mini|300px|Prüm, Luftaufnahme (2015)

Prüm [] ist eine Stadt in der Westeifel (Rheinland-Pfalz), ehemalige Kreisstadt, heute Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Prüm ist ein staatlich anerkannter Luftkurort und gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.

Geographie Die Stadt Prüm liegt am Tettenbach und an der Prüm (Nebenfluss der Sauer) am Fuß des Schneifel-Höhenzuges zwischen Ardennen und Eifel auf einer Höhe von 420 bis (St.-Joseph-Krankenhaus). Die Stadt ist namensgebend für die größte der devonischen Kalkmulden der Eifel, die 240 km2 große Prümer Kalkmulde.

Stadtgliederung Zur Stadt Prüm gehören neben der Kernstadt die Ortsteile Kalvarienberg, Tafel, Walcherath und Wirbelscheid. Im Jahr 1969 und in den Folgejahren wurden die Ortschaften Dausfeld (mit Dausfelder Mühle), Niederprüm (mit Sonnenberg), Steinmehlen und Weinsfeld (mit Haus Schröder und Mühle Lutz, Weinsfeldermühle) eingemeindet.

Stadtteile / Ortsteile von Prüm Stadtteil Dausfeld Die erste Erwähnung erfolgte 816 als „deofansfeld“ (der Ort gehörte zur Urpfarrei Rommersheim). Seit 1330 ist Dausfeld eine selbständige Pfarrei. Von 1570 bis 1802 gehörten von den sechs Höfen drei zur Pfarrei Olzheim und drei zu Weinsheim. Im 20. Jahrhundert wurden Brandgräber der Hunsrück-Eifel-Kultur gefunden.

Heute hat Dausfeld etwa 507 Einwohner und besteht aus den drei Teilen Dausfelder Höhe, Alt-Dausfeld und Dausfelder Mühle. Die Dausfelder Höhe ist ein Gewerbe- und Wohngebiet und gehört der Pfarrei Prüm an, Alt-Dausfeld sowie Dausfelder-Mühle gehören zur Pfarrei Weinsheim.

Stadtteil Niederprüm König Pippin schenkte 762 dem Kloster Prüm das Hofgut Niederprüm. Dort entstand 1190 das Benediktinerinnenkloster Niederprüm, womit die Besiedlung des Hofguts begann. Zwischen 1285 und 1296 erhielt dieses Kloster als Schenkung ein Hofgut, den Niederprümer Hof in Schweich an der Mosel. Das Klostergebäude wurde 1670 neugebaut und beherbergt heute ein Progymnasium der Vinzentiner.

Stadtteil Steinmehlen Steinmehlen entstand vermutlich vor 816.

Stadtteil Weinsfeld In einer Stiftungsurkunde der Bertrada von Mürlenbach aus dem 8. Jahrhundert wurde der „Hof des Winand“ erwähnt. Die erste Erwähnung von Weinsfeld erfolgte 1282. Der Kirchturm wurde 1735 gebaut. Heute befindet sich dort das Ehrenmal. Die Glocke des Turms ist von 1533. Im 20. Jahrhundert wurden römische und fränkische Gräber gefunden. Heute ist Weinsfeld eine reine Wohnsiedlung.

Eingemeindungen Im Zuge der Kommunalgebietsreform wurden von 1969 bis 1974 vier umliegende Gemeinden nach Prüm eingemeindet. Am 7. Juni 1969 erfolgte die Eingemeindung von Niederprüm, am 1. Januar 1971 von Dausfeld, am 1. Januar 1973 von Weinsfeld. Am 1. Januar 1974 erfolgte mit der Eingemeindung von Steinmehlen die bis heute letzte größere Gebietsänderung von Prüm.

Ortsteil Kalvarienberg Der Ortsteil Kalvarienberg liegt westlich von Prüm in Hanglage. Bekannt ist der Ortsteil vor allem durch die Explosionskatastrophe von 1949 von der ein Krater im Gelände zeugt. Im Ortsteil Kalvarienberg wurde ein Gedenkkreuz errichtet, um an die Katastrophe zu erinnern. Ferner gibt es mehrere Wegekreuze, Bildstöcke, einen sogenannten Ölgarten und eine Wegekapelle aus dem Jahre 1884 entlang der Kalvarienbergstraße. Weitere bedeutende Bauwerke im Ortsteil sind das Wirtschaftsgebäude des Bischöflichen Konvikts aus dem Jahre 1889 sowie die Kalvarienbergkapelle von 1984. Sie ist der Nachfolgebau für die ursprüngliche Kapelle von 1696, welche bei der Explosion zerstört wurde. Im Ortsteil befindet sich das Krankenhaus St. Joseph.

Ortsteil Tafel Der Ortsteil Tafel liegt nördlich von Prüm, noch oberhalb des Kalvarienbergs in Hanglage. Es handelt sich um einen der größeren Ortsteile von Prüm. Direkt durch den Ort verläuft die Bundesstraße 265. In Tafel sind mehrere Fahrzeughändler ansässig.

Ortsteil Walcherath Der Ortsteil Walcherath liegt nördlich von Prüm und gliedert sich in zwei kleinere Ansiedlungen. Walcherath entstand durch die Rodung eines Waldgebietes. Der Ortsteil liegt direkt an der Bundesstraße 265. Im Ort sind zwei Ferienunterkünfte ansässig.

Ortsteil Wirbelscheid Der Ortsteil Wirbelscheid liegt nordwestlich von Prüm, oberhalb des Ortsteils Tafel. Es handelt sich um einen der kleineren Ortsteile. Sehenswert ist ein ehemaliger Steinbruch. Wirbelscheid liegt direkt an der Landesstraße 17.

Name Der Name der Siedlung wurde vermutlich vom Fluss Prüm abgeleitet, dessen latinisierte Bezeichnung „Prumia“ vermutlich auf keltische Ursprünge (briman oder promea = brausen, rauschen) zurückgeht. Der Sprachforscher Albrecht Greule hingegen sieht eine keltische Herkunft aufgrund des anlautenden P- kritisch und sieht einen Zusammenhang mit dem urindogermanischen Verb *preh1- „anblasen, anfachen, ausspritzen“ im Sinne von „spritzendes Gewässer“. In der frühesten urkundlichen Erwähnung von 721 ist von „villa prumia“ und „fluvio prumia“ die Rede. Der heute verwendete mundartliche Name „Prim“ wird 1769 erstmals erwähnt und der hochdeutsche Name „Prüm“ vermutlich unter französischen Einfluss ab ca. 1800.

Geschichte mini|hochkant|Prümer Tropar, 10. Jahrhundert Im Jahr 721 wurde durch Bertrada die Ältere und Charibert mit Mönchen aus dem Kloster Echternach ein Kloster gegründet. 752 erfolgte eine erneute Gründung durch König Pippin mit Benediktinermönchen. Die Weihe der Klosterkirche St. Salvator durch Papst Leo III. fand 799 im Beisein von Karl dem Großen statt. Etwa in den Jahren 891–919 entstand hier das Liber aureus von Prüm, die bedeutendste Urkundensammlung aus der Karolingerzeit. Aus dem 10. und 11. Jahrhundert haben sich zwei bebilderte Handschriften erhalten: Das ältere Tropar befindet sich heute in der Pariser Nationalbibliothek (Ms. lat. 9448); das etwas jüngere Perikopenbuch ist in der John Rylands Bibliothek in Manchester. 1222 wurde die Abtei Prüm von Kaiser Friedrich II. zum Fürstentum erhoben. Die Fürstabtei Prüm wurde 1576 dem geistlichen Kurfürstentum Trier einverleibt. Ab 1721 erfolgte ein Neubau der Klosterkirche unter Kurfürst Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg und anderer Abteigebäude nach Plänen von Balthasar Neumann unter Kurfürst Franz Georg von Schönborn. 1794 wurde die Abtei im Gefolge der Französischen Revolution aufgelöst. 1860 wurden beim Abbau des alten Hochaltares die Gebeine Kaiser Lothars gefunden. Bei Artilleriebeschuss und Luftangriffen nach dem 16. September 1944 wurden die ehemaligen Abteigebäude stark beschädigt. 1950 war der Wiederaufbau der Kirche, 1952 der der Abteigebäude weitgehend abgeschlossen.

Die Gemeinde Prüm wurde 720 erstmals als villa prumia der Karolinger erwähnt. Nach der Reichsteilung von Prüm zog sich Kaiser Lothar I. 855 hierher zurück und starb sechs Tage später als Mönch. Kaiser Heinrich II. verlieh 1016 Prüm das Markt- und Münzrecht. Im Jahr 1307 wurde das Nikolaus-Hospital in der Stiftsstraße gegründet. Die 1696 gebaute Kalvarienbergkapelle wurde bei der Explosionskatastrophe in Prüm 1949 zerstört.

Bei einem großen Stadtbrand 1769 wurden 214 von 294 Häusern zerstört. Die linksrheinische Herrschaft des Kurfürstentums Trier endete 1794 mit der Annexion des Linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen. Prüm wurde 1798 Arrondissements- und Kantonsort im französischen Département Saar und Sitz einer Unterpräfektur und gehörte damit zu Frankreich. Die Abtei und das Marienstift wurden 1802 aufgehoben. Die Abteikirche wurde Pfarrkirche.

Als Folge des Wiener Kongresses kam Prüm 1815 an das Königreich Preußen. Aus dem Arrondissement Prüm wurde der Kreis Prüm im Regierungsbezirk Trier und gehörte ab 1822 zur preußischen Rheinprovinz. Die Stiftskirche des Marienstifts wurde 1822 abgerissen, und auf deren Grundstück entstand die Hahnstraße. Im Jahr 1841 erschien die erste eigene Zeitung, das Prümer Intelligenzblatt. Durch königlichen Erlass wurde Prüm 1856 erneut der Titel „Stadt“ verliehen.

Das St.-Joseph-Hospital wurde 1869 gegründet. Das Bischöfliche Konvikt wurde 1887 gegründet und gebaut. Am 22. Dezember 1883 wurde die Bahnstrecke nach Gerolstein eröffnet. Damit war Prüm über die Westeifelbahn ans Eisenbahnnetz angeschlossen. Die ersten privaten Wasserleitungen wurden 1892 gebaut. Der Bau der evangelischen Kirche wurde 1892 beendet.

Im Jahr 1901 gab es den ersten elektrischen Strom in Prüm. Ab 1908 erfolgte der Bau der Kanalisation. Nach dem Ersten Weltkrieg stand Prüm wie der Rest des Rheinlands von 1918 bis 1930 unter französischer Besatzung. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Prüm ab dem 16. September 1944 Ziel von amerikanischem Artilleriebeschuss. Vor allem seit dem 23. Dezember nahmen die Bombenangriffe zu (Ardennenoffensive). Die Stadt wurde zu 80 % zerstört. mini|Zerstörungen durch die Explosion eines Munitionslagers 1949 mini|Ansicht von Prüm, etwa 1957

Nach dem Krieg gehörte Prüm ab 1946 zum neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz. In der neuen Verwaltungsgliederung ist Prüm Kreisstadt des flächenmäßig größten Kreises in Deutschland, Schul- und Verwaltungszentrum.

Am 15. Juli 1949 brach in einem 1939 angelegten Stollen unter dem Kalvarienberg ein Feuer aus und rund 500 Tonnen Sprengstoff explodierten, die für die Sprengung von Bunkern des Westwalls vorgesehen waren. Die Explosion (siehe Explosionskatastrophe in Prüm) riss einen über 20 Meter tiefen Krater in den Berg; Erd- und Steinbrocken wurden zum Teil mehrere Kilometer weit geschleudert und beschädigten viele der wiederaufgebauten Häuser, zum Teil schwer. Bedingt durch eine frühzeitige Entscheidung zur Evakuierung der Stadt waren verhältnismäßig wenige Opfer (12 Tote und 15 Verletzte) zu beklagen.

Bei der Gebietsreform 1969/70Eifelkreis Bitburg-Prüm, In: rheinische-geschichte.lvr.de (abgerufen am 28. Oktober 2020) wurde der Landkreis Prüm mit dem Landkreis Bitburg zum Landkreis Bitburg-Prüm zusammengelegt und die Behörden überwiegend nach Bitburg verlagert. Prüm wurde Sitz der Verbandsgemeinde Prüm. Auf dem Kalvarienberg wurde 1984 das neue St.-Josef-Krankenhaus eröffnet. Das bischöfliche Konvikt wurde 2001 aufgelöst.

Im Jahr 2005 wurde der Prümer Vertrag zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der EU unterzeichnet. Mit dabei war auch der deutsche Innenminister Otto Schily, dessen Vorfahren aus Prüm stammen. Ein Jahr später wurde ein Bundespolizeirevier in Prüm eingerichtet.

Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Prüm bezogen auf das heutige Stadtgebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten

Politik Stadtrat Der Stadtrat in Prüm besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitze im Stadtrat verteilen sich wie folgt (Veränderung): SPD 4 (+1), CDU 6 (−2), FBB (Freie Bürgerbewegung) 12 (Summe Wählergruppen: +1).Prüm, Gemeinde- / Stadtratswahl 09.06.2024

Stadtbürgermeister Johannes Rolf Reuschen (parteilos) wurde am 27. Juni 2019 Stadtbürgermeister von Prüm. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 hatte er sich mit einem Stimmenanteil von 56,91 % gegen seine Vorgängerin Mathilde Weinandy (CDU) durchgesetzt. Sie hatte das Amt seit 2004 ausgeübt. Bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 setzte sich Reuschen bei einer Wahlbeteiligung von 57,2 % mit 88 % der Stimmen als einziger Kandidat erneut durch. Nach seiner Wahl zum Verbandsbürgermeister legte er sein Amt als Stadtbürgermeister nieder. Sein Nachfolger Markus Fischbach (SPD) wurde am 9. November 2025 mit 82,3 Prozent der Stimmen ohne Gegenkandidaten zum Nachfolger gewählt.

Bürgermeister der Stadt Prüm: 1971 bis 1991: Vincenz Hansen 1991 bis 1999: Christian Krahwinkel 1999 bis 2004: Hansgerd Haas 2004 bis 2019: Mathilde Weinandy 2019 bis 2025: Johannes Reuschen seit 2025: Markus Fischbach

Wappen

Städtepartnerschaften Monthermé (Frankreich), seit 1962 Fort Madison (Vereinigte Staaten), seit 1997