mini|hochkant|Gesamtansicht der Kirche am Kaulberg mini|Gesamtansicht, Luftbild der Oberen Pfarre
Die Obere Pfarre oder Kirche Unsere Liebe Frau ist eine gotische römisch-katholische Pfarrkirche in Bamberg. Sie gehört zum Seelsorgebereich Bamberger Westen im Dekanat Bamberg des Erzbistums Bamberg.
Die volkstümliche Bezeichnung Obere Pfarre bekam die Kirche auf Grund ihrer Lage auf dem Kaulberg als Gegenstück zur Unteren Pfarre, der ehemaligen, 1805 abgebrochenen Pfarrkirche Alt-St. Martin auf dem Maximiliansplatz.
Hervorzuheben sind das Gnadenbild Maria mit Kind im Hochaltar und das Altarblatt des ehemaligen großen Marienaltares vom Dom mit dem Gemälde Himmelfahrt Mariens von Jacopo Robusti, genannt Tintoretto.
Geschichte mini|Darstellung in einer Stadtansicht von Georg Braun und Frans Hogenberg mini|Die Obere Pfarrkirche, Stahlstich 1837 Die Pfarrei könnte auf die Eigenkirche der Grafen von Babenberg (906 erlosch die fränkische oder die Linie der alten Babenberger) zurückzuführen sein. Eine erste urkundliche Erwähnung erfolgte erst um 1140 in einer Urkunde Bischof Egilberts. 1304 gehörte die Obere Pfarre dem Domkapitel, dem sie 1401 nach Streitigkeiten nochmals zugesprochen wurde.
Mit dem Bau der dreischiffigen Kirche wurde im Jahr 1338 begonnen. Jedoch begannen die Planungen offenbar bereits Ende des 13. Jahrhunderts, wie zwei Ablässe zugunsten der Kirche von 1295 und 1300 nahelegen. Eine Bauinschrift am Nordschiff überliefert den 16. Juni als Datum der Fundamentierung. Das Langhaus konnte erst 1387 geweiht werden.
Der steil aufragende Chor wurde im Jahr 1392 in Angriff genommen. Die einzige Quelle hierzu ist die Inschrift am Sakramentshaus, die sich eigentlich nur auf den Chor beziehen kann. Auch zum weiteren Bauverlauf fehlen jegliche Überlieferungen. Die Bäume für die Balken des Dachstuhls wurden um die Jahreswende 1419/20 gefällt. Spätestens um 1450 muss der Neubau vollendet gewesen sein. Möglicherweise verzögerte sich der Bauabschluss durch die Einfälle der Hussiten und den anschließenden Immunitätenstreit (1431 bis 1437).
Der unvollendete Turm wurde 1481 mit Schindeln eingedeckt, ein Türmer wurde erstmals 1478 erwähnt. 1537/38 ersetzte man die alte Türmerstube durch den erhaltenen zweigeschossigen Aufbau. Auf einem Gemälde in St. Sebald in Nürnberg ist der alte Zustand überliefert (Kreuztragung des Hans VI. Tucher, 1485).
Um 1606/07 kam es zu einer umfassenden Instandsetzung der Kirche. 1608 stürzte ein Gerüst ein, erschlug einen Handwerker und verletzte drei weitere schwer.
Die Barockisierung wurde durch das Testament des Domkustos Johann Philipp von Franckenstein ermöglicht. Der Gönner starb am 25. Februar 1711. Bereits am 20. Juni erhielten die Maurermeister Christoph Krummb und Franz Eple den Auftrag für die Umbauten. Die Stuckarbeiten übertrug man Johann Jakob Vogel, die Gewölbe wurden von Wolf Gruber und Michael Schorer eingezogen. Die Arbeiten waren 1721 noch nicht vollendet.
1768 erhielt durch Johann Jakob Michael Küchel das hohe Chordach seinen heute nach Westen abgewalmten Abschluss.
mini|hochkant|Chorapsis von Nordosten (Standort Pfahlplätzchen) Nach der Säkularisation des Hochstiftes erhielt das Gotteshaus 1811 einen weißen Anstrich. Von der alten St.-Anna-Kirche, der Ordenskirche der Franziskaner, erhielt die Obere Pfarre bei deren Abbruch diverse Ausstattungsstücke. 1838 erzwangen Bauschäden den Abbruch der an den Chor angebauten Sakristei, die im Süden neu errichtet wurde. 1846/47 brach man an dieser Stelle zwei neue Fenster in das Mauerwerk, die sich dem Altbestand gut angleichen.
1864 erfolgte eine durchgreifende Innenrenovierung. Ernste Gefahr drohte der mittelalterlichen Gestalt der Kirche im Jahr 1880, als Nikolaus Eichhorn zum Stadtpfarrer berufen wurde. Der eifrige Verfechter doktrinärer Neugotik nahm Kontakt zum Wiener Baumeister Friedrich von Schmidt auf, der Pläne für einen neugotischen Turmhelm entwarf. Es gab sogar Planungen zur Errichtung eines zweiten Turmes. Beide Türme sollten durchbrochene Helme erhalten. Dadurch wäre das überlieferte Stadtbild empfindlich beeinträchtigt worden. Als Eichhorn am 2. Dezember 1907 starb, gab man diese Ausbauprojekte wieder auf.
Erneute Bauschäden bedingten 1928 wiederum Sanierungsmaßnahmen. Ab 1937/38 musste man nochmals umfangreiche Sicherungsarbeiten durchführen.
Im Zweiten Weltkrieg traf eine Fliegerbombe den Turm, die Schäden wurden bis 1953 beseitigt. Ab 1954 wurde der Chor statisch gesichert, die Arbeiten zogen sich – unter Geistlichem Rat Johann Baierlipp – aus Geldmangel bis 1960 hin. Eine durch umfangreiche Steinschäden bedingte groß angelegte Sanierung der Pfarrkirche unter Geistlichem Rat Pankraz Bäuerlein begann 1971. 1973 bis 1979 konnte auch das Innere restauriert werden. Von 2011 bis 2014 wurde die Kirche in drei Bauabschnitten nochmals grundlegend saniert.BR Oberfranken: , abgerufen am 6. August 2015.
Beschreibung Die Obere Pfarre ist eine dreischiffige, hochgotische Pfeilerbasilika mit einem später angefügten Umgangschor. Der schlanke Südwestturm ergänzte ehemals als Stadtturm die städtischen Befestigungsanlagen. Bis 1923 wohnte noch ein Türmer im über zwei Stockwerke reichenden obersten Turmaufbau.
Außenbau Das basilikale Langhaus mit seinem niedrigen Obergaden lässt Beziehungen zur oberrheinischen Bettelordensarchitektur erkennen. Die Barockisierung des Innenraumes spiegelt sich nur in der rundbogigen Veränderung der Fenster wider. Der hohe Westturm ist von einem filigranen Maßwerkschleier überzogen, dessen Einzelformen manchmal etwas spröde wirken. Seit 1537/38 wird der fünfgeschossige Turm von einer verputzten Türmerstube mit Aufsatz und niedriger Schieferhaube abgeschlossen. Besonders hervorzuheben sind neben den Grabdenkmalen folgend genannten künstlerische Arbeiten. mini|hochkant|Brautportal
Brautportal Auf der Nordseite befindet sich das Brautportal mit seiner offenen Vorhalle und dem reichen Skulpturenschmuck der Klugen und der Törichten Jungfrauen. Es wird meist als ehemaliges Hauptportal angesprochen, diente jedoch einem ehemaligen Trauungsritus der katholischen Kirche: Der Priester segnete das Brautpaar und legte den Brautleuten im Freien die Ringe an, um anschließend mit ihnen in die Kirche einzuziehen und die Messe zu feiern. Im Tympanon befindet sich eine feine Krönung Mariens.
mini|hochkant|Ölberg
Ölberg Aus spätgotischer Zeit stammt der Ölberg. Dieser Anbau an der Westseite der Kirche, laut Inschrift 1502 entstanden, nahm die bereits im ausgehenden 15. Jahrhundert entstandenen Figuren auf, welche mit den Reliefs der Kreuzwegstationen zwischen der St.-Elisabeth-Kapelle und der St.-Getreu-Kirche verwandt sind. Letztmals umfassend restauriert wurde der Ölberg im Jahre 2002.
Chor mini|links|Der „Kathedralchor“ von Süden Der prächtige Ostchor steht in deutlichem Kontrast zur Schlichtheit des Langhauses. Wohl als Konkurrenz zum etwas älteren Hallenchor der Nürnberger Hauptkirche St. Sebald entstand hier eines der Hauptwerke der fränkischen Gotik. Der Rückgriff auf die ältere französisch-kathedrale Grundform ist ein typischer Ausdruck der um 1400 festzustellenden Regotisierungstendenzen in der mitteleuropäischen Architektur. Die Architektur dieses einzigen fränkischen Kathedralchores wird oft mit der deutsch-böhmischen Baumeisterdynastie der Parler in Verbindung gebracht. Tatsächlich befinden sich am Turm einige entsprechende Maßwerke, das Maßwerk der Chorfenster erscheint jedoch eher konventionell. Auch einige etwas derbe Details der Bauplastik lassen eine Beteiligung der Dombauhütten von Regensburg oder Wien denkbar erscheinen. Das für die Parlergotik typische Konvergieren der Strebebögen am Obergaden (zwei Bogen haben einen gemeinsamen Ausgangspunkt) ist hier schon aus konstruktiven Gründen notwendig. Möglicherweise wurde der Chor wie sein Nürnberger Vorbild als Halle geplant und der Plan dann geändert.
Die Strebepfeiler sind nach innen gezogen, wo sie flache Kapellenräume ausbilden. Der Obergaden wird durch flache Strebebögen gestützt, die auf das Vorbild der Lorenzkirche in Nürnberg verweisen. Die Ostseite ist als eigentliche Schauseite gestaltet. Reiche Zierformen überziehen den unverputzten Sandstein. Die Lage am Kaulberg machte mächtige Substruktionen notwendig, wie sie in Deutschland nur noch vom Unterbau des Erfurter Domes übertroffen werden. Die Kirche ragt wie ein Schiff vor dem Betrachter auf. Besonders die Ansicht vom Pfahlplätzchen ist berühmt. Auch von der Oberen Brücke am Alten Rathaus gesehen ragt die Kirche in städtebaulich hervorragender Position über das Häusermeer und bildet neben dem Dom (mit dem sie gelegentlich verwechselt wird) einen wesentlichen Teil der Stadtkrone des Weltkulturerbes Altstadt Bamberg.
Innenraum mini|hochkant=0.8|Mittelschiff mini|Auf der Empore der Heilige Georg mit dem Drachen Das Langhaus und der Hochchor wurden am Anfang des 18. Jahrhunderts barock überformt. Der Stuckateur Johann Jakob Vogel führte hier ab 1711 das Bandelwerk in Franken ein, wofür ihm sicherlich Paul Deckers Stichfolge Zweytes Werklein von Groteschgen (1710) als Anregung diente. Die Dekoration beschränkt sich im Wesentlichen auf die Mittelschiffe von Langhaus und Chor. Neben dem Bandelwerk verwendete der Meister auch Akanthusranken, Blüten, Engelsfiguren, Muschelwerk und anderes. In den Seitenschiffen befinden sich nur schlichte Rahmenstuckdecken.
Die Gewölbefelder zeigen durchgehend Gemälde des 19. Jahrhunderts (1886/87, Adolf Riedhammer). Man erkennt etwa die Verkündigung, die Heimsuchung Marias, die Anbetung der Hirten oder den Zwölfjährigen Jesus im Tempel. 1934/35 wurden einige Bilder entfernt und teilweise von Hans Bayerlein neu gemalt.
Der gotische Chorumgang blieb von den Umgestaltungen nahezu völlig unberührt. Auch die Rippengewölbe des Hochchores liegen frei zwischen den Stuckaturen, wurden also nicht ausgeschlagen. Die figürlichen Schlusssteine sind ebenfalls erhalten. Hier zeigt sich eine in der Barockzeit häufiger zu beobachtende Rücksichtnahme auf die mittelalterliche Substanz, deren Qualität und künstlerischen Wert man offensichtlich erkannte. Sogar das Fenstermaßwerk konnte in das Dekorationskonzept einbezogen werden.
Die Kreuzgewölbe des Chorumganges gehen ohne Kapitelle in die Dienste über. Das mittelalterliche Bild wird nur durch die barocken Altäre in den Kapellen beeinträchtigt. Die Schlusssteine zeigen Wappen, etwa das des Fürstbischofs Friedrich III. von Aufseß oder die Schilde von Domherren aus dem Adel der Umgebung (Fuchs von Rügheim, Lichtenstein, Müntzer von Babenberg, Löffelholz und andere). Im sechsten südlichen Umgangsjoch kniet ein Stifter vor den Heiligen Heinrich und Kunigunde. Die Kapellen sind gleichfalls von Kreuzgewölben mit Schlusssteinen überspannt (Christushaupt, Madonna, Antoniterwappen und andere).
An drei Wandpfeilern sind figürliche Konsolen ausgearbeitet. Am sechsten südlichen Pfeiler trägt ein Steinmetz die Konsole. Möglicherweise handelt es sich um das Porträt des Werkmeisters des Bauabschnittes.
Führung durch die Kirche Mittelschiff mini|Innenraum nach Osten Den Mittelgang begleitet links und rechts die Apostelreihe mit Jesus Christus als Salvator gegenüber der Kanzel. Diese um 1480 angefertigten Figuren erhielten durch den Maler Ulrich Widmann eine polychrome Fassung. Die Aufstellung dieser Figuren kann jedoch erst mit der Barockisierung dieser Kirche einhergegangen sein; die ursprünglichen Aufstellungsorte waren sicher die Konsolen im Chorumgang. Das Mittelschiff hatte ursprünglich die Höhe des Chores. Bei der Barockisierung erhielt es eine Zwischendecke, etwa zwei Meter unter der ursprünglichen Höhe, die beiden Seitenschiffe wurden jeweils um einen Meter abgehängt.
Eine ähnliche Architektur mit Chorumgang besitzt die St.-Martinskirche in Amberg. mini|hochkant|Hochaltar