Friesoythe // (plattdeutsch: Aithe) ist eine Stadt und eine selbständige Gemeinde an der Soeste im Landkreis Cloppenburg in Niedersachsen und gehört zum Oldenburger Münsterland. Friesoythe ist das nördlichste Mittelzentrum und die flächengrößte Kommune im Oldenburger Münsterland. Die Stadt ist seit 2004 Mitglied des Ringes der Europäischen Schmiedestädte und hat sich daher den Beinamen Eisenstadt gegeben.

Geographie Geographische Lage Das Stadtgebiet liegt überwiegend in der östlichen Hunte-Leda-Moorniederung; zwei Ortsteile sind allerdings Teil des Hümmling.

Stadtgliederung Friesoythe ist in folgende Ortschaften und Ortsteile gegliedert:

Ortschaften

Altenoythe (63 km², 4.594 Einw.) Friesoythe (86 km², 10.593 Einw.) Gehlenberg (21 km², 1.720 Einw.) Kampe/Kamperfehn (1.309 Einw.) Markhausen (41 km², 2.234 Einw.) Neuscharrel (15 km², 990 Einw.) Neuvrees (21 km², 1.067 Einw.) Thüle (1082 Einw.) Ortsteile: Ahrensdorf (204 Einw.) Altenoythe (2.536 Einw.) Augustendorf (211 Einw.) Edewechterdamm (897 Einw.) Ellerbrock (311 Einw.) Friesoythe (9.955 Einw.) Gehlenberg mit Neulorup (1.720 Einw.) Heinfelde (62 Einw.) Hohefelde (895 Einw.) Ikenbrügge (19 Einw.) Kampe (723 Einw.) Kamperfehn (567 Einw.) Markhausen (1.513 Einw.) Mehrenkamp (120 Einw.) Mittelstenthüle (843 Einw.) Neumarkhausen (199 Einw.) Neuscharrel (990 Einw.) Neuvrees (1.067 Einw.) Schwaneburg (65 Einw.) Schwaneburgermoor (453 Einw.) Thülsfelde (101 Einw.) Vorderstenthüle (138 Einw.) Einwohnerzahlen (Stand 31. Dezember 2025)

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Stadtgebiet von Friesoythe gehört hydrologisch zum Flusssystem der Ems.

Zu den bedeutendsten Oberflächengewässern im Gebiet der Stadt Friesoythe zählen die Soeste, die Marka sowie die Sagter Ems.

Ein weiteres zentrales Gewässer ist die Marka, ein rund 28 Kilometer langer rechter Quellfluss der Sagter Ems.

Von besonderer Bedeutung ist das Naturschutzgebiet Schwaneburger Moor, das 1985 unter Schutz gestellt wurde (NSG WE 159). Das Gebiet besitzt als Hochmoorrest eine wichtige Funktion als Lebensraum für spezialisierte Pflanzen- und Tiergemeinschaften sowie für Amphibien, Reptilien und moortypische Vogelarten.

Nördlich daran schließt das Schwaneburger Moor-Nord an, das seit 1987 als eigenständiges Naturschutzgebiet (NSG WE 184) ausgewiesen ist. Es umfasst rund 137 Hektar und ergänzt den Schutz der verbliebenen Moorflächen im Bereich des ehemaligen Ostermoores.

Ein weiteres bedeutendes Feuchtgebiet ist das teilweise auf Friesoyther Gebiet liegende Vehnemoor-West, das sich über Friesoythe und Bösel erstreckt. Das Naturschutzgebiet (NSG WE 207) ist rund 300 Hektar groß,

Im südöstlichen Stadtgebiet reicht zudem das FFH-Gebiet „Heiden und Moore an der Talsperre Thülsfeld“ bis an Friesoythe heran.

Neben diesen Schutzgebieten bestehen im Soestetal und im Markatal (NSG WE 296) zahlreiche Niedermoor-, Nasswiesen- und Feuchtgrünlandbereiche, die für den Wasserhaushalt und den Artenreichtum des Stadtgebietes von großer Bedeutung sind.

Untergrundverhältnisse Friesoythe liegt im Naturraum der Ostfriesisch-Oldenburgischen Geest innerhalb des Norddeutschen Tieflands. Das Stadtgebiet wird überwiegend von pleistozänen Sanden und glazifluvialen Ablagerungen geprägt, die während der Saale-Kaltzeit entstanden. Typisch sind sandige Geestböden mit geringer Reliefenergie sowie lokal ausgeprägte Niederungs- und Moorbereiche.

Geomorphologisch gehört Friesoythe zur Oldenburger Geest, die durch flachwellige Geestplatten, Talsandflächen und vermoorte Senken gekennzeichnet ist. Die höher gelegenen Geestflächen bestehen überwiegend aus nährstoffarmen Sanden und Geschiebedecksanden, während in den tiefer gelegenen Bereichen Niedermoor- und Hochmoorbildungen vorkommen. Diese Landschaftsstruktur prägt besonders die Randbereiche des Stadtgebiets in Richtung des Saterlands und der angrenzenden Moorgebiete.

Die Böden im Raum Friesoythe bestehen vorwiegend aus Podsolen und podsolierten Sandböden; in den Niederungen treten organische Moorböden und anmoorige Substrate auf. Aufgrund der wasserdurchlässigen Sandkörper besitzt die Geestlandschaft eine vergleichsweise hohe Grundwasserneubildung. Landwirtschaftlich werden die Geestflächen überwiegend als Acker- und Grünland genutzt; Moorstandorte wurden historisch entwässert und kultiviert.

Friesoythe liegt hydrogeologisch innerhalb des nordwestdeutschen Lockergesteinsbereichs der Norddeutschen Tiefebene. Der Untergrund wird überwiegend aus quartären Sanden, Kiesen sowie lokal aus Geschiebemergel, Schluff und Moorablagerungen aufgebaut. Diese Sedimente bilden überwiegend Porengrundwasserleiter, die für die regionale Grundwasserführung von Bedeutung sind.

Der erste Grundwasserleiter (oberflächennaher Grundwasserleiter) ist im Gebiet von Friesoythe großflächig in den pleistozänen Fein- bis Mittelsanden der Geest entwickelt und befindet sich im Allgemeinen in einer Tiefe von 1–25 m. Die Grundwasseroberfläche liegt – abhängig von Geländehöhe, Jahreszeit und Entfernung zu Vorflutern wie Soeste, Marka oder Sagter Ems – häufig bereits wenige Meter unter Geländeoberkante. In Niederungs- und Moorgebieten kann sie oberflächennah anstehen. Die Grundwasserneubildung erfolgt überwiegend durch die Versickerung von Niederschlagswasser auf den durchlässigen Geeststandorten.

Unterhalb gering durchlässiger Zwischenlagen aus Geschiebemergel, schluffigen oder tonigen Sedimenten folgt lokal ein zweiter Grundwasserleiter, der hydraulisch teilweise vom oberen Grundwasserstockwerk getrennt ist. Dieser tiefere Aquifer besteht ebenfalls überwiegend aus sandig-kiesigen Ablagerungen quartären Alters. Er besitzt aufgrund seiner Mächtigkeit und vergleichsweise geschützten Lagerung eine besondere Bedeutung für die öffentliche Trinkwasserversorgung und Wasserwirtschaft in der Region. Die Mächtigkeit sowie Tiefenlage variieren innerhalb des Stadtgebietes abhängig vom glazialen Schichtenaufbau deutlich und sind im Allgemeinen in einer Tiefe von 25–40 m, in Einzelfällen in einer Tiefe bis zum 100 m.

Hydrogeologisch ist Friesoythe Teil eines Grundwasserneubildungsraums der Geest. Das Grundwasser strömt überwiegend den Niederungen der Soeste und ihrer Nebengewässer zu, die als natürliche Vorfluter wirken und den Gebietswasserhaushalt wesentlich beeinflussen. Moorgebiete im Norden und Westen des Stadtgebiets stehen dabei in engem Austausch mit dem oberflächennahen Grundwasser.https://www.lbeg.niedersachsen.de/startseite/boden_grundwasser/grundwasser/grundwasserdynamik/grundwasserdynamik-499.html

Geschichte mini|Bronzenes Stadtmodell von Friesoythe im 15. Jahrhundert 1227 machte Graf Otto von Tecklenburg die kurz zuvor erbaute Burg Oite in Friesoythe zu seiner Residenz. Schnell siedelten sich in der Nähe der Burg Landwirte, Kaufleute und Handwerker an. Bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hatte Friesoythe weitreichende Handelsbeziehungen, wie der Münzfund von Friesoythe beweist, dessen über 300 Silbermünzen aus Köln, Münster, Osnabrück und anderen Städten nur bis 1235 im Umlauf waren.Friesoyther Münzfund Stadt Friesoythe; PDF-Datei, abgerufen am 1. August 2019 Der heutige Stadtkern wurde bald von einer massiven Stadtmauer umgeben und galt lange als uneinnehmbar. 1308 wurde Friesoythe erstmals urkundlich als Stadt erwähnt. Friesoythe wird gelegentlich als „Hansestadt“ bezeichnet und soll Privilegien der Hanse genossen haben.Aus der Geschichte. Stadt Friesoythe; abgerufen am 21. Februar 2018 Es war lange ungeklärt, ob Friesoythe tatsächlich der Hanse angehört hat. Durch einen Fund der Zahlungsaufforderung der Hanse an die Stadt Friesoythe konnte allerdings bewiesen werden, dass Friesoythe tatsächlich eine Hansestadt war.

Aufgrund von zahlreichen Raubzügen des Grafen Nikolaus II. von Tecklenburg stellten die Bischöfe von Münster und Osnabrück ein Heer auf, um die Burgen des Tecklenburger zu zerstören. Am 21. März 1394 eroberten sie die Burg Oite und machten sie dem Erdboden gleich.

Im Jahr 1400 musste Graf Nikolaus II. Friesoythe an den Bischof von Münster abtreten. Es gehörte seitdem bis 1802, ebenso wie das Saterland, zum Niederstift Münster und blieb katholisch geprägt.

Die Saterländer Flussschiffer sahen die benachbarte Handelsstadt bisweilen als Konkurrenten. Noch 1845 legten sie nach Johann Friedrich Minssen (M3:170) den Friesoythern ungastfreundliche Äußerungen in den Mund: „hárne jî vat ê’rder káumen, den hárne jî vat mítte géiten“ (Wären Sie etwas eher gekommen, hätten Sie etwas mitgegessen); während seine Frau Gerlinda Augusta Minssen, geborene von Traunstein, von dem Ausspruch: „ick wull jau woll’n Tâss Tei anbeiern, mán wî motte sporre“ zu berichten wusste („Ich würde Ihnen gern eine Tasse Tee anbieten, aber wir müssen sparen“).

1803 fiel Friesoythe wie der gesamte östliche Teil des Niederstifts Münster durch den Reichsdeputationshauptschluss an das Herzogtum Oldenburg. 1810–1813/14 war die Stadt Teil des Französischen Kaiserreiches. Friesoythe wurde jetzt vom Amt Cloppenburg, zu dem es seit dem 13. Jahrhundert gehört hatte, abgetrennt und Sitz eines oldenburgischen Amtes, 1858 erhielt Friesoythe auch ein Amtsgericht. 1933 wurde das Amt Friesoythe durch das oldenburgische „Gesetz zur Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung“ vom 27. April 1933 gegen den Widerstand der Bevölkerung aufgehoben und wieder in den Amtsbezirk Cloppenburg eingegliedert. Zur Begründung verwies man darauf, Friesoythe sei als selbständiges Amt wirtschaftlich und finanziell nicht lebensfähig.

Zweiter Weltkrieg

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das bis dahin weitgehend unzerstörte Friesoythe am 14. April 1945 durch die einrückenden kanadischen Truppen auf Befehl des Kommandanten der 4. Kanadischen Panzerdivision, Generalmajor Christopher Vokes,Vgl. englische Wikipedia: :en:Christopher Vokes hin nach Vertreibung der Wohnbevölkerung systematisch niedergebrannt und dann planiert, wobei bis zu 90 % des mittelalterlichen Ortes zerstört wurden. Hintergrund ist, dass der Kommandeur eines Bataillons des Infanterieregiments The Argyll and Sutherland Highlanders of Canada, Oberstleutnant Frederick E. Wigle, erschossen wurde. Fälschlich war anfangs die Vermutung, dass dies durch deutsche „Werwölfe“ geschah, während er in Wirklichkeit einem Feuergefecht mit regulären deutschen Soldaten zum Opfer fiel.

Nachkriegszeit Nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 war das nördliche Emsland mitsamt Friesoythe bis 1948 Teil der polnischen Besatzungszone,Karl Forster: Haren – Lwów – Maczków – Haren. Eine polnische Stadt in Deutschland (; Karl Forster ist Chefredakteur der Zeitschrift „Polen und Wir“, der Deutsch-Polnischen Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland).Margareta Bloom-Schinnerl: , Deutschlandfunk, 3. Mai 2016 (PDF-Datei) die ein Sondergebiet innerhalb der britischen Besatzungszone war. Der Ortsteil Neuvrees wurde geräumt, damit polnische Displaced Person dort zwischen Juni 1945 und Dezember 1946 untergebracht werden konnten. Die Ortschaft wurde in Kacperkowo umbenannt und die polnische Bevölkerung richtete die heute noch existierende sogenannte „Polenkirche“ ein.

Übertriebene Moralvorstellungen waren im Sommer 1959 Gegenstand ausführlicher Recherchen im Schwimmbad von Friesoythe durch Redakteure des Spiegel.

Das Amtsgericht Friesoythe wurde 1974 aufgelöst, seitdem gehört Friesoythe zum Bezirk des Amtsgerichts Cloppenburg.

2008 feierte Friesoythe das 700-jährige Jubiläum zur Stadterhebung. Im Zuge der Feierlichkeiten stand von April bis September ein 1:1-Modell des historischen, im Zweiten Weltkrieg zerstörten Friesoyther Stadttores am Originalplatz in der Innenstadt. Ebenfalls zum 700-jährigen Jubiläum zur Stadterhebung wurde 2008 die Friedensglocke im Stadtpark eingeweiht. Stadt Friesoythe Bei der Glocke handelt es sich um die restaurierte „Katharinenglocke“ aus dem Jahr 1478, die der Stadt von der katholischen Kirchengemeinde St. Marien zur Verfügung gestellt wurde.