Veldrom, Feldrom und Kempen bilden seit der Gemeindereform 1970 eine Ortschaft, die zur Stadt Horn-Bad Meinberg gehört und im nordrhein-westfälischen Kreis Lippe, Regierungsbezirk Detmold, liegt. Im Ort leben gut 600 Menschen (Stand 2021).

Historisch gehörte Veldrom, das sich im Tal befindet, zum evangelischen Fürstentum Lippe. Feldrom, das am Eggehang liegt, und das Nachbardorf Kempen waren vor 1970 in der Gemeinde Kempenfeldrom vereinigt und über Jahrhunderte nördlichster Zipfel des katholischen Hochstifts Paderborn, mit dem sie 1802 an Preußen fielen.

Das lippische Veldrom war bis 1922 eine Bauerschaft und von 1922 bis 1969 eine Gemeinde. Das preußische Kempenfeldrom war bis 1970 eine Gemeinde im Amt Steinheim des Kreises Höxter. Die Gemeindereformer schlugen Kempenfeldrom dann dem Kreis Lippe zu – der Kreis Höxter erhielt dafür die lippische Exklave Grevenhagen mit Hohenbreden.

Geografie Lage mini|Silberbach bei Feldrom Die Streusiedlung liegt zwischen Horn und Altenbeken am Fuße des 468 Meter hohen Velmerstots, der höchsten Erhebung im Eggegebirge. An das Dorf grenzen zwei Naturschutzgebiete, die zum Projekt Natura 2000 der Europäischen Kommission zählen: Das erste ist das Areal rund um Eggehang und Lippischen Velmerstot mit seinen Osning-Sandsteinklippen; das zweite Gebiet sind die Kalksteinbrüche an der Bielsteinhöhle. Durch das Dorf fließt der Silberbach, an dem sich früher die Grenze zwischen Lippe und Paderborn orientierte und in dessen Wasser in den Jahren 1710 bis 1711 nach Silber gesucht wurde.

Geologie Der Ort liegt am nördlichen Eggegebirge, gut drei Kilometer von den südlichen Ausläufern des Teutoburger Waldes entfernt. Die zwei Mittelgebirge wurden bis ins 17. Jahrhundert als Osning bezeichnet.

Die Egge ist ein Höhenzug, der sich in nordsüdlicher Richtung erstreckt und an dem sich oft Wolken stauen, bis sie sich abregnen. Das Dorf befindet sich in einer gut zwei Kilometer breiten Bergfalte: im Osten die Egge, im Westen der Bauernkamp, ein nördlicher Ausläufer der Paderborner Hochfläche. Während der Bauernkamp aus Kalkstein beschaffen ist, auf dem Buchenwälder wachsen, besteht die Egge aus Neokom- und Gault-Sandstein, auf denen Heidelbeere, Preiselbeere und Heidekraut gedeihen. Im Mittelalter wuchsen auf der Egge vor allem verkrüppelte Buchen und Eichen. Die Bergkuppen waren unbewaldet. Seit der Aufforstung 1786 gibt es Fichtenwälder.

Am Bauernkamp liegen im Kalkstein drei Höhlen: Das Lukenloch, eine so genannte Erdfallhöhle, die senkrecht wie ein Schacht in den Berg führt. Die größere Bielsteinhöhle, die in einer natürlichen Felsbastion mit 15 Meter hohen Klippen liegt, zieht sich gut 42 Meter als Klufthöhle durch den Fels. Die Hohlsteinhöhle ist eine zirka 185 Meter lange Klufthöhle mit Tropfsteinen. In den Höhlen leben Fledermäuse wie das Große Mausohr und die Teichfledermaus.

Nachbarorte Horn-Bad Meinberg Schlangen Datei:Windrose klein.svg Leopoldstal Altenbeken Sandebeck

Ortsgliederung Der Ort ist 45 Hektar groß und gliedert sich in Veldrom und Feldrom sowie die angrenzenden Kleinstsiedlungen Haue und Schnat. Gut zwei Kilometer südlich befindet sich Kempen und die Siedlung „Kleinjerusalem“.

Klima Das Klima ist mild, der Jahresniederschlag beträgt knapp über 1100 Millimeter, die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt zwischen sieben und acht Grad Celsius. Der Wind kommt böig und zumeist aus Westen, im Winter mitunter aus Osten.

Geschichte

Zeit Siedlung Quelle Antike Kohortenkastell (möglicherweise) Infrarotaufnahmen um 850 Erwähnung als Drohem Corveyer Traditionen 1015 Ursiedlung Lippische Regesten 1060 Bischof von Paderborn schenkt sein Gut dem Kloster Hardehausen Anfang des 13. Jh. Bau eines Gutshofs Anfang des 15. Jh. Glashütte, Wohnhäuser, Töpferei 1533 Herrschaftlicher Viehstall von Simon V. zu Lippe 1564 Meierei 1567 Der Ort kommt von Paderborn nach Lippe 1658 Teilung in Veldrom und Kempenfeldrom Lippspringischer Originalvergleich (Grenzvertrag) 1694 Bau einer Schule in Veldrom 1764 Die Kempenfeldromer Schule wird von Kempen nach Feldrom gelegt (Gründung der Schule unklar) 1802 Kempenfeldrom kommt zum preußischen Unterwaldischen Kreis 1807 Kempenfeldrom kommt zum Kanton Steinheim im Königreich Westphalen 1816 Kempenfeldrom kommt zum Kreis Brakel 1832 Kempenfeldrom kommt zum Kreis Höxter 1859 Bau einer Armenspinnschule in Veldrom 1937 Bau einer militärischen Funksendezentrale auf dem Mönkeberg 1970 Kempenfeldrom und Veldrom werden nach Horn-Bad Meinberg eingemeindet; Kempenfeldrom wird dadurch lippisch Gemeindereform 1980 Feldrom und Kempen erhalten eigene Ortstafeln

Antike Ein römisches Badegebäude und ein Kohortenkastell soll es auf der Anhöhe zwischen Feldrom und Kempen gegeben haben – ein weiteres wird nahe Sommersell im Kreis Höxter vermutet. Das Kastell soll gut 2,5 Hektar groß gewesen sein und am alten Hellweg gelegen haben, der in diesem Abschnitt von Paderborn nach Horn führte und weiter über Schieder und Lügde bis an die Weser.

Die Annahmen stützen sich auf Infrarot-Luftbildaufnahmen: Das mutmaßliche Lager ist breit und dunkel umrandet; vermutlich gab es Einbauten, Lagertore und zwei weitere Gebäude. Das Lager hat die typische Winkelform eines Römerbades. Zudem könnte es einen offenen, wettergeschützten Raum für Brennstoffe gegeben haben.Weitere Infos finden sich bei den Römerfreunden

Mittelalter Um das Jahr 850 wurde die Landschaft – ein Dorf gab es noch nicht – in den Corveyer Traditionen als Drohem erwähnt. In anderen Urkunden finden sich die Namen Druheim und Droheim. Die Vorsilbe Dro- oder Dru- lässt auf einen Sippennamen schließen, sie wandelte sich später in Drom. Die zweite Silbe heim oder hem bedeutet „Heim“ oder „Heimat“; möglich ist aber auch, dass sie aus dem Altfränkischen kommt und eine Ansiedlung bezeichnet: das Heim des Dru, Drou, Druc oder Dro. Der Name Kempen hat seinen Ursprung in der Bezeichnung Kämpen bei Drome – die Wiesen, Weiden bei Drom.

1015 wird die Ursiedlung in den Lippischen Regesten Nr. 26 als Druhem geführt. Sie soll ebenfalls im Güterverzeichnis des Abtes Druthmar von Corvey gelistet worden sein. Im Jahr 1160 schenkte der Bischof von Paderborn einen Teil seines Besitzes, der Truheim hieß, dem Kloster Hardehausen bei Warburg. Dieses errichtete vermutlich auf dem nahegelegenen Mönkeberg – Berg der Mönche – spätestens Anfang des 13. Jahrhunderts den Gutshof Druheim.

Anfang des 15. Jahrhunderts gab es eine Glashütte, erste Wohnhäuser und vermutlich eine Töpferei. 1530 nutzte der Landesherr Graf Simon V. zu Lippe das Feld to Drome – oder je nach Schreibweise auch Velde to Drome – als Viehweide. 1533 bauten die Herren – unter Graf Simon VI. – einen herrschaftlichen Viehstall für die gut 200 Ochsen und Pferde. 1564 wurde eine Meierei errichtet, die Grundstein für den Bau weiterer Gehöfte war. Noch im 16. Jahrhundert begann der Bau einer Schule.

Reformation In der Zeit der Reformation vertrat der Fürstbischof von Paderborn, Rembert von Kerßenbrock, die katholische Kirche. Im Jahre 1567 setzte er sich für einen Tausch zwischen Lippe und Paderborn ein: Feldrom, das bislang zu Paderborn gehörte, kam zu Lippe. Während die Protestanten nun in die evangelisch-reformierte Kirche in Horn liefen, wanderten die Katholiken über die Egge nach Sandebeck. Dieser Vertrag war bis 1808 gültig.

Ende des 16. Jahrhunderts stritten Lipper und Paderborner erneut über ihre Grenze. Als im Jahre 1609 eine Mühle in Veldrom abbrannte, beschuldigten die Lipper den Vogt von Kempen, forderten Wiedergutmachung und stellten alle Grenzverhandlungen ein.

Grenzstreitigkeiten links|mini|hochkant|Grenzstein No. 46 mit der lippischen Rose Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 starb gut die Hälfte der Bevölkerung. Damit sanken die Steuereinnahmen drastisch. Trotz der Wirren fanden Vor- und Unterverhandlungen statt, die im Lippspringischen Originalvergleich von 1658 mündeten. Den Verlauf der Grenze ließ Graf Hermann Adolf zu Lippe von seinem Kammerpräsidenten Tilhelm und dem Landdrosten von Donop aus dem Wöbbeler Schloss aushandeln. mini|hochkant|Grenzstein No. 46 mit bischöflichem Kreuz Die Landesgrenze zwischen den lippischen Edelherren und dem Hochstift Paderborn zog sich quer durch das Dorf, in dem 1670 gut 160 Menschen wohnten, und weiter entlang des Silberbaches und durch die heutige Schnat – ein altes Wort für Grenze. Einige Grenzsteine stehen noch heute: auf der einen Seite ist das fürstbischöfliche Kreuz – oder der preußische Adler – zu sehen; die andere Seite ziert die lippische Rose und die Jahreszahl 1658, das Jahr, in dem die Grenzsteine angelegt („gesetzt“) wurden. Sie stammten aus den Sandsteinbrüchen des Velmerstots.

Feldrom und Kempen gehörten bis zu den Napoleonischen Kriegen zum Hochstift Paderborn. 1802 wurde das Hochstift von Preußen in Besitz genommen, das die beiden Orte dem Unterwaldischen Kreis zuordnete. Von 1807 bis 1813 gehörten Feldrom und Kempen zum Königreich Westphalen und bildeten dort eine Gemeinde im Kanton Steinheim des Distrikts Höxter. 1816 kam die Gemeinde zum neuen Kreis Brakel, der 1832 im Kreis Höxter aufging. In dieser Zeit setzte sich für die Gemeinde der Name Kempenfeldrom durch.Ministerialblatt der Regierung Minden 1835, S. 382 Im Kreis Höxter gehörte die Gemeinde Kempenfeldrom zum Amt Steinheim.

Veldrom blieb von den Geschehnissen der Franzosenzeit unberührt, da der Ort zum Fürstentum Lippe gehörte, das seine Eigenständigkeit bewahren konnte.

Nationalsozialismus links|mini|Der verlassene Ausbildungsstützpunkt der Bundeswehr auf dem Moenkeberg Bereits 1932 – ein Jahr vor der Machtergreifung Adolf Hitlers – waren in der örtlichen NSDAP zehn Mitglieder organisiert. Im Jahre 1935 lebten in Veldrom 243 Menschen, die in der Landwirtschaft und im Handwerk arbeiteten. Die Parteiformationen SA, Hitler-Jugend, Jungvolk und Bund Deutscher Mädel hatten im Ort Mitglieder.

Die Ortsgruppe der NSDAP Veldrom, Feldrom, Kempen leitete von 1935 bis 1936 Karl Friedrich Titho, bis ihn der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS nach Frankfurt am Main berief. Nachfolger wurde der SA-Sturmführer Hermann Droste, der in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 zusammen mit Nationalsozialisten aus Horn die Wohnungen von jüdischen Familien und die Synagoge in Haaren im Kreis Paderborn zerstörte.

Ab 1937 baute die Wehrmacht auf dem 424 Meter hohen Mönkeberg bei Kempen die Funksendezentrale 276. Sie diente dem Funkverkehr der Fliegerhorste in Detmold, Gütersloh, Paderborn, Lippstadt und Bad Lippspringe. Generalfeldmarschall Albert Kesselring leitete über den Sender den Westfeldzug. Ebenfalls von hier wurde am 27. Mai 1941 der Befehl an das Schlachtschiff Bismarck gesendet, sich selbst zu versenken. Während des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 betrieb die Wehrmacht dort Luftlage-Warndienstsender, im Oktober 1943 entstand dort der Luftwaffensender Primadonna. 1967 richtete die Bundeswehr auf dem Berg einen Ausbildungsstützpunkt ein. Heute steht die Anlage leer.

Kurz vor Kriegsende erschoss im Jahr 1944 die Feldromer Landwehr – laut einem Bericht des Polizeipostens in Schlangen – drei flüchtige sowjetische Kriegsgefangene in der Nähe des lippischen Veldrom. Die acht Mann starke Gruppe leitete Anton Eilert. Im Scharmützel starben zwei der Kriegsgefangenen sofort, der dritte erlag seinen Verletzungen später.

Noch im April 1945 quartierte sich eine Einheit der SS in der Veldromer Schule ein. In Gefechten mit den Alliierten starben 10 deutsche und 16 amerikanische Soldaten. Als die Alliierten drohten, das Dorf zu bombardieren, gab die SS ihren Widerstand auf.

Seit 1945