Kōbe (, -shi) ist eine Großstadt in Japan auf der Insel Honshū. Die Stadt ist Sitz der Präfekturverwaltung von Hyōgo und hat einen der größten Seehäfen Japans. Die moderne, internationale Stadt bildet mit Osaka und Kyōto (Keihanshin) und kleineren Städten das Herz der Kansai-Gegend. Kōbe ist eine der ersten designierten Großstädte von 1956.
Geographie mini|links|Skyline von Kōbe
Geographische Lage Kōbe liegt auf der nördlichen Seite der Bucht von Ōsaka (siehe auch Seto-Inlandsee). Das Stadtgebiet wird durch den Rokkō-Bergrücken (Höhe bis 931 m) in ein dicht besiedeltes Band (ca. 40 km lang und 2–7 km breit) direkt an der Küste und einen eher ländlichen Teil im Norden (Stadtbezirke Kita-ku und Nishi-ku) mit sogenannten New Towns (Satellitenstädte) geteilt. Die Stadt geht nahtlos in die benachbarten Städte Akashi im Westen und Ashiya im Osten über und ist damit Teil des großen urbanen Kōbe-Osaka-Kyōto-Ballungsraumes. Aufgrund der natürlichen Barriere auf der Landseite der Stadt hat man, wie auch in den anderen an die Bucht angrenzenden Städten, schon vor langer Zeit begonnen, durch künstliche Aufschüttungen dem Meer Land abzugewinnen. Beispiele hierfür sind die künstlichen Inseln Port Island, Rokkō Island sowie der neue Flughafen von Kōbe.
Mehrere kleine Flüsse durchqueren das Stadtgebiet von Kōbe auf ihrem Weg vom Rokkō zum Meer. Größere natürliche Süßwasserflächen sind nicht vorhanden, in den Bergen aber kann man einige Stauseen finden. Der größte davon ist der Tsukuhara-ko im Bezirk Nishi-ku.
Geologie Vor der Ostküste Japans treffen drei Kontinentalplatten (Eurasische Platte, Philippinische Platte und Pazifische Platte) aufeinander. Wie in ganz Japan gibt es auch in der Gegend von Kobe mehrere seismisch aktive Verwerfungen.
Bereits am 22. Mai 1925 erschütterten mehrere heftige Erdstöße die Region. Das Zentrum des Bebens lag allerdings bei dem Fischerdorf Toyo-oka, das vollkommen zerstört wurde und rund 5000 Menschen in den Tod riss.Der lächelnde Tod. Erdbeben in Kobe. In: Vossische Zeitung. 25. Juni 1925, Morgen-Ausgabe, S. 5. Nach etwa 70 Jahren relativer Ruhe im zentralen Gebiet von Kinki ereignete sich am 17. Januar 1995 um 5:46 Uhr Ortszeit ein Erdbeben der Stärke 7,2 der Richterskala (Mj7,3 auf der neuen JMA-Magnituden-Skala). Dadurch kam es zu Erschütterungen mit einer maximalen Intensität von 7 auf der in Japan weit verbreiteten JMA-Skala. Das Epizentrum lag nahe der Stadt in der Akashi-Meerenge, so dass der Abstand der Pfeiler der damals im Bau befindlichen Akashi-Kaikyō-Brücke durch das Beben um fast einen Meter vergrößert wurde. Infolge des Bebens starben 6.433 Menschen, 43.792 wurden verletzt und 300.000 wurden obdachlos. Weite Flächen der Stadt wurden zerstört. Die Schäden waren die bisher größten bei einem Erdbeben (nach Schätzungen ca. 100 Milliarden €), auch die Hanshin-Autobahn, eine damals als erdbebensicher geltende Autobahn, brach zusammen. Weil das Beben neben der Stadt Kōbe auch die Hanshin-Region betraf, wird es auch das große Hanshin-Erdbeben (beziehungsweise das Hanshin-Awaji-Erdbeben) genannt.
Stadtgliederung Kōbe gliedert sich als designierte Großstadt in neun Stadtbezirke:
Nr. Code mitPrüfziffer Name Fläche (in km²) Bevölkerung Bev.-dichte(Ew./km²) lat. jp. 01.10.2015Ergebnisse der Volkszählung 2015 nach e-stat (englisch), abgerufen am 1. Januar 2019. 9 28101-8Higashinada-ku東灘区 213.6346279,66 8 28102-6Nada-ku灘区 136.0884166,81 6 28105-1Hyōgo-ku兵庫区 106.9567285,83 5 28106-9Nagata-ku長田区 97.9128619,01 4 28107-7Suma-ku須磨区 162.4685615,90 3 28108-5Tarumi-kuDer nördliche Stadtbezirk Nishi wurde am 1. August 1982 vom Stadtbezirk Tarumi abgespalten.垂水区 219.4747807,68 2 28109-3Kita-ku(„Bezirk Nord“)北区 219.805914,75 7 28110-7Chūō-kuDer zentrale Stadtbezirk Chūō wurde am 1. Dezember 1980 aus den beiden (aufgelösten) Stadtbezirken Fukiaki (1980: 63.516 Ew.) und Ikuta (51.813 Ew.) gebildet.(„Bezirk Mitte“) 中央区 135.1534665,27 1 28111-5Nishi-ku(„Bezirk West“)西区 245.7821780,90 28100-1 Kōbe-shi(„Stadt Kōbe“) 神戸市 1.537.2722759,81
Anmerkungen:
Klima mini|Klimadiagramm von Kobe
Kōbe liegt in der subtropischen Klimazone mit vollhumidem Klima. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei ca. 16 Grad Celsius. Die wärmsten Monate sind der Juli und August mit einer Durchschnittstemperatur von etwa 27 Grad Celsius. Die kältesten Monate sind Januar und Februar mit fünf Grad Celsius im Mittel.
Die mittlere Jahresniederschlagsmenge beträgt ca. 1.316 Millimeter. Der meiste Niederschlag fällt in der Regenzeit im Juni (durchschnittlich 218 mm) und im September (durchschnittlich 170 mm), der wenigste dagegen im Dezember mit nur 38 Millimeter im Mittel. Im September beginnt die Taifunsaison, die für die spätsommerlichen Starkniederschläge verantwortlich ist.
Die relativ hohe Luftfeuchtigkeit (im Mittel 68 Prozent) macht vor allem im Sommer ziemlich zu schaffen. Von Juni bis September liegt die durchschnittliche relative Feuchte zwischen 70 und 80 Prozent.
Geschichte Es wird vermutet, dass sich der Name Kōbe vom gleich geschriebenen Kambe ableitet. Kambe waren bestimmte Familien, die ihre gesamten Steuern einem bestimmten Schrein entrichten mussten – hier dem Ikuta-Schrein.Otto Refardt: Die Deutschen in Kobe (Alt-Kobe). In: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Natur und Völkerkunde Ostasiens. Band 39, Teil A, 1956, S. 18. Diese Kambe-Ansiedlung Kambe-mura soll dann im Laufe der Zeit als Kōbe-mura ausgesprochen worden sein.
Der Hafen von Kōbe hat sich durch seine gute Lage schon früh entwickelt. In der Nara-Zeit (710–784 n. Chr.) legten am Owada no Tomari Handelsschiffe aus China und anderen Ländern an. Schon seit die Hauptstadt für kurze Zeit von Heian-kyō nach Fukuhara-kyō im heutigen Hyōgo-ku verlegt worden war, wurden hier vermehrt militärische Konflikte (vor allem zwischen den Heike und den Genji) ausgetragen, so z. B. die Schlacht von Ichi-no-Tani im Jahre 1184.
Später entwickelte sich der Hafen weiter zu einem der wichtigsten in Japan. Es wird erzählt, dass der berühmte Reichseiniger Toyotomi Hideyoshi oft hierher kam, um die heißen Quellen des Arima Onsen zu besuchen.
In der Edo-Zeit (1603–1867) wurde der heutige Bezirk Nada-ku bekannt für seine Sake-Brauereien. Noch heute kommt der größte Teil der japanischen Sake-Produktion von dort.
mini|Karte des nach dem Vertrag von Kanagawa eingerichteten Ausländerviertels mini|Das 1870 eröffnete Oriental Hotel in der US-europäischen Konzession um 1882
Als sich Japan unter dem Druck Amerikas in der Meiji-Restauration der Welt öffnete, fiel 1868 der Startschuss für die Entwicklung Kōbes zu einer internationalen Hafenstadt. Viele Amerikaner und Europäer kamen nach Kōbe und etablierten sich im heutigen Kyū kyoryū-chi (ehemalige ausländische Siedlung) in der Nähe des Hafens und in Kitano. Durch die vielen Händler kamen so westliche Waren und westliche Kultur nach Japan. Kōbe gilt als der Geburtsort des Kinos und des Jazz in Japan. 1899 wurden die exterritorialen Rechte der europäischen Kolonialmächte aus den ungleichen Verträgen und das Ausländerviertel als solches abgeschafft.
In Kōbe leben heute (2005) ca. 44.500 Ausländer aus mehr als 115 Nationen, das sind knapp 3 % der Bevölkerung (davon mehr als 50 % Koreaner).
Bei der Einrichtung der Präfekturen in der Meiji-Restauration wurde die spätere Stadt 1868 Sitz der Präfekturverwaltung von Hyōgo, das sich bei der Konsolidierung der Präfekturen in den Folgejahren auf fünf Provinzen ausdehnte. Bei der Reaktivierung und Neuordnung der Kreise in Hyōgo wurden 1879 der Hafen Hyōgo (), die Stadt Kōbe () und das Dorf Sakamoto () aus dem Landkreis Yatabe (später Muko) zum Stadtkreis Kōbe (, Kōbe-ku) zusammengelegt. Aus diesem und zwei weiteren Dörfern entstand am 1. April 1889 mit der Einführung des modernen japanischen Gemeindewesens die heutige kreisfreie Stadt Kōbe (Kōbe-shi). 1922 wurde Kōbe eine der „sechs Großstädte“, 1956 Großstadt durch Regierungserlass mit ausgeweiteter Selbstverwaltung. 1931 wurde das damalige Stadtgebiet in acht Verwaltungsbezirke unterteilt, nach vielen Eingemeindungen (1941, 1947, 1950, 1951, 1955, 1958) und mehreren Neugliederungen (1945, 1946, 1973, 1980, 1982) sind es seit 1982 neun Bezirke.Stadtarchiv Kōbe (, Kōbe-shi monjokan): Zeittafel zur Geschichte, , In: city.kobe.lg.jp, (japanisch).
Die Universität von Kōbe wurde 1902 gegründet.
Im Zuge des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt zwischen Februar 1945 und August 1945 mehrfach durch die United States Army Air Forces (USAAF) mit Napalmbomben bombardiert. Die Angriffe zerstörten rund 57 % des Stadtgebietes und forderten knapp 6.300 Tote und 15.800 Verletzte. Durch die Angriffe wurden 18,6–22,8 km² der Stadt niedergebrannt und 452.059 Personen wurden obdachlos (siehe Luftangriffe auf Kōbe).
Nach dem großen Hanshin-Erdbeben 1995 mussten viele Gebäude neu errichtet werden, was dazu führte, dass Kōbe heute in den meisten Stadtvierteln einen modernen Anblick bietet. Der Hafen, der bis zum Erdbeben der größte in Asien und der zweitgrößte in der Welt war, verlor seinen Rang an Nagoya, da viele Firmen durch das Erdbeben zu anderen Häfen ausweichen mussten und nur teilweise zurückkehrten.
Politik
Seit 2013 ist der ehemalige Vizebürgermeister Kizō Hisamoto Bürgermeister von Kōbe. Er wurde 2025 mit Unterstützung von LDP, KDP, DVP und Kōmeitō und über 61 % der stimmen gegen den ehemaligen Stadtrat Daisuke Gotō und zwei weitere Kandidaten für eine vierte Amtszeit wiedergewählt.
Der Stadtrat (Kōbe-shikai)Stadt Kōbe: Stadtrat (japanisch). hat seit 2023 regulär 65 Mitglieder, die in den Stadtbezirken durch nicht übertragbare Einzelstimmgebung gewählt werden. Bei der letzten Wahl im April 2023 blieb die Liberaldemokratische Partei (LDP) mit 17 Sitzen stärkste Partei, die Ishin no Kai wurde mit 15 Sitzen zweitstärkste Kraft.
Ins 86-köpfige Präfekturparlament von Hyōgo wählen die Stadtbezirke von Kōbe als Zwei- oder Dreimandatswahlkreise zusammen 23 Abgeordnete.
Für das nationale Unterhaus liegt Kōbe in den Wahlkreisen Hyōgo 1 bis 4; letzterer liegt zu großen Teilen außerhalb der Stadt, die anderen drei ganz in Kōbe. Bei der Unterhauswahl 2026 ging der Wahlkreis 2 an die Ishin no Kai, die anderen drei an die LDP.
Stadtsymbol rahmenlos|rechts
Das Stadtsymbol von Kōbe – zwei sich überschneidende Halbkreise – symbolisieren die fächerartige Form der zwei Häfen Kōbe und Hyōgo. Das Symbol leitet sich außerdem vom japanischen Zeichen (Katakana) ab, welches im früheren Namen vorkam. Es wurde 1907 eingeführt und ist heute vielerorts sichtbar.
Städtepartnerschaften Seattle, USA – seit 1957 Marseille, Frankreich – seit 1961 Rio de Janeiro, Brasilien – seit 1969 Tianjin, China – seit 1973 Riga, Lettland – seit 1974 Brisbane, Australien – seit 1985 Philadelphia, USA – seit 1986 Barcelona, Spanien – seit 1993
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|„Wetterhahnhaus“ (, kazamidori no yakata) des deutschen Architekten Georg de Lalande in Kitano
Obwohl Kōbe keine typische Touristenstadt ist, gibt es einiges zu sehen. Das Kobe-Stadtmuseum besitzt u. a. eine bedeutende Sammlung westlicher Kunst aus der Zeit des Handels der christlichen Missionierung um 1600. Bekannt ist Kōbe für die Arima Onsen, seine ehemaligen Ausländersiedlungen (, kyū kyoryūchi), Kitano und die Chinatown Nankin-machi (dt. „Nanking-Viertel“), den Sake-Distrikt in Nada und das Hafengebiet mit seinen Attraktionen. Weiterhin bietet das Rokkō-Gebirge mit fast 1000 Meter Höhe vielfältige Wandermöglichkeiten mit spektakulären Aussichten auf die gesamte Region. Im Hafengebiet von Hyōgo findet sich der Kōbe Daibutsu (große Buddha-Statue) und der historische Wanderpfad „Straße des Hafens Hyōgo“ (Hyōgo-tsu no Michi). Weiter im Westen in Suma gibt es Sandstrände und die berühmte Akashi-Kaikyō-Brücke.
Museen DRI – Museum für Naturkatastrophen Zentrum für Bodendenkmäler Kōbe () Hashi no Kagakukan („Brückenmuseum“) Ausländerklub in Kitano () Wissenschaftsmuseum mit Planetarium Kōbe Kōbe Water Science Museum ()