In einem Spiel, bei dem die Spielsituation durch die Anordnung (Stellung) von Steinen (oder anderen Elementen) dargestellt wird, wie beispielsweise Schach oder Go, versteht man unter Stellungswiederholung das zwei- oder mehrmalige Auftreten derselben Stellung im Partieverlauf, mit demselben Spieler am Zug. Das Auftreten einer Stellungswiederholung bedeutet, dass das Spiel einen Zyklus durchlaufen hat. Wenn nun kein Spieler sich entschließt, von diesem Zyklus abzuweichen (was wahrscheinlich ist, da sie die Züge des Zyklus jeweils als besten Zug eingeschätzt und deshalb gespielt haben), würde er endlos immer wieder durchlaufen werden. Darum gelten in solchen Spielen meist Regeln, die endlose Wiederholungen unterbinden. Die wichtigsten Möglichkeiten sind das Verbot von Stellungswiederholungen (z. B. durch die Ko-Regel beim Go) und die Beendung des Spiels mit einem Unentschieden, nachdem Stellungswiederholungen aufgetreten sind, wie beim Schach.
Die Stellungswiederholung in einer Schachpartie ist eine Situation, in der eine Stellung zum dritten Mal mit dem gleichen Spieler am Zug und mit den gleichen Zugmöglichkeiten auf dem Schachbrett erscheint. Auf Antrag des am Zug befindlichen Spielers endet die Partie dann Remis.
Die Zugwiederholung ist ein Spezialfall einer Stellungswiederholung. Falls beide Spieler jeweils eine Figur ziehen und sie im nächsten Zug wieder auf das vorhergehende Feld zurückziehen, dieses Zugpaar direkt anschließend wiederholen und noch die gleichen Zugmöglichkeiten haben, so liegt eine Zugwiederholung vor. Weil damit dreimal die gleiche Stellung entsteht, handelt es sich auch um eine Stellungswiederholung. Jedoch kann eine Stellungswiederholung auch durch eine andere Zugfolge entstehen und dies muss nicht zwingend im Abstand von jeweils zwei Zügen sein. Eine Stellungswiederholung liegt auch dann vor, wenn gleichartige Figuren, etwa zwei weiße Türme, ihre Plätze getauscht haben.
Beispielsweise führt ein Dauerschach in der Regel zu einer Stellungswiederholung – oft sogar zu einer Zugwiederholung –, sofern die Spieler die Partie nicht schon vorher Remis geben. Manchmal wird der Begriff Zugwiederholung fälschlich mit dem Begriff Stellungswiederholung gleichgesetzt.
Nach fünfmaliger Stellungswiederholung ist die Partie nach FIDE-Regel 9.6.1 ohne Antrag eines Spielers remis.
Genaue Definition In den Regeln des Weltschachbundes FIDE wird Remis durch Stellungswiederholung unter 9.2.1 und 9.2.2 folgendermaßen definiert:FIDE Laws of Chess taking effect from 1 January 2018 FIDE. Abgerufen am 26. August 2020.Übersetzung der FIDE Laws of Chess: Die FIDE – Schachregeln Deutscher Schachbund. Abgerufen am 26. August 2020.
Die Regel zur vierfachen Stellungswiederholung (eine Stellung tritt zum fünften Mal auf) ist unter 9.6.1 definiert:
Geschichte In einer Partie Gustav Richard Neumann gegen Wilhelm Steinitz 1870 kam neun Mal die gleiche Stellung aufs Brett. Dies hatte wegen fehlender Regelungen keine Auswirkungen auf den Fortgang der Partie. Daraufhin schlug Neumann vor, dass nach dreimaliger Stellungswiederholung auf Remis reklamiert werden dürfe. Dies wurde 1883 bei einem Turnier in London ausprobiert. Beim WM-Kampf Steinitz gegen Zukertort 1886 sollte nach sechsmaliger Stellungswiederholung Remis reklamiert werden können. Erst 1928 führte der Weltschachverband FIDE die heutige Regel zur Stellungswiederholung verbindlich ein.
Literatur David Hooper und Ken Whyld: The Oxford Companion to Chess. Oxford University Press, 2. Auflage 1992, ISBN 0-19-866164-9, S. 335.
Einzelnachweise Zeitschrift Schach, 2023/2, S. 42.
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