M (Titelzusatz Eine Stadt sucht einen Mörder) von Fritz Lang mit Peter Lorre in der Hauptrolle ist eine der ersten deutschen Tonfilmproduktionen. Die Cahiers du cinéma setzten M im Jahr 2008 in ihrer Liste der 100 besten Filme aller Zeiten auf Rang sechs, die beste Platzierung einer deutschen Filmproduktion.

Der Kriminalfilm handelt von einem Kindermörder, der in einer Großstadt sein Unwesen treibt. Die Morde führen zu Angst bei Eltern und zu Misstrauen unter den Einwohnern. Den organisierten Kriminellen missfällt, dass die Polizei ihre Wachsamkeit erhöht hat. Darum jagt nicht nur die Polizei, sondern auch die Unterwelt den Mörder. Der Film enthält neben der Kriminalgeschichte auch komische Szenen sowie eine Diskussion zum Umgang mit Schwerverbrechern.

Für Regisseur Fritz Lang war der Film ein weiterer Höhepunkt seiner Karriere in Deutschland. Peter Lorre hatte seine erste große Rolle, die ihn weithin bekannt machte. Beide verließen nach 1933 das nationalsozialistische Deutschland, um in den Vereinigten Staaten weiterzuarbeiten. M wurde zu einem Klassiker, der 1951 und 2019 neu verfilmt wurde.

Handlung Eine Mutter in einem Arbeiterstadtteil wartet besorgt auf die Rückkehr ihrer Tochter aus der Schule. Diese ist aber mit einem Mann mitgegangen, von dem nur sein Schatten gezeigt wird. Der Mann pfeift die Melodie von In der Halle des Bergkönigs, schenkt der kleinen Elsie Beckmann Süßigkeiten und einen Luftballon und erschleicht sich so ihr Vertrauen. Als man die Leiche des Mädchens findet, verstärkt die Polizei ihre Fahndungs-Anstrengungen, ohne eine erfolgversprechende Spur zu finden.

Der unbekannte Kindermörder, der bereits zuvor gemordet hat, versetzt die Bewohner Berlins in Schrecken, Paranoia und Hysterie – was noch intensiviert wird durch die Berichterstattung der Presse und überall angeschlagene Fahndungsplakate. Eine hohe Belohnung ist ausgesetzt. Von den Behörden muss eine steigende Nervosität der Bevölkerung konstatiert werden: Es kommt zu wechselseitigen Verdächtigungen und anonymen Anzeigen, was die Anspannung und Übermüdung der Polizeibeamten weiter verschlimmert. Der Mörder sendet ein in roter Schrift verfasstes Bekennerschreiben zunächst an die Polizei und später an die Presse, in dem er bekennt, noch nicht zu Ende zu sein. Es wird als Originalabdruck veröffentlicht. Es wird forensisch und graphologisch untersucht, um weitere Hinweise auf die Identität des Täters zu finden.

Schließlich nimmt außer der Polizei auch die in Unruhe versetzte Unterwelt die Verfolgung des Serienmörders auf. Denn die ständigen Polizeirazzien und Kontrollen behindern die kriminellen Ringvereine bei ihren Geschäften. Außerdem kränkt es sie, mit dem Triebtäter in Verbindung gebracht zu werden. Daher beschließen einige ihrer Sprecher, unter Führung des Schränkers, eines berüchtigten Geldschrankknackers, der bereits mehrere Polizisten erschossen hat, selbst nach dem Mörder zu suchen. Bei einer nächtlichen Krisensitzung führender Verbrecher wird stundenlang hin- und herüberlegt, wie sich die Stadt zum Entdecken des Kindermörders unbemerkt überwachen ließe. Endlich hat der Schränker eine Idee: Für die Suche wird die Organisation der Bettler eingespannt. Bei einer gleichzeitig stattfindenden Konferenz von Polizeibeamten und Sachverständigen regt Kommissar Lohmann an, die Unterlagen über vormalige Insassen von Heilanstalten zu durchforsten, um einen Anhaltspunkt zu finden.

Eines Tages macht sich der Mörder erneut an ein kleines Mädchen heran. Als er dem Kind einen Luftballon kauft, wird er von dem blinden Ballonverkäufer identifiziert, der das charakteristische Pfeifen des Mannes erkennt, der auch für die kleine Elsie Beckmann einen Luftballon gekauft hat. Sofort informiert der Blinde einen jungen Burschen, der den Mann verfolgt und im Vorbeigehen durch einen Kreideabdruck seiner Hand mit einem „M“ für Mörder auf dessen Mantel kennzeichnet.

„M“ wurde inzwischen von der Kriminalpolizei nach einer verdeckten Durchsuchung seines Untermietzimmers als Hans Beckert identifiziert, die Nummer 24 auf der Liste der ehemaligen Anstaltsinsassen. Ein Zigarettenstummel der Marke Ariston, aufgefunden am letzten Tatort, und die rote Stiftfarbe auf dem Fensterbrett seines Wohnraums trugen zur Aufklärung bei.

Beckert, der das kleine Mädchen erschrocken stehen ließ, davonlief und inzwischen von mehreren Bettlern verfolgt wird, kann kurz vor Geschäftsschluss eben noch in ein großes Bürogebäude gelangen, das die Kriminellen aber bald umstellen. Nach Einbruch der Dunkelheit täuscht der als Polizist verkleidete Schränker einen Nachtwächter. So können seine Leute in das Haus eindringen und es unter Einsatz von Einbruchwerkzeug durchsuchen, nachdem sie die anderen Wächter überwältigt haben. Schließlich finden sie „M“ in seinem Versteck auf dem Dachboden. Inzwischen kommt einer der niedergeschlagenen Nachtwächter zu sich und löst die Alarmanlage aus; dadurch wird die Polizei verständigt. In höchster Eile flüchten die Kriminellen aus dem Haus und schleppen den Kindermörder in eine stillgelegte Schnapsfabrik.

Schränkers Truppe lässt Franz, den Einbrecher, unabsichtlich im Bürogebäude zurück. Ahnungslos wird er von der Polizei gefasst. Lohmann täuscht ihm vor, ein Nachtwächter wäre bei der Aktion erschlagen worden. Er packt Franz damit bei seinem Gewissen und bringt ihn zum Reden. Franz gibt den Treffpunkt Schnapsfabrik preis.

Dort ist die gesamte Halb- und Unterwelt versammelt und bereitet „M“ einen makabren Schauprozess. Dabei drückt Beckert verzweifelt seine Selbstentfremdung und innere Spaltung aus:

Beckerts vom Tribunal bestimmter Verteidiger argumentiert, dass Beckert wegen Unzurechnungsfähigkeit für seine Taten nicht verantwortlich gemacht und somit auch nicht dafür bestraft werden kann. Nachdem der aufgebrachte Mob den Tod des Mörders fordert, kündigt er an, in seiner Gegenwart keinen Mord zuzulassen. Ob dies vom Tribunal akzeptiert worden wäre, bleibt offen, da in diesem Moment Lohmann und seine Leute in letzter Minute in der Schnapsfabrik eintreffen und so verhindern, dass das Tribunal den geständigen Mörder lyncht.

Das Urteil des Gerichtes ist nicht zu sehen. Der Film endet mit einer Aufnahme der trauernden Mütter der Opfer nach der Urteilsverkündung. Die Mutter von Elsie Beckmann klagt, dass davon die Kinder auch nicht wieder lebendig würden; man müsse eben noch besser auf die Kinder achtgeben.

Drehbuchentwicklung und Bezug zu realen Ereignissen Anfänglich entwickelten Lang und seine Drehbuch-Mitautorin und Ehefrau Thea von Harbou eine Handlung um einen Verfasser verleumderischer Briefe.Walker, Alexander: Interview with Fritz Lang. BBC Radio (1967), in: Grant, Barry Keith (Hrsg.): Fritz Lang Interviews. University Press of Mississippi, Jackson 2003, S. 78. Von dieser Idee ist im fertigen Werk nur noch übrig geblieben, dass sich der Kindermörder mit Bekennerschreiben an Polizei und Öffentlichkeit wendet. Durch die gewohnheitsmäßige intensive Zeitungslektüre wurde Lang auf eine Reihe schwerer Gewaltverbrechen aufmerksam, die sich damals in Deutschland häuften.

Den stärksten Eingang in die Handlung gefunden hat der Fall des Serienmörders Peter Kürten, auch bekannt als der „Vampir von Düsseldorf“. Kürten wurde im Mai 1930, nach Fertigstellung des Drehbuchs, verhaftet; sein Prozess fand unter enormer Medienaufmerksamkeit statt. Drei Wochen nach dem Todesurteil hatte M Premiere. In Spanien ist der Film unter dem Titel M – El vampiro de Düsseldorf, in Italien unter M – Il mostro di Düsseldorf und in Brasilien M – O vampiro de Düsseldorf bekannt. Der im Film hauptsächlich gesprochene Dialekt, die Stadtpläne im Kommissariat und im Konferenzraum des Ringvereins sowie Straßenwerbung für eine Berliner Tageszeitung weisen jedoch auf Berlin als Ort der Handlung hin. Außerdem spricht der Minister in einem Telefongespräch mit der Polizei davon, „[…], dass ein unbekannter Mörder viereinhalb Millionen Menschen terrorisiert“; damit konnte eindeutig nur Berlin gemeint sein, die damals drittgrößte Stadt der Welt. Es wird auch mehrfach das Berliner Polizeipräsidium am Alexanderplatz erwähnt, das mit seinem volkstümlichen Spitznamen „Alex“ genannt wird. Außerdem sieht man bei Fahrzeugen das Berliner Autokennzeichen „IA“. Der Gangsterboss, der Schränker, wird von seinen Kumpanen der beste Mann zwischen Berlin und Frisco genannt. Tatsächlich hat die Düsseldorfer Unterwelt von sich aus nach dem Täter der von Kürten begangenen Morde gesucht, das Motiv tauchte aber schon 1928 in der Dreigroschenoper auf.

Andere Fälle, die als Vorlage gedient haben, lagen schon länger zurück – Serienmörder wie Carl Großmann, Karl Denke und der Mord an den Schwestern Fehse.Gehler/Kasten S. 146. Auch der Fall Fritz Haarmann diente als Vorbild.Ursula von Keitz: Hier sitzen lauter Sachverständige in Rechtsfragen…: Krisenerfahrung und Verbrechen in Fritz Langs Film „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ In: IASLonline, 2002. (Rezension des Buchs von Kaes) Er wird indirekt auch in einem populären Abzählreim als schwarzer Mann erwähnt.

Lang: „So wird man in den meisten Fällen eine sonderbare Übereinstimmung der Geschehnisse finden, eine fast gesetzmäßig sich wiederholende Erscheinung der Begleitumstände, wie die entsetzliche Angstpsychose der Bevölkerung, die Selbstbezichtigung geistig Minderwertiger, Denunziationen, in denen sich der Haß und die ganze Eifersucht, die sich im jahrelangen Nebeneinanderleben aufgespeichert hat, zu entladen scheinen, Versuche zur Irreführung der Kriminalpolizei teils aus böswilligen Motiven, teils aus Übereifer.“Fritz Lang: Mein Film „M“ – ein Tatsachenbericht; in: Die Filmwoche, 9. Jg. Nr. 21, 20. Mai 1931, Berlin.

Fritz Lang und Thea von Harbou recherchierten für das Drehbuch ausgiebig in Gefängnissen und psychiatrischen Kliniken und trafen sogenannte „Triebtäter“. Lang hatte zudem Kontakte zur Berliner Kriminalpolizei und deren Mordkommission und konnte in die Akten authentischer Fälle Einsicht nehmen. Mit der Figur des unkonventionellen Kriminalkommissars Karl Lohmann setzte Lang dem berühmten Berliner Kriminalbeamten Ernst Gennat (1880–1939) ein Denkmal, der auch im Fall Kürten ermittelt hatte. Die Figur des Karl Lohmann erscheint auch in Langs nächstem Film Das Testament des Dr. Mabuse, dort ebenfalls dargestellt von Otto Wernicke.

Im Vorspann wird nur Thea von Harbou als Autorin des Drehbuchs genannt; später meinte Lang lakonisch und in Anspielung darauf, dass von Harbou sich später dem NS-Regime anpasste, die Nennung sei an seine Frau gegangen, und sie sei zu den Nazis gegangen.Hart, Henry: Fritz Lang today, in: Films in Review, Juni/Juli 1956.

Formale Mittel Nach seinen aufwendigen Spektakeln ab Mitte der 1920er Jahre – den großen „Schinken“ in seinen Worten – wollte sich Fritz Lang dem Menschen zuwenden, intimer werden, tiefer in die Psychologie der Figuren gehen.Bogdanovich, S. 184, und Michael Töteberg: Fritz Lang; Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1985; ISBN 3-499-50339-5; S. 68. Es heißt von ihm, dass er mit Der müde Tod, Dr. Mabuse und den Nibelungen bis 1924 die Filmästhetik kühn entwickelt, doch anschließend, in einer künstlerischen Sackgasse, nur noch brillante Routineunterhaltung produziert habe.Töteberg 1985, S. 67, und Metzler: Film Lexikon; J.B. Metzler Verlag, Stuttgart 2005; ISBN 3-476-02068-1; S. 394.

Gemäß SeeßlenGeorg Seeßlen: M – Eine Stadt sucht einen Mörder; in: Alfred Holighaus (Hrsg.): Der Filmkanon. 35 Filme, die Sie kennen müssen; Bertz+Fischer, Berlin 2005; ISBN 3-86505-160-X; S. 46–47. steht M trotz Langs Hinwendung zur Psychologie jenseits von Moral, Sympathie und Antipathie. Das eigentliche Subjekt des Films ist nicht eine der Figuren, sondern der Ablauf, die Gesetzmäßigkeiten des kollektiven Handelns, von Gesellschaftsgruppen, der Stadt.