mini|hochkant=1.1|Kirche Magdeborn (1953) mini|hochkant=1.1|Die Magdeborner Siedlung um 1940 Magdeborn war ein Dorf südlich von Leipzig. Es lag im Kreis Leipzig-Land, Bezirk Leipzig. Es entstand in seiner letzten Form 1934 durch den Zusammenschluss von sieben Dörfern und erhielt seinen Namen nach dem nur aus Kirche, Pfarrhaus und Schule bestehenden Platz Magdeborn. Der Name Magdeborn rührt von einem Kastell Medeburu her (Ersterwähnung 969). Kirchlich gehörten die Dörfer von Anfang an zur Pfarrei Magdeborn. Um 1940 wurde der Ort um eine große Siedlung für die Beschäftigten der in Espenhain entstehenden Braunkohleindustrie erweitert. Zwischen 1977 und 1980 musste Magdeborn dem Braunkohlebergbau weichen, nachdem alle ca. 3200 Einwohner seit Ende der 1960er-Jahre umgesiedelt worden waren. Das ist die größte Zahl Einwohner im Leipziger Südraum, die wegen der Braunkohle ihre Gemeinde verlassen mussten. Die Fläche des Ortes gehörte ab dem 1. August 1980 zur Gemeinde Störmthal, welche seit 1996 nach Großpösna eingemeindet ist. Ein großer Teil der Fläche des ehemaligen Magdeborn wird jetzt vom Störmthaler See bedeckt.
Die Ortsteile mini|Magdeborn um 1800 mini|Die Magdeborner Kirche um 1840 mini|Das Rittergut Kötzschwitz um 1850 mini|Magdeborn 1907 mini|Tanzberg mit der Magdeborner Kirche von Osten (Aquarell) mini|Magdeborn um 1920 mini|Der Störmthaler See, der heute einen Großteil der ehemaligen Gemeindefläche einnimmt Göhren – als Gassendorf im Norden Magdeborns entstanden, zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Nordosten erweitert (Neu-Göhren), Gut mit Brauerei und Gasthof, Brausiedlung auf Gelände von Gut und Brauerei Sestewitz – eine um ein Vorwerk des Rittergutes Crostewitz entstandene Gutssiedlung im Nordwesten Magdeborns Dechwitz – aus einem Rundweiler entwickelte, vorwiegend bäuerliche Siedlung im Westen Magdeborns Kötzschwitz – einzeln stehendes Rittergut, später u. a. Gemeindeamt Gruna – als Runddorf entstanden im Süden Magdeborns Göltzschen – Gassendorf im Südosten Magdeborns mit nahezu rein bäuerlichem Charakter Tanzberg – Häuslerzeile in der Nähe der Kirche Magdeborn Siedlung – um 1940 als Bergarbeitersiedlung entstandener größter Ortsteil Magdeborns nordöstlich an Tanzberg anschließend
Die Namensentwicklung der Ortsteile von ihrer Erstnennung an:Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen
Göhren – (1322) Gören, Goren, Gorin, Jorin, Joren, Goren, Gehren, Göhren b. Leipzig Sestewitz – (1350) Sexwicz, Seßewicz, Sessewitz, Seschewitz, Sesswitz, Sesserwitz, Sestewitz Dechwitz – (1240) Techanuiz, Dechnewicz, Techinwicz, Techewicz, Tegewicz, Teichwitz, Dechwitz Kötzschwitz – (1442) Kotzscherwitz, Kotczewicz, Kotschwitz, Koetzschitz, Kötzschwitz Gruna – (1456) Grunaw, Grunaw, Grunau, Gruna, Grune, Gruhna (Gruna) Göltzschen – (1335) Kollynschen, Golycschen, Gollecschen, Goliczschenn, Koltzen, Goltschen, Gölczschenn, Göltzschen Tanzberg – (1463) der Tantzberg, Tanzberg Magdeborn – (969) Medeburu, Medeburun, Meydebur, Meydeburne, Meydeborne, Meideborn, Magdeborn
Der anfängliche Name von Magdeborn geht auf das sorbische Wort Med = Honig zurück. Erst die spätere Unkenntnis der sorbischen Sprache oder eine gewisse Germanisierungsabsicht führen zu der Interpretation Maid, Magd und Born.
Die Bevölkerungsentwicklung der Ortsteile und Magdeborns:
1834 1871 1890 1910 1925 Göhren 196 225 240 523 550 Sestewitz 116 110 142 134 147 Dechwitz 91 108 75 128 129 Kötzschwitz 19 10 Gruna 175 180 190 187 197 Göltzschen 158 198 199 161 145 Tanzberg 90 123 91 177 182 zusammen 845 954 937 1310 1350 Kötzschwitz ab etwa 1900 bei Tanzberg gezählt. 1933 1939 1946 1950 1964 1977 Magdeborn 1474 2002 3939 3992 3126 ca. 3200
Geographie Lage Magdeborn lag etwa 12 km südsüdöstlich Leipzigs im bzw. am breiten Tal der nach Nordwesten verlaufenden Gösel, eines Nebenflusses der Pleiße. Der Nordostrand des Tales stieg 20 bis 30 Meter über das Flussniveau an, was ein abwechslungsreiches Ortsbild und im Winter schöne Schlittenbahnen ergab (Krankenberg, Kaiserberg). Die Gösel selbst floss durch Wiesengelände, an dessen Rändern die Ortsteile lagen.
Die Nachbarorte von Magdeborn waren von Norden im Uhrzeigersinn: Auenhain (zu Wachau), Güldengossa (jetzt zu Großpösna), Störmthal (mit Rödgen, jetzt zu Großpösna), Dreiskau, Espenhain, Geschwitz (zu Rötha, 1951/52 abgebaggert), Rüben (1955/57 abgebaggert), Zehmen (1957/58 abgebaggert) und Cröbern (1982 abgebaggert).
In der jetzigen, nachbergbaulichen Gestaltung der Landschaft befinden sich die Bereiche der ehemaligen Ortsteile von Magdeborn an folgenden Stellen. Vom Störmthaler See überflutet sind Tanzberg mit der Siedlung, Kötzschwitz, Göltzschen und die östlichen Feldfluren von Magdeborn. Göhren und Sestewitz liegen unter der Ablagerungsfläche der Zentraldeponie Cröbern. Den Namen „Göhrener Insel“ trägt nun eine östlich davon gelegene Insel. Über dem Gebiet von Dechwitz stehen die Betriebsgebäude der Zentraldeponie Cröbern. Gruna wurde nicht überbaggert; dieses Gelände heißt jetzt Magdeborner Halbinsel. Eine 1907 in Gruna gepflanzte Kastanie hat den benachbarten Tagebau überstanden und wird nun als „Überlebenskastanie“ bezeichnet.
Gewässer Die Gösel erreichte von Dreiskau und Muckern kommend den Ortsbereich Magdeborn zwischen Gruna und Göltzschen, floss zwischen Tanzberg und Kötzschwitz, sowie zwischen Göhren und Dechwitz weiter und verließ die Magdeborner Flur in Sestewitz. Durch Abwässer der Karbochemie aus dem Braunkohlenwerk Espenhain war sie ab den 1940er-Jahren stark verunreinigt.
Bei Gruna mündete, von Osten kommend, die Schlumper. Diese entsprang im Oberholz und floss vorbei an Störmthal und Rödgen in einem Wiesental auf Göltzschen zu, das sie nördlich passierte.
Magdeborn besaß einst fünf Teiche in Göhren, Sestewitz, Dechwitz, Gruna und Göltzschen, von denen am Ende nur noch die letzten beiden existierten. Der Sestewitzer Teich wurde vom in Dechwitz abzweigenden Mühlgraben gespeist, war aber mit der Umstellung der Mühle auf Elektroantrieb zum Ende des Zweiten Weltkriegs bereits trockengelegt und als Kleingartenbereich genutzt.
Verkehr Magdeborn lag an bzw. nahe bei der mittelalterlichen Via Imperii, die von den Hansestädten an der Ostsee über Leipzig und Nürnberg bis nach Venedig führte. Im Süden Leipzigs verlief diese über Markkleeberg und Borna nach Altenburg. Dabei streifte sie zunächst nur die Magdeborner Flur, da sie von Cröbern vorbei an Zehmen und Rüben nach Rötha verlief. Mit der weiteren Nutzung als Poststraße wurde das überschwemmungsgefährdete Pleißetal gemieden und von Cröbern an über Sestewitz, Dechwitz, Gruna und Espenhain auf der so genannten Hohen Poststraße nach Borna gefahren. Gruna besaß sogar eine Poststation.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde auch das Göseltal verlassen, und die Anbindung bis Magdeborn erfolgte auf hoch gelegenem Terrain über Probstheida und Wachau. Diese Straße erreichte Magdeborn in Göhren. An ihr entstanden zahlreiche Einfamilienhäuser (Neu-Göhren). Das Göseltal wurde auf einem Damm nach Dechwitz überquert. Dieser Bogen über Dechwitz wurde in den 1930er-Jahren zwischen Tanzberg und Gruna begradigt. Damit ergab sich der Verlauf der nun als Reichsstraße, später Fernverkehrsstraße 95 bezeichneten Verbindung.
Über die F 95 bestanden Busverbindungen nach Leipzig und nach Borna mit Haltestellen am nördlichen Ortseingang (Bergstraße), in Magdeborn-Mitte und Gruna. Diese Buslinien wurden durch einen regen Werksverkehr zum Braunkohlenwerk Espenhain ergänzt. Magdeborn besaß keinen Eisenbahnanschluss.
Geschichte mini|Ersterwähnung Magdeborns in der Chronik Thietmars von Merseburg mini|Denkmal auf dem Wach(t)berge bei Göhren (Postkarte von 1898) mini|Gedenkstein vom ehemaligen Wachtberg bei Göhren – seit 1982 in Wachau
Der Ort Magdeborn entstand wahrscheinlich im 7. Jahrhundert als slawische Siedlung. Im Jahre 969 überließ Kaiser Otto I. dem Merseburger Bischof Boso das Kastell Medeburu im Gau Chutizi (Ersterwähnung). Damit wurde Magdeborn zu einem Zentrum in der Verbreitung des christlichen Glaubens, aber auch zu einem gewissen wirtschaftlichen Mittelpunkt für die umliegenden Dörfer (Ablieferung des Zehnten). Die Bischöfe von Merseburg waren über mehrere Jahrhunderte Lehnsherren von Magdeborn, wobei die Besitzer des Rittergutes Kötzschwitz jeweils mit Magdeborn belehnt wurden. Nickel und Hans von Zehmen erwarben 1420 vom Bischof von Merseburg das Rittergut Kötschwitz mit Magdeborn. 1435 wurden Hans, Conrad, Thyme von Zehmen in dem Merseburger Gesamtlehen des Ritterguts Kötschwitz mit Magdeborn genannt. Georg Oswald von Zehmen bzw. dessen Nachfahren verkauften 1654 oder 1655/1663 das Gut an Kapitänleutnant Christian von Seidel.
Die Dörfer, die 1934 Ortsteile von Magdeborn wurden, waren zunächst verschiedenen Rittergütern des Gebiets zugehörig, und zwar das Gut Kötzschwitz mit Magdeborn, dem Tanzberg und den Dörfern Gruna und Dechwitz zu Zehmen, Göhren und Sestewitz zu Crostewitz und Göltzschen zu Störmthal.Bernd Mühling: Die Magdeborner Dörfer und ihre Gutsbesitzer. In: Magdeborn, geliebt und unvergessen. Südraum-Verlag, Borna 2022, ISBN 978-3-937287-55-3, S. 28–40.
Bei der so genannten Leipziger Teilung Sachsens zwischen den Wettiner Brüdern Albrecht und Ernst im Jahr 1485 kam das Bistum Merseburg mit Magdeborn zu Meißen. 1539 erreichte die reformatorische Bewegung den Ort Magdeborn.
1682 gab es in den Dörfern um Magdeborn, besonders in Dechwitz, eine große Pestepidemie. 1756 brannte die Kirche durch Blitzschlag ab und konnte erst 1784 wieder errichtet werden. Im selben Jahrhundert erfuhr der Magdeborner Pfarrer mehrere Suspendierungen wegen „unbefugten Copulierens“, was in der Beschreibung der Kirchengeschichte von Magdeborn in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu Vergleichen mit den Geschehnissen in Gretna Green führte.Sachsens Kirchen-Galerie. Dresden 1837–1845, Band Inspectionen Leipzig und Grimma, S. 147.
In der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 war Magdeborn Aufstellungsgebiet der Verbündeten vor den Kämpfen am 14. und 16. Oktober, wobei die Zivilbevölkerung durch die Versorgung der Truppen entsprechende Lasten zu tragen hatte. Der König von Preußen Friedrich Wilhelm III. war in Gruna einquartiert. Er ritt täglich zu den Lagebesprechungen ins Schloss nach Rötha. Hier wohnten der russische Zar Alexander I. sowie der österreichische Kaiser Franz I. Diese drei Monarchen beobachteten am 16. Oktober vom Wachtberg nördlich von Göhren aus die Kämpfe bei Güldengossa. Prinz Eugen von Württemberg hatte die Nacht zuvor in Dechwitz verbracht. Ein schlichtes Denkmal auf dem Wachtberg erinnerte später an die Ereignisse. Es wurde 1982 nach Wachau in die Nähe der Kirchenruine umgesetzt. Am 8. März 1878 wurde in der Bergschänke zum Tanzberg der Männergesangsverein Magdeborn gegründet. 1912 erfolgte aus Mitteln der Erbschaft Ferdinand Josts der Umbau der Kirche zu ihrer letzten Form (Architekt Paul Lange), und das Pfarrhaus wurde neu errichtet.
Tanzberg mit der Kirche Magdeborn und dem Gut Kötzschwitz lagen wie die Dörfer Dechwitz, Göltzschen, Gruna, Göhren und das Vorwerk Sestewitz bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich sächsischen Kreisamt Leipzig.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 60 f. Ab 1856 gehörten die Orte zum Gerichtsamt Rötha und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig. 1929 wurde Sestewitz nach Göhren eingemeindet.