen Situation nahezu unmöglich. Nach dem „Anschluss“ im März 1938 sollte sich vieles ändern – auch für das Museum. Am 1. Oktober 1938 wurde die Institution in „Museum des Reichsgaues Niederdonau“ umbenannt. Ihr gehörten nun auch das „Burgenländische Landschaftsmuseum“ (ehemals Burgenländisches Landesmuseum) und das Haydnmuseum in Eisenstadt an, die nach der Auflösung des Bundeslandes Burgenland eingegliedert worden waren, sowie das Museum Carnuntinum in Bad Deutsch-Altenburg. Landesarchiv und Landesbibliothek wurden 1940 selbstständige Abteilungen. Nach Schlesingers Ernennung zum Leiter der neuen „Naturschutzstelle“ folgte ihm als Museumsdirektor der Prähistoriker Richard Pittioni nach. In seiner kurzen Amtszeit von 1940 bis 1942 setzte er eine Reihe von wesentlichen Verbesserungen für das Haus durch. Vor allem lenkte er das von Schlesinger bewusst als Lehrsammlung betriebene Institut wieder stärker in eine wissenschaftliche Richtung. Umfassende Adaptierungsarbeiten halfen, die Platznot zu lindern. Neben Depoträumen wurden neue Ausstellungsräume geschaffen. Während Pittionis kriegsbedingter Abwesenheit führte der Vorstand der für kulturelle Belange zuständigen Verwaltungsgruppe, Landesrat Leopold Pindur, die Amtsgeschäfte. Pittioni kehrte im September 1945 in seine Funktion zurück. Denn der Zweite Weltkrieg brachte für die Landessammlungen große Verluste sowie schwere Schäden am Palais in der Herrengasse.
Wiedererstehung und neue Blüte Die Wiederherstellungs- und Umbauarbeiten am Palais Mollard-Clary zogen sich über mehrere Jahre hin. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Museums, Lothar Machura (1909–1982) für die naturkundliche Abteilung, Franz Hampl (1915–1980) für die Archäologie und Rupert Feuchtmüller (1920–2010) für die Kulturgeschichte, nützten die Zeit, um ein Konzept für ein neues, zeitgemäßes Landesmuseum zu entwickeln. Man versuchte den bewährten Lehrmuseumscharakter des Hauses zu unterstreichen. Die inhaltliche Widmung der Geschoße blieb zwar bestehen, die einzelnen Themen wurden jedoch neu gereiht, sodass nun ein richtiger Ausstellungsrundgang entstand. Einige Räume waren hinzugekommen – und damit auch die Möglichkeit einer umfassenden Darstellung der Kunstentwicklung in Niederösterreich. Die Objekte wurden ästhetisch wirksam im Raum arrangiert, durch Texte erklärt und durch Karten, Modelle oder Fotografien illustriert. Ein wesentlicher Beitrag zum Eindruck der Geschlossenheit und zur inhaltlichen Ergänzung kam von künstlerischen Wandbildern, mit denen Maler wie Günther Baszel, Franz Deéd, Karl Dopler, Maximilian Florian, Hans Foitik oder Paul Meissner beauftragt worden waren.
Am 6. Dezember 1951 fand die feierliche Wiedereröffnung des Hauses im Beisein von Bundespräsident Theodor Körner und Landeshauptmann Johann Steinböck statt. Als modernes „Schulmuseum“ stieß die Institution wieder auf größtes Besucherinteresse. Der Erfolg des Museums ließ sich auch in Zahlen ausdrücken: „Hunderttausend Besucher in achtzehn Monaten bestätigen den guten Ruf, den das n. ö. Landesmuseum in Stadt und Land genießt“ (1953). Ein großer Bericht der UNESCO prägte den Titel „Lebendes Museum“ – auch wegen der Aquarien und Terrarien. Wechselnde Ausstellungen wurden ab 1953 in einem Raum im Erdgeschoß gezeigt, immer häufiger aber auch an Schauplätzen in ganz Niederösterreich. Die von Rupert Feuchtmüller kuratierte Barockausstellung in Melk 1960 sollte als erste Niederösterreichische Landesausstellung Maßstäbe setzen.
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