Das 15. Jahrhundert begann am 1. Januar 1401 und endete am 31. Dezember 1500. Die Weltbevölkerung zu Beginn dieses Jahrhunderts wird auf 350 bis 374 Millionen Menschen geschätzt, während die Schätzungen für das Jahrhundertende zwischen 425 und 540 Millionen Menschen liegen.United States Census Bureau: Schätzungen der historischen Weltbevölkerung (englisch) Die europäischen Gesellschaften wurden immer differenzierter und wandelten sich. Die Renaissance und der Humanismus Italiens propagierten ein gewandeltes Menschenbild, bei dem der Mensch als Individuum im Zentrum stand. Die aufstrebende Geldwirtschaft und immer differenzierte Wirtschaftsstrukturen prägten die Ökonomie in den zahlreichen europäischen Reichen. Der damit einhergehende Bedeutungsverlust der Naturalwirtschaft und die Weiterentwicklung der Waffentechnik trugen zum Niedergang des Rittertums bei. Mit der Entdeckung der Seewege nach Amerika und Indien am Ende des Jahrhunderts läuteten Spanien und Portugal die europäische Expansion nach Übersee ein. Auch das Fürstentum Moskau und das Osmanische Reich am Rande Europas begannen ihre Expansion oder führten sie fort. Dem Wunsch vieler Gläubiger nach Wandel und Reform kam die römisch-katholische Kirche nicht entgegen.

Nach ihren großen maritimen Expeditionen zu Beginn des Jahrhunderts wandte sich das Ming-China in der zweiten Jahrhunderthälfte nach innen und zog sich hinter die von ihm errichtete Große Mauer zurück. Mit der Errichtung der Verbotenen Stadt bekam China mit Peking eine neue Hauptstadt. China und Korea wurden von einer starken Zentralmacht geprägt, hingegen zersplitterte die Macht in Japan nach dem Ōnin-Krieg in zahlreiche Feudalherrschaften, in denen die Samurai-Kultur gepflegt wurde. In Südostasien breiteten sich Buddhismus und Islam aus.

Auf dem amerikanischen Kontinent stiegen die Reiche der Inka und Azteken zu großen Regionalmächten auf. Sie errichteten große Städte, wie Tenochtitlán, und eine komplexe Infrastruktur zur Verwaltung ihrer Reiche. Handel und Tribute ermöglichten der Herrscherklasse ein luxuriöses Leben.

Europa mini|Europa um 1470 Im europäischen Kontext ist das 15. Jahrhundert ein Jahrhundert der Epochengrenzen. Ein Teil wird dem Spätmittelalter zugerechnet, der folgende Abschnitt der frühen Neuzeit. Abhängig von ihrem Untersuchungsfokus legen die Historiker die Grenze zwischen diesen beiden Epochen in die Mitte oder das Ende des Jahrhunderts. Ferner begann in Italien die Kulturepoche der Renaissance, die sich im 16. Jahrhundert auf große Teile Europas ausdehnte. Europa war in zahlreiche christlich geprägte Herrschaftsbereiche unterschiedlicher Größe und Struktur geteilt. Die größeren Territorien waren zentralistische Königreiche, wie England, Frankreich, Burgund, Spanien und Portugal. Das Heilige Römische Reich erstreckte sich in der Mitte Europas. In Mittel- und Osteuropa hatte die Polnisch-Litauischen Union eine starke Stellung, während das Großherzogtum Moskau seine Machtstellung in Osteuropa ausbaute. Südosteuropa wurde zunehmend von den muslimischen Osmanen geprägt, die in Europa über eine überwiegend christliche Bevölkerung herrschten.

Zentraleuropa Der größte Teil Zentraleuropas war Teil des Heiligen Römischen Reiches. Die Gebiete südlich der Alpen und einige Gebiete im Westen wurden nur noch formal als ein Teil des Reiches angesehen. Das Reich war faktisch ein Verbund zahlreicher weltlicher und geistlicher Fürstentümer, kleiner Herrschaftsgebiete und Städte. Diese Reichsstände hatten einen hohen Grad an Autonomie, der jedoch im Einzelfall sehr unterschiedlich ausgeprägt war. Bedingt durch die Struktur des Reiches und ihre geringe Hausmacht hatten die Könige im Reich nur eine sehr geringe Durchsetzungskraft. Insbesondere in der ersten Jahrhunderthälfte gelang es ihnen kaum, zwischen den unterschiedlichen Interessen des Reiches zu vermitteln. Im ganzen Reich führten die Reichsstände zahlreiche Kriege miteinander. Die stetigen Bemühungen um eine Reichsreform trugen erst im letzten Jahrzehnt Früchte. Der vereinbarte ewige Landfriede konnte die Auseinandersetzungen, wenn auch mit einiger Verzögerung verringern. Ferner wurden Institutionen wie der Reichstag und das Reichsgericht vereinbart, die einen Ordnungsrahmen für das Reich schafften. Dennoch behielten die Reichsstände ihre hohe Autonomie.

Mit der Krönung Albrechts II. im Jahr 1438 zum römisch-deutschen König lösten die Habsburger die Luxemburger als Königsdynastie ab. Ab dem Jahr 1452 stellten die Habsburger und die Habsburg-Lothringer mit einer Ausnahme die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches bis zu dessen Ende im Jahr 1806. Gleichzeitig begann ihr Aufstieg zu einer der Großmächte Europas, die die folgenden Jahrhunderte prägten.

Wie in ganz Europa so nahmen auch in Zentraleuropa die nationalistischen Tendenzen zu. Der Name des Heiligen Römischen Reiches wurde nördlich der Alpen zunehmend um den Zusatz der deutschen Nation ergänzt. Obwohl sie formal noch Teil des Reiches war, agierte die Schweizer Eidgenossenschaft, die ihr Territorium um das Tessin erweiterte, weitgehend unabhängig von diesem. Auch in Böhmen und Mähren erreichte die hussitische Bewegung eine weitgehende Unabhängigkeit vom Reich. Der Versuch König Sigismunds, die Kontrolle über die ehemalige böhmische Hausmacht seiner Dynastie wiederzuerlangen und seine Glaubensvorstellungen in den beiden Reichsteilen zu etablieren, scheiterte mit seinen Niederlagen in den Hussitenkriegen. Neben den religiösen Anliegen förderten die Hussiten die Stellung der tschechischen Bevölkerung. Die Auseinandersetzungen zwischen der deutschsprachigen meist höhergestellten Minderheit und der tschechischen Mehrheit erreichten einen Höhepunkt mit dem Auszug der deutschsprachigen Professoren und Studenten aus der Prager Universität.

West- und Südeuropa mini|Jeanne d’Arc (Miniaturmalerei eines unbekannten Malers, zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts) Zu Beginn des Jahrhunderts war der Hundertjährige Krieg, den die Franzosen und Engländer um die französische Königskrone seit dem vorherigen Jahrhundert ausfochten, zu Ruhe gekommen. Nachdem Heinrich V. die englische Krone von seinem schwachen Vorgänger übernommen hatte, nahm er die Eroberung Frankreichs wieder auf. Der englische Sieg in der Schlacht von Azincourt war der Auftakt einer großen Eroberungswelle Nordfrankreichs, der der schwache französische König wenig entgegensetzen konnte. Begünstigt wurde der englische Siegeszug durch ihre Allianz mit den Burgundern. Deren Herzöge waren Verwandte und formal die wichtigsten Vasallen des französischen Königs. Aufgrund ihrer Differenzen mit dem französischen Königshaus unterstützten sie die Engländer zuerst passiv und dann auch aktiv. Im Jahr 1429 wurden die Engländer durch den Tod Heinrichs V. geschwächt. Gleichzeitig stärkte Jeanne d’Arc, ein französisches Bauernmädchen, die Stellung der französischen Krone und motivierte die französischen Truppen mit ihren religiösen Visionen. Ab diesem Zeitpunkt eroberten die Franzosen die von den Engländern besetzten Gebiete zurück. Der französische Siegeszug wurde durch den Seitenwechsel der Burgunder zu den Franzosen im Jahr 1435 gestärkt.

Das Herzogtum Burgund, das zuvor Flandern und Brabant erworben hatte, scheiterte in den 1470er Jahren mit dem Versuch, sein Territorium durch Kriege auszudehnen. Durch einen Ehevertrag erwarben die Habsburger das Herzogtum Burgund. Nach heftigen Auseinandersetzungen mit den französischen Königen erhielten die Habsburger Flandern und Brabant, während die französischen Könige einen großen Teil der anderen Gebiete Burgunds bekamen. Die Habsburger Expansion an der Grenze Frankreichs war eine Wurzel der französisch-habsburgischen Konflikte, die die europäische Politik der nachfolgenden Jahrhunderte maßgeblich beeinflusste. Die Machtstellung der französischen Könige wurde durch den Erwerb der Provence gestärkt.

In England brachen nach dem verlorenen Hundertjährigen Krieg Thronstreitigkeiten aus, die zwischen den Adelshäusern Lancaster und York sowie ihren Verbündeten militärisch ausgefochten wurden. Die aufgrund der Wappen der Kriegsparteien Rosenkriege genannten Auseinandersetzungen endeten mit der Inthronisation des ersten Königs der Tudor-Dynastie, von der sich beide Kriegsparteien repräsentiert sahen. Hatte zu Beginn des Jahrhunderts das englische Parlament eine sehr starke Stellung gegenüber dem König, so gewann der Monarch bis zum Ende des Jahrhunderts signifikant mehr Macht.

Im 14. Jahrhundert waren Neapel und Mailand die großen Regionalmächte auf der Italienischen Halbinsel. Ihre Bedeutung ging zu Beginn des Jahrhunderts durch die Schwäche der Herrscherhäuser und militärische Niederlagen gegen Florenz und Venedig zurück. So bestimmten von der Mitte des Jahrhunderts fünf Hauptmächte Mailand, Venedig, Florenz, der Kirchenstaat und Neapel die Verhältnisse auf der Halbinsel. In den meisten Städten Norditaliens, die zuvor rein republikanisch organisiert waren, errang jeweils eine Familie die Vorherrschaft. Neben dem Einsatz von Gewalt festigten sie ihre Vormachtstellung, indem sie mit repräsentativen Bauten und Kunst ihre Macht zur Schau stellten. Zu Beginn des Jahrhunderts waren die Päpste durch das Große Abendländische Schisma und ihre Auseinandersetzung mit der konziliaren Bewegung in der Kirche geschwächt. Nachdem sie in der ersten Jahrhunderthälfte diese Schwäche überwunden hatten, legten sie einen starken Schwerpunkt ihrer Amtsführung auf die Machterhaltung im und die Machterweiterung des Kirchenstaates. Ihre Mittel Gewalt, Nepotismus und Prachtdarstellung unterschieden sich nicht von denen der anderen Herrscher Italiens. Insbesondere in der zweiten Jahrhunderthälfte herrschte zwischen den italienischen Mächten ein Gleichgewicht. Das Jahrhundert relativer italienischer Unabhängigkeit endete für mehrere Jahrhunderte im Jahr 1494 mit dem Einmarsch der Franzosen. mini|Nachbau der Schiffe des Kolumbus Die Iberische Halbinsel dominierten die Königreiche Portugal, Kastilien und Aragon. Da Portugal es nicht für günstig hielt, auf der Iberischen Halbinsel zu expandieren, richtete es seinen Expansionsdrang auf Afrika. Für diesen Weg erwarb es durch einen Vertrag mit Kastilien die exklusiven Rechte. Im Laufe des Jahrhunderts fuhren portugiesische Schiffe immer weiter an der westafrikanischen Küste nach Süden und errichteten dort Handelsposten. Die Entdeckung des Seeweges nach Indien durch den Portugiesen Vasco da Gama am Ende des Jahrhunderts begründete endgültig den Status Portugals als Welthandelsmacht des 16. Jahrhunderts.

Das im Nordosten der Halbinsel gelegene Königreich Aragon dominierte im 15. Jahrhundert das westliche Mittelmeer, wobei ihm seine Herrschaft über die italienischen Inseln Sizilien und Sardinien sowie die vorübergehende Herrschaft über das Königreich Neapel half. In Kastilien, das in der Mitte der Halbinsel lag, setzten sich die Könige im Laufe des Jahrhunderts gegen den Adel durch. Die Hochzeit zwischen der kastilischen Königin Isabella und Ferdinand von Aragon im Jahr 1469 führte schließlich zur Vereinigung der Reiche und legte die Grundlagen für den spanischen Staat. Beide Regenten eroberten 1492 die letzte muslimische Exklave auf der Iberischen Halbinsel, Granada, und vollendeten somit die Reconquista. Im Wettlauf mit Portugal um die Entdeckung des Seeweges nach Indien, förderten sie die Seereisen von Christoph Kolumbus, der zunächst den Spaniern und dann allen Europäern den Seeweg zu den amerikanischen Kontinenten bekannt machte.

In allen iberischen Reichen verfestigte sich die Verbindung von Staat und katholischer Kirche. Die spanische Kirche baute einen gebildeten und einsatzbereiten Klerus auf. Ferner wurde die Inquisition, die sich vor allem gegen Juden und ehemalige Muslime richtete, verstärkt. Der Titel „Katholische Könige“, den der Papst den spanischen Königen verlieh, zeigte eine starke Vermischung von politischen und religiösen Auftrag der Regenten.

Ost- und Südosteuropa mini|Schlacht bei Tannenberg