Der Fantasyfilm ist ein Filmgenre, das dem phantastischen Film zugerechnet wird. Er umfasst im weitesten Sinne Filme, deren Handlung Elemente enthält, die nicht den Gesetzen der erfahrbaren Realität folgen und stattdessen auf übernatürlichen oder magischen Prinzipien beruhen. Grundsätzlich lassen sich verschiedene Arten von Fantasyfilm unterscheiden, so wird zum Beispiel oft mit den Genres Science-Fiction und Horror kombiniert.
Merkmale Der Fantasyfilm greift häufig auf narrative Strukturen und Motive zurück, die aus Mythen, Sagen und Märchen überliefert sind. Dazu zählen insbesondere archetypische Handlungsmuster wie die Heldenreise, die Konfrontation mit übernatürlichen Kräften sowie der Kampf zwischen Gut und Böse.
Ein zentrales Merkmal des Genres ist der Bruch mit der physikalischen Realität durch magische oder übernatürliche Elemente. Im Unterschied zur Science-Fiction werden diese nicht wissenschaftlich erklärt, sondern als Teil der inneren Logik der erzählten Welt akzeptiert.
In der Forschung wird zudem die Bedeutung der Weltkonstruktion hervorgehoben: Viele Fantasyfilme entwerfen in sich geschlossene, fiktionale Welten mit eigenen Regeln, Kulturen und Ordnungen. Diese auch als „sekundäre Welten“ bezeichneten Konstruktionen bilden den zentralen Rahmen der Handlung und tragen wesentlich zur Wahrnehmung des Genres bei.
Der klassische Fantasyfilm Der klassische Fantasyfilm spielt in der Regel in einer Welt, die vom irdischen europäischen Mittelalter inspiriert ist: Es gibt keine moderne Technik, dafür aber Magie, die als Waffe eingesetzt werden kann, oder um andere Menschen zu beherrschen und zu manipulieren. Einige Geschichten spielen zwar teilweise auf dem Planeten Erde des 20. Jahrhunderts, aber zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auch in einer nicht technisierten Welt, die den klassischen Fantasyfilmvorgaben entspricht, und werden deswegen auch diesem Bereich zugeordnet.
Der klassische Fantasyfilm ist stark von literarischen Vorbildern geprägt, insbesondere von den Werken J. R. R. Tolkiens, deren Darstellung einer quasi-mittelalterlichen Welt mit eigenen Völkern, Sprachen und Mythologien als stilbildend für das Genre gilt. So kommen neben der Magie in der Regel typische Fantasy-Gestalten wie Zwerge, Elfen, Feen, Kobolde, Trolle, Orks und Drachen vor, die auf diese Tradition zurückgehen. Die Handlung ist meist nach einem simplen Gut-Böse-Schema gestrickt.
Typische Vertreter des klassischen Fantasyfilms sind:
1924: Die Nibelungen 1939: Der Zauberer von Oz 1953: Peter Pan 1959: Das Geheimnis der verwunschenen Höhle 1978: Das Geheimnis des blinden Meisters 1981: Time Bandits 1981: Der Drachentöter 1982: Conan der Barbar 1982: Der dunkle Kristall 1983: Krull 1984: Die unendliche Geschichte 1985: Legende 1985: Red Sonja 1986: Die Reise ins Labyrinth 1988: Willow 1996: Dragonheart 2000: Das zehnte Königreich 2000: Dungeons & Dragons 2002: Dinotopia 2001–2003: Der Herr der Ringe 2004: Earthsea – Die Saga von Erdsee 2005–2010: Die Chroniken von Narnia 2006: Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter 2008: Krabat 2012–2014: Der Hobbit
Der moderne Fantasyfilm Der moderne Fantasyfilm spielt auf dem Planeten Erde im 19., 20. oder 21. Jahrhundert und zeichnet sich meist ebenfalls durch Magie und/oder Fantasy-Gestalten aus. Häufig befassen sich diese Filme mit mystischen Relikten aus der Vergangenheit, die in Vergessenheit geraten sind und dann wiederentdeckt werden. Dieser Bereich wurde vielfach durch Fernsehserien wie Buffy – Im Bann der Dämonen und Charmed – Zauberhafte Hexen geprägt.
Typische Vertreter des modernen Fantasyfilms sind:
1933: King Kong und die weiße Frau 1984: Ghostbusters – Die Geisterjäger 1986: Highlander – Es kann nur einen geben 1986: Big Trouble in Little China 1990: Edward mit den Scherenhänden 2001: Lara Croft: Tomb Raider 2001–2011: Harry Potter 2006: Pans Labyrinth 2013: Rubinrot 2014: Saphirblau 2016: Smaragdgrün
Der Science-Fiction-Film
Die Abgrenzung zwischen Fantasy und Science Fiction ist nicht einfach (siehe Science Fiction). Einige Science-Fiction-Filme, in denen übernatürliche oder quasi-übernatürliche Fähigkeiten auftauchen, lassen sich auch dem Fantasy-Genre zuordnen. Häufig besteht der Unterschied nur darin, dass diese Fähigkeiten im Science-Fiction-Film mehr oder weniger wissenschaftlich erklärt werden, während der Fantasy-Film sie als übernatürlich akzeptiert. Die Erklärung braucht dabei nicht tatsächlich wissenschaftlich plausibel zu sein. Ein gutes Beispiel sind die in den X-Men-Filmen und -Comics beschriebenen Fähigkeiten zur Teleportation und lokalen Wetterkontrolle, die dort auf Genmutationen zurückgeführt werden. Die Unvollständigkeit dieser Erklärung ist offensichtlich, da sie lediglich plakativ ein wissenschaftliches Schlagwort zur Erklärung heranzieht. Im Gegensatz dazu werden bei Star Trek (das eindeutig der Science Fiction zugeordnet wird) zur Erklärung der Nova in aller Regel komplexere Argumentationen herangezogen.
Mit der Zeit entstand auch das Genre des Science Fantasy, das beide Genres vereint.
Als Filme an der Grenze zwischen Science Fiction und Fantasy können gelten:
1977–2019: Star Wars 1978: Superman 1984: Der Wüstenplanet 2000: X-Men 2001: Donnie Darko 2009: Avatar – Aufbruch nach Pandora
Filmfestivals und Filmpreise Mehrere Filmfestivals sind auf Fantasyfilme spezialisiert. Zu den weltweit bedeutendsten zählen das Brussels International Fantastic Film Festival, Fantasporto und das Sitges Festival Internacional de Cinema de Catalunya.
Zu den bekanntesten Filmpreisen für das Genre gehört der Saturn Award für den besten Fantasyfilm.
Siehe auch Liste von Fantasyfilmen bis 1929 Liste von Fantasyfilmen der 1930er Jahre Liste von Fantasyfilmen der 1940er Jahre Liste von Fantasyfilmen der 1950er Jahre Liste von Fantasyfilmen der 1960er Jahre Liste von Fantasyfilmen der 1970er Jahre Liste von Fantasyfilmen der 1980er Jahre Liste von Fantasyfilmen der 1990er Jahre Liste von Fantasyfilmen der 2000er Jahre Liste von Fantasyfilmen der 2010er Jahre Liste von Fantasyfilmen der 2020er Jahre
Literatur (Auswahl) Sassan Niasseri: A Lifetime full of Fantasy. Das phantastische Kino: Aufstieg, Fall und Comeback. Schüren Verlag, Marburg 2021, ISBN 978-3-7410-0396-7. Mark Achilles: Fantasy Fiction – die Suche nach dem wahren Menschsein bei „Harry Potter“ und „Der Herr der Ringe“. In: Thomas Bohrmann, Werner Veith, Stephan Zöller (Hrsg.): Handbuch Theologie und Populärer Film. Band 1. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2007, ISBN 978-3-506-72963-7, S. 95–113. Rolf Giesen: Sagenhafte Welten. Der phantastische Film. Wilhelm Heyne, München 1990, ISBN 3-453-03776-6. Norbert Stresau: Der Fantasyfilm. Heyne, München 1984, ISBN 3-453-86068-3. Norbert Stresau, Heinrich Wimmer (Hrsg.): Enzyklopädie des phantastischen Films. Corian, Meitingen 1986–2007, ISBN 3-89048-400-X.
Weblinks
Einzelnachweise
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