Mauerkirchen ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) in Oberösterreich im Bezirk Braunau.
Geografie Mauerkirchen liegt im Mattigtal, direkt östlich der namensgebenden Mattig, zwischen der Bezirkshauptstadt Braunau am Inn und der jungen Stadt Mattighofen im Innviertel. Durchflossen wird die auf etwa 407 Meter Höhe liegende Ortschaft vom Florianer Brunnbach (auch Mauerkirchner Brunnbach), einem rechten Nebenfluss der Mattig. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 2,5 Kilometer, von West nach Ost 2,3 Kilometer und die Gesamtfläche 3,1 Quadratkilometer. 3,3 % der Fläche sind bewaldet, 63,3 % der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende drei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Biburg () Mauerkirchen () Spitzenberg () Bis 2025 war Unterbrunning auch noch als Ortschaft ausgewiesen.
Die Gemeinde besteht aus zwei Katastralgemeinden (Fläche Stand ): Mauerkirchen () Spitzenberg ()
Mit Wirkung vom 1. Jänner 2005 wurden das Bezirksgericht Mauerkirchen aufgelassen und die Gemeinde dem Gerichtsbezirk Braunau am Inn zugewiesen. Das ehemalige Bezirksgericht Mauerkirchen, Obermarkt 13, ist direkt im Zentrum von Mauerkirchen gelegen und ein dreigeschoßiges, teilunterkellertes Gebäude; im Erdgeschoß ist die Österreichische Post AG eingemietet.Statistik Austria: Änderungen von Gerichtsbezirken, 26. März 2008 (PDF)
Nachbargemeinden
Geschichte Schon in der Steinzeit, vor etwa 7000 Jahren, war das Mattigtal besiedelt. Auch aus der darauffolgenden Bronzezeit wurden in der Nachbarsgemeinde Funde gemacht. Zur Zeit der Römer, sie besetzten im Jahr 15 v. Chr. den Alpenraum, verlief durch das Mattigtal eine Nebenstraße. Diese berührte wohl auch Mauerkirchen, worauf ein Münzfund bei Friedhofsverlegung 1842 hindeutet. Obwohl die Frühzeit des Marktes Mauerkirchen im Dunkeln liegt, wird die Ortsbezeichnung „Romaniberg“ mit den Römern in Verbindung gebracht und der im Jahre 757 genannte Ort „Proun“ auf Mauerkirchen bezogen. Der Namenswechsel wird damit erklärt, dass eine ursprünglich aus Holz erbaute Kirche frühzeitig durch ein gemauertes Gotteshaus ersetzt wurde. Das dafür angegebene Weihejahr 912 ist jedoch urkundlich nicht belegbar, obwohl bereits zu dieser Zeit eine Marienwallfahrt dem Ort Bedeutung verliehen haben dürfte. Anlässlich eines Ungarnsieges stiftete Herzog Heinrich I. von Bayern 948 zwei Reiterstatuen aus Erz nach Mauerkirchen, diese sollen beim Kirchenbrand 1297 geschmolzen sein.
Um 1300 wurden in der Pfarrkirche Gusssteinnachbildungen dieser Statuen aufgestellt, die jedoch beim großen Marktbrand 1865 wiederum zerstört wurden. Der Neubau der Pfarrkirche erfolgte 1867 bis 1872 im neugotischen Stil. Diese wurde 1983 einer durchgreifenden Innenrenovierung zugeführt. Dabei wurden die 1907 vom Mauerkirchner Kirchenmaler Josef Scherfler geschaffene Zwickel- und Rankenmalerei wieder freigelegt.
Die älteste Urkunde, in der Mauerkirchen erwähnt wird, stammt vom 20. Juli 1276. Die Verleihung des Marktrechtes erfolgte am 29. September 1373 durch Herzog Stefan den Älteren und seine Söhne. Die älteste Abbildung des Mauerkirchner Wappens, ein Urkundensiegel, stammt vom 6. Oktober 1476.
Mauerkirchen war seit etwa 1450 Sitz eines Landgerichtes (später Bezirksgericht, seit 2005 aufgehoben). Der Forst- und Wildmeister für den Kobernaußerwald und für den Weilhart hatte hier seinen Sitz. Bis 1803 amtierte hier auch ein Lehensverwalter des passauischen Bischofs.
Seit Anfang des 15. Jahrhunderts bestand in Mauerkirchen eine lateinische und deutsche Pfarrschule. Ab dem Jahr 1493 fand eine langjährige Marienwallfahrt statt. Am 20. Januar 1549 verlieh Herzog Wilhelm IV. den Mauerkirchnern einen Burgfried (feste Grenze der Marktgerichtsbarkeit). Den Dreißigjährigen Krieg überstand Mauerkirchen ohne große Kriegshandlungen, doch wurde der Ort ständig durch Truppendurchzüge, Einquartierungen, Plünderungen und Gewalttaten heimgesucht. Dazu kamen Hungersnöte und Seuchen, wie etwa die Pest. Aufgrund der Holzbauweise kam es zu mehreren Marktbränden: 1701 gab es eine große Brandlegung. Ein Meteoritenfall am 20. November 1768 versetzte die Bevölkerung des Ortes in Angst und Schrecken. Das Hauptstück dieses Meteoriten befindet sich heute in der Mineralogischen Staatssammlung München.
Kriegsnöte hatte Mauerkirchen vor allem im Landshuter Erbfolgekrieg 1504 und im Bayerischen Erbfolgekrieg 1703 zu erdulden. mini|Markt Mauerkirchen nach einem Kupferstich von Michael Wening von 1721 Im Frühjahr 1772 wurde im Mauerkirchner Kirchenholz der letzte Bär im Innviertel erlegt.
Bis 1779 war der Ort bayerisch und kam nach dem Frieden von Teschen mit dem Innviertel (damals „Innbaiern“) zu Österreich.
Während der Napoleonischen Kriege wieder kurz bayerisch, gehört er seit 1814 endgültig zu Oberösterreich. 1865 kam es wieder zu einem großen Brand im Ort.
1873 erfolgte der Anschluss an die Eisenbahnlinie Braunau–Steindorf. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 gehörte der Ort zum Gau Oberdonau. 1938 wurde in Mauerkirchen eine Hauptschule eingerichtet (Bau 1939).
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich in Raum Mauerkirchen ein großes amerikanisches Entlassungslager, in dem an die 300.000 deutsche Gefangene durchgeschleust wurden (z. B. Karl Aloys Schenzinger).
Einwohnerentwicklung
Die Einwohnerzahl ging von 1991 bis 2001 zurück, da es eine negative Wanderungsbilanz (−170) gab, die durch die positive Geburtenbilanz nicht aufgehoben werden konnte. Von 2001 bis 2011 erfolgte eine Zuwanderung, die Geburtenbilanz wurde aber negativ, sodass die Bevölkerungszahl beinahe konstant blieb.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Spitzenberg, nach Michael Wening (1721) mini|Pfarrkirche Mauerkirchen
Schloss Spitzenberg Katholische Pfarrkirche Mauerkirchen Mariä Himmelfahrt: Nach der großen Brandlegung 1865 wurden die Pfarrkirche, das Schloss Spitzenberg und der halbe Obermarkt zerstört. Mit Ausnahme des Kirchturmes, der bis zum Glockengeschoß erhalten blieb, wurde die Kirche von 1867 bis 1872 im neugotischen Stil wieder errichtet. Sie gilt heute als eines der wenigen Baudenkmäler der Neugotik in Oberösterreich. Evangelische Erlöserkirche: Da die Heimatvertriebenen fast ausschließlich evangelisch waren, erbauten sie inmitten ihres neuen Siedlungsgebietes die Erlöserkirche. Nach einer einjährigen Bauzeit wurde sie 1960 feierlich eingeweiht. Erbaut wurde sie nach den Plänen von Architekt Hans Schihan, der selbst evangelisch war und später Bürgermeister von Mauerkirchen wurde. Hl. Geistkirche: An der, Richtung Mattighofen führenden, Hl. Geistgasse liegt die Ende des 16. Jahrhunderts erbaute Hl. Geistkirche, die der Straße auch den Namen gab. Hinter der schlichten Fassade verbirgt sich ein Schmuckkästchen von Mauerkirchen. Die wertvolle Einrichtung stammt aus mehreren Stilepochen. Zwei bedeutende Mauerkirchner, der Stuckateur Johann Michael Vierthaler und der Maler Johann Georg Reischl schufen am Anfang des 18. Jahrhunderts den schönen Stuck, bzw. die Deckengemälde. In dem der Kirche angebauten Haus wurden bis in das vorige Jahrhundert arme und kranke Arbeiter versorgt. Es hieß deshalb das Armenhaus. Heute sind dort Gemeindewohnungen untergebracht. Die Hl. Geistkirche wurde in den Jahren 1969–1971 durchgreifend restauriert. Nachtwächterhaus: Hoch über dem Markt, auf dem Buchberg, steht das Wächterhaus, das ebenfalls zu den Wahrzeichen des Marktes zählt. Der turmähnliche Bau, der aus dem 16. Jahrhundert stammt, gehörte einst zur Abwehranlage des Mattigtales. In diesem Haus wohnte der Nachtwächter, der von hier aus den ganzen Markt überblicken konnte, um bei einem Brand sofort Alarm zu geben. Zum letzten Mal wurde übrigens im Jahre 1920 ein Nachtwächter eingestellt. Heute verbringen hier jedes Jahr einige Jugendgruppen der Pro Juventute Kinderdorfvereinigung ihre Ferien. Vierthalerhaus: Nahe dem Wächterhaus befindet sich das sogenannte Vierthalerhaus. In diesem Haus wachsen bei einer Pflegefamilie Kinder auf. Erbaut wurde das Vierthalerhaus im Jahre 1958 und es wurde nach dem bedeutenden Pädagogen und Waisenhausvater Franz Michael Vierthaler benannt. Dieser wurde im Jahre 1758 in Mauerkirchen geboren und war ein Enkel des Stuckateurs Johann Michael Vierthaler. Marktgemeindeamt: Das Gemeindeamt soll 1395 erbaut worden sein und weist noch im Erdgeschoß eine kreuzrippengewölbte Halle auf, welche – wie das gesamte Gebäude – in den Jahren 1986/88 restauriert wurde. Marktplatz: Der Marktplatz von Mauerkirchen ist ein typischer Straßenplatz der Inn-Salzach-Gegend. Der Ober- und Untermarkt bietet eine wunderschöne Architektur (z. B. Schremshaus und Fam. Tieftrunk – Reischlhaus usw.). Schremshaus: Das schönste Haus am Marktplatz ist das Haus des Uhrmachermeisters Alfons Schrems. Der schöne Stuck, der die Fassade ziert, stammt aus der Hand des schon genannten Johann Michael Vierthaler, aus dem Jahre 1734. Fam. Tieftrunk – Reischlhaus: Am Obermarkt befindet sich am Haus des Friseurmeisters Tieftrunk eine Gedenktafel für den bedeutenden Heimatdichter Joseph Reischl, der in Mauerkirchen geboren wurde und in diesem Haus lebte. Reischl wurde besonders durch sein Gedicht ´s Mattigtal bekannt und verstarb in diesem Haus im Jahre 1892. GH Öller – Wildmeister: Gegenüber dem Bezirksgericht befindet sich der Gasthof Öller. In diesem Haus war bis in das 19. Jahrhundert die Wild- und Forstverwaltung für den Kobernaußerwald und für den Lachforst. Am Eingang befindet sich im Portal ein Oberlichtgitter aus der Zeit, als hier noch der sogenannte Wildrichter amtierte. Schloss Spitzenberg: Geht man neben dem Gasthof Öller die Schlossgasse hinauf, kommt man zum Schloss Spitzenberg. Oft ging dieses Schloss in Flammen auf. Nach dem großen Brand von 1865 wurde es erst wieder im Jahre 1917 aufgebaut. Zu den bedeutendsten Besitzern von Schloss Spitzenberg zählte Friedrich Mauerkircher, der 1485 als Bischof von Passau starb. Die Reste der Ringmauer, die man noch entlang der Schlossgasse sehen kann, stammen noch aus der Zeit, als Bischof Mauerkircher Besitzer war. Volks-, Haupt- und Musikschule: An der Stelle der heutigen Volks- und Hauptschule befand sich bis zum Jahre 1939 der Mauerkirchner Pfarrhof. Am 1. September 1939, genau an dem Tag, als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurde mit dem Schulbau begonnen. Gegen Ende des Krieges war im Schulbereich ein Lazarett eingerichtet. Das Schulgebäude wurde zweimal erweitert, zuletzt von 1977 bis 1980, als auch der große Turnsaal erbaut wurde. Marktbrunnen mit Reiterstatuen: Bis zum Kirchenbrand vom 17. Juni 1865 standen in der Mauerkirchner Pfarrkirche zwei lebensgroße Reiterstatuen. Die Reiter stellten den Stifter, Heinrich I. und den Feldhauptmann Rasso von Andechs dar. Alte Aufzeichnungen berichten von einer Inschrift, die sich neben den Reitern befand. Dieser Inschrift zufolge, soll im Jahre 948 König Heinrich I. nach einer erfolgreichen Ungarnschlacht zwei Reiterstatuen aus Bronze zu Ehren 'unserer lieben Frau' nach Mauerkirchen gestiftet haben. Diese Statuen wurden beim Kirchenbrand 1297 zerstört und durch Gusssteinstatuen ersetzt, welche beim Marktbrand 1865 vernichtet wurden. Der im Jahre 1990 errichtete Marktbrunnen soll mit dieser Darstellung an die Geschichte erinnern. Kaiser Joseph Park: Gleich neben der Kirche befindet sich der Kaiser Joseph Park. Hier sehen wir eine Bronzestatue des Reformkaisers Joseph II. auf einem Granitsockel. Unter Joseph II. kam das Innviertel von Bayern zu Österreich. Das Denkmal wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von den Mauerkirchner Bürgern aufgestellt. Christophorus-Statue: An der Brunnbachbrücke im Untermarkt befindet sich eine schöne, vom bekannten Bildhauer Rupert Rothböck geschaffene Christophorus-Statue mit Kind. Florianikapelle in Biburg: In Erinnerung an die schwerwiegenden Hochwasserkatastrophen in Mauerkirchen und Biburg wurde in den Jahren 1991/1992 in Biburg – an der Mattig – diese Florianikapelle errichtet. Jahndenkmal: