zentriert|350px|Atomium Das zur Expo '58 errichtete Atomium wird zum Wahrzeichen Brüssels. zentriert|135px|Papst Johannes XXIII. Angelo Giuseppe Roncalli wird zum Papst gewählt und nimmt den Namen Johannes XXIII. an. zentriert|160px|Charles de Gaulle Charles de Gaulle wird erster Präsident der Fünften Französischen Republik.
1958 erlebt die Weltwirtschaft ihre erste Rezession der Nachkriegszeit. Die Bundesrepublik, mitten im Wirtschaftswunder, ist davon nur gering betroffen (BIP 469,2 Mrd. Euro, in Preisen von 1995, zu 449,2 im Vorjahr = +4,45 %). (PDF, 7 S.) In Nordamerika (= USA und Kanada) sowie Südamerika ist sie dagegen spürbar. 1958 (oder 1957) gilt als das Jahr, in dem in Westdeutschland eine lange Krise der Montanindustrie (Kohlekrise (= „Zechensterben“) und Krise in der Stahlindustrie) begann. Im Ruhrgebiet, mit über 10 Millionen Einwohnern die größte Agglomeration Deutschlands, werden diese Krisen besonders sichtbar (Näheres hier).
Weltweit erstarkt die Bewegung für die atomare Abrüstung. Die britische Campaign for Nuclear Disarmament gibt der Bewegung mit dem Friedenssymbol ihr Logo, und ihr Aldermaston March wird zum Vorbild für die Ostermärsche. In Deutschland entsteht parallel die Bewegung Kampf dem Atomtod.
In der Kubanischen Revolution gehen die Rebellen in die Offensive und sind zum Jahreswechsel schließlich siegreich in der Schlacht von Santa Clara.
In Frankreich folgt nach zahlreichen inneren Krisen, insbesondere dem Algerienkrieg, die Fünfte Französische Republik auf die Vierte. Das neue politische System wird entscheidend geprägt durch Charles de Gaulle, den ersten Präsidenten (1958–1969). De Gaulle hatte bereits 1946 in seiner Rede von Bayeux seine Vorstellungen eines Regierungssystems mit einem starken, von der Legislative unabhängigen Präsidenten dargelegt, in bewusster Abgrenzung zum politischen System der IV. Republik mit einer schwachen Exekutive. Besondere Vollmachten im Verfassungsgesetz vom 3. Juni 1958, einschließlich der Ausarbeitung einer neuen Verfassung, ermöglichten es de Gaulle, diese Vorstellungen in der Verfassung der V. Republik zu verwirklichen.
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Januar 1. Januar: Thomas Holenstein wird Bundespräsident der Schweiz. 1. Januar: Die Römischen Verträge zur Gründung der EWG treten in Kraft; Gründung der Europäischen Investitionsbank. 1. Januar: Das katholische Bistum Essen wird gegründet. 2. Januar: In Flensburg wird die deutsche Verkehrssünderkartei eingerichtet 2. Januar: In Berlin beginnt das Bundeskartellamt mit seiner Arbeit. 13. Januar: Übergabe der von Otto Hahn, Bertrand Russell, Albert Schweitzer und 9.000 Wissenschaftlern unterzeichneten Pauling-Petition an UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld; Forderung eines internationalen Abkommens über die sofortige Einstellung der Atomversuche. 23. Januar: Nach einem 2-tägigen Generalstreik wird in Venezuela der Diktator Marcos Pérez Jiménez gestürzt.
Februar 1. Februar: Ägypten und Syrien schließen sich zur Vereinigten Arabischen Republik zusammen. 3. Februar: Belgien, Niederlande und Luxemburg schließen den Benelux-Vertrag zur Errichtung einer Wirtschaftsgemeinschaft. 5. Februar: Nach einem Zusammenstoß mit einem North American F-86-Jagdflugzeug in der Luft muss die Crew eines beschädigten Boeing B-47-Bombers eine Wasserstoffbombe ohne nuklearen Zünder vor der Küste Georgias abwerfen. Die Tybee-Bombe bleibt ungeborgen. 6. Februar: Willy Brandt, Regierender Bürgermeister von Berlin fliegt für 14 Tage in die USA, nimmt die Ehrendoktorwürde der Universität Pennsylvania entgegen und trifft danach den amerikanischen Präsidenten Eisenhower. 8. Februar: Französische Kampfflugzeuge bombardieren das tunesische Dorf Sakhiet Sidi Youssef, nachdem französische Flugzeuge in Grenznähe beschossen worden waren. 79 Menschen, ausschließlich Zivilisten, sterben bei dem Angriff. 14. Februar: Die beiden Königreiche Jordanien und Irak schließen sich kurzzeitig zur Arabischen Föderation zusammen. 14. Februar: Herrenreiter-Fall, Entscheidung des Bundesgerichtshofes in Deutschland 17. Februar: Der polnische Außenminister Adam Rapacki macht Vorschläge für eine Atomwaffenfreie Zone in Mitteleuropa (Rapacki-Plan). Er will ein Verbot von Raketenbasen und die Errichtung eines wirksamen Kontrollsystems. 21. Februar: Der im Ausland lebende Otto von Habsburg, der älteste Sohn von Kaiser Karl I., erklärt seinen Verzicht auf Ansprüche gegenüber der Republik Österreich und Treue zu ihrer Verfassung. Er bewirkt damit innenpolitische Querelen um eine mögliche Einreise, die sich auch nach einer offiziell zu Protokoll gegebenen Verzichtserklärung vom 31. Mai 1961 aufgrund des Habsburger-Gesetzes noch nicht legen. 23. Februar: Arturo Frondizi wird neuer argentinischer Präsident.
März 15. März: Das Militärgeschichtliche Institut der DDR wird gegründet. 19. März: Das Europäische Parlament tritt als parlamentarische Versammlung der neu gegründeten Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Ihm gehören 142 Abgeordnete aus den nationalen Parlamenten Belgiens, Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Luxemburgs und der Niederlande an. 27. März: In Moskau tritt Nikolai Bulganin das Amt des Ministerpräsidenten an Nikita Chruschtschow ab. 30. März: Otto Hahn begrüßt den Entschluss des Obersten Sowjets der UdSSR, Kernwaffenversuche einseitig einzustellen. Die ihm am 5. Mai angetragene Ehrenmitgliedschaft in der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften lehnt er hingegen ab.
April 4. April: Aufnahme der Deutsch-Nepalesischen diplomatischen Beziehungen. 6. April: Der persische Schah, Mohammad Reza Pahlavi, lässt sich von seiner Frau Soraya wegen Kinderlosigkeit scheiden. 11. April: Ghana wird Mitglied in der UNESCO. 14. April: Tunesien wird Mitglied in der Weltbank und im IWF. 15. April: In Stuttgart ereignet sich mit der Entführung von Joachim Göhner das erste Kidnapping in der Bundesrepublik Deutschland. Der Täter erdrosselt den Siebenjährigen, fordert jedoch vom Vater Lösegeld. 28. April: Mit dem Ulmer Einsatzgruppen-Prozess beginnt die juristische Aufarbeitung des Holocaust in Deutschland gegen Mitglieder von SS-Einsatzgruppen in Osteuropa während des Zweiten Weltkriegs.
Mai 9. Mai: Im Libanon beginnt ein fünfmonatiger Bürgerkrieg zwischen Befürwortern einer prowestlichen und einer proarabischen Politik. 13. Mai: Putsch von Algier (Algerien). Staatsstreich französischer Militärs gegen das neugebildete Kabinett Pflimlin unter Premierminister Pierre Pflimlin. General Jacques Massu wird zum Präsidenten eines „Wohlfahrtsausschusses“ ausgerufen. 24. Mai: Opération Résurrection: ein in Calvi (Korsika) stationiertes Fallschirmjägerbataillon besetzt die Bürgermeisterämter in Ajaccio und Bastia (beide auf Korsika) 28. Mai: Die Lebensmittelkarten in der DDR werden abgeschafft. 30. Mai: Otto Hahn rät zum Abbau aller Uranspaltungsreaktoren im Interesse des Friedens und plädiert für die Entwicklung von Fusionsreaktoren.
Juni 1. Juni: Charles de Gaulle wird Ministerpräsident Frankreichs mit weitreichenden Notstandsmachtbefugnissen für sechs Monate, unter Suspension des Parlaments und mit dem Recht, den Entwurf zu einer neuen Verfassung auszuarbeiten. 7. Juni: Hubschrauber-Zwischenfall von 1958: Ein mit neun Soldaten der US-Armee besetzter Hubschrauber fliegt in den Luftraum der DDR ein und muss bei Frankenberg notlanden. Die Soldaten werden interniert und am 19. Juli 1958 wieder freigelassen. 16. Juni: Die Führer des Ungarischen Volksaufstands, unter ihnen der frühere Ministerpräsident Imre Nagy, der frühere Verteidigungsminister Pál Maléter und der Journalist Miklós Gimes, werden nach einem Schauprozess in einem Budapester Gefängnis hingerichtet. 16. Juni: Malaysia wird Mitglied in der UNESCO. 26. Juni: das Schiff Omega, der letzte Rahsegler auf Frachtfahrt weltweit, schlägt vor der peruanischen Küste leck und sinkt.
Juli 1. Juli: In der Bundesrepublik Deutschland tritt das Gleichstellungsgesetz in Kraft, wonach Frauen fortan einen Beruf auch ohne die Zustimmung des Ehemannes ausüben dürfen. 14. Juli: Im Irak putscht die Armee unter dem Obristen Abd al-Karim Qasim. Der 23 Jahre alte König Faisal II. wird dabei getötet. 15. Juli: 5.000 US-Marineinfanteristen gehen im Libanon an Land. 16. Juli: Erster Sekretär Walter Ulbricht verkündet auf dem fünften Parteitag der SED die Zehn Gebote der sozialistischen Moral und Ethik. 17. Juli: Britische Fallschirmjägertruppen landen in Jordanien, um die Macht König Husseins zu stabilisieren. 26. Juli: Die letzten sowjetischen Truppen ziehen aus Rumänien ab, das sich während des Ungarnaufstands als zuverlässig erwiesen hatte. 30. Juli: Das angerufene Bundesverfassungsgericht hält eine beabsichtigte Volksbefragung über die Aufstellung von Kernwaffen unter NATO-Oberbefehl im deutschen Bundesgebiet für verfassungswidrig. Die von einem breiten Bündnis getragene Bewegung Kampf dem Atomtod gibt daraufhin ihre Kampagne auf.
August 23. August: Abkommen auf dem Gebiet der Rechts- und Amtshilfe zwischen Luxemburg und der Bundesrepublik Deutschland mini|Taiwankonflikt um die Quemoy- und Matsu-Inseln 23. August: Im Taiwan-Konflikt bricht die zweite Quemoy-Krise aus. Die chinesische Volksbefreiungsarmee beginnt erneut mit einem Bombardement der dem Festland vorgelagerten und von Republik China kontrollierten Inseln Quemoy und Matsu, das 44 Tage währen wird. 23. August: In den Vereinigten Staaten entsteht nach mehreren schweren Kollisionen im Flugverkehr die Luftfahrtbehörde Federal Aviation Agency. 28. August: Belgien gibt, wie am 24. September 1956 im deutsch-belgischen Grenzvertrag () vereinbart, einige Gebiete an die Bundesrepublik zurück.
September 2. September: Hendrik Frensch Verwoerd wird Ministerpräsident von Südafrika und etabliert in seiner Amtszeit wichtige Gesetze der Apartheid. 14. September: Der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer trifft Charles de Gaulle in dessen Heimatort Colombey-les-deux-Eglises. 28. September: In einer Volksabstimmung billigt Frankreich den politischen Umbau zur sogenannten Fünften Republik.
Oktober 1. Oktober: Tunesien und Marokko treten der Arabischen Liga bei. 1. Oktober: Im Rahmen der Ableistung seines Wehrdienstes trifft der Rock-’n’-Roll-Sänger Elvis Presley bei der stationierten US-Armee in der Bundesrepublik Deutschland ein. 2. Oktober: Guinea erlangt seine Unabhängigkeit von Frankreich. Ahmed Sékou Touré wird Staatspräsident. 4. Oktober: Frankreich gibt sich eine neue Verfassung (Fünfte Französische Republik). 16. Oktober: Albanien wird Mitglied in der UNESCO. 27. Oktober: General Muhammad Ayub Khan verhängt den Belagerungszustand über Pakistan und errichtet eine Militärdiktatur. 28. Oktober: Clement Attlee, Edgar Faure, Otto Hahn und Tetsu Katayama u. a. unterzeichnen in New York das Abkommen, eine Versammlung zur Ausarbeitung einer Weltverfassung einzuberufen.
November 10. November: In einer Rede im Moskauer Sportpalast verlangt der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow eine Änderung des Potsdamer Abkommens. Er deutet das Übertragen sowjetischer Befugnisse aus alliierter Zeit auf die DDR an. Die Berlin-Krise zieht herauf. 18. November: Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Norwegen 23. November: Die westafrikanischen Staaten Ghana und Guinea bilden die Ghana-Guinea-Union. Die marxistisch orientierte Organisation besteht bis zu ihrem Zerfall im Jahr 1962. 27. November: Die Sowjetunion richtet sich mit dem Berlin-Ultimatum an die Westmächte. 30. November: Französisch-Äquatorialafrika wird aufgelöst. Es entstehen dafür die vier Länder Republik Kongo, Gabun, Tschad und Zentralafrikanische Republik, die im Jahr 1960 unabhängig werden.
Dezember 4. Dezember: Dahomey (später Benin), wird autonome Republik. 9. Dezember: In Indianapolis wird die John Birch Society gegründet, deren politisches Denken von Verschwörungstheorien geprägt ist.