Breitkopf & Härtel ist ein Verlag in Wiesbaden mit einem Nebensitz in Leipzig. Er unterhält eine Abteilung für musikalische Werke sowie eine für wissenschaftliche Werke. Außerdem wurden zu ihm einige weitere Verlage eingegliedert.

Breitkopf & Härtel Leipzig 1719 bis 1945 Anfänge bis 1800

mini|Verlagsgebäude „Goldener Bär“ (links), um 1850 mini|Auf dem Gasthofschild des „Goldenen Bären“ basierendes Verlagssignet mit dem Gründungsjahr 1719 1524 erwarb der Buchdrucker Heinrich Eichbuchler das Haus an den Sperlingsbergen, in dem sich seitdem eine Druckerei befand.Eine verwirrende Tafel zum Gründungsort des Verlags mit dem Bären in Leipziger Zeitung vom 16. Oktober 2019 Text, mit Beschreibung des ersten Verlagsstandortes, der sich im südlichen Teil des Alten Neumarktes befand, die Verlängerung der Straße Sperlingsberge war die Stadtpfeiffergasse Am 24. Januar 1719 heiratete Bernhard Christoph Breitkopf die Witwe des Vorbesitzers Maria Sophie Müller. Am 20. Juni 1719 erhielt er das Bürgerrecht der Stadt Leipzig und das offizielle Gewerberecht.Breitkopf, Bernhard Christoph Carl Maria von Weber Gesamtausgabe Um 1723 gab er eine hebräische Bibel heraus, wahrscheinlich von Christian Reineccius. Dieses war der Beginn seines Verlages. Danach erschienen dort vor allem wissenschaftliche und theologische Literatur, sowie erste Werke des jungen Johann Christoph Gottsched, der auch zeitweise bei ihm wohnte.

1732 erwarb Bernhard Christoph Breitkopf den Gasthof „Goldener Bär“ am Neumarkt (jetzt Universitätsstraße). Er ließ ein neues Gebäude erbauen und richtete dort seine Druckerei und den Verlag ein. (Darauf geht der Bär als Wappentier im Verlagssignet zurück.)

1736 erschien „Schemellis Gesangbuch“, an dem auch Johann Sebastian Bach mitgewirkt hatte, als erstes musikalisches Werk. Die Liedersammlung „Singende Muse an der Pleiße“ von Sperontes (ab 1740) wurde später mehrmals aufgelegt.

1754 erfand sein Sohn Johann Gottlob Immanuel Breitkopf einfache bewegliche Lettern für Noten, die den Druck von Musikalien wesentlich vereinfachten. Seit 1756 konnten so Werke fast aller namhafter Komponisten des deutschsprachigen Raums in dieser Zeit (Bach-Söhne, Joseph Haydn, Leopold Mozart, Johann Joachim Quantz, Carl Stamitz, Georg Philipp Telemann und anderen) verlegt werden.

1762 wurde der Sohn Johann Gottlieb Immanuel Breitkopf Miteigentümer, das Unternehmen hieß seitdem Bernhard Christoph Breitkopf & Sohn. Seit diesem Jahr erschienen auch jährliche Verlagskataloge. Als der junge, noch unbekannte Johann Wolfgang Goethe 1765 nach Leipzig kam, hatte er Begegnungen mit dessen beiden Söhnen Bernhard Theodor (1749–nach 1810) und Christoph Gottlob Breitkopf (1750–1800). Ersterer vertonte einige seiner frühen Gedichte, sie wurden 1770 ohne Nennung des Dichters gedruckt.

1794 übernahm Christoph Gottlob Breitkopf die Verlagsleitung. Nach finanziellen Schwierigkeiten ging er 1795 mit Gottfried Christoph Härtel (1763–1827) eine Sozietät ein. Seit 1796 hieß der Verlag Breitkopf & Härtel. Seit 1798 erschien die erste langfristig erscheinende Musikzeitschrift Allgemeine musikalische Zeitung sowie die 16-bändige Ausgabe Œuvres complettes von Mozart, (in der neben Klavier- und Kammermusik sowie Liedern zahlreiche Erstdrucke enthalten waren). 1799 folgten die gesammelten Klavierwerke des damals noch lebenden Joseph Haydn.

1800 bis 1933

miniatur|Werke von Mozart 1800 übernahm Gottfried Christoph Härtel nach dem Tod von Christoph Gottlob Breitkopf alleine den Verlag. Bald danach begann er auch die Werke von Beethoven zu verlegen, damit waren alle wichtigen Vertreter der Wiener Klassik im Verlagsprogramm vertreten.

Von 1807 bis 1827 stellte das Unternehmen auch Pianofortes her, die von Klaviervirtuosen wie Clara Schumann und Franz Liszt sehr geschätzt wurden.

1832 übernahm Raymund Härtel (1810–1888), der jüngere Sohn Gottfried Christoph Härtels, den Verlag. In den Folgejahren verlegte er die Werke von Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Franz Liszt und Richard Wagner. 1833 begann der Verlag mit der Veröffentlichung der Klavierwerke Frédéric Chopins. Zwei Jahre später stieg Raymunds Bruder Hermann Härtel (1803–1875) in die Verlagsleitung ein. Robert Schumann machte den Verlag auf den 1853 noch unbekannten Johannes Brahms aufmerksam und engagierte sich in der Herausgabe der frühen Sonaten von Edvard Grieg.

1850 begann das „Halbjahrhundert der Gesamtausgaben“ nach der Gründung der Bach-Gesellschaft. 1851 lag der erste Band der Bach-Gesamtausgabe vor. Es folgten die Gesamtausgaben der Werke von Händel (1858–1902), Beethoven (1862–1865), Mendelssohn Bartholdy (1874–1877), Mozart (1877–1893), Schumann (1879–1893), Schubert (1884–1897), Berlioz (1900–1907) und anderen.

1867 zog Breitkopf und Härtel in das Gebäude in der Nürnberger Straße um. 1869 waren 109 Buchdrucker und 14 Notendrucker im Unternehmen tätig. Nach dem Tod von Hermann Härtel 1875 und dem Ausscheiden von Raymund Härtel 1880 übernahmen seine Neffen Wilhelm Volkmann und Oskar von Hase (1846–1921) die Verlagsleitung.

miniatur|Setzersaal, 1892

1877 wurde die Volksausgabe Breitkopf und Härtel eingeführt, aus der 1913 die Edition Breitkopf hervorging, die bis in die Gegenwart besteht. 1885 wurde Breitkopf & Härtels Chorbibliothek eingeführt, 1890 die Orchester-Bibliothek, 1893 die Partitur-Bibliothek und 1898 die Kammermusik-Bibliothek. Diese sind bis heute im Verlagsprogramm enthalten. Ab 1910 verlegte Breitkopf & Härtel Werke des Komponisten Jean Sibelius. Um 1913 umfasste das Personal fast 1000 Mitarbeiter.

1896 war Ludwig Volkmann (1870–1947) Teilhaber geworden. 1919 trat Hellmuth von Hase (1891–1979) als persönlich haftender Gesellschafter ein. Trotz der Inflation seit 1914 veröffentlichte der Verlag bis 1927 die 26-bändige Brahms-Gesamtausgabe.

In den 1920er und frühen 1930er Jahren ließen auch einige andere Verlage Bücher in der Druckerei von Breitkopf & Härtel herstellen, so der Insel Verlag Bände seiner Reihen Insel-Bücherei, Pandora sowie Bibliotheca Mundi und Libri Librorum und der Verlag Karl Baedeker eine größere Anzahl seiner Reiseführer.

1933 bis 1945

1935 trat mit Martin von Hase (1901–1971) der jüngste Bruder Hellmuth von Hases bei Breitkopf & Härtel ein. Er wurde 1936 zum Teilhaber.

1934 erschien bei Breitkopf & Härtel das Buch „Polizei greift ein“.Hans Roden: Polizei greift ein, Breitkopf & Härtel, Leipzig, 1934 Der damalige Reichsinnenminister Wilhelm Frick widmete in seinem Vorwort das Buch dem Andenken der „im Kampf gegen den Kommunismus und das übrige Verbrechertum gefallenen Polizeibeamten“, die als Nationalsozialisten gestorben seien und „ihre Treue zu Volk und Vaterland mit dem Tode besiegelt“ hätten. Frick schrieb: Das Buch möge „jungen Polizeibeamten ein Ansporn sein, es jenen gleichzutun, die das Wort vollendeten: Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müssen!“ Zwei Jahre später begann der Verlag mit der Veröffentlichung des „Jahrbuchs der deutschen Luftwaffe“, herausgegeben vom Reichsluftfahrtministerium. Die Jahrbücher erschienen in den Jahren von 1936 bis 1942.Jahrbuch der deutschen Luftwaffe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Beide Publikationen im Geiste des Nationalsozialismus waren kein Zufall, denn Verlagsleiter Hellmuth von Hase hatte sich den Machthabern schon frühzeitig angedient: Er war am 13. Mai 1933 anlässlich der Bücherverbrennung Mitunterzeichner einer Erklärung im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, in der zwölf vom NS-Regime und der NS-Propaganda verfemte Autoren als „schädigend“ eingestuft wurden – darunter Alfred Kerr, Heinrich Mann und Erich Maria Remarque.300 Jahre Breitkopf & Härtel (Weblink) 1939 verlegte Breitkopf & Härtel Richard Wagners antisemitische Schrift Das Judenthum in der Musik.Richard Wagner: Das Judentum in der Musik im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Über diesen Teil der Verlagsgeschichte erfährt man auf der Website des Verlags auch 2019 nichts, obwohl in dem Jahr das 300-jährige Bestehensiehe auch www.first-in-music.com groß gefeiert wurde. Ein Verlagsvertreter bekannte lediglich, die Zeit des Nationalsozialismus sei „in den einschlägigen historischen Publikationen bis dato eigentlich ein bisschen stiefmütterlich weggekommen“.

In der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1943 wurden die Verlagsgebäude in der Nürnberger Straße durch einen Luftangriff der Royal Air Force schwer beschädigt; Teile der Archivbestände blieben dank vorsorglicher Auslagerung erhalten. Sie befinden sich heute weitgehend als Depositum im Sächsischen Staatsarchiv – Staatsarchiv Leipzig.

Breitkopf & Härtel Leipzig 1946 bis 1991 mini|Teil des ehemaligen Verlagsgebäudes in der Nürnberger Straße (2018) Der Inhaber Hellmuth von Hase verließ im Juni 1945 Leipzig, kurz vor dem Abzug der US-amerikanischen Besatzungstruppen. Im Februar 1946 erhielt Breitkopf & Härtel eine neue Verlagslizenz in der Sowjetischen Besatzungszone. Geschäftsführer wurde der bisherige Prokurist Hans Völkel. Es erschienen wieder einige Noten, ab 1947 auch Bücher wie Hugo Riemanns Handbuch der Musikgeschichte und Albert Schweitzers Johann Sebastian Bach.Bettina Hinterthür, Noten nach Plan, Franz Steiner, Stuttgart, 2006 S. 90–92, mit einigen Angaben zur Verlagsgeschichte ab 1946

Im März 1951 zog auch Hans Völkel in den Westen. Danach wurde die weitere Verlagstätigkeit untersagt, es konnten nur noch Lagerbestände verkauft werden. Die Wiesbadener Verlagsleiter Hellmuth und Martin von Hase und ein weiterer Mitarbeiter wurden 1952 wegen angeblicher Wirtschaftsvergehen in Leipzig in Abwesenheit zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt und der Verlag entschädigungslos enteignet.Nwttina Hinterthür, Noten nach Plan, 2006, S. 185f. Im Oktober 1952 wurde er in den VEB Breitkopf & Härtel umgewandelt. Seit dieser Zeit waren die Papierzuteilungen wesentlich höher. 1958 wurden dieser und der VEB Friedrich Hofmeister Leipzig formal an den neuen Deutschen Verlag für Musik angegliedert, auch um international wieder Titel vertreiben zu können, die für Breitkopf & Härtel blockiert waren.

Es erschienen dort aber weiter zahlreiche Noten sowie musikwissenschaftliche Fachliteratur und musiknahe Belletristik. 1988 wurden 97 Titel verlegt, darunter 25 Neuausgaben und 72 Nachauflagen.Christoph Links: Das Schicksal der DDR-Verlage, 2. aktualisierte Auflage, Ch. Links, Berlin 2010 S. 115–119, mit Informationen zum Leipziger Verlag in dieser Zeit

1990 wurde Breitkopf & Härtel in eine GmbH umgewandelt. 1991 wurde er nach langen Verhandlungen an den Verlag Breitkopf & Härtel in Wiesbaden mit mehreren Grundstücken übertragen.

Breitkopf & Härtel Wiesbaden seit 1947 1945 siedelte Hellmuth von Hase mit seiner Familie und einigen Mitarbeitern nach Wiesbaden um. Am 19. November 1946 wurde Martin von Hase zum provisorischen Leiter des Verlages in Wiesbaden in Abwesenheit des Bruders. 1947 erhielt er vom „Military Government-Germany“ in Berlin die Lizenz Nr. US-W-2035 für eine Gründung von Breitkopf & Härtel in der Amerikanischen Besatzungszone (wie auch Musikverlag Robert Lienau).Archiv Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 1951 konnte sich der Verlag nach dem Verkauf wertvoller Handschriften, die vom Land Hessen erworben und in die Musiksammlung der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt eingegliedert wurden, konsolidieren.

1954 startete die Gesamtausgabe Regers, 1959 bis 1971 folgte die von Beethoven. 1953 stieg Gottfried Härtels Nachkomme Joachim Volkmann (* 1926) und 1962 Härtels Ururenkelin Lieselotte Sievers (1928–2025Charlotte Oswald: „VG Musikedition trauert um Lieselotte Sievers“ auf vg-musikedition.de vom 4. März 2025, abgerufen am 9. März 2025) in die Verlagsleitung auf.